Kapitel 1

Aylas Finger verkrampften sich um das kleine Papierticket. Die Zahl 42 war vom Schweiß, der sich in ihren Handflächen sammelte, verschmiert.

Sie stand auf dem Bürgersteig vor der New York City Hall, ihre Brust hob und senkte sich in flachen, schnellen Zuckungen. Der kalte Wind biss durch ihr dünnes Baumwollkleid, aber sie konnte ihn nicht spüren. Alles, was sie fühlte, war die erstickende Panik, die ihr die Kehle zuschnürte.

Ihr Handy vibrierte an ihrem Oberschenkel.

Ayla zog es heraus. Der Bildschirm leuchtete mit einer Nachricht ihrer Schwägerin, Brenda, auf.

„Vinnie erwartet dich heute Abend um acht. Denk nicht einmal daran wegzulaufen. Du schuldest uns etwas."

Ayla starrte auf die Worte. Ihr Magen zog sich bei einer heftigen Welle von Übelkeit zusammen. Sie knallte das Handy mit dem Display nach unten auf die Holzbank neben sich. Ihre Fingernägel gruben sich so tief in ihre Handflächen, dass die Haut fast brach. Sie würde nicht zurückgehen. Sie würde lieber sterben, als sich von ihnen an einen Straßenschläger verkaufen zu lassen.

Ein scharfes Quietschen von Reifen zerriss den Straßenlärm.

Eine verbeulte Ford-Limousine kam abrupt am Bordstein zum Stehen. Dicker schwarzer Rauch spuckte aus dem Auspuff und schickte eine Aschewolke in die Luft. Ayla hustete und wedelte mit der Hand vor ihrem Gesicht.

Die Fahrertür knarrte mit einem widerlichen metallischen Knirschen auf.

Ein Mann stieg aus. Er trug eine verwaschene, billige Jeansjacke, die aussah, als wäre sie hundertmal gewaschen worden. Aber die Kleidung passte nicht zum Körper. Er war massiv. Seine Schultern waren breit, und seine Präsenz saugte sofort den Sauerstoff aus dem Raum um ihn herum.

Drake verengte seine dunklen Augen. Sein Blick durchdrang die staubige Luft und fixierte Ayla. Sie sah klein aus, wie sie da in ihrem schlichten Kleid stand. Er machte einen Schritt auf sie zu, seine langen Beine überbrückten die Distanz.

Aylas Rücken versteifte sich. Sie machte einen vorsichtigen Schritt zurück. Die Aura des Mannes war erstickend, schwer von einer dunklen Intensität, die sie erschreckte.

„Sind Sie... Phillip Morans Sohn?", fragte sie, ihre Stimme zitterte.

Drake schob eine Hand in seine Tasche. Er ließ die Schultern hängen und verbarg bewusst seine perfekte Haltung.

„Ja. Das bin ich", knurrte er. Er zwang einen starken Brooklyn-Akzent in seine Worte und verbarg die klare, gebildete Kadenz eines Wall-Street-Milliardärs.

Ayla stieß einen Atemzug aus, von dem sie nicht wusste, dass sie ihn angehalten hatte. Ihre Schultern fielen. Sie griff sofort in ihre Canvas-Einkaufstasche und zog zwei bedruckte Blätter Papier heraus. Sie schob sie ihm gegen die Brust.

„Hier. Die Vereinbarung", sagte sie, ihre Augen weit und verzweifelt.

Drake nahm die dünnen Papiere. Seine Augen überflogen den billigen, schlecht formatierten Text. Er musste sich auf die Innenseite seiner Wange beißen, um nicht zu lachen. Es war eine erbärmliche Entschuldigung für ein juristisches Dokument. Er zog eine Augenbraue hoch und spielte dumm.

„Was ist das?", fragte er und ließ seine Stimme langsam und verwirrt klingen.

Ayla dachte, er verstand die großen Worte nicht. Ihr Ausdruck wurde sanfter zu einem geduldigen, milden Blick.

