Kapitel 3
Elenor starrte auf den Namen, der auf der Zeitung gedruckt war. Ihr Gehirn setzte aus. Ihre Muskeln erstarrten, hart wie Stein.
Christian nahm einen langsamen Schluck von seinem schwarzen Kaffee. Er beobachtete, wie sich ihre Panik ausbreitete, mit dem distanzierten Interesse eines Raubtiers, das eine gefangene Maus beobachtet.
Er zog einen Barhocker hervor und setzte sich, wobei er ein langes Bein über das andere schlug. Elenor spürte, wie die Luft im Raum dicker wurde, als wäre seine entspannte Haltung eine Gravitationskraft, die jeden Quadratzentimeter Raum um ihn herum beherrschte.
„Ich schwöre, es war ein Versehen", flüsterte Elenor mit brüchiger Stimme. „Ich werde Sie nicht belästigen. Ich gehe sofort, und niemand wird es je erfahren."
„Die Wall Street glaubt nicht an Versehen", unterbrach Christian sie, sein Tonfall emotionslos. „Sie schaut nur auf Ergebnisse."
Er nahm eine Fernbedienung vom Tresen und drückte einen Knopf.
Der riesige Flachbildfernseher an der Wand flackerte auf und zeigte einen großen Finanznachrichtensender.
Der Nachrichtensprecher analysierte gerade die Volatilitätsrisiken rund um den bevorstehenden IPO von Porter Holdings.
„Jeder negative Skandal jetzt", sagte Christian und deutete mit einem langen Finger auf den Bildschirm, „wird Hunderte von Millionen an Marktkapitalisierung in Luft auflösen, noch vor der Eröffnungsglocke."
„Aber niemand weiß von letzter Nacht!", flehte Elenor, während sich ihre Fingernägel schmerzhaft in ihre Handflächen bohrten. „Lassen Sie mich einfach gehen."
Christian griff in seine Tasche und schob sein Handy über den Marmortresen zu ihr.
Elenor blickte nach unten.
Der Bildschirm zeigte eine Reihe von körnigen Fotos im Paparazzi-Stil. Sie zeigten die beiden vor der Bar, in einer festen Umarmung, und wie sie dann in den Maybach stiegen.
Ihr Gesicht war teilweise von seiner Jacke verdeckt, aber Christians scharfes Profil war unverkennbar.
Elenor schlug eine Hand vor den Mund, als eine Welle der Übelkeit sie überkam. „Wie … wie konnten da Fotografen sein?"
„Meine Konkurrenten zahlen sehr gutes Geld dafür, jeden meiner Schritte zu beobachten", erklärte Christian kalt. „Wenn diese Fotos die Klatschpresse erreichen, entgleitet mir die Kontrolle über die Erzählung."
Er beugte sich vor und stützte die Ellbogen auf den Tresen. „Der Vorstand verlangt einen CEO mit absoluter Stabilität und rigoroser Selbstbeherrschung."
Er tippte auf den roten Bissabdruck an seinem Hals. „Dies, in Kombination mit diesen Fotos, beweist, dass mir beides fehlt."
Die erdrückende Last der Verantwortung schlug Elenor auf die Brust. Ihre Atmung wurde flach und schnell.
„Was soll ich tun?", fragte sie mit zitternder Stimme. „Ich habe kein Geld. Ich kann Sie dafür nicht entschädigen."
Christian stellte seine Kaffeetasse ab. Er stand auf, ging um den Tresen herum und blieb direkt vor ihr stehen.
Er streckte die Hand aus. Sein rauer Daumen strich über ihren Augenwinkel und wischte eine Träne weg, die zu fallen drohte.
Die unerwartete Sanftheit dieser Geste jagte ihr einen heftigen Schauer über den Rücken.
„Ich brauche Ihr Geld nicht", murmelte er, seine Stimme eine Oktave tiefer. „Ich brauche eine dauerhafte Lösung für diese PR-Krise."
Elenor legte den Kopf in den Nacken, verzweifelt auf der Suche nach einem Ausweg. „Welche Lösung?"
Christian machte auf dem Absatz kehrt und ging zu dem schweren Eichenschreibtisch am Fenster. Er öffnete eine Schublade und zog einen dicken Stapel juristischer Dokumente heraus.
Er kam zurück und knallte die Mappe auf den Marmortresen. Das laute Geräusch ließ Elenor zusammenzucken.
Ihr Blick fiel auf die fettgedruckten, großgeschriebenen Worte auf der ersten Seite.
EHEVERTRAG – STAAT NEW YORK.
Elenor blinzelte schnell, überzeugt davon, dass der Alkohol immer noch ihr Gehirn benebelte. Sie las die Worte erneut.
Christian stemmte beide Hände flach auf den Marmor und schloss sie so ein. Seine dunklen Augen fixierten ihre mit erschreckender Intensität.
Er sprach im sterilsten, geschäftsmäßigsten Ton, den man sich vorstellen konnte.
„Sie werden mich heiraten. Wir werden eine rechtliche Verbindung nutzen, um einen katastrophalen Skandal in ein Unternehmensmärchen zu verwandeln."