Kapitel 1

Das grelle Morgenlicht schnitt durch den Spalt der schweren Samtvorhänge und stach direkt in Ceciles Augen.

Sie keuchte, ihre Lungen zogen so scharf Luft ein, dass es ihr im Hals brannte. Ihre Brust hob und senkte sich. Sie schreckte hoch, nicht aus einem Albtraum, sondern aus der plötzlichen, erschreckenden Klarheit eines Geistes, der sich endlich von Monaten des Medikamentennebels und psychologischer Manipulation befreite. Die fragmentierten Erinnerungen an ihre jüngste Vergangenheit – die unzähligen Male, in denen sie ihren fünfjährigen Sohn teilnahmslos angestarrt hatte, die Art, wie sein kleiner Körper instinktiv vor ihren unberechenbaren Ausbrüchen zurückschreckte – überfluteten ihr Gehirn. Diese echten, tiefgreifenden Erinnerungen waren weitaus entsetzlicher als jeder schlechte Traum. Die Erkenntnis, dass sie ihr eigenes Kind aktiv zerstörte, traf sie wie ein physischer Schlag und blitzte hinter ihren Augenlidern auf.

Panik, roh und erstickend, packte sie an der Kehle. Sie schlug mit den Beinen aus, verhedderte sich in den Seidenlaken und kletterte hastig aus dem riesigen Bett. Ihre nackten Füße trafen auf den kalten Hartholzboden.

Die schwere Eichentür des Schlafzimmers knarrte auf.

Damien stand im Türrahmen. Er war winzig und klammerte einen ausgefransten Teddybär an seine Brust. Seine bernsteinfarbenen Augen waren weit geöffnet und verfolgten ihre unberechenbaren Bewegungen. Als er ihren wilden Ausdruck sah, zogen sich seine kleinen Schultern sofort bis zu den Ohren hoch. Er erstarrte, sein ganzer Körper zitterte wie ein Blatt im Wintersturm.

Ceciles Herz schlug gegen ihre Rippen. Er lebte. Er war genau hier.

Sie machte einen verzweifelten Schritt auf ihn zu, ihre Arme streckten sich aus.

Ihr Fuß stieß an etwas Hartes. Eine leere Weinflasche rollte mit einem lauten, hohlen Klirren über den Boden.

Beim Geräusch des rollenden Glases stieß Damien ein kurzes, scharfes Keuchen aus. Er ließ den Bären fallen und warf beide Arme über den Kopf, wich zurück gegen den Türrahmen. Es war eine lehrbuchmäßige Abwehrhaltung. Er bereitete sich auf einen Schlag vor.

Der Anblick seiner erhobenen Arme fühlte sich für Cecile wie ein physischer Schlag in den Magen an. Galle stieg ihr in den Hals. Sie zwang ihre Füße, stehen zu bleiben. Sie grub ihre Nägel in ihre Handflächen, bis der Schmerz sie erdete.

„Damien", flüsterte sie. Ihre Stimme zitterte, aber sie zwang sie, so sanft wie ein Atemzug zu sein. „Damien, sieh mich an."

Damien senkte seine Arme nicht. Er lugte durch den Spalt zwischen seinen Ellbogen. Seine bernsteinfarbenen Augen waren voller tiefem, verwurzeltem Misstrauen. Er drückte seinen Rücken fester gegen das Holz des Türrahmens und weigerte sich, die Distanz zu überbrücken.

Cecile sank langsam auf die Knie. Sie ignorierte den kalten Boden, der in ihre Haut drang. Sie hielt ihre Hände offen und auf ihren Oberschenkeln ruhend, machte sich so klein und ungefährlich wie möglich.

„Ich werde nicht schreien", sagte sie, ihre Kehle eng, Tränen brannten hinter ihren Augen. „Ich verspreche es dir, Schatz. Ich werde dich nie wieder anschreien."

Damiens Arme senkten sich einen Bruchteil eines Zolls. Seine Stirn runzelte sich.

Bevor er ihre Worte verarbeiten konnte, hämmerten drei scharfe, aggressive Klopfer an die offene Tür.

Arthur, der Haushofmeister, trat ins Zimmer. Seine Haltung war steif, seine Nase leicht erhoben. Er warf Damien nicht einmal einen Blick zu.

