

Die Rückkehr der abgelehnten und verratenen Luna
Kapitel 1
- Luna! Der Krieg... ist vorbei!
Gamma Levis Stimme durchbrach die Stille des Korridors und hallte wie ein hastiges Grollen von den Steinen wider. Seine schweren Schritte brachten ihn näher an das Büro heran, wo Addison mit gesenktem Kopf die mühsame Auswertung der Erntezahlen des Hofes beendete. Sie blickte kaum auf, zunächst ungläubig, doch Levis lebhafte Stimme raubte ihr den Atem.
Sie blinzelte und versuchte, ihre Gedanken zu ordnen. Der Krieg vorbei? Das Echo dieser Worte ließ ihr Herz rasen. Ein flüchtiges, aber eindringliches Bild blitzte vor ihrem inneren Auge auf: ein düsterer Blick, breite Schultern, der vertraute Duft einer Verbindung, die sie längst für erloschen gehalten hatte. Sie fuhr kerzengerade hoch, ihr Stuhl kippte um und krachte mit einem dumpfen Knall zu Boden, doch sie hörte nichts mehr um sich herum.
Ihre Lippen verzogen sich zu einem Lächeln, von dem sie glaubte, es längst verloren zu haben. Die vergangenen Monate hatten tiefe Falten in ihr Gesicht gezeichnet, die Haut eines Gesichts gedehnt, das viel zu jung war, um so viel Müdigkeit zu ertragen. Doch in diesem Moment kehrte die Hoffnung beinahe in ihren früheren Glanz zurück.
- "Ist das... wahr?", hauchte sie, während sich ihre Hände um die Kante des Schreibtisches krallten.
Levi antwortete seltsamerweise nicht. Er zog einen Umschlag mit dem Stirnsiegel aus seiner Jacke und reichte ihn ihr mit fast feierlicher Würde. Addison nahm ihn entgegen und riss ihn auf. Die Worte tanzten vor ihren Augen: Sieg. Rückzug der Vampire. Und ... Zions Rückkehr.
Einen Moment lang erstarrte sie, ihre Finger streichelten mechanisch das Wort „zurück". Ein zitternder Atemzug entwich ihren Lippen.
- Er kommt nach Hause... mein Partner kommt nach Hause, murmelte sie.
Drei lange Jahre hatte sie die Last des Rudels allein getragen, Spott und herablassende Blicke ertragen. Luna, machtlos, ohne Wolf, unfähig sich zu verwandeln. Selbst ein Omega genoss mehr Respekt als sie. Und er ... er war noch in derselben Nacht gegangen, in der sie gezeichnet wurden, ohne auch nur zu versuchen, sie kennenzulernen. Eine arrangierte Ehe, ein kaltes Bündnis; er hatte sein Desinteresse nie verheimlicht.
Doch trotz der Verlassenheit war es ihr nicht gelungen, die Verbindung zu lösen. Ein Teil von ihr hoffte, dass bei ihrer ersten persönlichen Begegnung das Eis brechen würde, dass sie eine gemeinsame Basis fänden, um das zu reparieren, was schon vor seiner Geburt zerbrochen war.
- „Levi, wir werden einen Empfang veranstalten, der einem Gewinner würdig ist!", verkündete sie mit lebhafter Stimme.
Ohne zu zögern, ging er hinaus, um die Bediensteten zu holen. Addison verließ derweil eilig, fast rennend, das Büro. Falls die Nachricht angekommen war, konnten sie nicht mehr weit sein. Sie wollte dabei sein, an vorderster Front, wenn ihr Alpha die Schwelle überschritt.
Am Eingang des Rudels hatte sich bereits die Menge versammelt. Das Wiedersehen würde von Jubel und Tränen begleitet sein. Addison schlich sich nach vorn und suchte nach der ersten vertrauten Gestalt. Blitzschnell stieg in der Ferne eine Staubwolke auf: Ein Wolfsrudel näherte sich ihnen. Ihr Herz machte einen Sprung; die Verbindung zwischen ihr und Zion vibrierte, kraftvoll.
Sie hob die Hand ... und erstarrte. Auf dem Rücken des großen schwarzen Wolfes wehte eine helle Haarsträhne im Wind. Zarte Hände klammerten sich an ihn.
- WHO... ?
Addisons Kehle schnürte sich zu. Der Platz hinter dem Rücken eines Alphas, das wusste sie, gehörte nur einer Person: seiner anerkannten Gefährtin. Und die Frau, die da so ritt, trug unter ihrem Kleid die deutliche Wölbung einer fortgeschrittenen Schwangerschaft.
Um sie herum brachen Flüstern aus, scharf wie Klingen:
- Alpha hat seine wahre Gefährtin gefunden... wir werden bald einen Erben haben.
- Sie hat es zumindest verdient, Luna zu sein... und nicht diese unfähige Frau.
Addison blieb aufrecht, jedes Wort wie ein Schlag in die Magengrube. Sie musste lächeln. Sie musste willkommen heißen.
Als Zion schließlich stehen blieb, trat sie vor.
- Willkommen zurück, Alpha Zion.
Er ging an ihr vorbei, als wäre sie unsichtbar. Die Krieger folgten seinem Beispiel und geleiteten die Schwangere bis zur Schwelle der Halle. Dort stieg Zion herab und half der jungen Frau mit bedächtigen, fast zärtlichen Gesten.
Seine tiefe, kalte Stimme hallte durch die Luft:
- Lasst sie gut beschützen. Sie trägt mein Kind. Lasst ihr nichts zustoßen, sonst werdet ihr dafür verantwortlich gemacht.
Dann, in der mentalen Verbindung, vibrierte ein grausamer Blitz:
Kümmert euch gut um sie. Und um meinen Welpen.
Addison spürte, wie etwas in ihr zerbrach. Kein Wort mehr, kein Blick. Er drehte ihr den Rücken zu. Die Menge umringte ihn und die Frau.
Und Addison blieb dort zurück, leer, fremder denn je im Herzen ihres eigenen Rudels.
"Ist das das Unmögliche? Ihren Hass zu brechen? Endlich akzeptiert zu werden? Oder bin ich dazu verdammt, die Last ihrer Verachtung allein zu tragen?"
Ihre Brust schnürte sich zusammen. Sie wollte weinen. Aber es kam nichts.
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