„Es besagt nur, dass unsere Finanzen getrennt bleiben", erklärte sie sanft. „Ich werde dein Geld nicht anfassen, und du wirst meins nicht anfassen. Wir leben zusammen, aber wir sind unabhängig."

Drake blickte auf ihre klaren, aufrichtigen Augen. Ein seltsames Gefühl flackerte in seiner Brust. Er hasste Goldgräberinnen. Er hasste diese ganze Vereinbarung, die sein Vater ihm aufgezwungen hatte. Aber als er sie ansah, hielt dieser Hass für einen Bruchteil einer Sekunde inne.

Er musste sie testen. Er musste sie rennen sehen.

„Hören Sie mal, Lady", sagte Drake rau und rieb sich den Nacken. „Ich fahre für Uber. Und ich wurde gerade von einem Firmenkonto auf die schwarze Liste gesetzt. Ich verdiene kaum genug zum Essen. Ich schaffe es vielleicht nicht einmal, nächsten Monat die Miete zu zahlen. Sind Sie sicher, dass Sie sich an einen bankrotten Verlierer binden wollen?"

Ayla zuckte nicht zusammen. Sie wich nicht zurück. Stattdessen hob sie ihr Kinn.

„Ich habe einen Job", sagte sie bestimmt. „Ich bin Lehrerin. Ich bekomme ein festes Gehalt. Ich kann die Hälfte der Rechnungen bezahlen. Wenn Sie knapp sind, kann ich mehr übernehmen."

Die Worte trafen Drake wie ein körperlicher Schlag. Sein Kiefer verkrampfte sich. Er starrte sie an und suchte nach einer Lüge in ihren Augen. Es gab keine. Ein dunkler, komplizierter Glanz blitzte in seinen Pupillen auf.

Er zog einen billigen Plastikstift aus seiner Tasche und kritzelte seinen Namen auf die unterste Zeile.

Sie gingen Seite an Seite in die City Hall. Das Gebäude war voll. Die Luft roch nach billigem Parfüm und Körpergeruch. Drake bekam Gänsehaut. Sein Magen verkrampfte sich vor körperlichem Ekel. Er war sterile, private Penthouses gewohnt, nicht diesen verschwitzten Viehmarkt.

Eine korpulente Frau drängte sich an ihnen vorbei, ihr Ellbogen stieß hart in Drakes Rippen.

Ein plötzlicher Anflug von Irritation flammte in Drakes Brust auf. Er drehte sich um, ein scharfer Fluch bildete sich auf seinen Lippen, bereit, die unvorsichtige Frau anzuschnauzen. Aber er sah, wie Ayla ihn mit großen, entschuldigenden Augen ansah. Er schluckte die Beleidigung herunter und zwang sich, stattdessen nur einen schweren, genervten Seufzer auszustoßen. Er rieb sich die Rippen und spielte die Rolle eines erschöpften Fahrers, der keine Energie für einen Kampf hatte.

Ayla nahm seinen Ärmel und führte ihn zum richtigen Schalter.

„Haben Sie Ihren Ausweis bereit?", fragte sie und behandelte ihn wie einen ihrer Grundschüler.

Drake blinzelte. Niemand hatte seit seiner Kindheit so mit ihm gesprochen. Es war bizarr.

Der Angestellte hinter dem Glas sah gelangweilt aus. „Treten Sie beide diese Ehe freiwillig ein?"

Drake sah auf Aylas Hände. Ihre Knöchel waren knochenweiß vom so festen Greifen der Theke.

„Ja", sagte Drake. Seine Stimme war ein tiefes, gleichmäßiges Grollen.

„Ja", wiederholte Ayla. Ihre Stimme zitterte, aber die absolute Endgültigkeit in ihrem Ton war unverkennbar. Sie trennte sich von ihrer Vergangenheit.

Der schwere Metallstempel schlug auf das Papier. Das Geräusch hallte in Aylas Ohren wider. Zwei dünne Heiratsurkunden wurden über den Tresen geschoben. Sie waren rechtlich gebunden.

