Kapitel 1
"Ah!"
Ein durchdringender Schrei zerriss die Stille im Hotelkorridor, wurde jedoch unterbrochen, als eine schwere Tür zuschlug.
In dem stockdunklen Raum raste Valerie Browns Herz. Sie versuchte zu schreien, aber es kam kein Laut heraus – ihre Lippen wurden von einer rauen, unnachgiebigen Hand erstickt.
Sie erstarrte und spürte den heißen, alkoholgetränkten Atem eines Fremden in ihrem Nacken. Mit jedem Ausatmen verstärkte sich der Griff der Angst, die sie durchströmte.
Das war nicht Javier Barnett. Das war nicht der Mann, den sie liebte.
„Lass mich los! Wer zum Teufel bist du?"
Valerie schlug heftig um sich und hämmerte mit den Fäusten auf die Brust des Fremden, doch sein Griff war eisern.
Ein Schock durchfuhr sie. All die Jahre des Kampfsporttrainings und doch überwältigte dieser Mann sie, als wäre sie nichts.
In einem Augenblick drehte sich die Welt.
Valerie spürte, wie sie hochgehoben wurde und dann auf das weiche Bett fiel. Bevor sie begreifen konnte, was geschah, lastete eine erdrückende Last auf ihr.
„Bleib ruhig!“ knurrte der Mann und drückte ihre Handgelenke mit einer mühelosen Hand an das Kopfteil.
Das scharfe Geräusch reißenden Stoffes durchdrang die Luft. Seine Berührung war brennend, jede Berührung seiner Finger wie Feuer, während ihre Versuche, sich zu wehren, nutzlos waren, so vergeblich, als würde sie sich gegen eine unaufhaltsame Kraft stemmen.
Tränen strömten aus Valeries Augen und verschwammen ihre Sicht, als Panik sie ergriff. Sie würgte die Worte zitternd hervor. "Bitte... Ich kenne dich nicht einmal ..."
Doch ihre Bitte verhallte im Leere, nur das leise, kalte und gefühllose Rascheln seines Atems an ihrem Ohr beantwortete sie.
Als das Morgenlicht ins Zimmer drang, stach es ihr in die Augen.
Valerie blinzelte, ihr Körper strahlte Schmerz aus.
Jeder Zentimeter ihres Körpers schmerzte, besonders ihre Beine, die sich schlaff und kraftlos anfühlten und sich weigerten, sich zu bewegen.
Erinnerungen an die vergangene Nacht kamen ihm in Bruchstücken wieder in den Sinn – ineinander verschlungene Körper, kräftige Berührungen – doch das Gesicht, sein Gesicht, blieb im Schatten verborgen.
Die Erinnerung an die Verletzung nagte an ihr, sie knirschte mit den Zähnen, als eine Flut hilfloser Wut in ihr aufstieg. Sie ballte die Fäuste so fest, dass ihre Nägel in ihre Haut schnitten, obwohl sie keinen Schmerz spürte. Nur Wut.
...
Im Laufe der Minuten wurde Valeries Geist allmählich klarer und sie wurde in die harte Realität zurückgeholt.
Sie blickte sich im Zimmer um – ein Chaos aus verstreuten Laken und zerrissener Kleidung – und zwang sich aufzustehen, obwohl jede Bewegung ein Kampf gegen den Schmerz in ihrem Körper war.
Sie war immer noch kaum bekleidet und versuchte stolpernd, sich zu sammeln, als die Tür mit einem ohrenbetäubenden Knall aufflog.
„Du bist eine Schande!“ Eine vor Wut triefende Stimme erfüllte den Raum. „Sie haben Schande über die gesamte Familie Brown gebracht!“
Valerie wirbelte erschrocken herum und sah, wie ihr Vater Craig Brown mit vor Wut verzerrtem Gesicht hereinstürmte.
Sein Blick bohrte sich in sie hinein, musterte ihre zerknitterten Kleider, ihre gezeichnete Haut – sein Blick blieb auf den roten Flecken der Demütigung an ihrem Hals und ihren Schultern hängen. In seinen Augen blitzte Hass auf, roh und giftig, als würde allein der Anblick von Valerie den Wunsch in ihm wecken, sie auszulöschen.