„Madam", sagte Arthur, sein Ton triefte vor kaum verhohlenem Ekel. „Das Produktionsteam für Super Mom ist eingetroffen. Sie warten unten."

Die Erinnerung an ihr früheres Leben prallte in Ceciles Gehirn. Die Reality-Show. Die öffentliche Demütigung. Das PR-Skript, das darauf ausgelegt war, sie zu zerstören und das öffentliche Image ihres Mannes zu verbessern.

Die Panik in ihrer Brust verflog, ersetzt durch einen kalten, harten Eisblock.

Cecile stand auf. Sie sah Arthur nicht an. Sie drehte ihm den Rücken zu und ging direkt in den riesigen begehbaren Kleiderschrank. Sie musste dieses Seidennachthemd ausziehen, das nach abgestandenem Alkohol und schlechten Entscheidungen stank.

Sie drängte sich an den Kleiderständern mit Paillettenkleidern und Neon-Crop-Tops vorbei – der Garderobe eines inszenierten Desasters. Sie schnappte sich ein einfaches, übergroßes graues Baumwoll-Sweatshirt und eine verwaschene schwarze Leggings. Sie zog sie an, der weiche Stoff wirkte wie eine Rüstungsschicht.

Sie ging in das angrenzende Hauptbadezimmer und drehte den Wasserhahn auf. Sie spritzte sich eiskaltes Wasser ins Gesicht. Der Schock der Kälte klärte die letzten Reste des Katers. Sie starrte auf ihr blasses, ungeschminktes Gesicht im Spiegel. Die schwache, leicht manipulierbare Cecile war tot.

Sie kam zurück. Damien stand immer noch an der Tür und beobachtete sie mit vorsichtigen Augen.

Cecile ging auf ihn zu. Sie versuchte nicht, ihn hochzuheben. Stattdessen beugte sie sich sanft hinunter und umschloss seine kleine, eiskalte Hand mit ihren Fingern.

Damien zuckte zusammen. Seine Muskeln wurden völlig steif. Er versuchte, seine Hand zurückzuziehen, aber Cecile hielt fest. Ihr Griff war nicht fest, aber er war stetig. Warm. Unnachgiebig. Nach einer langen Sekunde hörten seine Finger auf, sich wegzuziehen.

Cecile führte ihn hinaus in den Flur.

Arthur stand da und hielt einen dicken Stapel gehefteter Papiere. Er warf einen Blick auf ihr ungeschminktes Gesicht und ihre schlichte Kleidung, und sein Kiefer erschlaffte für einen Bruchteil einer Sekunde.

„Ihr PR-Skript, Madam", sagte Arthur und schob ihr die Papiere entgegen. „Das Team erwartet, dass Sie die Erzählung der ‚reumütigen Mutter‘ genau wie geschrieben befolgen."

Cecile sah die Papiere an. Sie hob ihre Hand nicht. Sie hielt Damien fest und ging direkt am Butler vorbei.

„Madam", schnappte Arthur, trat zur Seite, um ihren Weg zu versperren. „Mr. Bradford erwartet volle Einhaltung –"

Cecile blieb stehen. Sie drehte langsam den Kopf. Ihre Augen fixierten Arthurs. Es gab keine Hysterie in ihrem Blick, nur eine tote, eiskalte Ruhe.

„Bewegen Sie sich", sagte sie. Das Wort war leise, aber es trug das Gewicht einer physischen Bedrohung.

Arthurs Atem stockte. Er machte instinktiv einen halben Schritt zurück, sein Rücken plötzlich feucht von kaltem Schweiß. Er sah sprachlos zu, wie sie den Jungen zur großen Treppe führte.

Unten im riesigen Foyer baute das Reality-Show-Team auf.

Inmitten des Chaos stand Octavia Cromwell. Sie hielt ein Klemmbrett in der einen Hand und ein Funkgerät in der anderen. Ihr junger Sohn, Miles, stand leise neben ihr und klammerte sich an einen kleinen Rucksack.

Octavia war eine Frau, die zwei Rollen innehatte. Vertraglich und konzeptionell war sie die Regisseurin der Show – die Frau, die jeden Schuss bestimmte, jeden Kamerawinkel kontrollierte und jede Wendung diktierte. Aber die Produzenten, gierig nach Drama, hatten sie auch in die Liste der Kandidaten gezwungen. Sie konkurrierte neben den anderen Müttern, kämpfte um die gleichen Luxuskörbe und Überlebenspunkte, während sie gleichzeitig versuchte, ihren Sohn in Sicherheit zu bringen. Es war ein Tanz auf Messers Schneide, und sie wusste, dass jeder andere Kandidat sie dafür hasste.

