Kapitel 1

Unter einem von Zorn gesättigten Himmel verschwanden die Straßen von South Hampton hinter einem dichten Vorhang aus Regen. Die Stadt schien sich unter der Last der Wolken zusammenzukrümmen, als wolle das Gewitter jeden einzelnen Stein zerschmettern.

Hinter den verschlossenen Türen des Herrenhauses der Familie Lawrence konnte selbst der Glanz der Kronleuchter und der edlen Holzvertäfelungen die dort herrschende Dunkelheit kaum verbergen. In der angespannten Stille durchschnitt ein ersticktes Stöhnen die Luft. Mitten im großen Salon kroch Jeanne keuchend über den Boden, ihre Hände hinterließen rote Spuren auf dem polierten Parkett. Ihre Kräfte schwanden, doch das eisige Leuchten ihres Willens weigerte sich zu erlöschen.

Jeder Schritt auf sie zu hätte Hilfe bedeuten sollen – doch niemand rührte sich. Die Verlassenheit hatte um sie herum Gestalt angenommen, kalt und hart wie die Mauern des Anwesens. In ihrem Inneren hallten noch immer die giftigen Worte dessen wider, der sie hätte beschützen müssen.

- Jeanne... du beschmutzt unseren Namen. Hättest du nicht an Eden festgehalten, hätte ich dich an dem Tag hinausgeworfen, an dem deine Mutter dich zur Welt brachte.

- Meine Kinder sind Jasmine und Joshua. Du... bist nichts.

Diese Erinnerungen bissen tiefer als ihre Wunden. Ihre aufgeplatzten Lippen verzogen sich zu einem bitteren Lächeln. Ihre Halbschwester hatte ihr die Liebe genommen, ihre Zukunft zertreten – und dennoch war sie es, die Ausgestoßene.

Eine Gestalt beugte sich vor ihr nieder. Jasmine. Die Unschuld war aus ihren Zügen gewichen, ersetzt durch einen grausamen Glanz.

- Na, Jeanne... wie fühlt es sich an, von Papa zurechtgewiesen zu werden?

Jeanne wandte den Kopf ab und weigerte sich, dieses Gesicht als letztes zu verankern.

- Du hieltest dich für unantastbar. Du dachtest, Eden liebt dich? Wie naiv. Er gehört mir.

Wären ihre Knochen nicht bei jeder Bewegung vor Schmerz aufgeschrien, hätte sie genug Hass besessen, um Jasmine mit in ihren Sturz zu reißen.

- Du bist nichts weiter als eine Schande für die Familie, flüsterte Jasmine. Stirb – und erspare uns deine Gegenwart.

Doch Jeanne weigerte sich, diesem Befehl zu gehorchen. Leben, um zurückzuschlagen – das allein hielt sie noch aufrecht. Mit sadistischer Genugtuung füllte Jasmine ein Glas mit Wasser, warf eine Handvoll Salz hinein und goss die Mischung über ihre Wunden.

Ihr Schrei zerriss die Luft, doch kein einziges Familienmitglied wandte den Blick ab. Ein Messer blitzte in Jasmines Hand auf, die Klinge bereit, eine Spur in ihr Gesicht zu schneiden, als die Tür unter einem heftigen Stoß nachgab.

- JEANNIE!

Monica stürmte herein, außer Atem, und sank neben Jeanne auf die Knie.

- Ich bringe dich ins Krankenhaus.

- Träum weiter, fauchte Jasmine.

Monica senkte den Blick nicht.

- Dein Vater kann drohen, das ist mir egal.

Alexander erschien oben auf der Treppe, thronend.

- Leg sie hin.

- Du willst sie sterben lassen? Sie ist deine Tochter, verdammt!

- Das geht dich nichts an.

- Doch. Ab jetzt schon.

Sie machte einen Schritt, doch die Bediensteten schlossen sich um sie. Jeanne wurde ihr aus den Armen gerissen.

- Bringt sie in ihr Zimmer zurück, befahl Alexander.

Monica zitterte, doch ihre Stimme schnitt durch die Luft.

- Wenn sie stirbt, bleibe ich hier und sterbe mit ihr.

Das Urteil fiel eisig:

- Jeanne Lawrence existiert nicht mehr.

Einen Moment der Unachtsamkeit nutzend, riss Monica Jeanne wieder an sich und durchquerte die Tür. Dieses Mal griff niemand ein.