Ayla hob ihre Kopie auf. Ihre Augen brannten von unvergossenen Tränen. Sie stieß einen langen, zittrigen Atemzug aus. Das erdrückende Gewicht auf ihrer Brust hob sich endlich. Sie war in Sicherheit.

Drake starrte auf seine Kopie. Ein Mundwinkel zuckte zu einem kalten, verborgenen Grinsen. Die Scharade, um seinen alten Herrn loszuwerden, hatte offiziell begonnen.

Sie drehten sich um, um die Lobby zu verlassen. Als sie auf die Glastüren zugingen, erfasste Drakes peripheres Sichtfeld einen Blitz einer diskreten schwarzen Limousine, die auf der anderen Straßenseite stand. Es war kein gewöhnlicher Maybach, aber Drake kannte die Tarnfahrzeuge seines Vaters. Drake änderte sofort seine Haltung. Er beugte die Schultern nach vorne und ließ sich besiegt und klein aussehen.

Das Heckfenster der Limousine fuhr gerade weit genug herunter, um Phillip Morans strenges Gesicht zu enthüllen. Ayla erkannte den älteren Mann sofort. Er war derjenige, der dies arrangiert hatte. Sie führte Drake aus den Türen und zum Bordstein, wobei sie in respektvollem Abstand anhielt.

„Mr. Moran", sagte Ayla höflich, das Zertifikat hochhaltend, damit er es durch den Spalt im Fenster sehen konnte. „Wir haben es geschafft."

Phillip nickte zufrieden, obwohl seine Augen die erbärmliche, verwaschene Kleidung seines Sohnes mit unterdrückter Irritation musterten. Dann verhärtete sich sein Gesicht zu einer Maske absoluter Autorität.

„Gut. Jetzt zieht ihr beide sofort zusammen", drang Phillips Stimme scharf aus dem angelehnten Fenster, keinen Raum für Widerspruch lassend. „Ich werde nicht zulassen, dass mein Sohn verheiratet auf der Straße lebt. Ihr lebt unter einem Dach, oder der Deal ist hinfällig."

Aylas Augen weiteten sich vor Schock. Ihr Herz setzte einen Schlag aus. Sie drehte den Kopf und sah zu Drake auf, um Hilfe zu suchen.

Drake knirschte mit den hinteren Zähnen. Er funkelte seinen Vater an und las die stumme Drohung in den Augen des alten Mannes. Er hatte geplant, sie in einem Hotel abzusetzen und zu gehen. Nun zwang sein Vater ihn dazu.

Drake stieß einen schweren, vorgetäuschten Seufzer aus und zuckte mit den Schultern.

„Gut", murmelte Drake und spielte den besiegten Sohn. „Wir werden zusammenleben."

Kapitel 2

Der kalte Wind peitschte vor dem Rathaus. Ayla schlang die Arme fest um ihre Brust und zitterte. Phillips Forderung hallte in ihren Ohren wider. Sofort zusammenzuziehen, war nie Teil ihres Plans gewesen.

Drake trat vor und vergrub die Hände tief in seinen Jackentaschen.

„Ich kann sie nicht aufnehmen", log Drake mit rauer Stimme. „Mein gemietetes Zimmer ist so groß wie ein Schrank. Wir passen da nicht rein."

Phillip stieß ein harsches Schnauben aus. Er winkte seinem Fahrer zu, der vom Vordersitz stieg und Drake einen einzelnen Messingschlüssel an einem billigen Ring reichte. Das kalte Metall schnitt sich in seine Handfläche. Er wusste genau, was das war. Der alte Mann sperrte ihn in einen Käfig, um die Ehe zu überwachen.

„Ich habe vor Jahren eine heruntergekommene Wohnung in Brooklyn gekauft", sagte Phillip kalt. „Ihr beiden könnt dort wohnen. Betrachtet es als Hochzeitsgeschenk."

