Kapitel 3

Am nächsten Morgen saß Everleigh an Illas Kücheninsel und nippte an einem Kaffee, als ihr Handy erneut vibrierte.

Diesmal war es keine SMS. Es war eine Benachrichtigung.

Einladung zum Herunterladen: Enigma.

„Was ist das?", fragte Illa, die sich über Evies Schulter beugte, während ihr ein Stück Toast aus dem Mund hing.

„Ich weiß nicht. Eine Einladung für eine App."

Illa kniff die Augen zusammen. „Enigma? Das ist eine Verschlüsselung nach Militärstandard. Der Server ist in einem Bunker in der Schweiz oder so. Mein Bruder benutzt es. Alle paranoiden Wall-Street-Typen tun das."

Eine SMS von Gus erschien auf Evies normaler Nachrichten-App.

Normale SMS sind nicht sicher. Lade das hier herunter.

Evie runzelte die Stirn. „Er ist paranoid."

„Er ist reich", korrigierte Illa. „Lade es herunter."

Evie tat es. Die Benutzeroberfläche war schlicht schwarz-weiß.

Keine Profilbilder. Nur ein Kontakt war aufgeführt: Gus.

Ich habe deine Nummer ändern lassen, stand in der ersten Nachricht. Damit dein Ex dich nicht mehr anrufen kann. Die neue SIM-Karte ist beim Portier.

Evie war empört. „Er hat meine Nummer geändert? Ohne zu fragen?"

„Kontrollfreak", murmelte Illa und kaute auf ihrem Toast. „Definitiv reich."

Evie tippte zurück. Du hast kein Recht, mein Leben zu kontrollieren.

Ich habe jedes Recht, kam die Antwort. Ich bin dein Ehemann. Und ich hege einen Groll gegen Männer, die meine Frau zum Weinen bringen.

Evie starrte auf das Wort Ehefrau. Es wirkte fremd auf dem Bildschirm.

Zehn Minuten später lieferte der Portier ein kleines Paket. Darin befanden sich ein brandneues Spitzen-Smartphone und eine SIM-Karte.

Evie tauschte die Karten aus. Die Stille war sofort da. Keine Flut von Hass-Nachrichten von Darrin mehr. Es fühlte sich … leichter an.

Die Enigma-App meldete sich.

Um mich für die einseitige Entscheidung zu entschuldigen und um meine Aufrichtigkeit zu zeigen, brauchst du einen Ring.

Evie verdrehte die Augen. Wir lassen uns scheiden. Ich brauche keinen Ring.

Solange wir rechtmäßig verheiratet sind, trägst du meinen Ring, schrieb er. Das ist für mich eine Frage des Prinzips.

„Eine Frage des Prinzips?", spottete Illa, die über Evies Schulter las. „Okay, das ist seltsam förmlich. Vielleicht ist er ein entfernter Verwandter? Wie ein Cousin dritten Grades, der ein Autohaus in Jersey besitzt?"

Du bist herrisch, tippte Evie.

Einen Moment später erschien eine Audiodatei im Chat.

Sie drückte auf Play.

„Sei brav, Evie."

Die Stimme war tief, rau. Es war die Stimme aus dem Hotelzimmer.

Evies Gesicht wurde knallrot.

Illa schnappte sich das Handy. „Spiel es noch mal ab."

Sie lauschte, ihre Augen weiteten sich. „Okay. Diese Stimme? Das ist die Stimme eines Mannes, der noch nie Economy geflogen ist. Das ist eine Privatjet-Stimme."

Sie gab das Handy zurück, ein schelmisches Funkeln in ihren Augen. „Testen wir ihn."

„Ihn testen?"

„Wenn er dir einen Ring kaufen will, lass ihn. Wir werden sehen, ob er ein Autohändler aus Jersey ist oder … etwas anderes." Illa schnappte sich Evies Handy und tippte. In Ordnung. Aber ich will ihn aussuchen.

Mach nur, antwortete Gus sofort. Schick mir den Link.

Illa öffnete den Browser auf ihrem iPad und ging direkt zu Harry Winston.

„Illa, nein!", versuchte Evie, sich das Tablet zu schnappen. „Das ist Wahnsinn."

„Pst", schlug Illa ihre Hand weg. „Wenn er ein Blender ist, wird er dich ghosten, sobald er den Preis sieht. Wenn er echt ist … nun, dann bekommst du einen Ring."

Sie ging nicht in die Abteilung für Verlobungsringe. Sie ging zu „High Jewelry". Die Sachen, bei denen keine Preise angegeben waren, nur „Preis auf Anfrage".

„Das ist zu viel", sagte Evie und ihr wurde schwindelig, als Illa an Diamanten von der Größe von Weintrauben vorbeiscrollte.

„Es ist ein Stresstest", beharrte Illa.

Nebenan, in einem schallisolierten Arbeitszimmer, saß Agustus Williams am Kopfende eines Mahagonitischs. Zwölf Männer in Anzügen stritten über eine Fusion.

Sein Handy summte. Er warf einen Blick darauf, und sein Mundwinkel zuckte. Er hob eine Hand. Der Raum verstummte augenblicklich.

„Fünf Minuten Pause", sagte er mit einer Stimme, die keinen Widerspruch duldete.

Er öffnete die App. Er sah sich den Link an, den Illa geschickt hatte. Es war eine allgemeine Seite. Er wusste genau, was sie tat. Illa. Seine nervige, einmischende kleine Schwester.

Er öffnete seine Galerie und wählte ein Foto aus, das er letzte Woche bei einer privaten Besichtigung bei Sotheby's gemacht hatte.

Zurück in Illas Wohnung machte Evies Handy „Ping".

Ein Bild wurde geladen. Es war kein Link. Es war das Foto eines rohen, ungeschliffenen Steins. Er glühte mit einem inneren, leuchtend rosa Feuer.

Gefällt dir dieser?, lautete die Bildunterschrift. Oder bevorzugst du ihn geschliffen?

Illa schnappte nach Luft. Es war ein Geräusch des reinen, unverfälschten Schocks. Sie ließ den Toast fallen.

„Das …", sie zeigte mit zitterndem Finger auf den Bildschirm. „Das ist ein roher rosa Diamant. Evie, das ist nicht von einer Website. Das ist aus einem Auktionskatalog. Einem privaten."

„Ist er teuer?", fragte Evie und fühlte sich wie ein Kind.

Illa sah sie mit todernstem Gesicht an. „Dieser Stein? Damit könnte man dieses ganze Gebäude kaufen. Zweimal."

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Verlangen nach meinem tyrannischen Ehemann

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