Kapitel 1

Der dritte Shot billigen Tequilas brannte sich gewaltsam einen Weg durch Elenors Kehle und trieb ihr heiße, physiologische Tränen in die Augenwinkel.

Sie knallte das leere Shotglas auf die klebrige Oberfläche der Bar in Tribeca.

Die Neonlichter über ihr summten, ein raues, kratzendes Geräusch, das zu dem Hämmern in ihrem Schädel passte.

Der Barkeeper, ein Typ mit zu vielen Tattoos und einem mitfühlenden Stirnrunzeln, schob ein Glas Eiswasser zu ihr herüber.

„Soll ich Ihnen ein Uber rufen, Miss?", fragte er, seine Stimme ein tiefes Grollen unter dem schweren Bass der Clubmusik.

Elenor schüttelte heftig den Kopf.

Ihr Blick verschwamm, als sie auf ihr Handy starrte, das mit dem Display nach oben auf dem Tresen lag. Der Bildschirm leuchtete erneut auf. Ein verpasster Anruf: Clemens.

Ihr Magen zog sich heftig zusammen.

Erst vor drei Stunden, unter den Kristalllüstern der jährlichen Wohltätigkeitsgala der Familie Vincent, hatte sich Clemens' Stimme wie eine gezackte Klinge durch ihre Brust geschnitten.

„Sie ist nur ein Wohltätigkeitsfall, den meine Familie unterstützt. Nimm sie nicht ernst."

Die Worte hallten in ihren Ohren wider und schwollen an, bis sie die Musik übertönten.

Ihre Lungen vergaßen, wie man Sauerstoff verarbeitet. Sie schloss fest die Augen, während ihre zitternden Finger nach dem Handy griffen, um es mit dem Display nach unten auf das Holz zu drehen.

Sie wollte nur, dass der Lärm aufhörte. Sie wollte, dass die erdrückende Last ihrer eigenen erbärmlichen Existenz verschwand.

„Einen Whiskey pur. Macallan 25."

Die Stimme kam direkt von nebenan. Sie war tief, klangvoll und trug ein unbestreitbares Gewicht von Autorität in sich, das nicht in eine Spelunke gehörte.

Elenors schwere Augenlider flatterten auf. Sie drehte langsam den Kopf, während ihr vom Alkohol benebeltes Gehirn versuchte, sich zu konzentrieren.

Ein Mann saß auf dem Hocker neben ihr. Die schummrigen, blinkenden Neonlichter trafen auf die scharfe, unnachgiebige Linie seines Kiefers.

Er trug einen dunklen, makellos geschneiderten Anzug, der nach der Elite der Upper East Side schrie.

Elenors Gehirn war zu betäubt, um das Gesicht zu erkennen, das häufig die Titelseiten von Finanzmagazinen zierte. Sie sah nicht den jüngsten Milliardär der Wall Street; sie sah nur einen Fremden.

Der Mann drehte den Kopf. Seine Augen, dunkel und abgründig, fixierten ihre blutunterlaufenen.

Er wandte den Blick nicht ab. Er hielt ihren Blick für drei quälend lange Sekunden.

Dann hob er langsam sein Whiskeyglas in einem stillen, zurückhaltenden und doch unglaublich aufdringlichen Toast in ihre Richtung.

Der unerschütterliche Fokus in seinen Augen fühlte sich weniger wie Interesse an, sondern eher wie eine Einschätzung, kalt und durchdringend.

Elenor zuckte zusammen, ihre Hand schnellte in plötzlicher Panik zurück. Ihre Fingerknöchel streiften das Glas mit Eiswasser.

Das Glas kippte und ergoss eiskaltes Wasser direkt auf den Schoß ihres Seidenkleides.

Sie keuchte auf, der eiskalte Schock riss sie aus ihrer Benommenheit. Sie griff nach den billigen Papierservietten auf der Theke und tupfte hektisch auf den ruinierten Stoff.

Eine Hand erschien in ihrem Blickfeld.

Lange, elegante Finger hielten ihr ein dunkles, mit Monogramm besticktes Taschentuch hin. Es roch schwach nach Zedernholz und kaltem Regen.

Elenor zögerte, bevor sie es nahm. Als ihre Fingerspitzen seine kühlen Knöchel streiften, schoss ein elektrischer Schlag durch ihren Arm.

Sie zuckte sofort zurück, aber der Mann zog seine Hand nicht weg.

Stattdessen verlagerte er nahtlos seinen Griff, und seine große Hand umschloss ihr zitterndes Handgelenk.