Ayla starrte auf den Schlüssel in Drakes Hand. Ihr Magen zog sich zusammen. Das verzweifelte Bedürfnis nach Unabhängigkeit loderte heiß in ihren Adern auf.

„Nein", sagte Ayla bestimmt. „Wir können dort nicht umsonst wohnen. Wir werden Miete zahlen."

Phillip zog eine Augenbraue hoch. Er sah Ayla an, ein Anflug von echtem Respekt huschte über sein faltiges Gesicht.

„Gut", stimmte Phillip geschmeidig zu. „Fünfhundert Dollar im Monat. Symbolisch."

Drake beobachtete Aylas Gesicht. Sie rechnete bereits im Kopf, ihre Lippen bewegten sich lautlos. Seine Brust wurde kalt vor Misstrauen. Sie war gut. Sie spielte auf lange Sicht, gab vor, edel zu sein, um später eine größere Auszahlung zu sichern.

Phillip drehte sich auf dem Absatz um und ging auf die im Leerlauf stehende Limousine zu. Bevor er einstieg, warf er Drake einen tödlichen, warnenden Blick zu. Vermassle das nicht. Die Autotür schlug zu, und die Limousine glitt in den Verkehr davon.

Die Straße wurde still. Die Unbeholfenheit zwischen Ayla und Drake lag wie ein physisches Gewicht in der Luft.

„Gehen wir in das Diner", sagte Drake und zeigte auf eine schmierige Kneipe auf der anderen Straßenseite. „Wir müssen reden."

Sie saßen in einer klebrigen Vinylkabine. Der Geruch von verbranntem Kaffee und altem Fett ließ Drakes Magen rebellieren. Er griff in die Innentasche seiner Jacke und zog einen dicken, perfekt gefalteten Stapel Papiere hervor. Er schob ihn über den klebrigen Tisch.

Ayla blickte nach unten. Es war ein sechsseitiges Dokument.

Sie schlug die erste Seite auf. Ihre Augen weiteten sich. Die Überschrift lautete „Zusätzlicher Nachtrag zum Ehevertrag". Die Seiten waren gefüllt mit dichtem, aggressivem Juristenjargon. Es war eine brutale Erweiterung des ursprünglichen Vertrags, die neue Beschränkungen und engere finanzielle Fesseln hinzufügte. Kein Uber-Fahrer hätte das schreiben können.

„Was ist das?", fragte sie mit angespannter Stimme.

Drake zuckte nicht mit der Wimper. „Ein Nachtrag. Ich habe eine Vorlage online für fünfzig Dollar heruntergeladen. Ich kann mir keinen Anwalt leisten, aber ich muss mich schützen. Die erste Vereinbarung war zu vage. Das hier macht die Dinge glasklar. Ich möchte nicht, dass du nach meinem Auto oder zukünftigen Einnahmen greifst, falls wir uns trennen."

Ayla las die neuen Klauseln. Ihr Herz pochte gegen ihre Rippen. Die Bedingungen waren demütigend. Sie hatte kein Recht, nach seinem Zeitplan zu fragen. Sie hatte kein Recht auf irgendwelche Vermögenswerte, die er erwerben könnte. Wenn sie sich scheiden ließen, würde sie absolut nichts mitnehmen, außer dem, was sie in die Ehe eingebracht hatte.

Drake nahm seinen Becher mit dem schrecklichen Kaffee. Er nahm einen Schluck, die bittere Flüssigkeit verbrannte seine Zunge. Er beobachtete ihr Gesicht und wartete auf die Explosion. Er wartete darauf, dass sie schreien, ihm die Papiere ins Gesicht werfen und Geld fordern würde.

Aylas Stirn runzelte sich leicht. Sie schloss das Dokument.

Dann griff sie in ihre Handtasche, zog einen Stift heraus und blätterte zur letzten Seite. Sie unterschrieb ihren Namen mit schnellen, entschlossenen Strichen.

Drakes Pupillen zogen sich zusammen. Sein Atem stockte in seiner Kehle.