Draußen peitschte der Regen ihr ins Gesicht, doch sie ging weiter, ihre Schuhe zerfielen mit jedem Schritt.

- Halt durch...

- Danke..., hauchte Jeanne.

- Bedank dich nicht. Wenn du gehst, gehe ich mit dir.

Sie erreichten das Krankenhaus. Doch die Atempause war kurz. Auf Alexanders Befehl erhielt Jeanne ein Ticket ins Exil. Achtzehn Jahre alt – und bereits aus South Hampton verbannt, fort von Harken.

Sieben Jahre vergingen. Die Stadt glänzte noch immer, verbarg unter ihren Bällen und goldenen Gesprächen eine Leere, getränkt von Groll. Und dann, eines Tages, kehrte sie zurück.

In der Flughafenhalle schritt Jeanne voran, einen Koffer aus abgenutztem Leder hinter sich herziehend. An ihrer Seite ein sechsjähriger Junge mit dunklen Locken, feiner Brille und einem Buch fest an die Brust gedrückt.

Sie, gehüllt in einen Mantel, der wie für eine gestürzte Königin geschneidert schien, trug auf ihrem Gesicht die Ruhe überstandener Stürme. Ihr Haar rollte wie dunkle Wellen, ihre roten Lippen wirkten, als könnten sie Versprechen zerschneiden. Die Blicke glitten über sie, angezogen wie von einem unsichtbaren Magneten – und sie ging weiter, aufrecht, unerbittlich.

Kapitel 2

Als sie an einem eleganten Mann vorbeiging, blieb dieser plötzlich stehen, sichtlich von einer aufblitzenden Erinnerung getroffen.

Der Butler an seiner Seite trat diskret näher.

„Vierter Meister... ich glaube, das ist Jeanne Lawrence."

„Sie ist zurückgekehrt?"

„Was ich gehört habe, ist Meister Lawrence sehr krank. Man sagt, sie sei gekommen, um sich zu verabschieden."

Ein kaum wahrnehmbares Lächeln zog sich über die Lippen des Vierten Meisters. Sein Blick glitt zu dem kleinen Jungen an ihrer Seite.

„Könnte das... ihr Sohn sein?"

Der Diener nickte stumm, doch der scharfe Blick des Vierten Meisters brachte ihn sofort zum Schweigen.

Jeanne hingegen entdeckte eine vertraute Silhouette.

„Monica!"

Monica wirbelte herum und brach in ein überrasches Lachen aus.

„Jeanne! Du bist endlich da! Ich dachte schon, du würdest dein ganzes Leben lang nur Pizza und Spaghetti essen!"

Sieben Jahre waren vergangen, doch Monicas liebevolle Sticheleien hatten sich nicht verändert. Jeanne lächelte kaum merklich und wechselte rasch das Thema.

„Suchst du jemanden?"

„Edward. Edward Swan. Er ist hier vorbeigekommen."

„Ich kenne diesen Mann nicht", erwiderte Jeanne kühl.

„Was? Mach keine Witze! Früher bist du ihm doch nachgelaufen wie eine Ausgehungerte!"

Jeanne verdrehte die Augen. Eine jugendliche Schwärmerei – nichts weiter.

Monica hob eine Augenbraue.

„Wenn du es geschafft hättest, ihn zu verführen, hätte dein Vater dich vielleicht nicht wie einen streunenden Hund hinausgeworfen..."

Geschickt wich Jeanne aus.

„Steht dein Auto draußen?"

„Natürlich. Gehen wir."

Als Monica das Gepäck nehmen wollte, blieb sie abrupt stehen, als sie das Kind bemerkte.

„Dein Sohn? Er ist ja unglaublich süß!"

„Ja. Er heißt George", sagte Jeanne und nickte.

„Hallo, George. Schau mich an, ich bin Peppa Pig. Grunz, grunz..."

George betrachtete sie reglos und nahm langsam seine Brille ab. Seine Wimpern waren erstaunlich lang, fast unwirklich.

Monica erstarrte – dieser Blick wirkte, als würde er ihren IQ berechnen.

Mit sanfter Stimme sagte George schließlich:

„Hallo, Peppa Pig."

Monica lachte begeistert.

„Du darfst mich Patentante nennen!"

George sah zu seiner Mutter, die leicht nickte.

„Patentante."

„Perfekt! Mein lieber Patensohn, du wirst leben wie ein Prinz! Gutes Essen, ein schönes Zimmer und hübsche Mädchen, die dich verwöhnen!"

