Kapitel 2

Angelo stand im sterilen Flur vor dem Bildgebungszentrum. Er starrte durch das dicke Glasfenster auf das riesige MRT-Gerät, das Elba verschluckte. Er griff hoch und lockerte seine Seidenkrawatte, der Stoff glitt ihm durch die Finger.

Sein Telefon vibrierte in seiner Tasche. Er zog es heraus.

„Boss, das Überwachungsmaterial für diese spezifische Stunde fehlt. Ein gemeldeter Netzwerkausfall."

Angelo starrte auf den Bildschirm. Die Haut um seine Augen spannte sich. Ein kalter, schwerer Knoten bildete sich in seinem Magen. Der Verdacht bezüglich Georgina fasste Wurzel und wuchs schnell zu einer dunklen Gewissheit heran.

Die schwere Metalltür öffnete sich. Der behandelnde Arzt kam heraus und wischte sich mit einem Taschentuch den Schweiß von der Stirn. „Mr. Potter, ihr Gehirn und Nervensystem sind völlig normal. Keine physischen Schäden."

Angelo entriss dem Arzt den medizinischen Bericht. Er blätterte durch die Seiten, seine Augen überflogen die Daten. Nichts. Sie war körperlich unversehrt.

Eine Krankenschwester schob Elba in den Flur. Angelo trat hinter den Rollstuhl. Er sah das medizinische Personal an.

„Raus", sagte Angelo.

Der Arzt und die Krankenschwestern zerstreuten sich sofort.

Angelo schob den Rollstuhl zurück ins VIP-Zimmer. Er schloss die Tür, bis sie hörbar zuschnappte. Die Stille im Raum war erdrückend.

Er ging zur Seite des Bettes. Er zog einen schweren Stuhl heran und setzte sich, seine langen Beine übereinandergeschlagen. Er stützte die Ellbogen auf die Armlehnen und starrte sie an.

„Elba", sagte Angelo, seine Stimme tief und forschend. „Hast du vorhin etwas über die Finanzberichte des Unternehmens erwähnt?"

Elbas Herz setzte einen Schlag aus. Sie zwang sich zu einem ausdruckslosen, unschuldigen Blick und schüttelte langsam den Kopf.

„Woher weiß er das?", raste es ihr durch den Kopf. „Habe ich es versehentlich laut gesagt? Unmöglich. Mein Hals tut zu sehr weh, um zu sprechen!"

Angelos Lippen zuckten. Ein mikroskopisch kleines, kaltes Lächeln berührte seine Mundwinkel. Er halluzinierte nicht.

Er beugte sich vor und senkte seine Stimme noch tiefer. „Georgina kommt heute Nachmittag, um dich zu besuchen. Ihr beiden solltet besser Frieden schließen."

Elba sank in die Kissen zurück und zog die weiße Decke bis zum Kinn hoch. Ihre Augen huschten von ihm weg.

„Frieden schließen, mein Arsch!", fluchte Elba innerlich. „Diese manipulative Schlampe kommt nur, um zu sehen, ob ich tot bin! Sie hat immer noch diesen gefälschten Vaterschaftstest in ihrer Designertasche versteckt!"

Angelo zuckte zusammen. Die Worte „gefälschter Vaterschaftstest" trafen ihn wie ein physischer Schlag in die Brust.

Er stand so schnell auf, dass der Stuhl laut über den Boden schrammte. Er ging zum Fenster und drehte Elba den Rücken zu. Er atmete tief und unregelmäßig ein und zwang seine Lungen, sich auszudehnen.

Elba beobachtete seinen breiten Rücken.

„Mein Bruder ist so blind", dachte sie. „Georgina verkauft ihn aus, und er hilft ihr, das Geld zu zählen. Arme Familie Potter."

Angelo drehte sich um. Er überbrückte die Distanz zum Bett in drei schweren Schritten. Der Ekel, der seine Augen normalerweise erfüllte, wenn er sie ansah, war verschwunden, ersetzt durch einen dunklen, intensiven Fokus.

Er streckte die Hand aus. Seine große Hand packte den Rand ihrer Decke. Er steckte sie grob, aber sicher, um ihre Schultern.

Elba erstarrte. Ihre Muskeln verkrampften sich. Sie starrte ihn an wie ein in die Enge getriebenes Kaninchen.

Angelo räusperte sich. „Georgina kommt heute nicht", sagte er steif. „Ich habe ihr gesagt, sie soll zu Hause bleiben und über ihre Handlungen nachdenken."

Elbas Augen weiteten sich. Sie blinzelte zweimal.

„Ist die Sonne im Westen aufgegangen?", jubelte sie in Gedanken. „Der Tyrannenbruder hilft der weißen Lotusblume nicht, mich zu schikanieren?"

Angelos Kiefer spannte sich bei dem Wort „Tyrann". Er zwang sich, langsam auszuatmen.

Er wandte sich dem Nachttisch zu. Er nahm den Plastikwasserkrug und goss ein Glas ein. Er prüfte die Temperatur an seinem Handgelenk und hielt es dann an ihre Lippen.

Elba starrte auf das Wasser und presste die Lippen zusammen.

„Hat er das vergiftet?", fragte sie sich.

Angelos Finger umklammerten das Glas fester. Er schob es ihr in die Hände. „Trink es. Hör auf, es anzustarren, als würde ich versuchen, dich umzubringen."

Elba umklammerte das Glas mit beiden Händen. Sie nahm einen kleinen, vorsichtigen Schluck. Das warme Wasser benetzte ihren wunden Hals und linderte den Schmerz.

Angelo beobachtete, wie sie schluckte. Sein Entschluss stand fest. Er würde sie nicht aus den Augen lassen. Sie war ein wandelndes Geheimnisarchiv, und er würde jedes einzelne Geheimnis aus ihr herauspressen.