„Valerie, wie konntest du dich als solche Schande entpuppen?“ Craig brüllte, seine Stimme war voller Verachtung. „Du bist genau wie deine Mutter – eine absolute Schande!“
Valeries Körper spannte sich an, eine Welle abwehrender Wut stieg in ihrer Brust auf. Ihre Augen blitzten trotzig.
„Sie dürfen nicht über meine Mutter reden“, schrie sie, und aus jedem Wort tropfte Gift. "Schande? Mich? Und was ist dann mit Ihnen? An dem Tag, als Sie uns – mich und meine Mutter – wegen dieser abscheulichen Lacey und ihrer intriganten Mutter rausgeworfen haben, haben Sie jeden Funken Würde verloren.“
Ihre Worte schnitten wie Messer durch die Luft und schnitten tief. Craigs Gesicht war vor Wut verzerrt, sein Körper zitterte vor Zorn.
Er starrte sie an und stieß Flüche aus, aber Valerie zuckte nicht zusammen. Sie hatte schon vor langer Zeit aufgehört, irgendetwas von diesem Mann zu erwarten.
Doch nachdem sie eine Nacht lang von einem Fremden vergewaltigt worden war und nun von ihrem eigenen Vater verflucht wurde, zerbrach etwas in ihr. Die Bitterkeit, die sie vergraben hatte, begann überzuschwappen und überzog jeden ihrer Gedanken.
Ohne ein weiteres Wort drehte sich Valerie um und versuchte verzweifelt, aus dem stickigen Raum zu entkommen. Doch als sie die Tür erreichte, war ihr der Weg versperrt.
Jemand stand ihr im Weg.
Kapitel 2
„Valerie, sprichst du so mit deinem Vater?“ Die Stimme war sanft, aber dennoch mit einem Hauch von Spott unterlegt und jagte Valerie einen Schauer über den Rücken. Zwei Gestalten schlenderten in den Raum und ihr Herz stockte.
Sie blickte scharf auf und sah Javier, den Mann, den sie einst so sehr geliebt hatte, Arm in Arm mit ihrer Stiefschwester Lacey Brown stehen.
Javiers Griff um Lacey war besitzergreifend, seine Augen musterten Valerie mit purer Verachtung.
„Du hinterlistige, promiskuitive Frau“, zischte er, und seine Worte trieften vor Verachtung. „Gott sei Dank habe ich Sie rechtzeitig durchschaut und mich stattdessen für Lacey entschieden. Wenn wir jemals geheiratet hätten, wäre ich der Witz des Jahrhunderts gewesen!"
Valeries Atem stockte. Sie taumelte rückwärts, die grausamen Worte trafen sie wie eine Abrissbirne. Ungläubigkeit überkam sie, als sie den Mann anstarrte, den sie einst für ihren eigenen gehalten hatte. Ihr Kopf brummte, die Welt geriet aus den Fugen und zerbrach in diesem einzigen, verheerenden Moment um sie herum.
„Oh, Javier, sei nicht so streng zu meiner Schwester“, sagte Lacey mit sanfter und honigsüßer Stimme. Sie lehnte sich an ihn, und ihre Stimme triefte vor falscher Besorgnis. „Es war einfach ein Fehler, der im Eifer des Gefechts passiert ist, und ich bin sicher, dass sie es nicht so gemeint hat. Valerie war schon immer außergewöhnlich – sie war wirklich mein Vorbild.“
Ihre Worte klangen großmütig, doch das Glitzern in ihren Augen erzählte eine andere Geschichte. Laceys Blick funkelte vor selbstgefälliger Zufriedenheit, als würde sich unter ihrer Kontrolle alles ordentlich fügen.
Plötzlich schnappte sie nach Luft und trat mit übertriebenem Schock vor. „Valerie, dein Hals …“
Sie deutete vorsichtig auf die roten Flecken auf Valeries Haut, und auf ihrem Gesicht lag ein gespielter Ausdruck der Verlegenheit. Sie zögerte, ihr Blick huschte zum zerwühlten Bett und tat so, als sei sie zu schüchtern, um mehr zu sagen. „Oh nein, mit wem warst du letzte Nacht? Wie konnte er dich einfach so hier zurücklassen? Das ist einfach... schrecklich."
