Kapitel 2

Gabrielas Tisch stand weit entfernt von Wesleys, sodass sie keinerlei Ahnung von dem gedämpften Gespräch hatte, das sich auf der anderen Seite des Raumes abspielte. Sie blieb selig unwissend darüber, dass der Mann, dem sie letzte Nacht in Zimmer 1205 begegnet war, nicht Brenden gewesen war, sondern Wesley.

Als sie sah, wie Brenden wild mit den Armen fuchtelte und lebhaft mit Wesley sprach, lagen Gabriela die Nerven blank.

Ihr Puls hämmerte in ihren Ohren, halb aus Angst, erkannt zu werden, aber noch mehr aus der Furcht, dass Brenden, der berüchtigte Flirt der Firma, direkt vor Wesley etwas ausplaudern könnte. Den ganzen Tag über konnte sie sich auf nichts konzentrieren, während ihre Gedanken unruhig kreisten.

Durch ein Wunder verging der Tag ohne Zwischenfälle, und das Retreat endete ohne Drama.

Als der Firmen-Shuttle ankam, um alle abzuholen, blieb Gabriela unwillkürlich zurück, weil ihr noch jeder Muskel vom heftigen Liebesspiel der vergangenen Nacht wehtat. Steif bewegend stieg sie als Letzte ein.

Aubrey entdeckte sie und winkte. „Gabriela, hier drüben!“

Im Bus breitete sich plötzlich Stille aus. Wesleys Stimme durchbrach das Schweigen, durchzogen von Ungeduld. „Gibt es wirklich keinen anderen Platz für sie?“

Gabriela erstarrte mitten im Schritt, ihre Nerven zuckten. Warum war Wesley im Shuttlebus? Galt dieser scharfe Ton etwa ihr? War er genervt, weil sie die Schlange aufhielt?

Sie war doch nur eine Praktikantin, und sicher war es dem Geschäftsführer egal, wo sie saß.

Sie warf einen schnellen Blick nach vorne. Eine wunderschöne Frau war bereits halb auf den Sitz neben Wesley gerutscht, die Wangen vor Hoffnung gerötet. Wesley erwiderte ihren Blick mit eisiger Kälte und deutete mit dem Kinn in den Gang, womit er sie unmissverständlich abwies.

Ein leiser Seufzer entwich Gabriela, als ihr klar wurde, dass Wesleys Worte nicht ihr gegolten hatten.

Die Frau zog sich zurück, murmelte eine Entschuldigung und quetschte sich unbeholfen in die Reihe neben Aubrey, wobei sie sich prompt Gabrielas vorgesehenen Platz schnappte.

Mit finsterer Miene bemerkte Aubrey: „Dieser Platz ist für meine Freundin.“

Die Frau warf ihr einen scharfen, gereizten Blick zu. „Was? Ist der Name deiner Freundin etwa in den Sitz eingraviert? Dieser Shuttle gehört der Firma, also seit wann hat deine Freundin hier einen reservierten Platz?“

Aubreys Kiefer klappte zu, und ihr Blick glühte vor Empörung

Nur noch ein einziger Sitz war frei, und der befand sich direkt neben Wesley. Für den Bruchteil einer Sekunde dachte Gabriela daran, aus dem Bus zu fliehen und ihr Erspartes für ein Taxi nach Hause auf den Kopf zu hauen.

Doch Wesleys Blick hielt sie fest, sein Ausdruck gewitterhaft. „Nun? Setze dich oder nicht?“

Gabriela erstarrte, völlig aus dem Konzept gebracht.

War er wirklich schon verärgert, nur weil sie gezögert hatte?

Während alle zusahen, einige ihre Eifersucht kaum verbergend und andere ihr mitleidige Blicke zuwarfen, nahm Gabriela schließlich den Platz neben Wesley ein, ihr Herz hämmerte in der Brust.

Eine angespannte Stille folgte, bis Wesley sich zu ihr hinüberlehnte und fragte: „Sehe ich wirklich so einschüchternd aus?“

Innerlich stimmte Gabriela jedem Wort zu, auch wenn sie es niemals zugeben würde.

Vielleicht war sie hoffnungslos in ihn verliebt, doch in diesem Moment bestand Wesleys Gesicht nur aus harten Kanten und strenger Autorität.