„Stecken Sie in irgendwelchen Schwierigkeiten?", fragte er, seine Stimme ein tiefes Grollen, das in ihrer Brust vibrierte. In seinem Ton lag ein seltsamer, fast unmerklicher Unterton von Nachsicht.

Die Kombination aus dem Alkohol, dem eiskalten Wasser auf ihrem Kleid und der völligen Demütigung des Abends brachte sie schließlich zum Zusammenbruch.

„Ich bin nur ein Witz", platzte es aus Elenor heraus, während ein bitteres, gebrochenes Lachen ihren Lippen entkam. „Ein erbärmlicher, wegwerfbarer Witz."

Die Augen des Mannes verdunkelten sich sofort. Die Temperatur um sie herum schien zu fallen.

Sein Daumen bewegte sich, langsam und bedächtig, und strich über den unregelmäßigen Puls an ihrem Handgelenk.

„Bringen wir Sie hier raus", murmelte er, während sein Blick auf ihre Lippen fiel. „Irgendwohin, wo Sie wirklich atmen können."

Elenor starrte in diese tiefen, gefährlichen Augen. Der Alkohol flüsterte ihr zu, dass sie nichts mehr zu verlieren hatte.

Sie nickte, eine ruckartige, gedankenlose Bewegung.

Sie verließen gemeinsam die Bar. Der kühle Herbstwind von New York traf Elenor und ließ ihre Zähne heftig klappern.

Ohne ein Wort zog der Mann sein Jackett aus. Er legte es über ihre nackten Schultern. Die Restwärme seines Körpers sickerte in ihre eiskalte Haut.

Ein schwarzer Maybach glitt lautlos an den Bordstein. Ein Fahrer stieg sofort aus und öffnete die hintere Tür.

Elenor glitt auf den geräumigen, nach Leder duftenden Rücksitz. Der Mann folgte ihr, und die schwere Tür klickte ins Schloss und schloss sie ein.

Die schalldichte Kabine schirmte die Stadt vollständig ab. Die Luft zwischen ihnen wurde sofort dick und erstickend heiß.

Elenor drehte den Kopf. Das gedämpfte Leselicht beleuchtete die kräftige Säule seines Halses und das deutliche Auf und Ab seines Adamsapfels.

Der Tequila löschte ihren letzten Rest an Hemmungen aus.

Sie beugte sich vor, ihre Hände umklammerten seine breiten Schultern, und presste ihre Lippen auf seine.

Kapitel 2

Blendendes Sonnenlicht drang durch die bodentiefen Fenster und stach Elenor direkt in die Netzhaut.

Sie stöhnte, während ein scharfer, spaltender Schmerz durch ihre Schläfen strahlte.

Sie presste ihre Handballen auf die Augen und zwang sich in eine sitzende Position.

Die Matratze unter ihr war unglaublich weich. Sie blinzelte gegen das Licht, und ihr Blickfeld klärte sich langsam und gab eine weitläufige, ultraluxuriöse Hotelsuite preis.

Sie blickte an sich herab. Laken aus ägyptischer Baumwolle mit hoher Fadenzahl bauschten sich um ihre Taille.

Sie trug kein einziges Kleidungsstück.

Kalter Schweiß brach ihr am ganzen Körper aus. Fragmentierte Erinnerungen schlugen in ihren zerbrechlichen Schädel ein wie ein Güterzug.

Die Bar. Der Duft von Zedernholz. Der Rücksitz des Maybach. Die verzweifelten, ungestümen Küsse.

Sie sog scharf die Luft ein, ihre Lungen verkrampften sich. Sie riss die schwere Bettdecke bis zum Kinn hoch und ließ ihre Augen wild durch den Raum schweifen.

Rote Flecken übersäten ihre Schlüsselbeine und Schultern, ein unübersehbarer physischer Beweis dafür, wie sehr sie letzte Nacht die Grenze überschritten hatte.

Plötzlich hallte das Geräusch von fließendem Wasser aus dem Hauptbadezimmer wider.

Elenors Herz sprang ihr bis in den Hals und schlug so heftig, dass es gegen ihre Rippen hämmerte.

Sie warf die Decke weg und krabbelte aus dem Bett, ihre nackten Füße klatschten auf den kalten Holzboden. Sie brauchte ihre Kleidung.

Sie fand ihr Seidenkleid neben dem Sofa achtlos hingeworfen, doch der feine Stoff war an der Seitennaht komplett aufgerissen. Eine fragmentierte Erinnerung blitzte auf – ihre eigenen ungeschickten, betrunkenen Hände, die im Dunkeln aggressiv an dem hartnäckigen Reißverschluss zerrten, das widerliche Geräusch der feinen Seide, die unter ihrem verzweifelten Griff riss. Es war untragbar.