Valerie stand wie erstarrt da, ihr Gesicht eine leere Maske, während sie auf ihre gefalteten Hände starrte. Ihre Brust zog sich schmerzhaft zusammen, denn jedes Wort fühlte sich an, als würde ihr ein Schraubstock die Luft aus den Lungen pressen.
Es hat alles gepasst.
Der Anruf von gestern Abend, Javiers ungewöhnlich sanfter Ton, als er sie ins Majesty Hotel einlud und eine Überraschung versprach.
Das war seine Überraschung? Sie in das Bett eines anderen Mannes schicken?
Valeries Gesicht war blutleer, ihr Körper zitterte unter der Wucht dieser Offenbarung.
Die Wahrheit traf sie wie eine Flutwelle – Javier und Lacey hatten das inszeniert.
Sie hatten hinter ihrem Rücken konspiriert, die Fäden gezogen und standen nun vor ihr und gaben vor, unschuldig zu sein. Sie verhielten sich selbstgerecht, als hätten sie das Recht, über sie zu urteilen.
Dachten sie wirklich, sie sei so leicht zu manipulieren? Dass sie einfach zusammenbrechen würde?
Eine scharfe, brennende Wut entflammte in ihr, stieg mit jeder Sekunde stärker und übertönte die Demütigung.
Valeries Augen verdunkelten sich und blickten Lacey an, die immer noch selbstgefällig dastand und in gespielter Besorgnis den Finger erhoben hatte.
Ohne Vorwarnung stürzte Valerie nach vorne und ihre Hand schoss wie ein Blitz nach vorne. Sie packte Laceys ausgestreckten Finger und drehte ihn ruckartig.
"Ah!"
Das schnappende Geräusch war unverkennbar. Laceys Gesicht verzog sich vor Schock und Schmerz, als der Knochen unter Valeries Griff brach.
„Meine Hand! Was hast du gemacht?"
„Valerie! Bist du verrückt? Wie konntest du deine Schwester so angreifen?"
Craigs Stimme dröhnte, Schock und Dringlichkeit durchströmten den Raum.
Er eilte an Laceys Seite, umarmte sie schützend und schirmte sie ab, als wäre Valerie eine Art Monster.
„Lacey, lass mich sehen“, murmelte er, und seine Wut verwandelte sich in Sorge, während er sie in seinen Armen wiegte.
Lacey kuschelte sich in Craigs Arme, ihre Stimme zitterte vor geübter Unschuld.
„Papa, es ist okay. Mir geht es gut. Ich hätte diese Dinge nicht sagen sollen …“
Craigs Gesichtsausdruck verfinsterte sich noch mehr, seine Augen verengten sich, als er Valerie ansah, und waren von nichts als Wut erfüllt. Es war, als würde er einen Feind anstarren und nicht seine Tochter – ein völliger Gegensatz zu der Sanftheit und Fürsorge, die er Lacey wenige Augenblicke zuvor entgegengebracht hatte.
„Valerie!“ bellte er, seine Stimme klang wie ein Peitschenknall. „Entschuldige dich sofort bei deiner Schwester!“
Die Forderung durchschnitt die Luft, doch Valerie blieb still, und die Enge in ihrer Brust verwandelte sich in etwas Dunkleres. Ein bitteres Lachen entfuhr ihr, und ihre Augen glänzten vor kaltem Spott, als sie ihn ansah.
"Schwester? Welche Schwester?" Sie spottete, ihre Stimme war voller Gift. „Meine Mutter hat nur eine Tochter, und das bin ich! Ich habe überhaupt keine Schwester."
Ihre Worte trafen wie ein Schlag. Der Raum schien zu erstarren, als Valerie mit deutlichem Ekel einen Schritt nach vorne machte. „Sie haben mich und meine Mutter wegen dieses erbärmlichen Mutter-Tochter-Duos rausgeworfen. Haben Sie vergessen, woher Ihr Vermögen kam?"
Ihr Blick huschte zu Lacey, die in Craigs Armen immer noch das Opfer spielte. „Egal, wie große Schmerzen sie hat, es ist nichts im Vergleich zu dem, was sie mir schuldet. Sie hat es absolut verdient."