„Octavia, wir sind bereit für die erste Aufnahme", sagte ihre Assistentin Taylor und stellte ein Licht ein.

Octavia nickte. Sie sah zu Miles hinunter und strich ihm eine Haarsträhne von der Stirn. „Bleib heute nah bei mir. Nicht weglaufen."

Miles nickte schweigend, seine Augen weit geöffnet, als er das Chaos aufnahm.

Taylor hatte ein Grinsen im Gesicht, eine geladene Frage auf der Zunge. Doch als Cecile ins Licht trat, schnappte Taylors Mund zu. Kein starkes Make-up. Keine Designer-Absätze. Nur eine Frau in einem grauen Sweatshirt, die die Hand ihres Sohnes hielt.

Octavias Augen weiteten sich. Sie klopfte dem Kameramann auf die Schulter und zeigte hektisch, um auf Ceciles Gesicht zu zoomen.

Taylor erholte sich von ihrem Schock. Sie schnappte sich ein Galgenmikrofon und stürzte vorwärts, schob das flauschige Ende direkt auf Damiens Gesicht zu.

„Damien!", zwitscherte Taylor, ihre Stimme übermäßig laut. „Hast du Angst, heute mit deiner Mami auf eine Reise zu gehen?"

Die plötzliche Bewegung des Mikrofons ließ Damien keuchen. Er krabbelte rückwärts, versuchte sich hinter Ceciles Beinen zu verstecken, seine kleinen Hände umklammerten den Stoff ihrer Leggings so fest, dass seine Knöchel weiß wurden.

Ceciles Arm schoss heraus. Sie schlug das Mikrofon mit dem Handrücken weg. Der schwere Aufprall von Plastik auf Plastik hallte im Foyer wider.

Sie trat zur Seite und benutzte ihren eigenen Körper als physischen Schild zwischen ihrem Sohn und dem Kameraobjektiv.

„Zurücktreten", befahl Cecile, ihre Stimme schnitt wie ein Rasiermesser durch den Raum. „Sie sind in seinem persönlichen Bereich."

Taylor stolperte zurück, ihr Gesicht wurde rot. Sie öffnete den Mund, um zu widersprechen, aber Ceciles Augen fesselten sie an den Fleck. Die reine Feindseligkeit, die von Cecile ausging, ließ Taylors Kehle zuschnüren.

Octavia beobachtete den Austausch, ohne einzugreifen. Ein kleines, fast unmerkliches Lächeln berührte ihre Lippen. Diese Frau – Cecile Bradford – war nicht das Desaster, das die Boulevardzeitungen versprochen hatten. Octavia merkte sich diese Beobachtung für später.

Auf dem Live-Feed explodierte der Chat. Millionen von Zuschauern verfolgten den Feed in Echtzeit.

Seht sie euch an! Sie misshandelt jetzt das Team!

Das arme Kind sieht verängstigt vor ihr aus.

Sperrt diese toxische Schlampe.

Cecile ignorierte das rote Licht der Kamera. Sie ignorierte das Team, das sie anstarrte. Sie bückte sich und hob Damien in ihre Arme. Ihre Bewegungen waren leicht steif, ungeübt, aber sie schmiegte seinen Kopf mit äußerster Sorgfalt unter ihr Kinn.

Sie trug ihn durch die schweren Eichen-Haustüren, die Steinstufen hinunter und stieg in den hinteren Teil des wartenden schwarzen Produktionsbusses.

Kapitel 2

Die schweren Türen des Lieferwagens schlugen zu und schlossen sie darin ein. Das Fahrzeug ruckte vorwärts und ließ die Tore des Anwesens in Beverly Hills hinter sich.

Die Luft in der Kabine war dick und erstickend. Taylor saß auf dem Beifahrersitz und drehte ihren Körper, um eine Handkamera direkt auf den Rücksitz zu richten. Das rote Aufnahmelicht blinkte unaufhörlich.

Cecile schob Damien auf den Ledersitz neben sich. Sie griff nach dem Sicherheitsgurt. Ihre Hände fummelten leicht an der schweren Metallschnalle, ihr Muskelgedächtnis aus ihrem früheren Leben ließ die einfache Fähigkeit vermissen, ein Kind anzuschnallen.