Wenn sie ihre ehrliche Meinung äußerte, wäre sie wahrscheinlich noch vor Ende der Woche ihren Job los.

Stattdessen setzte sie ihr strahlendstes, schmeichelndstes Lächeln auf und erwiderte Wesleys undurchdringlichen Blick. „Ganz und gar nicht, Herr Moss Es ist mir ehrlich gesagt eine Ehre, neben Ihnen zu sitzen.“

Wesleys Haltung lockerte sich um ein kaum merkliches Stück. Er lehnte sich zurück, schloss die Augen und strahlte eine Kälte aus, die die Scheiben hätte vereisen können.

Gabriela saß wie versteinert vor Nervosität und bemühte sich, nicht zu zappeln.

Das Glück war wirklich nicht auf ihrer Seite.

Sie hatte gerade erst herausgefunden, dass ihr Freund sie betrog, und hatte in einem alkoholgetränkten Nebel ihre Jungfräulichkeit verloren. Nun fuhr sie neben dem Geschäftsführer selbst nach Hause, gespannt wie eine Geigensaite, während sie jede Minute zählte, bis diese Fahrt endlich vorbei war.

In dem Moment, als Gabriela den Shuttle verließ, füllte sie ihre Lungen mit der kühlen Morgenluft. Für einen kurzen, glückseligen Augenblick schien das Leben tausendmal heller, da Wesley nirgends zu sehen war.

Aubrey schloss zu ihr auf und hüpfte beinahe vor Neugier. „Sag mal, wie war es wirklich, neben Herr Moss zu sitzen?“

Gabrielas Miene veränderte sich nicht, als sie antwortete: „Wie ein ungezogenes Kind, das auf frischer Tat ertappt wurde.“

Verwirrt blinzelnd hakte Aubrey nach. „Warum?“

Gabriela stieß einen theatralischen Seufzer aus. „Weil ich mich nicht einmal einen Zentimeter zu bewegen gewagt habe!“

Reines Mitgefühl spiegelte sich auf Aubreys Gesicht. Ohne ein weiteres Wort eilte sie plötzlich davon und warf Gabriela einen Blick zu, der so klagend war, dass er beinahe komisch wirkte, als hätte sie gerade etwas Entsetzliches gesehen.

Gabriela runzelte die Stirn und war versucht, ihr nachzurufen, doch auf ihrem Handy sprang ihr etwas ins Auge: eine neue Freundschaftsanfrage auf WhatsApp von einer seltsamen Buchstabenfolge. In der Annahme, es handle sich nur um Spam, lehnte sie sie ohne zu zögern ab.

Fast augenblicklich tauchte dieselbe Anfrage erneut auf. Dieses Mal war eine Nachricht angehängt. „Du hast etwas vergessen.“

Gabriela durchforstete ihr Gedächtnis und versuchte sich zu erinnern, ob sie tatsächlich etwas liegen gelassen hatte. Soweit sie erkennen konnte, fehlte ihr nichts.

Sie war kurz davor, die Nachricht zu ignorieren, doch dann durchfuhr sie ein Stich panischer Angst.

Was, wenn sie letzte Nacht etwas in Brendens Hotelzimmer vergessen hatte?

Ihr Magen zog sich zusammen. Das wäre eine Katastrophe.

War diese Freundschaftsanfrage tatsächlich von Brenden?

Mit angespannten Nerven tippte sie auf „Annehmen“ und schrieb: „Was willst du?“

Fast zehn Minuten zogen sich hin, bevor endlich eine Antwort erschien. „Dir als ungezogenem Mädchen eine ordentliche Lektion erteilen.“

Gabrielas Herz setzte einen Schlag aus.

Hatte Brenden gehört, wie sie sich zuvor über Wesley ausgelassen hatte? Das würde erklären, warum Aubrey so hastig das Weite gesucht hatte.

Doch was sie wirklich beunruhigte, war dieser seltsame Ton, denn die Person auf WhatsApp fühlte sich weniger wie Brenden an und vielmehr wie Wesley selbst.

Das konnte doch nicht sein, oder?

Gabriela fuhr sich durch die Haare und lachte halb über ihre eigene Paranoia. Ganz offensichtlich bildete sie sich das alles nur ein.

