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Gebunden an den behinderten Endzeit-Magnaten
Gebunden an den behinderten Endzeit-Magnaten

Gebunden an den behinderten Endzeit-Magnaten

51 Kapitel
Abgeschlossen
In der Web Novel "Gebunden an den behinderten Endzeit-Magnaten" reist Jessie 30 Tage vor der Apokalypse in die Vergangenheit. Sie heiratet einen gelähmten Erben für 100 Millionen, um ihr Überleben zu sichern. Eine düstere fantasy novel über Verrat, Rache und Macht.
Kapitel 1 von Gebunden an den behinderten Endzeit-Magnaten

Jessies Augen schnappten auf.

Der blendende Glanz des Kristalllüsters stach wie zersplittertes Glas in ihre Netzhäute. Sie keuchte, ein raues, keuchendes Geräusch, während ihre Hände instinktiv zu ihrem Hals fuhren. Ihre Finger gruben sich in ihre eigene Haut, fieberhaft suchend nach dem zerfetzten, zerrissenen Fleisch, wo der mutierte Hund ihr nur Sekunden zuvor die Luftröhre herausgerissen hatte.

Es gab kein Blut. Keinen fauligen Gestank der Apokalypse. Nur die glatte, makellose Haut ihres Halses und der erstickende Geruch von teurem Vanille-Raumspray.

Ein schwerer Stapel Papier schlug auf den gläsernen Couchtisch, der scharfe Knall vibrierte durch das Samtsofa, auf dem Jessie saß.

„Unterschreib es!", schnarrte eine scharfe, ungeduldige Stimme.

Jessies Lungen brannten, als sie einen Atemzug sauberer, unbelasteter Luft einsog. Ihr Herz hämmerte gegen ihre Rippen, ein panischer, somatischer Rhythmus, der ihr sagte, dass sie lebte. Sie riss ihren Blick von der Decke los, ihre Augen fixierten die Frau, die über ihr stand. Kalte, scharfe Züge, triefend vor aristokratischer Verachtung – das war die Frau, die sie achtzehn Jahre lang auf dem Land ausgesetzt hatte, nur um sie zurückzuholen, als sie nützlich wurde. Ihre leibliche Mutter, Brenda Aguilar.

Nahe der bodentiefen Fenster stand Martin Aguilar, ihr leiblicher Vater und das Familienoberhaupt. Er richtete seine Seidenkrawatte mit steifen, ruckartigen Bewegungen, ohne seine älteste Tochter auch nur eines Blickes zu würdigen, während er sprach. „Du wirst den Ramsey-Erben heiraten. Die Familie braucht diese Kapitalspritze, Jessie. Es ist das Mindeste, was du tun kannst, nachdem wir dich aus diesem Rust Belt-Ödland zurückgeholt haben."

Jessies Magen zog sich zusammen, nicht aus Angst, sondern aus der schieren, schwindelerregenden Realität des Augenblicks. Sie war zurück. Zurück im Manhattan-Penthouse. Zurück an genau dem Tag, an dem sie sie an einen gelähmten Mann verkauft hatten, um ihre eigene Haut zu retten.

Quer durch den Raum, auf einem einzelnen Designerstuhl sitzend, tupfte Harley mit einem Taschentuch ihre perfekt trockenen Augen ab. Harley – die Adoptivtochter, die die Aguilars im Luxus aufgezogen hatten, während Jessie in Armut schuftete, die bevorzugte „kleine Schwester", die alles gestohlen hatte, was ihr hätte gehören sollen.

„Mama, Papa, bitte", würgte Harley hervor, ihre Stimme zitterte vor geübter Zerbrechlichkeit. „Ich mache es. Ich heirate ihn. Ich kann nicht zulassen, dass meine Schwester ihr Leben für mich ruiniert."

Brenda eilte herbei und schlang ihre Arme schützend um Harley. „Sei nicht lächerlich, Schatz. Du bist ein zartes Mädchen. Jessie ist in Pennsylvania aufgewachsen und hat Dreck geschaufelt. Sie hat keine Manieren, keine Zukunft. Sie ist perfekt geeignet, sich um einen Krüppel zu kümmern."

Jessie senkte langsam ihre Hände von ihrem Hals. Ihr Puls begann sich zu beruhigen, das panische Trommeln wich einem kalten, schweren Schlag. Sie sah die drei an. Ihre Blutsverwandten. Dieselben Leute, die sie in drei Jahren in einen Schwarm infizierter Leichen stoßen würden, nur um sich zehn Sekunden zur Flucht zu erkaufen.

Anstatt zu schreien oder zu weinen, stand Jessie langsam auf. Ihre Absätze sanken in den plüschigen Perserteppich. Sie sah ihre leiblichen Eltern an, die so begierig darauf waren, sie zu verkaufen, um ihr scheiterndes Imperium zu retten, und dann ihre Schwester, die dort saß und den Atem anhielt, darauf wartend, dass sie einen White-Trash-Anfall bekam.

Ein kaltes, spöttisches Lachen entwich Jessies Lippen.

Bevor sie auf ihre plötzliche Belustigung reagieren konnten, beugte sie sich hinunter und hob den schweren Montblanc-Stift auf, der neben den Papieren lag.

Sie zog die Kappe ab.