Ohne zu warten, nahm sie Georges Hand und ließ Jeanne das Gepäck tragen.

George warf seiner Mutter einen irritierten Blick zu, als wollte er fragen: Ist diese Frau nicht ganz dicht?

Jeanne seufzte.

Mit einem IQ von 200 betrachtete George jeden Durchschnittsmenschen als hoffnungslosen Fall.

Das Auto verließ den Flughafen. Monica fuhr, Jeanne saß vorne, George hinten – still wie ein Rätsel.

„Hat dein Großvater dich zurückgerufen?" fragte Monica.

„Er ist schwer krank. Er will uns ein letztes Mal sehen."

„Man sagt, deine Stiefmutter Jennifer kontrolliert jetzt alles. Bereite dich auf Krieg vor."

Jeanne nickte langsam, ein eisiger Schimmer in ihren Augen.

„Jasmine heiratet diesen Monat Eden. Sie hoffen, die Hochzeit gibt dem Alten Hoffnung."

„Ich weiß."

Monica biss sich auf die Lippe.

„Denkst du... noch an Eden?"

„Du dramatisierst."

„Ich? Ihr wart verliebt! Wenn diese Schlange Jasmine sich nicht eingemischt hätte, hätte er dich geheiratet!"

Jeanne zuckte mit den Schultern.

„Wenn unsere Verbindung so leicht zu zerbrechen war, war sie nichts wert."

Monica seufzte.

„Und Georges Vater?"

Jeanne wich aus.

„Nur ein Mann."

„Ein Mann? Hoffentlich kein Schwein!"

Jeanne lachte leise.

„Doch. Genau deshalb heißt mein Sohn George."

George riss entsetzt die Augen auf. Monica hingegen war sprachlos.

Vierzig Minuten später erreichten sie das Anwesen der Familie Lawrence.

„Soll ich mitkommen?" fragte Monica.

Jeanne schüttelte den Kopf.

Sie war gedemütigt gegangen – sie würde als Siegerin zurückkehren.

Ihr Blick fiel auf das Namensschild am Tor: Lawrence.

Ein frostiges Lächeln legte sich auf ihre Lippen.

Sie würde sich rächen. Hundertfach. Tausendfach.

Sie nahm Georges Hand.

„Komm."

Das Herrenhaus der Familie Lawrence war eines der ältesten Wohnanwesen in South Hampton City. Im Herzen der Stadt gelegen, war jeder Winkel von unschätzbarem Wert.

Man erzählte, die Fundamente seien auf einem alten Heiligtum errichtet worden, einst von Mönchen bewacht, die unter mysteriösen Umständen verschwanden. Dieser von vergessenen Legenden umhüllte Ort hatte Generationen von Lawrences gesehen – Machtallianzen, als Ehen getarnte Verrätereien und Geheimnisse, vergraben unter Eichenparkett.

Die Fassade, eingerahmt von grünen Hügeln und künstlichen, unheimlich blauen Wasserläufen, öffnete sich zu einem sorgfältig gepflegten tropischen Garten – ein surrealer Kontrast zur urbanen Kälte South Hamptons. Die Architektur, eine kühne Mischung aus majestätischer Antike und nüchterner Eleganz, wirkte wie eine Oase der Ruhe... oder der perfekt verborgenen Intrigen.

Der gepflasterte Weg zur Eingangstür schlängelte sich lautlos dahin. Vor ihnen erhob sich das Anwesen wie ein steinerner Riese, beladen mit unausgesprochenen Geschichten.

Jeanne zögerte keinen Augenblick vor der reich verzierten Tür. Ihr Blick war fest, kalt. George folgte ihr schweigend. Ihre Schritte hallten durch die Eingangshalle wie ein Echo der Vergangenheit, der sie sich nun stellte.

Im Salon unterhielten sich einige elegant gekleidete Damen. Als sie Jeanne erblickten, verstummten ihre Stimmen abrupt.

Eine Frau kicherte spöttisch.

„Seht mal, wer da zurückkommt! Ist das nicht unsere liebe Prinzessin Lawrence? Verzeihung... Ex-Prinzessin."

Ex-Prinzessin?

Jeanne lächelte rätselhaft. Kein Wort verließ ihre Lippen. Sie betrachtete sie wie Fliegen auf faulendem Obst.