„Was machst du da?", verlangte er, seine Stimme brach leicht. „Du hast nicht einmal gestritten. Hast du keine Angst, dass ich dich über den Tisch ziehe?"

Ayla blickte auf. Ihre Augen waren durchdringend klar.

„Ich habe zwei Kisten mit alten Kleidern und etwas Künstlerbedarf", sagte sie leise. „Ich habe nichts, was du stehlen könntest. Diese Vereinbarung schützt mich genauso sehr wie sie dich schützt. Sie gibt uns Grenzen."

Die Ehrlichkeit in ihrer Stimme war ein physischer Schlag in seine Brust. Drakes Mund öffnete sich, aber die sarkastische Beleidigung, die er vorbereitet hatte, starb auf seiner Zunge. Er verspürte ein plötzliches, wütendes Gefühl der Niederlage.

Ayla faltete ihre Kopie des Nachtrags zusammen und steckte sie in ihre Tasche. Sie schenkte ihm ein kleines, höfliches Lächeln.

„Da die Regeln festgelegt sind, muss ich zurück nach Queens, um meine Sachen zu packen", sagte sie und glitt aus der Kabine.

Drake verspürte einen plötzlichen Anflug von Irritation. Er stand schnell auf. „Ich fahre dich."

„Nein", sagte Ayla und schüttelte den Kopf. Sie hielt inne, ihr Blick fiel für einen Bruchteil einer Sekunde auf ihren Telefonbildschirm. Brendas drohende Nachricht über Vinnie leuchtete noch in ihrer Erinnerung, ein kalter Knoten in ihrem Bauch. Sie hatte ihrer Freundin Marisol bereits vor einer Stunde eine SMS geschickt und sie gebeten, als Zeugin in der Wohnung anwesend zu sein und alles auf ihrem Telefon aufzuzeichnen. Marisol hatte mit einem Daumen hoch und den Worten „Ich bin schon da" geantwortet. Ayla atmete langsam aus. Sie hatte jetzt einen Puffer. Sie ging nicht allein hinein. „Dein Auto verbraucht zu viel Benzin. Die U-Bahn ist billiger. Spar dein Geld."

Drake erstarrte. Die Worte erstickten ihn. Er, ein Milliardär, der Tausende für eine einzige Flasche Wein ausgab, wurde gerade abgewiesen, weil er zu arm war, um Benzin zu bezahlen. Die Absurdität dessen ließ sein Blut kochen.

Ayla drehte sich um und verließ das Diner. Ihr Rücken war gerade, ihre Schritte zielstrebig. Drake stand am Tisch, seine Augen auf ihre sich entfernende Gestalt gerichtet, bis sie die U-Bahn-Treppe hinunter verschwand.

In dem Moment, als sie außer Sicht war, zog Drake ein elegantes, verschlüsseltes Telefon aus seiner Tasche. Er wählte die Nummer seines Executive Assistant, Alex.

„Sir?", antwortete Alex sofort.

„Führen Sie eine vollständige Hintergrundüberprüfung von Ayla Carter durch", befahl Drake. Seine Stimme war nicht länger das grunzende Geziehe eines Fahrers. Es war der eisige, befehlende Ton eines CEOs. „Ich möchte jedes Detail ihres Lebens auf meinem Schreibtisch haben. Und Alex, besorgen Sie ihr ein Sicherheitsteam. Diskret. Ich möchte innerhalb einer Stunde Augen auf ihre Wohnung in Queens haben. Wenn jemand sie auch nur falsch ansieht, möchte ich davon wissen."

„Verstanden, Sir. Auch eine Erinnerung, die Vorstandssitzung für die Tech-Akquisition ist in vierzig Minuten."

Drake blickte zur U-Bahn-Station. Sein Kiefer spannte sich fest an.

„Verschieben Sie es um eine Stunde", schnauzte Drake. „Ich habe eine persönliche Angelegenheit zu erledigen."