Ohne weiter darüber nachzudenken, tippte sie hastig eine Nachricht. „Wegen letzter Nacht, das war alles nur ein Fehler, Herr Saunders. Lassen wir es hinter uns, ja? “

In dem Moment, in dem sie die Nachricht abschickte, überkam sie ein Gefühl der Beklemmung. Das klang viel zu direkt. Rot vor Panik zog sie die Nachricht zurück und versuchte es erneut. „Wann wäre ein guter Zeitpunkt für mich, um vorbeizukommen und meine Sachen abzuholen?“

Währenddessen saß Wesley im eleganten Büro des Geschäftsführers hinter seinem imposanten Schreibtisch. Sein Kiefer spannte sich an, als er Gabrielas Nachricht las. Jeder Tastendruck war kühl und bedacht. „Du hast tatsächlich gedacht, ich sei Brenden?“

Gabriela konnte die knisternde Spannung in der Stille beinahe hören, während sie sich vorstellte, wie er am anderen Ende die Zähne zusammenbiss. Ihr Magen verkrampfte sich, als sie antwortete: „Sind Sie es nicht?“

Der Bildschirm blieb hartnäckig leer. Keine Antwort folgte.

Spielte Brenden die ganze Zeit nur mit ihr, und war er nun wütend, weil sie es durchschaut hatte?

Das war schon fast komisch. Wenn jemand das Recht hatte, wütend zu sein, dann eindeutig sie.

Diese Situationen endeten immer damit, dass die Frau den Preis zahlte, jedes einzelne Mal.

Hätte sie auch nur einen Funken echten Mutes, würde sie zurückschlagen und Brenden gnadenlos zur Rede stellen.Ihren Job verlieren? Ihren Job verlieren? Na und?

Doch tief im Inneren war sie nicht wirklich so furchtlos.

Gabriela zwang sich, ihren Stolz hinunterzuschlucken, und fragte leise: „Herr Saunders, wann hätten Sie Zeit? Ich muss meine Sachen abholen.“

Seine Antwort war frostig und knapp. „Warte.“

Diese schroffe Abweisung ließ Gabriela völlig ratlos zurück.

Warten? Aber wie lange?

Da das Teambuilding-Event vorbei war, waren alle für den Tag gegangen. Der Shuttle hatte sie bereits am Büro abgesetzt, und ihre Kollegen waren verschwunden.

Sogar Aubrey war nirgends zu sehen. Gabriela stand allein in der hallenden Lobby, und die Leere ließ ihre Angst weiter anschwellen.

Wie lange sollte sie hier noch stehen und auf einen Mann warten, der offensichtlich nicht die geringste Absicht hatte, es ihr leicht zu machen?

Kapitel 3

Die Nacht senkte sich herab und tauchte die Stadt in tiefe Schatten.

Gabriela saß über ihr Handy gebeugt, und das Display warf ein fahles Licht auf ihre angespannten Gesichtszüge. Brenden hatte kein einziges Update dazu geschickt, ob er ihre Sachen eingesammelt hatte, und machte sich nicht einmal die Mühe, auf ihre panischen Nachrichten zu antworten.

Kalte Angst kroch ihr bis in die Knochen. Worauf wartete er eigentlich? Wollte er sie etwa in die Enge treiben, nur um noch einmal mit ihr zu schlafen?

War er nach der wirren, kopflosen Nacht gestern nicht längst zufrieden?

Sie sehnte sich danach, einfach zu gehen, doch die Unruhe ließ sie nicht los.

Die Apex-Gruppe war einflussreich, und sie hielt sich für glücklich, als Praktikantin aufgenommen worden zu sein. Brenden, ihren Chef, jetzt zu verärgern, käme einem Wegwerfen ihrer eigenen Zukunft gleich.

Gabriela saß allein da, die Nerven zum Zerreißen gespannt, und ging in Gedanken immer wieder halb erinnerte Bruchstücke aus dem Firmenprotokoll durch.

Sie versuchte alle ihr bekannten Mittel, um sich zu beruhigen, selbst ihr eigenes Herz wollte sie mit bloßer Willenskraft zum Langsamerwerden zwingen.