Kapitel 3

Die automatischen Türen der Krankenhauslobby glitten auf. Der kühle New Yorker Herbstwind traf sie sofort.

Angelo trug einen perfekt sitzenden Anzug. Mit einer Hand schob er Elbas Rollstuhl auf den Bürgersteig. Er hielt an, zog seine Anzugjacke aus und legte sie Elba über die dünnen Schultern. Er fragte nicht; er tat es einfach.

Elba umklammerte die Revers der Jacke. Sie roch nach Zedernholz und teurem Kölnischwasser.

Hat der Tyrann heute die falschen Medikamente genommen? dachte sie, völlig verwirrt. Warum ist er so rücksichtsvoll?

Angelos Lippen krümmten sich ein winziges Stück nach oben. Er ignorierte ihre inneren Kommentare und schob den Rollstuhl zu dem schwarzen Maybach, der am Bordstein stand.

Der Fahrer, Kris Day, eilte herbei. Er riss die hintere Tür auf und verbeugte sich respektvoll. „Mr. Potter."

Elba blickte auf. Sie sah Kris' Gesicht. Ihre Pupillen weiteten sich. Sie zuckte im Rollstuhl mit dem Körper zurück.

Oh mein Gott! Es ist Kris! schrie ihr Verstand panisch. Dieser verkommene Spieler! Nächste Woche wird er die Bremsen manipulieren, um seine Kredithaie zu bezahlen, und Angelo wird bei einem Autounfall sterben!

Angelo beugte sich hinunter, um ihr beim Aufstehen zu helfen. Er erstarrte. Seine dunklen Augen wurden augenblicklich zu Eis.

Kris lächelte und streckte die Hände aus, um Elbas Arme zu packen.

Angelo schlug Kris' Hände weg mit einem scharfen, heftigen Schlag.

„Zurück", knurrte Angelo. „Ich mache das."

Kris stolperte einen Schritt zurück, sein Gesicht rötete sich. Er senkte den Kopf und verbarg den Aufblitz von Groll in seinen Augen.

Angelo bückte sich. Er schob einen Arm unter Elbas Knie und den anderen hinter ihren Rücken. Mühelos hob er sie hoch, hielt sie fest an seine Brust gedrückt, und setzte sie auf den Ledersitz.

Elba hielt den Atem an.

Seine Muskeln sind wie Felsen, dachte sie, ihr Herz flatterte, bevor die Panik wieder einsetzte. Nein, hör auf, ein Idiot zu sein! Ich kann nicht in dieses Auto steigen!

Angelo glitt neben sie. Er schlug die schwere Tür zu und schloss sie darin ein.

Er zog sein Handy hervor. Seine Daumen flogen über den Bildschirm, wobei er eine verschlüsselte Nachricht an seinen Sicherheitschef schickte.

Kris setzte sich auf den Fahrersitz. Er startete den Motor. Er blickte in den Rückspiegel. „Boss, zurück zum Anwesen auf Long Island?"

Elba umklammerte den Sicherheitsgurt so fest, dass ihre Knöchel schmerzten.

Geh nicht zurück zum Anwesen! schrie sie innerlich. Diese giftige Schlange Georgina hat wahrscheinlich die Treppe geölt und wartet auf mich!

Angelo traf Kris' Blick im Spiegel. Seine Stimme war völlig emotionslos. „Nein. Bring uns zum Manhattan Penthouse."

Kris blinzelte überrascht, aber er legte den Gang ein und reihte sich in den Stadtverkehr ein.

Elba stieß einen langen, zittrigen Atemzug aus.

Gott sei Dank, dachte sie. Das Penthouse ist seine private Festung. Georgina kann dort nicht hinein. Er hat tatsächlich ein Gewissen.

Die Autofahrt verlief völlig geräuschlos. Angelo lehnte den Kopf an die Rückenlehne, schloss die Augen. Sein Handy summte an seinem Oberschenkel. Er öffnete es und drehte den Bildschirm von Elba weg.

Der Sicherheitsbericht wurde geladen. Vorläufige Überprüfungen von Kris Day zeigten mehrere kürzliche Hochrisiko-Überweisungen an bekannte Offshore-Glücksspielparadiese. Es war ein massives Warnsignal, der vollständige Bericht stand noch aus, aber die Implikationen waren offensichtlich.

Angelos Augen schnappten auf. Die Luft im Fond des Maybach wurde schwer von seiner Tötungsabsicht.

Der Wagen fuhr sanft in die Tiefgarage des Manhattan Hochhauses. Kris legte den Parkgang ein und eilte hinaus, um Angelos Tür zu öffnen.

Angelo stieg aus. Er griff hinein und zog Elba heraus, wobei er sie dicht an seiner Seite hielt.

Angelo drehte langsam den Kopf. Er starrte Kris mit Augen an, die wie zersplittertes Glas waren. „Kris. Du bist gefeuert."

Kris' Gesicht verlor jede Farbe. „B-boss? Warum?"

Angelo stieß ein dunkles, humorloses Lachen aus. Er schob seinen Handybildschirm wenige Zentimeter vor Kris' Gesicht und zeigte die Kontoauszüge. „Muss ich die Polizei rufen wegen Ihrer Absicht, Bestechungsgelder anzunehmen und meine Fahrzeuge zu sabotieren?"

Kris' Knie knickten ein. Er brach auf den Betonboden zusammen, nach Luft ringend.

Elba stand wie erstarrt da. Ihr fiel der Kiefer herunter.

Woher wusste er das?! dachte sie, ihr Verstand raste. Hat er mir einen Mikrochip ins Gehirn gepflanzt?!

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Verwöhnt vom eisigen, gedankenlesenden Tycoon

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