Er legte auf. Drake ging zu dem verrosteten Ford. Er öffnete die Tür und schlug mit einem Blick reinen Ekels den Staub vom Fahrersitz. Er glitt hinein und drehte den Schlüssel.

Der Motor sprang mit einem rauen, stotternden Husten an, der die maßgefertigte Hochleistungsmaschine, die unter der verrosteten Motorhaube verborgen war, perfekt maskierte. Drake hatte seinen Mechanikern ausdrücklich befohlen, einen akustischen Dämpfer einzubauen, um das Klangprofil überzeugend erbärmlich zu halten. Das Auto fuhr mit einer trügerischen, schweren Trägheit in den Verkehr, was die Tatsache verbarg, dass es wie eine Kugel nach vorne schießen konnte, wenn er es jemals brauchte.

Drake umklammerte das Lenkrad, bis seine Knöchel weiß wurden. Er schwor sich, dass er diese falsche, selbstgerechte Frau innerhalb eines Monats um eine Scheidung betteln lassen würde.

Kapitel 3

Ayla stieß die abblätternde Metalltür der Queens-Wohnung auf. Der schwere Gestank von billigem Blumenparfüm und abgestandenem Speiseöl schlug ihr entgegen und ließ ihren Magen rebellieren.

Ihre Schwägerin, Brenda, lag ausgestreckt auf dem engen Wohnzimmersofa und pustete auf ihre frisch lackierten roten Nägel. Brenda blickte auf, ihr Gesicht verzog sich sofort zu einem finsteren Blick.

„Du bist zu spät", schnauzte Brenda. „Vinnie hat einen Tisch in einem schicken Steakhouse reserviert. Zieh dieses enge schwarze Kleid an. Du musst gut aussehen."

Ayla sagte kein Wort. Ihr Herz hämmerte gegen ihre Rippen, aber ihre Hände waren ruhig. Sie ging direkt zum zerkratzten Couchtisch. Sie öffnete ihre Tasche, zog eine gestochen scharfe Fotokopie der Heiratsurkunde heraus und knallte sie auf das Holz.

Das scharfe Geräusch hallte in dem kleinen Raum wider.

Brenda hörte auf, auf ihre Nägel zu pusten. Sie runzelte die Stirn und hob das Papier auf. Ihre Augen überflogen den Text. Plötzlich weiteten sich ihre Pupillen vor Entsetzen.

Brenda fuhr vom Sofa hoch. „Was zum Teufel ist das? Ist das ein Witz?", kreischte ihre Stimme und durchbohrte Aylas Trommelfelle.

Ayla begegnete ihrem Blick, ohne mit der Wimper zu zucken. „Ich bin verheiratet. Das Date mit Vinnie ist abgesagt."

Brendas Gesicht verlor seine Farbe, ersetzt durch ein fleckiges, hässliches Rot. Die Vermittlungsgebühr, die sie von Vinnie bekommen sollte, war dahin. Ihr Zahltag war ruiniert.

Brenda stürzte vorwärts. Ihre scharfen Nägel gruben sich bösartig in Aylas Handgelenk.

„Wer ist dieser Drake?", schrie Brenda und schüttelte Aylas Arm. „Was macht er? Wie viel hat er für dich bezahlt?"

Ayla riss ihren Arm gewaltsam zurück. Sie rieb ihre brennende Haut.

„Er fährt Uber", sagte Ayla kalt. „Es gibt kein Geld. Es gibt keine Mitgift. Er konnte sich nicht einmal einen echten Ring leisten."

Die Worte wirkten wie ein Streichholz auf Benzin. Brenda stieß ein atemloses, hysterisches Lachen aus.

„Du dumme Schlampe!", spuckte Brenda und zeigte mit zitterndem Finger auf Aylas Gesicht. „Du hast einen reichen Mann für einen bankrotten Verlierer weggeworfen? Wir haben dich ernährt! Wir haben dich beherbergt! Du undankbarer Parasit!"