Harleys Finger verdrehten den Stoff ihres Seidenkleides, ihre Augen glänzten vor kranker, verborgener Erwartung. Sie hatte gewollt, dass Jessie eine Szene machte, um zu beweisen, dass sie undankbar war.

Jessie blinzelte nicht einmal. Sie blätterte zur letzten Seite des Vertrags, drückte die Feder auf das Papier und unterschrieb ihren Namen.

Kratz. Kratz. Kratz.

Das Geräusch des Stiftes, der leicht in das dicke Pergament riss, hallte in dem totenstillen Raum wider.

Brendas Mund stand offen, die Beleidigungen erstarben in ihrer Kehle. Sie starrte auf die Unterschrift, ihre Augen weit vor Unglauben.

Martin wandte sich vollständig vom Fenster ab, seine Stirn legte sich in tiefer Misstrauen in Falten.

Harleys falsche Tränen trockneten sofort. Ihre Hände erstarrten auf ihrem ruinierten Seidenrock, ihre Knöchel wurden weiß.

Jessie warf den Stift zurück auf den Glastisch. Das Metall klapperte laut und brach den Bann.

„Ich habe unterschrieben", sagte Jessie, ihre Stimme bar jeder menschlichen Wärme. „Nun, da ich diese Familie vor dem Bankrott rette, schuldet ihr mir eine Entschädigung."

Brenda erwachte aus ihrem Schock, ihr Gesicht verzog sich zu einem höhnischen Grinsen. „Ich wusste es. Du bist nur eine gierige, undankbare Landratte, die auf eine Auszahlung aus ist."

Jessie ignorierte sie. Sie sah Martin in die Augen. „Ich möchte, dass Sie meine Erbrechte abkaufen. Jede einzelne Aktie, jeder Treuhandfonds, der mit dem Namen Aguilar verbunden ist. Ich möchte, dass es liquidiert und mir übergeben wird."

Martin stieß ein raues, bellendes Lachen aus. „Du bist ein Idiot. Du gibst Milliarden an zukünftigen Treuhandfonds auf, wofür? Für einen schnellen Scheck?"

Harley mischte sich sofort ein, ihre Stimme triefte vor gespielter Besorgnis. „Jessie, sei nicht impulsiv. Das Erbe gehört dir von Geburt an. Du solltest es nicht wegwerfen, nur weil du wütend bist."

Jessie neigte den Kopf, ein kaltes Lächeln berührte ihre Lippen. „Wirklich, Harley? Willst du, dass ich es behalte? Denn wenn ich es tue, wirst du keinen Cent davon sehen, sobald sie sterben."

Harley verschluckte sich an ihrem Atem. Die Farbe wich aus ihrem Gesicht, und sie sah Brenda mit großen, opferbereiten Augen an.

„Wag es ja nicht, so mit deiner Schwester zu sprechen!", kreischte Brenda und schirmte Harley erneut ab. „Du übertreibst es, Jessie!"

„Rufen Sie die Anwälte an", unterbrach Jessie, ihr Ton schnitt wie ein Skalpell durch Brendas Schreien. „Holen Sie sie jetzt hierher, um die Kaufvereinbarung aufzusetzen. Oder ich gehe durch diese Tür, und die Familie Ramsey zieht morgen ihre Finanzierung zurück."

Martins Augen verengten sich, er wog die Optionen ab. Das Ramsey-Geld war das Einzige, was das Aguilar-Imperium über Wasser hielt. „Gut", spuckte er. „Ich rufe sie an."

Jessie wartete kein weiteres Wort ab. Sie drehte sich auf dem Absatz um und ging zum Gästekorridor. Ihre Haltung war starr, ihre Schritte gemessen. Sie empfand nichts für sie. Keine Wut. Keine Traurigkeit. Nur eine hohle, klinische Distanz.

Als sie das Ende des Korridors erreichte, außer Sichtweite, blieb Jessie stehen. Sie griff hoch und berührte die silberne antike Halskette, die auf ihrem Schlüsselbein ruhte.

Sie fühlte sich kalt an. Ungewöhnlich kalt.

In ihrem früheren Leben hatte diese Halskette den mysteriösen Raumkern enthalten, den Harley gestohlen hatte, indem sie sich „versehentlich" in den Finger geschnitten und sich mit ihm verbunden hatte. Doch jetzt, als Jessie das Metall berührte, fühlte sie nichts. Keine Energie. Keine Resonanz.

Sie senkte langsam ihre Hand und drückte zwei Finger gegen die Innenseite ihres linken Handgelenks.

Unter ihrer Haut pulsierte ein kleines, kompliziertes Muttermal – mit Linien, die fast wie Mikro-Schaltkreise aussahen – mit einer schwachen, unsichtbaren Wärme.

Die Kernenergie der Halskette war bei ihrer Wiedergeburt bereits direkt in ihre Seele aufgenommen worden. Das Persönliche Biom – ihr ultimatives Überlebenswerkzeug – war nun dauerhaft an sie gebunden, sicher vor der Gier anderer.

Als sie auf die leere, nutzlose Silberkette um ihren Hals blickte, breitete sich eine dunkle, stille Zufriedenheit in ihrer Brust aus. Sie hatte ihre Waffe, und sie war bereit.

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