Panik schnürte ihr die Kehle zu. Sie schnappte sich ein frisches, weißes Herrenhemd, das über der Lehne eines Ledersessels hing, und schob ihre Arme in die Ärmel.

Das Hemd war riesig an ihr. Der Saum reichte ihr kaum bis zur Mitte der Oberschenkel, und der Stoff war von demselben berauschenden Zedernholzduft durchtränkt.

Das Wasser hörte auf zu laufen.

Die Milchglastür des Badezimmers glitt auf.

Elenor erstarrte, ihr Rücken prallte gegen die kalte Kante der marmornen Wet-Bar.

Der Mann kam heraus. Er hatte ein weißes Handtuch tief um seine Hüften geschlungen. Wassertropfen zeichneten die harten, definierten Linien seiner Bauchmuskeln nach und verschwanden im Frotteestoff.

Er sah nicht verkatert aus. Er sah nicht verwirrt aus.

Er hob seine dunklen Augen und bannte sie an Ort und Stelle. Sein Blick wanderte über sie, nahm sein Hemd an ihrer zierlichen Gestalt wahr, mit einer dreisten, unentschuldigenden Intensität.

„Es-es tut mir so leid", stammelte Elenor mit zugeschnürter Kehle. „Letzte Nacht war … Ich habe zu viel getrunken. Es war ein Fehler."

Er sagte kein Wort. Er überbrückte die Distanz zwischen ihnen mit langsamen, raubtierhaften Schritten.

Die physische Dominanz seiner großen Gestalt erdrückte sie. Elenor presste sich fester gegen den Marmor und wünschte, sie könnte darin zerschmelzen.

Er blieb nur wenige Zentimeter vor ihr stehen. Er neigte den Kopf leicht, seine langen Finger fuhren hoch, um eine feuchte Strähne dunklen Haares beiseitezustreichen, die auf seinem Hals lag.

Direkt neben seinem markanten Adamsapfel war ein heftiger, unübersehbarer roter Bissabdruck.

Elenor schnappte nach Luft und schlug die Hände vor den Mund.

Eine lebhafte Erinnerung traf sie wie ein Blitz – wie sich ihre Zähne genau an dieser Stelle im Fond des Wagens in seine Haut gruben, als wäre sie ein wildes, ungezähmtes Tier.

Hitze schoss ihr in die Wangen. Sie wünschte, der Boden würde sich auftun und sie ganz verschlingen.

„Dieser Abdruck", seine Stimme war ein tiefes, gefährliches Grollen, das im stillen Raum vibrierte, „wird meine Vorstandssitzung heute extrem erschweren."

„Ich kann Abdeckstift kaufen gehen", platzte Elenor heraus, ihre Hände zitterten. „Ich kann das in Ordnung bringen."

Er stieß ein kurzes, humorloses Lachen aus. Er drehte ihr den Rücken zu, ging hinter die Bar und schenkte sich eine Tasse schwarzen Kaffee ein.

Er nahm eine gefaltete Zeitung vom Tresen und warf sie direkt vor ihr auf den Marmor.

Es war die Financial Times.

Die fette Schlagzeile schrie: PORTER HOLDINGS STEHT VOR REKORDVERDÄCHTIGEM BÖRSENGANG.

Unter der Schlagzeile war ein hochauflösendes Foto des Mannes, der vor ihr stand.

Elenors Augen überflogen den Text, die Buchstaben verschwammen vor ihren Augen.

Christian Porter.

Die rücksichtsloseste, kaltblütigste Akquisitionsmaschine an der Wall Street.

Alles Blut wich aus ihrem Gesicht, und ihr wurde schwindelig.

Langsam hob sie den Kopf und traf Christians Blick. Seine Augen waren völlig ohne Wärme, berechnend und erschreckend ruhig.

Kapitel 3

Elenor starrte auf den Namen, der auf der Zeitung gedruckt war. Ihr Gehirn setzte aus. Ihre Muskeln erstarrten, hart wie Stein.

Christian nahm einen langsamen Schluck von seinem schwarzen Kaffee. Er beobachtete, wie sich ihre Panik ausbreitete, mit dem distanzierten Interesse eines Raubtiers, das eine gefangene Maus beobachtet.

Er zog einen Barhocker hervor und setzte sich, wobei er ein langes Bein über das andere schlug. Elenor spürte, wie die Luft im Raum dicker wurde, als wäre seine entspannte Haltung eine Gravitationskraft, die jeden Quadratzentimeter Raum um ihn herum beherrschte.

