Kapitel 3

Auf dem Highway ausgesetzt

Vivian fuhr mit dem Range Rover auf den Interstate I-90. Der Himmel über Boston riss plötzlich auf und ein sintflutartiger Regen prasselte herab.

Die Scheibenwischer schlugen auf höchster Stufe hin und her, doch die Regenwände machten die Sicht fast unmöglich. Die schweren Reifen des SUV gerieten auf dem sich sammelnden Wasser leicht ins Aquaplaning.

Ihr Gehirn fühlte sich völlig von ihrem Körper losgelöst an. Das Bild, wie Landon Whitneys Hals auf dem Rücksitz küsste, spielte sich in einer unaufhörlichen, widerlichen Schleife vor ihrem inneren Auge ab.

Sie schüttelte heftig den Kopf. Sie blinzelte schnell und versuchte, die verschwommenen roten Rücklichter eines Sattelschleppers meilenweit vor ihr zu fokussieren.

Plötzlich schoss eine dunkle Gestalt vom betonierten Mittelstreifen hervor. Es war unmöglich zu sagen, ob es ein streunender Hund oder ein Trümmerteil war, aber es befand sich direkt auf ihrem Weg.

Vivians Überlebensinstinkt setzte ein. Sie riss das Lenkrad scharf nach rechts.

Die Reifen quietschten auf dem glatten Asphalt.

Eine gewaltige Zentrifugalkraft schleuderte ihren Körper zur Seite. Der Sicherheitsgurt blockierte sofort und schnitt ihr mit einem blendenden Schmerzblitz ins Schlüsselbein.

Der Range Rover geriet ins Schleudern. Die vordere Stoßstange krachte frontal in die massive Betonbarriere. Das ohrenbetäubende Krachen von reißendem Metall und berstendem Glas erfüllte die Kabine.

Der Airbag des Lenkrads explodierte nach außen. Er schlug Vivian mitten ins Gesicht. Ihr wurde schwarz vor Augen.

Minuten später strömte der eiskalte Regen durch das zerborstene Fenster der Fahrerseite herein. Das eiskalte Wasser traf Vivians Gesicht und riss sie zurück ins Bewusstsein.

Sie hustete heftig. Der metallische Geschmack von Blut füllte ihren Mund. Der dichte, übelriechende Gestank von reinem Benzin brannte in ihren Nasenlöchern.

Sie versuchte, ihre Beine zu bewegen. Panik schoss durch ihr Nervensystem. Das gesamte Armaturenbrett war nach innen geklappt und hatte beide ihrer Schienbeine in einem Gewirr aus Plastik und Stahl eingeklemmt. Sie konnte sie nicht herausziehen.

Warmes Blut tropfte aus einer Wunde an ihrer Stirn und lief ihr direkt ins linke Auge. Die Welt nahm einen schrecklichen, verschwommenen Rotstich an.

Ihre Brust hob und senkte sich schwer. Sie streckte ihre zitternde, blutverschmierte rechte Hand in Richtung der Trümmer auf dem Beifahrersitz aus.

Ihre Finger streiften ihr Handy. Der Bildschirm war von Rissen wie ein Spinnennetz durchzogen, aber die Hintergrundbeleuchtung leuchtete noch.

Sie wischte über den Bildschirm und tippte auf den letzten Kontakt in ihrer Anrufliste. Landon.

Das Telefon klingelte. Jeder Klingelton fühlte sich wie eine Ewigkeit an. Gerade als die Mailbox anspringen sollte, knackte es in der Leitung. Die Hintergrundgeräusche einer privaten Flughafenlounge drangen durch den Lautsprecher.

„Landon", keuchte Vivian. Ihre Stimme brach in ein verzweifeltes Schluchzen aus. „Ich hatte einen Unfall. Ich bin im Auto eingeklemmt."

Zwei Sekunden lang herrschte Totenstille in der Leitung.

„Willst du mich jetzt ernsthaft mit dieser Nummer abziehen?" Landons Stimme war von schwerer Gereiztheit durchzogen.

„Nein, bitte", schrie Vivian und kämpfte gegen das eingedrückte Armaturenbrett an. „Ich rieche Benzin. Das Auto könnte Feuer fangen. Bitte ruf einen Krankenwagen."

Durch den Hörer war Whitneys weinerliche Stimme deutlich zu hören. Landon, sie warten darauf, dass wir an Bord gehen.

Landons Tonfall sank auf den absoluten Nullpunkt. „Benutze nicht diese billigen, pathetischen Taktiken, um mein Wochenende zu ruinieren, Vivian."

„Landon, ich blute! Bitte ruf einfach den Notruf!", schrie Vivian, ihre Kehle schmerzte von der Anstrengung.

„Kümmer dich selbst um den Firmenwagen", sagte Landon kalt.

Die Leitung war tot.

Der Wählton summte in Vivians Ohr. Es fühlte sich an wie ein physischer Hammer, der das letzte zerbrechliche Stück ihrer Seele zu Staub zerschlug.

Der gesprungene Handybildschirm flackerte, sprühte durch das Regenwasser einmal Funken und wurde dann komplett schwarz. Ihre einzige Rettungsleine war verschwunden.

Donner grollte über den dunklen Highway. Vivian sank zurück in den blutbefleckten Ledersitz. Ein hohles, eiskaltes Lachen entrang sich ihrer Brust.

Sie hörte auf, an ihren eingeklemmten Beinen zu ziehen. Sie ließ den eiskalten Regen über ihre offenen Wunden spülen. Der Hass auf Landon Mercer kristallisierte sich in ihren Adern und ließ ihr Blut zu Eis gefrieren.

Ihr Blickfeld verengte sich zu einem Tunnel. Gerade als sie wieder das Bewusstsein verlieren wollte, schnitt das durchdringende Heulen von Sirenen durch den Sturm.

Ein blendend weißer Scheinwerfer durchdrang den Regen und beleuchtete die zerquetschte Motorhaube des Range Rover. Männer in neongelben Warnwesten sprinteten auf ihre Tür zu.

Vivians Augenlider flatterten und schlossen sich. In der letzten Sekunde, bevor die Dunkelheit sie verschlang, hörte sie einen Sanitäter in ein Funkgerät schreien.

„Rufen Sie Mass General an! Sagen Sie ihnen, sie sollen sich auf ein schweres Trauma vorbereiten!"

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Von ihm verstoßen, vom Multimilliardär beansprucht

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