„Sie hat sogar ein Kind dabei! Ich habe Gerüchte gehört... Und jetzt kehrt sie mit einem Jungen ohne Ehering zurück. Welche Schande für die Familie!"

Das Kichern wurde zu giftigem Gemurmel, bis eine imposante Gestalt aufstand. Eine vornehm wirkende Frau in traditioneller Kleidung durchquerte den Raum mit kalkulierter Langsamkeit.

„Jeanne, endlich bist du da. Dein Vater wartet schon lange", sagte sie mit falsch klingender Wärme.

Es war Jennifer, die Stiefmutter. Die Frau, die das Haus zerstört hatte, indem sie Alexander Lawrence verführte. Nach außen spielte sie den mitfühlenden Engel – doch im Schatten war sie eine Viper mit scharfen Fangzähnen.

Jeanne sah sie an, ohne zu blinzeln.

„Übertreib es nicht, Jennifer. Du warst eine von denen, die mich hinausgeworfen haben. Erinnerst du dich?"

Jennifer zögerte kurz.

Sie hatte geglaubt, Jeanne sei nach all den Jahren gebrochen zurückgekehrt. Doch das Feuer in ihrem Blick verriet etwas anderes.

„Es war die Entscheidung deines Vaters", antwortete sie gezwungen ruhig. „Aber Blut ist dicker als Wasser."

„Wenn du meinst", erwiderte Jeanne müde, beinahe spöttisch.

Ohne sich weiter aufzuhalten, befahl Jennifer einer Dienerin:

„Maria, bring das Gepäck von Fräulein Jeanne nach oben. Der Hausherr erwartet sie in seinem Zimmer."

Kapitel 3

Maria gehorchte sofort. Während sie die Treppe hinaufstiegen, lebten hinter ihnen die Flüstereien wieder auf.

„Dieses Mädchen ist eine Plage. Unhöflich, schamlos... Sie hat hier nichts verloren."

„Sie ist für ihr gewalttätiges Temperament bekannt. Und erinnert euch! Sie hatte damals verkündet, sie würde den Vierten Meister der Familie Swan heiraten – nur um Jasmine zu ärgern."

„Sie wollte sogar, dass Eden sie ‚Tante' nennt... Was für eine Idiotin!"

Jennifer brachte ihre Freundinnen mit gespielter Milde zum Schweigen.

„Ach, sie war jung..."

In diesem Moment erklang eine frische Stimme in der Halle:

„Mama, Eden und ich sind zurück."

Eden.

Jeannes Herz setzte einen Schlag aus. Ihr Schritt verlangsamte sich kaum merklich, doch sie fing sich sofort wieder. George, zu jung, um die Spannungen zu begreifen, drückte ihre Hand.

Im Salon trat das junge Paar ein. Eden, elegant wie immer, hielt Jasmine an der Taille. Sie wirkten wie ein Paar aus einem Märchen – nur dass dieses Märchen einen bitteren Nachgeschmack hatte.

Eden begegnete Jeannes Blick auf der Treppe. Er erstarrte. Jasmine folgte seinem Blick, und als sie Jeanne sah, gefror ihr Lächeln.

„Oh, große Schwester ist zurück?" sagte sie mit gespielter Begeisterung.

Jennifer fügte spielerisch hinzu:

„Du kannst sie später begrüßen."

Jasmine nickte, doch ihre Augen brannten vor Eifersucht. Jeanne verstand noch nicht, warum man sie nach all den Jahren zurückgerufen hatte... aber sie würde es bald erfahren.

...

Nachdem sie George untergebracht hatte, begab sich Jeanne allein in das Zimmer von Meister Lawrence – Jonathan, dem Patriarchen, seit einem Schlaganfall an den Rollstuhl gefesselt. Er wirkte zerbrechlicher, doch sein Blick war noch immer scharf wie eine Klinge.

„Du bist zurück", sagte er mit tiefer Stimme.

„Hier bin ich", erwiderte sie kühl.

„Komm mit in mein Arbeitszimmer. Wir müssen reden."

Keine Emotion. Nur eine schwere Kälte – wie ein König, der mit einer Schachfigur spricht.

„Es ist Zeit, dass du dich niederlässt", verkündete er.

„Also wurde ich nicht zurückgerufen, um Abschied zu nehmen, sondern um... zu heiraten?"

„Genau. Morgen wirst du Thedus Locke treffen. Dreißig Jahre alt, inzwischen stabil. Eine passende Ehe."