Kapitel 3
Valerie ließ der Bitterkeit, die sie lange vergraben hatte, freien Lauf, ihre Stimme war kalt und scharf wie Eis. Sie starrte den Vater und die Tochter vor ihr mit distanzierter Gleichgültigkeit an. Der jahrelang geschwelte Groll kam nun an die Oberfläche und durchschnitt die Spannung wie eine Klinge.
Achtzehn Jahre lang hatte Craig Valerie den Rücken gekehrt und sich stattdessen dafür entschieden, seine andere Tochter ständig zu verhätscheln und zu beschützen.
Valerie hatte sich einst nach seiner Aufmerksamkeit gesehnt und einst von der Liebe eines Vaters geträumt. Doch als sie jetzt vor Craig stand, wurde ihr klar, dass sie kein Verlangen mehr danach hatte.
Ihr Blick wanderte zu Javier, der wie angewurzelt dastand. Er schien die Last ihrer Verachtung zu spüren und trat, ohne es zu merken, mehrere Schritte zurück. Seine Lippen zitterten, aber er konnte nicht den Mut aufbringen zu sprechen.
Die Feigheit, die Valerie jetzt so deutlich sah, widerte sie an. Wie konnte sie so blind sein? Wie hatte sie sich nur in einen so schwachen, rückgratlosen Mann verlieben können?
Craigs Gesicht verzog sich vor Wut, seine Nasenflügel blähten sich, als sein Blick sie durchbohrte. „Du verwöhntes Gör! Mit welchem Recht kritisieren Sie mich?" brüllte er, seine Stimme zitterte vor Wut.
„Wie kannst du es wagen, so mit mir zu sprechen? Ist dir deine Mutter egal?" Craigs Stimme dröhnte, doch unter der Wut lag etwas Dunkleres – Bosheit flackerte in seinen Augen.
Valerie erstarrte, ihr Herz hämmerte, als eine Welle der Panik durch sie hindurchschwappte. „Meine Mutter? Wie meinst du das? Was hast du mit ihr gemacht?" schrie sie mit heiserer Stimme, die blutunterlaufene Wut war deutlich in ihren Augen zu sehen.
Craigs Lippen verzogen sich zu einem selbstgefälligen Grinsen. "Beruhige dich. „Ich habe sie gerade aus dem Krankenhaus geholt“, antwortete er, seine Worte bewusst langsam, und genoss die Kontrolle, die sie ihm gaben.
Valeries ganzer Körper zitterte, die Wut in ihr drohte zu explodieren.
Ihre Mutter – ihr einziger Anker in dieser verdrehten Welt. Sie hatte ihr Leben der Rettung ihrer Tochter gewidmet und war vom Maschinenbau auf das Medizinstudium umgestiegen, nur um einen Weg zu finden, sie nach dem Unfall zu heilen.
Sie hatte alles – Zeit, Geld, Energie – in den Aufbau eines medizinischen Forschungsinstituts gesteckt und damit echte Fortschritte bei der Behandlung ihrer Mutter erzielt.
Und jetzt stellte Craig das Leben ihrer Mutter als Druckmittel in Aussicht.
Als Craig sah, welche Wirkung seine Worte auf sie hatten, schnaubte er leise, und die Wut, die noch vor wenigen Augenblicken sein Gesicht verzerrt hatte, verschwand. An seine Stelle trat ein dünnes, berechnendes Lächeln, kalt und triumphierend.
„Jonathan Holt hatte einen Autounfall“, sagte Craig kalt und kniff die Augen zusammen. „Ich kann Lacey nicht heiraten lassen und ihr ganzes Leben lang ein Gemüse pflegen. Aber da Sie sich bereits bei einem Mann blamiert haben, können Sie ihren Platz einnehmen und etwas Nützliches für die Familie Brown tun.“
Valeries Gedanken schwirrten.
Jonathan Holt? Der Chef der Holt Group? Ein Autounfall?
Wie konnte ein so schwerwiegender Vorfall unbemerkt bleiben?
Doch ihre Gedanken änderten sich schnell. Nichts davon war im Moment wichtig – weder Jonathan noch die Ehe.
Das Einzige, was zählte, war ihre Mutter.
„Lass meine Mutter gehen, oder du kriegst nichts von mir“, knurrte Valerie mit zusammengebissenen Zähnen. Ihre Stimme war heiser, aber voller gefährlicher Entschlossenheit. Jedes Wort jagte jedem Zuhörer einen Schauer über den Rücken.