Die Metallzunge klickte mit einem scharfen Klacken in die Schnalle.

Damiens ganzer Körper zuckte zusammen. Er dachte, das Geräusch sei ein Schloss. Er drängte sich seitwärts, presste seinen Rücken fest gegen die Lieferwagentür und zog die Knie an die Brust.

Taylors Kamera fing das Zucken perfekt ein.

Taylor blickte auf das Tablet, das auf ihrem Schoß lag. Die Anzahl der Live-Zuschauer schoss in die Höhe. Der Chat war ein Wirrwarr aus Hass.

Hast du gesehen, wie er gezuckt hat? Sie schlägt ihn definitiv. Ruft sofort den Kinderschutz an.

Ein grausames Lächeln zuckte um Taylors Mundwinkel. Sie räusperte sich und las den Bildschirm laut vor. „Wow, Cecile. Nutzer 'MommaBear99' sagt: ‚Eine toxische Frau wie du verdient es nicht, Mutter zu sein.‘ Irgendwelche Gedanken dazu?"

Cecile schrie nicht. Sie bekam keinen Wutanfall, wie sie es früher getan hatte. Sie hob langsam ihr Kinn und starrte direkt in die Kameralinse.

Ihre Augen waren pechschwarz, bar jeder Emotion. Es war ein Blick, so hohl und beängstigend, dass der rasante Chat auf dem Bildschirm tatsächlich drei volle Sekunden lang pausierte. Die Zuschauer hinter ihren Bildschirmen spürten einen plötzlichen, unerklärlichen Schauer über den Rücken laufen.

Cecile löste den Blick. Sie öffnete den Reißverschluss ihrer übergroßen Tragetasche und zog eine weiche, gefaltete Kaschmirdecke heraus. Sie beugte sich vor und legte sie sanft über Damiens zitternde Beine.

Damien blickte auf den Stoff. Er atmete flach und kurz ein. Es gab keinen erstickenden Geruch von teurem Parfüm daran. Es roch einfach nach sauberer Wäsche und Sonnenlicht. Die starre Anspannung in seinen Schultern ließ ein kleines Stück nach.

Taylor runzelte die Stirn. Die Stille war nicht gut für die Einschaltquoten. Sie griff in ihre Mappe und zog ein glänzendes Foto heraus. Sie hielt es in die Kamera, dann schob sie es Cecile entgegen.

Es war ein Bild von Abbey White, der vom Internet gefeierten „perfekten Mutter", die Kekse mit ihrem Stiefsohn, Brayan, backte.

„Abbey führt derzeit die Zuschauerumfragen mit neunzig Prozent an", sagte Taylor, ihre Stimme triefte vor falscher Süße. „Wie fühlt es sich an, gegen jemanden anzutreten, der von ihrer Familie und der Öffentlichkeit universell geliebt wird?"

Cecile warf einen Blick auf das Foto. Ein bitteres, spöttisches Lächeln umspielte ihre Lippen.

„Eine echte Mutter", sagte Cecile, ihre Stimme war flach und leise, „braucht kein Kamerateam, um zu beweisen, dass sie ihr Kind liebt."

Taylors falsches Lächeln verschwand. Die Implikation war klar. Der Chat brach erneut aus, diesmal gespalten zwischen Empörung und Schock über ihre Dreistigkeit, die heilige Abbey White zu beleidigen.

Plötzlich zerriss ein lautes Hupen die Spannung.

Die Bremsen des Lieferwagens blockierten. Die Reifen quietschten auf dem Asphalt. Das massive Fahrzeug ruckte heftig nach vorne.

Taylor schrie, als sie gegen das Armaturenbrett geschleudert wurde.

Auf dem Rücksitz riss die extreme Wucht Damien nach vorne. Sein kleiner Körper hob vom Ledersitz ab, seine Stirn schoss direkt auf die harte Plastikverkleidung des Vordersitzes zu.

Cecile dachte nicht nach. Ihr Körper handelte aus reinem Instinkt. Sie warf ihren Oberkörper über die Lücke und schlug ihren rechten Arm flach gegen die Plastikverkleidung, genau als Damiens Kopf aufschlug.

Dumpfer Schlag.

