Kapitel 3

Abbey erreichte die Seite des Escalade. Sie packte den schweren Chromgriff der hinteren Tür und zog. Ihr Schultergelenk knackte bei der Anstrengung.

Brecken blinzelte, überrascht von ihrer plötzlichen Wendung. Er hatte nicht erwartet, dass sie nach der Szene, die sie gerade verursacht hatte, freiwillig in sein Auto steigen würde. Schnell fasste er sich wieder, drehte sich auf dem Absatz um und marschierte zur Fahrerseite.

Jeffery stand wie angewurzelt auf dem Schotterstreifen. Er beobachtete Abbeys sich entfernenden Rücken. Ein dunkler, hässlicher Blitz aus verletztem Stolz und Irritation verzerrte seine schönen Gesichtszüge. Schnell glättete er seinen Ausdruck wieder zu einer Maske höflicher Besorgnis, bevor es jemand bemerken konnte.

Abbey umklammerte den Rand des Ledersitzes. Sie beugte ihren Oberkörper in die Kabine. Mit beiden Händen griff sie nach ihrem tauben rechten Oberschenkel und hievte ihr ruiniertes Bein über die Schwelle. Ein kalter Schweiß brach ihr vor lauter Anstrengung auf die Stirn.

Sie zog die Tür zu. Der schwere Aufprall schloss die Kabine ab und schnitt den Anblick von Jefferys heuchlerischem Gesicht hinter dem getönten, kugelsicheren Glas vollständig ab.

Brecken glitt auf den Fahrersitz. Er drückte den Zündknopf. Der Motor brüllte auf. Er stellte den Rückspiegel ein, seine Augen fixierten Abbeys Spiegelbild.

„Schön zu sehen, dass du noch einen Funken Selbstbewusstsein übrig hast", spottete Brecken und legte den Gang ein.

Abbey reagierte nicht auf die Beleidigung. Sie presste ihren Rücken fest gegen die Türverkleidung und kauerte sich in die hinterste, dunkelste Ecke des geräumigen Rücksitzes. Sie sah aus wie ein in die Enge getriebenes Tier, das sich auf einen Schlag vorbereitete.

Die Kabine war erstickend warm. Die Klimaanlage blies einen stetigen Strom eines teuren, speziell gemischten Zedernholz- und Vanilleduftes in ihr Gesicht.

Abbeys Augen huschten über das luxuriöse Interieur. Ihr Blick blieb an einem Stapel Gegenstände hängen, die achtlos auf den Mittelsitz geworfen worden waren.

Da war ein seidenes Hermes-Tuch. Drei schwere, strukturierte Bvlgari-Einkaufstaschen. Eine limitierte Chanel-Handtasche aus Lammleder lag prekär auf dem Stapel.

Der Name „Emmie Dudley" war in eleganter Kalligrafie auf einem Geschenkanhänger geschrieben, der an einer der Taschen befestigt war. Es war ein grelles Neonschild, das schrie, wer die wahre Prinzessin der Familie war.

Brecken bemerkte, wohin sie blickte. Sein Kiefer spannte sich an.

„Fass Emmies Sachen nicht an. Deine schmutzigen Hände ruinieren das Leder", warnte er, seine Stimme scharf und beschützend.

Abbey riss den Kopf weg. Sie blickte nicht aus Eifersucht. Die hellen, lebhaften Farben der Designertaschen taten ihren Augen körperlich weh. Fünf Jahre lang war ihre ganze Welt betongrau, rostbraun und blutrot gewesen.

Ihr Atem stockte plötzlich. Die Luft in der Kabine fühlte sich zu dick zum Einatmen an. Die weichen Ledersitze schienen sich um sie herum zu schließen.

Eine heftige Welle von Klaustrophobie schlug ihr in die Brust.

Sie kniff die Augen zusammen. Der Geruch des Zedernholzparfüms verschwand. Er wurde sofort ersetzt durch den scharfen, stechenden Gestank von Industrieblauge und rohem Abwasser.

Sie war nicht länger in einem Luxus-SUV. Sie war zurück im fensterlosen Waschraum des Gefängnisses während ihres ersten Monats. Es gab keine Überwachungskameras.

