Kapitel 3
Serafina POV:
Zurück in der Wohnung, die sich nicht mehr wie meine anfühlte, begann ich zu packen.
Ich war gnadenlos.
Jedes Foto, jedes Geschenk, jede Erinnerung an den Mann, den ich zu lieben glaubte, landete in einem schwarzen Müllsack.
Ich packte nicht nur einen Koffer; ich löschte unser Leben aus.
Am nächsten Tag ging ich zu meinem Teilzeitjob.
Es war eine kleine, unabhängige Produktionsfirma, ein ziviler Job, der mich bei Verstand hielt und mich mit einer Welt außerhalb des Clans verband.
Meine Chefin, Maria, hörte mit einem Ausdruck traurigen, müden Verständnisses zu, als ich kündigte.
Meine Kollegen, David und Chloe, umarmten mich und sagten mir, sie hätten Ethan schon immer für ein manipulatives Arschloch gehalten.
Ihre einfache, ehrliche Unterstützung war Balsam für meine wunden Nerven.
Mein Handy summte unaufhörlich.
Ethan.
Ich ignorierte es bis zum zehnten Anruf.
„Hey, Baby“, sagte er mit luftiger Stimme, als wäre nichts geschehen. „Wegen gestern Abend, tut mir leid. Olivia ist einfach so dramatisch. Wie auch immer, ich habe mit einer Hochzeitsplanerin gesprochen. Ich dachte an eine Frühlingshochzeit auf dem Anwesen …“
Die schiere, unfassbare Arroganz.
Er dachte wirklich, ich wäre immer noch sein.
Im Hintergrund hörte ich ihre Stimme, scharf und fordernd. „Ethan, leg auf. Wir müssen über meine Presseberichterstattung reden.“
„Muss los“, sagte er abrupt, und die Leitung war tot.
Ein paar Stunden später summte mein Handy erneut.
Kein Anruf, sondern eine Eilmeldung von einer Klatsch-Website.
Die Schlagzeile lautete: „Das neue Power-Paar: Ethan Voss und Olivia Wagner feiern ihr neues Projekt.“
Das Foto zeigte sie, wie sie mit Champagnergläsern anstießen, sein Arm besitzergreifend um ihre Taille geschlungen.
Eine kalte, klare Wut durchströmte mich und kristallisierte sich zu einer einzigen, diamantharten Gewissheit.
Das war keine Trennung.
Das war Krieg.
Dann rief eine unbekannte Nummer an.
Ich hätte den Anruf fast weggedrückt, aber irgendein Instinkt ließ mich antworten.
„Serafina?“, die Stimme war schwer von vertrauter Sorge.
Es war Noah.
„Ethan … er hatte eine Art Zusammenbruch. Irgendwas mit Olivia. Er ist im UKE. Er ruft nach dir.“
„Ist Olivia bei ihm?“, fragte ich mit erschreckend ruhiger Stimme.
Eine Pause. „Sie hat ihn in der Notaufnahme abgesetzt und ist gegangen.“
Natürlich hatte sie das.
Und ein verräterischer Teil von mir – der alte, törichte Kümmerer-Teil – spürte ein unwillkommenes Flackern von etwas.
Nicht Mitleid.
Der Geist einer Pflicht, die ich so lange getragen hatte.
Ich war so lange sein Fels in der Brandung gewesen, dass der Instinkt, ihn zu stützen, in meine Knochen gemeißelt war.
„Bitte, Serafina“, Noahs Stimme war brüchig. „Er ist ein Wrack.“
Ich schloss die Augen.
Ein letztes Mal.
Das war kein Akt der Fürsorge.
Es war der endgültige Schnitt.
Ich musste ihn gebrochen sehen, um mich endlich selbst zu befreien.
„Ich gehe hin“, sagte ich.
Als ich mein Auto startete und auf die Straße in Richtung Krankenhaus fuhr, leistete ich einen stillen Schwur.
Dies würde das letzte Opfer sein, der letzte Akt eines Lebens, das ich in Asche zurückließ, und das Allerletzte, was ich jemals für Ethan Voss tun würde.