Damiens Stirn prallte gegen Ceciles Unterarm. Der knochenerschütternde Aufprall sandte eine Schockwelle des Schmerzes Ceciles Schulter hinauf. Ein scharfer Grunzlaut entwich ihren Lippen. Kalter Schweiß perlte sofort auf ihrer Stirn.

Der Lieferwagen kam schaukelnd zum vollständigen Stillstand.

Damien keuchte, seine Hände flogen zu seinem Kopf. Er blinzelte, seine bernsteinfarbenen Augen weit vor Schock. Er war nicht verletzt. Er blickte nach unten.

Ceciles Arm war zwischen ihm und dem Sitz eingeklemmt. Eine dunkle, wütend rote Strieme schwoll bereits über ihrem blassen rechten Unterarm an.

Damien blickte zu ihrem Gesicht auf. Zum ersten Mal in seinem Leben sah er pure, ungefilterte Angst in den Augen seiner Mutter – nicht um sich selbst, sondern um ihn. Etwas Schweres und Enges in der Mitte seiner Brust zerbrach plötzlich.

Taylor kletterte zurück auf ihren Sitz. Sie fragte nicht, ob es ihnen gut ging. Sie schob die Kamera direkt auf Ceciles Gesicht, um die Nachwirkungen des Chaos einzufangen.

Cecile schob die Kameralinse mit ihrer linken Hand weg.

„Überprüfen Sie die Straße!", brüllte Cecile den Fahrer an, ihre Stimme vibrierte vor Autorität. „Jetzt!"

Der Fahrer, blass und zitternd, stammelte: „E-ein streunender Hund ist herausgelaufen. Es tut mir leid. Es tut mir so leid."

Cecile ignorierte ihn. Sie richtete ihre gesamte Aufmerksamkeit auf Damien. Ihre zitternden Finger tasteten sanft seinen Nacken ab und überprüften seine Wirbelsäule. „Bist du verletzt? Tut dein Nacken weh?", flüsterte sie schnell.

Im Live-Feed durchbrachen einige vereinzelte Kommentare den Hass.

Moment, hat sie gerade seinen Kopf mit ihrem Arm blockiert? Sie sieht wirklich verängstigt um ihn aus.

Taylor bemerkte die Veränderung in den Kommentaren. Sie senkte schnell die Kamera. „Wir fahren zum LAX VIP-Absetzpunkt", verkündete sie laut und unterbrach den Moment. „Die anderen Darsteller warten."

Der Lieferwagen rollte zum Stillstand. Außerhalb der getönten Scheiben brach ein Meer von blitzenden Kamerablitzen wie ein Stroboskoplicht aus. Eine riesige Menge Paparazzi und wütender Demonstranten schwärmte um das Fahrzeug und presste ihre Gesichter gegen das Glas.

Damiens Atmung stockte. Seine Brust begann in schnellen, flachen Zuckungen auf und ab zu gehen. Seine kleinen Hände krallten sich am Rand seines Sitzes fest. Die PTSD-Reaktion setzte ein.

Cecile sah, wie seine Brust sich hob und senkte. Sie zog sofort ihr graues Sweatshirt aus, sodass sie nur noch ein dünnes weißes T-Shirt trug. Sie warf den übergroßen Stoff über Damiens Kopf und bedeckte ihn vollständig von der Taille aufwärts.

Sie hob den eingepackten Jungen in ihre Arme und presste sein bedecktes Gesicht fest gegen ihr Schlüsselbein.

Mit ihrem pochenden verletzten Arm streckte Cecile die Hand aus und stieß die Lieferwagentür auf.

Das Gebrüll der Menge traf sie wie eine physische Wand. Flüche und Kamerablitze blendeten die Luft. Ceciles Augen wurden zu Eis. Wie eine Königin, die ein Schlachtfeld betritt, trat sie hinaus in den Sturm.

Kapitel 3

Der Lärm war ohrenbetäubend.

„Kinderschänder!", schrie eine Stimme von links.

„Geh zurück in die Entzugsklinik, du Psycho!", brüllte eine andere von rechts.

Cecile hielt ihr Kinn eingezogen, ihr unverletzter Arm wie ein Stahlband um das graue Bündel an ihrer Brust geschlungen. Sie schob ihre Schulter vorwärts und nutzte ihren Körper als Rammbock durch die erdrückende Menschenmenge.