Craigs spöttisches Grinsen wurde noch tiefer, sein Blick scharf und kalt. Er nahm seine Brille mit bewusster Langsamkeit ab und putzte sie, als hätte er alle Zeit der Welt.
"Verzeihung? „Sie sind nicht in der Position, mit mir zu verhandeln“, antwortete er mit ruhiger, aber dennoch bedrohlicher Stimme. „Morgen wird Sie jemand zu einem Treffen mit der Familie Holt bringen. Wenn Sie Ihre Mutter wiedersehen möchten, tun Sie, was ich sage. Ansonsten geben Sie mir nicht die Schuld für die Folgen.“
Seine Worte waren wie ein Schlag, kalt und brutal. Er zuckte nicht einmal zusammen, als er Valeries zitternde, wütende Gestalt erblickte. Sie war seine eigene Tochter, aber für ihn war sie kaum mehr als eine Schachfigur.
Stattdessen wandte Craig seine Aufmerksamkeit Lacey zu und holte einen Erste-Hilfe-Kasten hervor, um ihren verletzten Finger sorgfältig zu versorgen. Seine Berührung war sanft, sein Ausdruck voll väterlicher Sorge.
Die zärtliche Szene war ein Dolchstoß in Valeries Herz. Der Anblick von Craig, der Lacey verwöhnte und gleichzeitig ihre eigene Mutter als Druckmittel benutzte, machte den Schmerz unerträglich.
Aber sie konnte es sich nicht leisten, sich von dem Schmerz verzehren zu lassen. Ihrer Mutter zuliebe hatte Valerie keine Wahl. Sie musste ihren Zorn hinunterschlucken und zustimmen – vorerst.
Auch wenn das bedeutete, sich mit der Familie Holt einzulassen – sie hatte keine andere Wahl.
"Bußgeld. Ich stimme zu. „Jetzt raus“, schrie Valerie und ballte ihre Fäuste so fest, dass ihre Knöchel weiß wurden.
Ihre trockenen und rissigen Lippen waren zu einem schmalen Strich zusammengepresst und ihre Augen brannten vor kalter Entschlossenheit.
Sie würde vorerst nachgeben. Doch sobald ihre Mutter in Sicherheit war, würde sie dafür sorgen, dass alle Rechnungen beglichen waren – die der Vergangenheit und der Gegenwart.
Nachdem sie endlich gegangen waren, verschwendete Valerie keine Zeit. Sie zog sich schnell an, bereit, diesen erstickenden Ort zu verlassen.
Doch gerade als sie losgehen wollte, fiel ihr Blick auf etwas, das sie abrupt innehalten ließ.
Auf dem Nachttisch lag ein Manschettenknopf – vergoldet, sein Design unverkennbar. Eine Mondsichel mit komplizierten Hohlmustern.
Ihre Schöpfung.
Ihr Herz setzte einen Schlag aus. Vor Jahren hatte ein mysteriöser Kunde dieses Stück zu einem astronomischen Preis bei ihr in Auftrag gegeben. Hundert Millionen Dollar.
Sie hatte ihre ganze Seele hineingesteckt und es nicht nur als exquisites Accessoire, sondern auch als Werkzeug entworfen – ausgestattet mit einem GPS-Ortungsgerät und einem versteckten lebensrettenden Mechanismus. Es wurde nur ein einziges Exemplar hergestellt.
Wie war es dort gelandet?
Valeries Atem wurde flacher, ihre Gedanken rasten.
Der Besitzer dieses Manschettenknopfes war nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Sie konnte es sich nicht leisten, unerwünschte Aufmerksamkeit zu erregen, nicht jetzt.
Sie hob es auf, ihre Finger zitterten nur leicht, als sie eine dünne silberne Nadel aus ihrer Tasche holte.
Mit geübter Leichtigkeit bediente sie den Manschettenknopf, und ein scharfes Klicken hallte durch den Raum, als sie die Ortungsfunktion deaktivierte.
Vorerst würde sie den damit verbundenen Ärger vermeiden.
Doch tief in ihrem Inneren wusste sie, dass dies kein Zufall war.