Kapitel 3

Averys Sicht

Der blendende Schein der Gaslaterne warf lange, verzerrte Schatten an die vereisten Metallwände des Gefrierraums. Die Luft war dick vom metallischen Geruch meines Blutes, der beißenden Kälte und dem schweren, gefährlichen Nachspiel dessen, was sich gerade zwischen mir und dem Teufel persönlich ereignet hatte.

Hailey trat tiefer in den eiskalten Raum, ihr Gesicht zu einer Maske aus triumphierendem Ekel verzogen. Sie sah dem Mann nicht ins Gesicht. Sie war zu sehr damit beschäftigt, auf mein zerrissenes Kleid und die blauen Flecken zu starren, die sich auf meiner blassen Haut bildeten, und sog meinen Untergang in sich auf wie einen edlen Wein.

„Ich wusste ja, dass du eine Schande bist, Avery, aber das hier?", hallte Haileys Stimme schrill von den eisbedeckten Wänden wider. Sie zeigte mit einem manikürten Finger auf Demetrius’ breiten, vernarbten Rücken. „Du wirfst deine Verlobung weg und schändest den Namen Bolton für irgendeinen dahergelaufenen Vollstrecker? Was ist er, irgendein namenloser Muskelprotz, den du in einem Hinterhof-Casino aufgelesen hast?"

Meine Großmutter, Carmelita, umklammerte die Perlen an ihrem Hals, ihr Gesicht blass vor dramatischem Entsetzen. „Und ich dachte, ich hätte dich zu einer anständigen Dame erzogen. Du bist eine Krankheit für diese Familie, Avery. Christian, sieh dir an, was deine Tochter getan hat!"

Mein Vater, Christian, stand steif in der Nähe des Eingangs. Seine Augen schossen zwischen mir und der massiven Silhouette des Mannes, der über mir stand, hin und her, und ein Anflug von Unbehagen durchbrach seinen anfänglichen Zorn. Neben ihm war mein älterer Bruder, Ken, vollkommen still. Ken sah mich nicht mit Abscheu an; er starrte auf Demetrius’ Rücken, seine Haltung versteifte sich, als wäre er gerade auf eine Landmine getreten.

Ich zog die zerfetzten Ränder meines Mieders mit zitternden, gefühllosen Fingern zusammen. Das militärtaugliche Aphrodisiakum war immer noch ein dumpfer, giftiger Schmerz in meinen Adern, aber die pure Dreistigkeit von Haileys Ignoranz verlieh mir einen plötzlichen, scharfen Anflug von Klarheit.

Ich zwang mich auf die Beine. Meine Knie zitterten, aber ich drückte sie durch und weigerte mich, vor der Cousine zu kauern, die versucht hatte, mich zu zerstören.

„Ein Vollstrecker?", krächzte ich, meine Stimme war ein gebrochenes, atemloses Geräusch, das es dennoch schaffte, die eiskalte Luft zu durchschneiden. Ich stieß ein kaltes, humorloses Lächeln aus. „Hailey, der Mann, den du bezahlt hast, ist vieles, aber er ist definitiv ein Upgrade gegenüber diesem nutzlosen Stück Abschaum, Foy."

Das triumphierende Grinsen verschwand von Haileys Gesicht, als hätte ich sie geohrfeigt. Alle Farbe wich aus ihren Wangen, sodass sie im grellen Licht der Laterne kränklich aussah.

„Foy?", stammelte sie, während ihre Augen panisch zu unserer Großmutter schossen. „Ich – ich weiß nicht, wovon du redest! Versuch nicht, dein widerliches, hurenhaftes Verhalten auf mich abzuwälzen! Du bist diejenige, die halbnackt mit einem Schläger erwischt wurde!"

Sie schaufelte ihr eigenes Grab mit einem silbernen Löffel.

Während ihres gesamten hysterischen Ausbruchs hatte Demetrius keinen einzigen Laut von sich gegeben. Er schrie nicht. Er verteidigte sich nicht. Er beendete lediglich das Zurechtrücken der Aufschläge seiner maßgeschneiderten Hose, die Bewegungen langsam, bedächtig und absolut furchteinflößend.

Dann drehte sich der Eiserne König von Chicago um.

Das Licht der Laterne erfasste die brutalen, gezackten Narben, die sich über seine Brust zogen, und beleuchtete dann sein Gesicht. Sein Gesichtsausdruck war eine Maske absoluter, tödlicher Ruhe. Seine abgrundtief schwarzen Augen fixierten Hailey.

Die Temperatur im Raum schien um weitere zwanzig Grad zu stürzen. Die folgende Stille war so schwer, dass sie sich wie ein physisches Gewicht anfühlte, das auf meine Brust drückte.

Haileys Mund öffnete sich, um eine weitere Beleidigung hervorzuschleudern, aber die Worte erstarben in ihrer Kehle. Ihre Urinstinkte, tief unter ihrer Arroganz vergraben, erwachten endlich und schrien sie an. Man sah einen Mann wie diesen nicht an und sah einen Schläger. Man sah ihn an und sah das Ende seines Lebens.

„M-Maddox", stieß mein Vater erstickt hervor, der Name entrang sich seiner Kehle wie ein Todesröcheln. Christian stolperte einen Schritt zurück und stieß gegen die schwere Eisentür. All der selbstgerechte Zorn verflog aus seinem Gesicht, ersetzt durch puren, unverfälschten Schrecken.

Hailey hielt den Atem an. Ihre Augen weiteten sich so sehr, dass sie zu tränen begannen, als sie endlich begriff, in wessen Schatten sie getreten war. Sie hatte nicht nur einen Mann beleidigt; sie hatte einen Don öffentlich gedemütigt. In unserer Welt war das ein automatisches Todesurteil.

Demetrius nahm die Furcht meines Vaters nicht zur Kenntnis. Er blinzelte nicht einmal. Er hielt seinen toten, leeren Blick einfach starr auf Hailey gerichtet und strahlte eine so reine mörderische Absicht aus, dass sich die Haare in meinem Nacken aufstellten. Die Vendetta stand ihm bereits in die Augen geschrieben.

Schwere, rhythmische Schritte hallten aus dem Betonkorridor vor dem Gefrierraum und durchbrachen die erstickende Stille. Jemand kam.

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Vom Gift verbrannt, vom Teufel gerettet

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