Das Geschrei weckte Leo. Aylas Bruder stolperte im zerknitterten Schlafanzug aus dem Schlafzimmer. Er sah panisch aus, als er zwischen die beiden Frauen trat.

„Brenda, hör auf!", flehte Leo. Er wandte sich Ayla zu, seine Augen voller Trauer und Angst. „Ayla... hast du das nur getan, um vor Vinnie wegzulaufen?"

Ayla sah ihren Bruder an. Ihre Brust schmerzte mit einem dumpfen, schweren Schmerz.

„Ich habe es getan, weil ich mein eigenes Leben will, Leo", sagte Ayla, ihre Stimme brach leicht. „Ich will ein Zuhause."

Brenda höhnte. „Ein Zuhause? Mit einem Fahrer? Schmeiß deinen Müll aus meinem Haus! Wenn du verheiratet bist, schläfst du heute Nacht nicht hier. Raus!"

Aylas Rücken wurde steif. „Ich packe gerade. Ich würde keine Sekunde länger bleiben."

Brenda trat den Plastikmülleimer in einem Wutanfall durch den Raum. Sie stürmte zurück in ihr Schlafzimmer und knallte die Tür so fest zu, dass die Wände zitterten.

Das Wohnzimmer wurde mucksmäuschenstill. Die Luft war dick und erstickend. Leo blickte auf den Boden, seine Schultern vor Scham gesunken. Seine Augen waren rot.

Er ging zu einem staubigen Regal und holte eine alte Blechdose für Kekse herunter. Er wühlte durch einen Stapel Quittungen und zog ein zerknittertes Stück Papier heraus. Er ging zurück zu Ayla und schob es ihr in die Hand.

Ayla blickte hinunter. Es war ein Scheck über eintausend Dollar.

Tränen verschleierten sofort ihre Sicht. Ihr Hals schnürte sich zu. „Leo, nein. Du brauchst das für die Kinder. Ich kann nicht."

Leo legte seine Hände um ihre und zwang ihre Finger, sich um das Papier zu schließen. Seine Stimme war ein dickes, feuchtes Flüstern. „Nimm es. Es ist das einzige Hochzeitsgeschenk, das ich dir machen kann. Bitte, Ayla."

Ayla konnte nicht gegen ihn ankämpfen. Sie schlang die Arme um seinen Hals und umarmte ihn fest. Eine heiße Träne lief ihr über die Wange. Sie war endlich frei, aber der Schnitt saß tief.

Sie wischte sich das Gesicht ab und ging in den winzigen, fensterlosen Abstellraum, den sie Schlafzimmer nannte. Sie riss die Laken vom schmalen Bett. Sie schnappte sich zwei alte Pappkartons und stopfte ihre Kleidung hinein. Sie packte ihre Zeichenkohle und Skizzenblöcke sorgfältig obenauf und verklebte die Kartons.

Im leeren Raum stehend, atmete Ayla tief durch, um ihr rasendes Herz zu beruhigen. Sie zog ihr Telefon heraus und wählte Drakes Nummer.

Es klingelte viermal, bevor er abhob.

Das Hintergrundgeräusch in der Leitung war bizarr. Es war mucksmäuschenstill. Eine hohle, widerhallende Stille, die wie ein riesiger, leerer Raum klang. Es gab keinen Straßenlärm, kein Motorengeräusch.

„Drake?", fragte Ayla leise. „Bist du beschäftigt? Ich muss meine Kartons umziehen. Wenn du arbeitest, kann ich einfach ein Taxi rufen."

Es gab eine zweisekündige Pause in der Leitung.

„Ich bin in dreißig Minuten da", dröhnte Drakes tiefe Stimme aus dem Lautsprecher.

Ayla legte auf. Sie setzte sich auf einen der verklebten Kartons. Sie starrte auf die leere Wand, ihr Magen verkrampfte sich vor einer beängstigenden Mischung aus Angst und Hoffnung für die kommende Nacht.

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Verheiratet mit meinem Boss, dem Undercover-Milliardär

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