Kapitel 3

Jessie drückte den Aufzugsknopf. Die Metalltüren glitten mit einem leisen Klingeln auf. Sie packte den Griff ihres Koffers, bereit einzusteigen.

„Warte!"

Harleys High Heels klickten hektisch auf dem Marmorboden. Sie rannte vorwärts und schlug ihre Hand gegen die Aufzugstür, um sie am Schließen zu hindern.

Harley keuchte leicht, ihre Wangen waren gerötet. Sie zwang sich ein süßes, flehendes Lächeln auf, obwohl ihre Augen weiterhin hyperfokussiert auf Jessies Kragen blieben.

Jessie starrte sie an, ihr Griff um den Koffergriff verfestigte sich. Ihre Muskeln spannten sich an – eine körperliche Reaktion auf die Nähe der Frau, die ihr in ihrem früheren Leben so viel Leid zugefügt hatte.

„Diese Halskette", sagte Harley, ihre Stimme zitterte vor sorgfältig geübter Zärtlichkeit. „Sie ist so einzigartig. Da du die Familie verlässt und in die Ramseys einheiratest, solltest du nicht ein kleines Stück von dir zurücklassen? Gib sie mir, Jessie. Lass mich sie als schwesterliches Andenken behalten, um mich an dich zu erinnern."

Es war eine erbärmliche Ausrede, und beide wussten es. Innerlich hämmerte Harleys Herz gegen ihre Rippen. Das Bild der geometrischen Muster aus diesem alten okkulten Manuskript brannte in ihrem Kopf. Ich brauche diesen Talisman, dachte sie verzweifelt. Wenn der Text stimmt, birgt dieses Relikt den Schlüssel zu absolutem Schutz und grenzenlosem Glück. Ich kann diese Landratte nicht damit hier rausgehen lassen.

Jessie trat bewusst einen Schritt zurück in den Aufzug. Sie bedeckte ihren Kragen mit der Hand, ihre Körpersprache strahlte defensive Paranoia aus.

„Nein", sagte Jessie, ihre Stimme rau und schützend. „Meine Adoptivmutter im Rust Belt hat mir das gegeben. Es ist das Einzige, was ich noch von ihr habe. Es steht nicht zum Verkauf."

Jessies so heftiges Bewachen festigte Harleys Überzeugung nur noch mehr. Wenn diese ignorante Bäuerin es so hoch schätzte, musste es das echte Relikt sein. Ihr Neid flammte auf, heiß und verzehrend.

„Ich kaufe es dir ab", bot Harley an und legte ihre sanfte Fassade ab, als sie die Taktik wechselte.

Jessie stieß ein trockenes, spöttisches Lachen aus. „Du? Du bist nur eine falsche Erbin, die von einem monatlichen Taschengeld meiner Eltern lebt. Du kannst es dir nicht leisten."

Die Beleidigung traf Harley wie ein körperlicher Schlag. Ihr Gesicht versteifte sich, ihre süße Maske bekam Risse. „Eine Million Dollar", presste sie hervor.

Jessie schüttelte den Kopf und griff nach dem „Tür schließen"-Knopf.

„Fünf Millionen!", Harley geriet in Panik und packte den Rand der Aufzugstür mit beiden Händen.

Jessies Hand verharrte über dem Knopf. Sie ließ einen Anflug von Zögern in ihren Augen aufblitzen – gerade genug Verletzlichkeit, um sie vom Geld verführt erscheinen zu lassen.

Harley bemerkte dieses Aufblitzen. Eine Welle immenser Überlegenheit überrollte sie. Typischer Landpöbel, dachte Harley, ein selbstgefälliges Grinsen bildete sich in ihrem Kopf. Ungebildet, kurzsichtig und leicht zu kaufen.

Jessie atmete langsam und schwer, als würde sie ein schmerzhaftes, herzzerreißendes Opfer bringen. „Zwanzig Millionen. Keinen einzigen Cent weniger."

Zwanzig Millionen waren fast Harleys gesamtes liquides Nettovermögen. Es würde ihre persönlichen Ersparnisse bis auf den letzten Cent aufbrauchen.

Doch als Harley das geometrische Muster auf dem Anhänger betrachtete, verspürte sie einen Schauer wilden, ekstatischen Triumphs. Was sind zwanzig Millionen Dollar im Vergleich zu einem buchstäblichen Wunder? dachte sie und blickte Jessie mit tiefer Verachtung an. Diese dumme Bäuerin glaubt, sie würde mich ausnehmen, aber sie tauscht tatsächlich ein unbezahlbares, weltveränderndes Schutzartefakt gegen Papiergeld ein. Sie ist zu unwissend, um seinen wahren Wert zu begreifen.

Harley zog ihr Handy hervor. „Gut. Ein Geschäft."

Sie standen in der angespannten Stille der Aufzugsschwelle. Harleys Daumen flogen über ihren Bildschirm und autorisierten die massive, anstrengende Überweisung.

Eine Minute später vibrierte Jessies Handy. Sie überprüfte den Bildschirm: 20.000.000,00 $ waren eingegangen.

Jessie griff sich an den Nacken. Sie öffnete es nicht sanft. Sie riss die Halskette hart ab und zerbrach absichtlich die dünne Silberkette.

Sie warf Harley die Halskette zu, als wäre sie ein Stück Müll.

Harley fummelte, um sie zu fangen, ihre Hände schlossen sich fest um das Metall. Sie klammerte sie an ihre Brust, ihr Gesicht leuchtete auf vor schwindelerregender, manischer Freude. Sie glaubte, sie hätte gerade den ultimativen Coup gelandet und ihre naive Schwester um ihr Geburtsrecht betrogen.

Jessie trat vollständig in den Aufzug. Sie drehte sich um und blickte auf Harleys triumphierendes, schadenfrohes Gesicht.

Als die Metalltüren langsam zu gleiten begannen, zuckten Jessies Mundwinkel zu einem dunklen, spöttischen Grinsen nach oben.

Die Türen klickten zu.

Jessie blickte auf ihr Spiegelbild in den verspiegelten Wänden des Aufzugs. Die Energie des Raumkerns war bereits in dem Moment, als sie wiedergeboren wurde, vollständig in ihr Handgelenk absorbiert worden.

Harley hatte gerade ihr gesamtes Vermögen aufgebraucht, um ein nutzloses, kaputtes Stück Schrott zu kaufen.

Der Aufzug fuhr zur Tiefgarage hinab. Jessie zog ihren Koffer heraus und ging auf das wartende gelbe Taxi zu.

Sie öffnete die hintere Tür, glitt auf den rissigen Ledersitz und blickte den Fahrer an. „Bringen Sie mich zum Anwesen der Ramseys in den Hamptons."

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Gebunden an den behinderten Endzeit-Magnaten

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