Jeanne lachte freudlos.

„Thedus? Der Mann, der jemanden getötet hat und gerade erst aus dem Gefängnis entlassen wurde?"

„Er akzeptiert dein Kind. Du solltest dankbar sein!"

Sie verengte die Augen.

„Und wie viel hat die Familie Locke dir gezahlt, um mich zu kaufen?"

Jonathan schwieg, gekränkt.

„Ich wollte nur meinen Marktwert kennen", sagte sie mit giftigem Lächeln.

Er runzelte die Stirn.

„Du kannst froh sein, dass man dir überhaupt noch eine Zukunft anbietet."

„Natürlich, Großvater", antwortete sie mit einer Verbeugung und einem Lächeln, das selbst einen Dämon hätte frösteln lassen.

...

Kaum hatte sie den Flur betreten, blieb ihr der Atem stehen. Eine Gestalt trat aus dem Schatten.

Eden.

Sie hatten sich seit der Jugend gekannt, verbunden durch geflüsterte Versprechen zwischen Spinden. Ihre Liebe hatte gehalten – zumindest scheinbar. Bis die ganze Stadt erfuhr, dass er mit Jasmine geschlafen hatte.

Es war kein Fehler. Es war Verrat.

Und dennoch war Jeanne beschuldigt worden. Jasmine blieb unberührt – geschützt durch Jennifer, Meisterin der Manipulation.

Jeanne hatte sich gewehrt. Laut. Unbeugsam. Es war ihr Sturz gewesen. Doch nicht ohne letzte Drohung: Sie würde Edward, den gefürchteten Vierten Meister der Familie Swan, verführen – und Eden zwingen, sie „Tante" zu nennen.

Vergangenheit. Blutige Vergangenheit.

„Jeannie", murmelte Eden weich.

Sie lächelte ruhig. Leer.

„Es sind Jahre vergangen. Wie geht es dir?"

„Geht dich nichts an."

„Wir waren verliebt. Ich wünsche dir ehrlich Glück."

Sie hob provokant eine Augenbraue.

„Du weißt doch, warum ich zurück bin."

„Ich weiß, dass Thedus kein guter Mann ist."

Schweigen.

„Wenn unsere Geschichte nicht untergegangen wäre, wärst du heute nicht hier."

„Schon gut, Herr Swan. Ich bin froh, dass ich mit Ihnen abgeschlossen habe."

Er lachte bitter.

„Immer noch so stur. Genau dieses Temperament hat mich in Jasmines Arme getrieben."

Er wagte es tatsächlich.

Jeannes Blick wurde tödlich.

„Ehrlich gesagt, heirate ich lieber Thedus als einen Mann, der seinen Schritt nicht kontrollieren kann."

Eden blieb kühl.

„Willst du die Starke spielen? Willst du diese Ehe vermeiden? Leg deinen Stolz ab, fleh mich an – und ich hole dich da raus."

Sie lachte trocken, grausam, und wandte sich ab.

„Sie spielt nur die Harte... Sie liebt mich noch", murmelte er.

Dann, eiskalt:

„Wenn du mich damals hättest anfassen lassen, hätte ich nie mit Jasmine geschlafen."

Jeanne blieb stehen.

„Und wo ist deine Würde jetzt? Du kommst mit einem Sohn zurück und fühlst dich überlegen?"

Langsam drehte sie sich um. Hinter ihm war Jasmine aufgetaucht, bleich.

Jeannes Lächeln wurde messerscharf.

„Also hast du meine Schwester gevögelt, weil ich dich nicht ranließ? Ernsthaft?"

Eden spannte sich an. Jasmine runzelte die Stirn.

„Eden, wovon redest du?" hauchte sie süßlich, klammerte sich an seinen Arm.

„Ich wollte nur verlorene Zeit aufholen", sagte er und strich über ihre Hand.

Jeanne beobachtete ihre Farce. Ihr Lächeln blieb unverändert.

Nach einem Moment falscher Zärtlichkeit wandte sich Jasmine ihr zu.

„Schwester, willkommen zurück. Du hast mir gefehlt. Wenn ich damals nicht getan hätte, was ich tat... aber vergessen wir das."

Ihre Augen füllten sich mit Tränen.

Jeanne schwieg. Lächelte.

Dieses Lächeln ohne Wärme ließ Jasmine frösteln.

Stille senkte sich.

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