Eine Hand schoss aus der Menschenmasse hervor. Ein Mann mit einem wütenden Blick in den Augen packte den Rand des Sweatshirts, das Damiens Kopf bedeckte, und versuchte, es wegzureißen.

Ceciles Augen wurden leer. Sie zögerte nicht. Ihre freie Hand schnellte wie eine Viper hervor. Sie packte das Handgelenk des Mannes, drückte ihren Daumen fest auf den Nerv und drehte scharf nach unten.

Der Mann schrie auf, seine Knie knickten ein, als er rückwärts in die Menge stolperte.

Die brutale, effiziente Bewegung sandte eine Schockwelle durch die Paparazzi. Das aggressive Drängen hörte auf. Die Menge teilte sich instinktiv und hinterließ einen schmalen, zwei Fuß breiten Pfad zu den Glastüren des VIP-Terminals.

Cecile blickte nicht zurück. Sie trug Damien durch die Schiebetüren und ließ das Chaos hinter sich.

Die schweren Glastüren schlossen sich und dämpften das Gebrüll der Menge zu einem fernen, wütenden Summen. Die relative Stille der VIP-Lounge fühlte sich wie ein Zufluchtsort an. Cecile ging zu einer abgelegenen Ecke, setzte sich und zog das Sweatshirt sanft zurück.

Damien blinzelte im sanften Licht. Sein Atem war immer noch schnell, aber er weinte nicht. Er sah auf ihren Arm, dann auf ihr Gesicht.

„Der Flug wird geboardet", rief ein Produzent.

Cecile stand auf und hielt Damiens Hand fest. Sie gingen die Fluggastbrücke hinunter und betraten die luxuriöse Kabine des Privatjets.

Die drei anderen Familien saßen bereits. In dem Moment, als Cecile eintrat, schien der Luftdruck in der Kabine zu sinken.

Hayleigh Owen, eine ehemalige Pop-Sängerin mit Sprühbräune und einem permanenten Grinsen, stieß ein lautes, theatralisches Schnauben aus. „Wow. Ich kann nicht glauben, dass sie dich tatsächlich ins Flugzeug gelassen haben. Hast du keinen Spirituosenladen auszurauben?"

Hayleighs Sohn, Jaxon, kicherte laut und zog ein groteskes, spöttisches Gesicht zu Damien.

Damiens bernsteinfarbene Augen verdunkelten sich. Er schrumpfte instinktiv weiter hinter dem Bein seiner Mutter zusammen, seine kleine Hand umklammerte den Stoff ihrer Leggings fester. Die laute, hässliche Stimme der Frau bereitete ihm Kopfschmerzen, und der plötzliche Lärm löste eine vertraute, erstickende Panik tief in seiner Brust aus. Er kniff die Augen zusammen und wünschte, er könnte einfach im Boden verschwinden, anstatt sich einem weiteren schreienden Erwachsenen stellen zu müssen.

Bevor er sich zurückziehen konnte, drückte Ceciles Hand seine Schulter. Ein sanfter, erdender Druck.

Cecile sah Hayleigh nicht einmal an. Sie hielt ihren Blick starr geradeaus gerichtet und ging an der Pop-Sängerin vorbei, als wäre sie ein hässliches Möbelstück. Sie führte Damien in die allerletzte Reihe des Flugzeugs und setzte sich schweigend hin.

Hayleighs Gesicht wurde dunkelrot. Ihre Beleidigung hing unbeholfen in der Luft, völlig ignoriert. Sie sank wütend in ihren Ledersitz zurück.

Ein paar Reihen weiter vorne senkte Sloane Adler, eine A-List-Schauspielerin, ihre Sonnenbrille und beobachtete Cecile mit einem Anflug echter Überraschung.

Dann signalisierte das Rascheln von Stoff Bewegung. Abbey White stand auf. Sie strich ihren makellosen Pastell-Cardigan glatt und nahm ein Glas warme Milch vom Tablett der Flugbegleiterin. Sie ging den Gang entlang, ein Kameramann direkt hinter ihr.

Abbey blieb in Ceciles Reihe stehen. Ihr Gesicht war eine Maske reiner, engelsgleicher Besorgnis.

„Cecile, Schatz", säuselte Abbey, ihre Stimme sanft genug, um intim zu klingen, aber laut genug, damit das Mikrofon sie einfing. „Ich habe die Nachrichten über den Van gesehen. Ist dein Arm in Ordnung?"