„Ich schwöre, es war ein Versehen", flüsterte Elenor mit brüchiger Stimme. „Ich werde Sie nicht belästigen. Ich gehe sofort, und niemand wird es je erfahren."

„Die Wall Street glaubt nicht an Versehen", unterbrach Christian sie, sein Tonfall emotionslos. „Sie schaut nur auf Ergebnisse."

Er nahm eine Fernbedienung vom Tresen und drückte einen Knopf.

Der riesige Flachbildfernseher an der Wand flackerte auf und zeigte einen großen Finanznachrichtensender.

Der Nachrichtensprecher analysierte gerade die Volatilitätsrisiken rund um den bevorstehenden IPO von Porter Holdings.

„Jeder negative Skandal jetzt", sagte Christian und deutete mit einem langen Finger auf den Bildschirm, „wird Hunderte von Millionen an Marktkapitalisierung in Luft auflösen, noch vor der Eröffnungsglocke."

„Aber niemand weiß von letzter Nacht!", flehte Elenor, während sich ihre Fingernägel schmerzhaft in ihre Handflächen bohrten. „Lassen Sie mich einfach gehen."

Christian griff in seine Tasche und schob sein Handy über den Marmortresen zu ihr.

Elenor blickte nach unten.

Der Bildschirm zeigte eine Reihe von körnigen Fotos im Paparazzi-Stil. Sie zeigten die beiden vor der Bar, in einer festen Umarmung, und wie sie dann in den Maybach stiegen.

Ihr Gesicht war teilweise von seiner Jacke verdeckt, aber Christians scharfes Profil war unverkennbar.

Elenor schlug eine Hand vor den Mund, als eine Welle der Übelkeit sie überkam. „Wie … wie konnten da Fotografen sein?"

„Meine Konkurrenten zahlen sehr gutes Geld dafür, jeden meiner Schritte zu beobachten", erklärte Christian kalt. „Wenn diese Fotos die Klatschpresse erreichen, entgleitet mir die Kontrolle über die Erzählung."

Er beugte sich vor und stützte die Ellbogen auf den Tresen. „Der Vorstand verlangt einen CEO mit absoluter Stabilität und rigoroser Selbstbeherrschung."

Er tippte auf den roten Bissabdruck an seinem Hals. „Dies, in Kombination mit diesen Fotos, beweist, dass mir beides fehlt."

Die erdrückende Last der Verantwortung schlug Elenor auf die Brust. Ihre Atmung wurde flach und schnell.

„Was soll ich tun?", fragte sie mit zitternder Stimme. „Ich habe kein Geld. Ich kann Sie dafür nicht entschädigen."

Christian stellte seine Kaffeetasse ab. Er stand auf, ging um den Tresen herum und blieb direkt vor ihr stehen.

Er streckte die Hand aus. Sein rauer Daumen strich über ihren Augenwinkel und wischte eine Träne weg, die zu fallen drohte.

Die unerwartete Sanftheit dieser Geste jagte ihr einen heftigen Schauer über den Rücken.

„Ich brauche Ihr Geld nicht", murmelte er, seine Stimme eine Oktave tiefer. „Ich brauche eine dauerhafte Lösung für diese PR-Krise."

Elenor legte den Kopf in den Nacken, verzweifelt auf der Suche nach einem Ausweg. „Welche Lösung?"

Christian machte auf dem Absatz kehrt und ging zu dem schweren Eichenschreibtisch am Fenster. Er öffnete eine Schublade und zog einen dicken Stapel juristischer Dokumente heraus.

Er kam zurück und knallte die Mappe auf den Marmortresen. Das laute Geräusch ließ Elenor zusammenzucken.

Ihr Blick fiel auf die fettgedruckten, großgeschriebenen Worte auf der ersten Seite.

EHEVERTRAG – STAAT NEW YORK.

Elenor blinzelte schnell, überzeugt davon, dass der Alkohol immer noch ihr Gehirn benebelte. Sie las die Worte erneut.

Christian stemmte beide Hände flach auf den Marmor und schloss sie so ein. Seine dunklen Augen fixierten ihre mit erschreckender Intensität.

Er sprach im sterilsten, geschäftsmäßigsten Ton, den man sich vorstellen konnte.

„Sie werden mich heiraten. Wir werden eine rechtliche Verbindung nutzen, um einen katastrophalen Skandal in ein Unternehmensmärchen zu verwandeln."

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Über Nacht mit dem CEO verheiratet

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