Am Ende gewann die Realität. Schließlich hing ihre gesamte Zukunft bei der Apex-Gruppe an einem seidenen Faden, den Brenden in der Hand hielt.

Schlimmer noch: Sie war es gewesen, die ihm gestern Nacht betrunken und kopflos in die Arme gelaufen war. Selbst wenn sie ihn melden wollte, wer würde schon auf ihrer Seite stehen?

Als die Wanduhr schließlich nach neun schlug, war Gabriela in eine dumpfe Resignation versunken. Endlich hallten scharfe Schritte über den polierten Boden, Ledersohlen, die die Stille wie eine Warnung durchschnitten.

„Na, was haben wir denn hier? Wer hält sich um diese Uhrzeit noch im Gebäude auf?“ Brendens lockere Stimme durchschnitt kühl und unaufgeregt die Lobby, und ließ Gabriela erstarren.

Sie sprang auf und zwang ihre Stimme zur Ruhe. „Herr Saunders, Sie sind endlich da.“

Mit hochgezogener Augenbraue fragte er: „Sie haben wirklich auf mich gewartet?“

Als wüsste er es nicht längst.

Gabriela schluckte ihren Ärger hinunter und suchte nach einer höflichen Antwort, doch Brenden schnitt ihr das Wort ab, sein Ton plötzlich scharf: „Und was hast du da eben vor dich hingemurmelt?“

Brenden war Gabriela vom ersten Tag an aufgefallen, vor allem wegen ihres auffälligen Aussehens. Nach außen wirkte sie immer so süß und zart, eine durch und durch sanfte Schönheit, doch in Wahrheit war sie kühl, hielt Abstand und ließ sich von seiner üblichen Sorte Charme kein bisschen beeindrucken.

Warum war sie nach dem Retreat nicht einfach direkt nach Hause gegangen? Was trieb sie überhaupt noch so spät im Büro?

„Ich habe die Unternehmensrichtlinien aufgesagt“, fuhr Gabriela ihn an, presste die Kiefer zusammen und wünschte sich im selben Moment, sie könnte ihre Worte zurücknehmen.

Zwar behandelte Brenden seine Mitarbeiter normalerweise gut, doch was, wenn sie es gerade geschafft hatte, sich bei ihm unbeliebt zu machen?

Während sie fieberhaft nach einem Ausweg suchte, drang ein leises Lachen aus dem Flur. Gabriela drehte sich um und stand plötzlich Wesley gegenüber, der groß und vollkommen beherrscht wirkte, während er das ganze Schauspiel beobachtete.

Er füllte den Flur aus, und seine markanten Gesichtszüge warfen unter den Deckenlampen harte Schatten, wie ein lebendiges Kunstwerk. Kein noch so selbstgefälliges Grinsen konnte diese Ausstrahlung schmälern, ein Gesicht wie seines wirkte in jeder Stimmung unwiderstehlich.

Gabrielas Puls stolperte. Allein durch seine bloße Anwesenheit setzte Wesley die Messlatte für jeden Mann, den sie je gesehen hatte, höher.

Brenden schnaubte belustigt, offensichtlich amüsiert darüber, wie sehr Gabriela von Wesley in den Bann gezogen wurde.

Er musste seinem Cousin Wesley eines lassen, sein Charme war tatsächlich unvergleichlich. Selbst Gabriela, die unnahbare Schönheit des Unternehmens, verlor in seiner Nähe die Fassung.

Das scharfe Geräusch holte Gabriela zurück in die Realität.

Das war Wesley, der Mann, der ihre Gehaltschecks unterschrieb, ihre verbotene Obsession. und sie stand da und starrte ihn schamlos an wie ein verliebter Teenager. Hatte sie einen Todeswunsch?

Gabriela fokussierte ihre Gedanken, zuerst musste sie ihre Sachen von Brenden zurückbekommen.

Sie lenkte ihre Aufmerksamkeit wieder auf Brenden. „Herr Saunders, wegen letzter Nacht—“

Bevor sie ein weiteres Wort hervorbringen konnte, durchschnitt Wesleys Stimme die angespannte Stille. „Brenden, hol den Wagen.“

Wesley hatte zwar immer seinen eigenen Fahrer, doch Brenden wusste offensichtlich, dass Widerspruch zwecklos war. Er nickte ihm steif zu und verschwand ohne ein einziges Widerwort.