Bevor Cecile antworten konnte, wandte Abbey ihr strahlendes Lächeln Damien zu. Sie hielt das Glas Milch hin. „Hier, Süßer. Warme Milch hilft, die Nerven zu beruhigen. Du musst so verängstigt sein."

Damien starrte auf die weiße Flüssigkeit. Er griff nicht danach. Stattdessen lehnte er sein gesamtes Körpergewicht an Ceciles Seite und drückte sein Gesicht in ihre Rippen. Es war eine unverhohlene, körperliche Ablehnung.

Abbeys Hand schwebte in der Luft. Ein Mikroausdruck reiner Irritation zuckte im linken Augenwinkel, aber sie zwang sich schnell zu einem traurigen, verständnisvollen Lächeln. „Oh, er ist nur schüchtern."

„Er ist laktoseintolerant", sagte Cecile. Ihre Stimme war flach, bar jeder Emotion.

Die Stille in der Kabine war absolut.

Cecile sah zu Abbey auf. „Es steht in der medizinischen Grundakte, die die Produzenten uns allen geschickt haben. Hast du sie nicht gelesen, bevor du beschlossen hast, den Retter für die Kameras zu spielen?"

Abbeys Gesicht verlor seine Farbe. Das Glas Milch zitterte leicht in ihrer Hand. Ihre perfekte Fassade bekam Risse und enthüllte die hektische Berechnung darunter. Sie hatte keine Antwort.

Hinter dem Monitor in der vorderen Bordküche leuchteten die Augen von Regisseurin Octavia vor gieriger Aufregung. Das war Fernsehgold.

Zwei Stunden später landete das Flugzeug auf einer rissigen, unkrautbewachsenen Landebahn.

Die Türen öffneten sich, und ein eisiger Windstoß, der Sand und Staub mit sich führte, traf die Passagiere. Die Prominenten stöhnten und zogen ihre Designermäntel enger. Cecile zuckte nicht zusammen.

Cody Mason, der von der Produktion engagierte raue lokale Führer, stand auf dem Rollfeld. „Willkommen in Rust Creek", bellte er. „Steigt in den Bus."

Die Fahrt in die Stadt war brutal. Der verrostete Bus traf jedes Schlagloch auf der unbefestigten Straße. Damiens Gesicht nahm einen kränklichen Grünton an. Er umklammerte seinen Magen und kämpfte gegen den Drang zu erbrechen.

Cecile beugte sich vor. Ihre Finger fanden den Druckpunkt an der Innenseite seines Handgelenks, direkt unter der Handfläche. Sie drückte ihren Daumen nach unten und massierte in langsamen, festen Kreisen. Innerhalb weniger Minuten kehrte die Farbe langsam in Damiens Wangen zurück. Er lehnte seinen Kopf an das ratternde Fenster und atmete leichter.

Der Bus hielt an einem kargen, staubigen Platz im Zentrum der Stadt. Eine große Tafel stand in der Mitte und zeigte fünf Fotos von Häusern. Haus 1 war eine anständige Hütte. Haus 3 war eine massive, moderne Luxusvilla. Haus 5 war eine eingestürzte Lehmhütte mit einem Loch im Dach.

Octavia trat mit einer Holzkiste vor. „Zieht eure Lose. Das bestimmt, wo ihr die nächste Woche wohnen werdet."

Hayleigh sprintete praktisch nach vorne. Sie zog einen Stab. „Haus 2!", jubelte sie.

Abbey stieß ihren Stiefsohn, Brayan, an. Der Junge ging gehorsam vor und zog einen Stab. „Haus 3", las er leise. Abbey klatschte entzückt in die Hände und küsste seine Wange für die Kameras.

Cecile ging als Letzte vor. Es waren noch zwei Stäbe in der Kiste. Als sie ihre Hand hineinstreckte, berührten ihre Finger den Boden. Sie spürte eine dicke Schicht doppelseitigen Klebebands, das einen Stab fest an Ort und Stelle hielt.

Die Ziehung war manipuliert.

Cecile zögerte nicht. Sie beschwerte sich nicht. Sie zog den einzigen verfügbaren losen Stab. Sie drehte ihn um.

Eine leuchtend rote Nummer 5 starrte sie an.

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Wiedergeboren als Milliardärsgattin: Die verschmähte Ehefrau glänzt im Live-TV

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