Sie spürte, wie das raue, mit Bleichmittel getränkte Handtuch brutal in ihren Mund gestopft wurde und ihre Schreie erstickte. Sie spürte das schwere, kalte Gewicht des Eisenrohrs, das durch die feuchte Luft schwang. Sie hörte das feuchte, widerliche Knirschen ihres eigenen Oberschenkelknochens, der in zwei brach.

Abbeys Körper begann zu zittern. Es begann als feines Zittern in ihren Fingern und eskalierte schnell zu heftigen, unkontrollierbaren Schauern. Sie biss auf den Handrücken, ihre Zähne sanken in ihr eigenes Fleisch, um die Phantomschreie in ihrer Kehle gefangen zu halten.

Brecken warf einen Blick in den Rückspiegel. Er sah sie in der Ecke krampfen. Er stieß einen lauten, genervten Seufzer aus.

„Was zum Teufel ist jetzt wieder los mit dir? Stellst du dich ernsthaft an, um mein Mitleid zu erregen?", höhnte Brecken. „Spar dir die Schauspielerei. Es hat vor Gericht nicht funktioniert, und es wird jetzt auch nicht funktionieren."

Die schiere Grausamkeit seiner Worte wirkte wie ein Eimer Eiswasser in ihrem Gesicht.

Der Rückblick zerbrach. Abbey schnappte nach Luft, ihre Lungen weiteten sich schmerzhaft. Langsam senkte sie ihre Hand vom Mund. Tiefe, halbmondförmige Zahnabdrücke bluteten träge in ihre Haut.

Sie öffnete die Augen. Der Schrecken war verschwunden. Die eisige, tote Leere kehrte zurück und fror ihre Pupillen wie eine Schicht Wintereis ein.

In der Höllenlandschaft des Gefängnisses hatte sie die absolute Überlebensregel gelernt. Tränen, Zittern und Schwäche luden die Raubtiere nur dazu ein, härter zuzuschlagen.

Sie zwang ihren Rücken gerade. Vorsichtig hob sie ihr rechtes Bein und legte es hinter ihren linken Knöchel, um die Deformation vor Breckens Blick zu verbergen. Sie verschränkte die Arme vor der Brust und starrte mit absoluter, tödlicher Wachsamkeit auf seinen Hinterkopf.

Brecken fing ihren Blick im Spiegel auf. Die Intensität ihrer Abwehr ließ seine Haut kribbeln. Er verspürte einen plötzlichen, irrationalen Drang, sich zu rechtfertigen, was ihn nur noch wütender machte.

„Ich warne dich jetzt schon", knurrte Brecken, seine Knöchel wurden weiß am Lenkrad. „Die Familie veranstaltet heute Abend ein Willkommensdinner für dich. Jede wichtige Persönlichkeit in New York wird da sein. Du benimmst dich besser und ruinierst den Abend nicht."

Abbey hörte die Worte „Willkommensdinner".

Der Mundwinkel ihres rissigen Mundes zuckte nach oben. Ein langsames, unglaublich dunkles Lächeln bildete sich auf ihren Lippen. Es war der furchterregendste Ausdruck, den Brecken je gesehen hatte.

Sie drehte den Kopf, um aus dem Fenster zu sehen. Die Bäume verschwammen am Glas vorbei. Ihr blasses, eingefallenes Spiegelbild starrte sie an.

Eine riesige, extravagante Dinnerparty für die entehrte, verurteilte Verbrecher-Tochter, mit der sie seit fünf Jahren nicht gesprochen hatten? Es war eine lächerliche, absurde Lüge.

Sie kannte das Drehbuch der Dudley-Familie. Dieses Dinner war eine Falle. Es war eine Bühne, perfekt inszeniert, um sie zu demütigen, sie bloßzustellen und sie an ihren Platz im Dreck zu erinnern.

Abbeys Finger glitten auf ihren Schoß. Sie streichelte sanft das raue Segeltuch ihrer Tasche. Tief im Futter vergraben war das einzige Druckmittel, das sie sich in den letzten fünf Jahren mit Blut und Schweiß erarbeitet hatte.

Sie atmete langsam und kontrolliert. Sie schloss ihr Trauma in einer Stahlbox in ihrem Kopf ein. Ihre Augen schärften sich zu den kalten, berechnenden Klingen eines Henkers. Sie war bereit für das Gemetzel.

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Das spektakuläre Comeback des unerwünschten Sträflings

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