Nun war Gabriela allein mit Wesley in der widerhallenden Lobby zurückgeblieben, die Nerven so angespannt, dass sie kaum atmen konnte. Was sollte sie jetzt tun?

Wesleys Gesichtsausdruck war nicht zu deuten, doch sein kühler Blick ließ sie fragen, ob er etwas zwischen ihr und Brenden bemerkt hatte.

Draußen fuhr Brenden den Wagen vor, gerade als sein Handy vibrierte. Als er sah, dass seine Freundin anrief, verabschiedete er sich fröhlich von Wesley und raste davon, ganz versessen auf seinen eigenen Abend.

Wesley schenkte Brenden keinerlei Beachtung. Er stieg in den Wagen und schloss die Tür mit endgültiger Entschlossenheit.

Für den Bruchteil einer Sekunde atmete Gabriela endlich aus, und Erleichterung durchströmte sie. Vielleicht konnte sie jetzt entkommen.

Wesleys Präsenz war so überwältigend, dass sie kaum zu atmen wagte.

Doch noch bevor sie sich auch nur bewegen konnte, glitt Wesleys Fenster nach unten. Seine dunklen, prüfenden Augen ruhten auf ihr. „Wie kommst du nach Hause?“

Um möglichst beiläufig zu klingen, antwortete Gabriela: „Oh, ich nehme einfach den Bus, Herr Moss.“

Eine scharfe Falte erschien zwischen Wesleys Brauen. „Steige ein.“

Panik flammte in ihrer Brust auf. Der Gedanke, sich vom CEO irgendwohin fahren zu lassen, war unvorstellbar. Hastig schüttelte sie den Kopf und hob abwehrend die Hände. „Nein, wirklich, das ist schon in Ordnung. Ich kann den Bus nehmen, ehrlich.“

Wesley musterte sie mit einem Blick, der so undurchdringlich war, dass ein unwillkürliches Frösteln Gabrielas Rücken hinaufkroch. Sie atmete kaum, als sie die Autotür vorsichtig öffnete und direkt auf den Rücksitz zusteuerte. Abstand bedeutete Sicherheit, und genau jetzt brauchte sie jeden Zentimeter davon.

Noch bevor sie sich setzen konnte, schnitt Wesleys Stimme kühl und messerscharf durch die Stille. „Sehe ich aus, als würde ich einen Taxiservice betreiben?“

Sein Tonfall war oberflächlich höflich, doch die Schärfe darunter ließ ihr Herz heftig stolpern. Verlegen gab Gabriela den Rücksitz sofort auf, rutschte auf den Beifahrersitz und schnallte sich mit zitternden Händen an.

Während der gesamten Fahrt sagte sie kein einziges Wort. Wesleys Gesicht blieb eisig, sein Kiefer fest angespannt, und der Mund zu einer strengen Linie gepresst.

Gabriela klammerte sich so fest an ihre Tasche, dass ihre Knöchel weiß hervortraten, ihre Finger zitterten unkontrolliert.

Nach mehreren Begegnungen mit Wesley an diesem Tag wurde Gabriela klar, dass er einfach nur schwierig war, denn seine Stimmungen wechselten wie Gewitterwolken.

Sie fasste einen Entschluss: Von nun an würde sie Abstand halten.

Als sie an einer roten Ampel hielten, wirkte es, als wolle Wesley etwas sagen, doch nach kurzem Zögern starrte er nur schweigend geradeaus.

Selbst nachdem sie aus dem Wagen gestiegen war, lag dieser kalte, herablassende Ausdruck noch immer auf seinem Gesicht.

Gabrielas Brust zog sich vor Frustration und einem schmerzhaften Gefühl von Ungerechtigkeit zusammen.

Sie hatte nichts falsch gemacht. Sie hatte ihn nie um eine Mitfahrgelegenheit gebeten, warum also musste er sich so genervt verhalten?

Doch ihre düstere Stimmung hielt nicht lange an. Ihr Ärger flammte auf, denn genau in diesem Moment entdeckte sie ihren Ex, Dustin Owen, der am Eingang stand.

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Sein Blick ist Hölle, sein Kuss ist Himmel

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