Kapitel 3

Am nächsten Morgen war die Luft in Manhattan klar und schneidend.

Jett stieg aus ihrem Wagen, gekleidet in einen perfekt geschnittenen schwarzen Smoking.

Sie ging die Steinstufen des exklusivsten, verborgensten privaten Zigarrenclubs der Stadt hinauf.

An der Tür gab es kein Schild, nur einen schweren Messingklopfer.

Jett stieß die Tür auf und trat an den Mahagoni-Empfangstresen.

Der Concierge, ein älterer Mann mit steifer Haltung, blickte auf, bereit, nach einer Reservierung zu fragen.

Jett sagte nichts.

Sie griff in ihre Tasche und legte eine massive, schwarzgoldene Metallkarte auf den Tresen.

Der Blick des Concierges fiel auf die Karte.

Seine Haltung wurde augenblicklich ehrerbietig.

„Bitte hier entlang, Ma'am. Er wartet in der VIP-Lounge auf Sie."

Jett folgte ihm einen schummrig beleuchteten Korridor entlang.

Er stieß eine schwere Eichenflügeltür auf.

Der reiche, schwere Duft von kubanischen Zigarren und altem Leder umfing sie.

In einem hochlehnigen Ledersessel am Kamin saß Lord Harrison.

Der Titan der Wall Street hatte silbernes Haar und Augen, denen absolut nichts entging.

Er hob ein Kristallglas mit Scotch in ihre Richtung, während sich ein langsames Lächeln auf seinem wettergegerbten Gesicht ausbreitete.

„Jett", grollte er, seine Stimme wie Schotter.

Jett setzte sich auf das Ledersofa ihm gegenüber.

Sie hielt sich nicht mit Höflichkeiten auf.

Sie griff in ihre Tasche, zog eine dicke Akte mit dem internen Finanzbericht der Vanderbilt Group hervor und warf sie auf den niedrigen Tisch zwischen ihnen.

Harrison stellte sein Glas ab.

Er nahm die Akte, schlug sie auf und rückte seine Lesebrille zurecht.

Seine Augen überflogen die markierten Abschnitte – die fatalen Liquiditätslücken, die Jett aufgedeckt hatte.

Ein Ausdruck tiefer Anerkennung legte sich auf seine Züge.

„Ich steige offiziell aus der Vanderbilt Group aus", erklärte Jett, ihre Stimme ruhig und bestimmt.

Harrison schloss die Akte.

Das Lächeln verschwand aus seinem Gesicht.

Er wusste genau, was das bedeutete.

„Das wird ein gewaltiges Erdbeben in Downtown auslösen", sagte Harrison und beugte sich vor. „Warum jetzt?"

„Arthurs Untreue", sagte Jett schlicht. „Und seine abgrundtiefe Dummheit."

Harrisons Miene verfinsterte sich.

Er griff nach seinem Stock mit dem Silberknauf und schlug ihn mit einem lauten, heftigen Krachen auf den schweren Holzboden.

„Der Junge ist ein blinder Narr", zischte Harrison, während echte Wut ihm die Brust zuschnürte.

„Die Türen meines Konsortiums stehen dir weit offen, Jett. Bring dein Kapital. Wir werden sie gemeinsam vernichten."

„Ich weiß das Angebot zu schätzen", erwiderte Jett und rückte die Manschetten ihres Sakkos zurecht.

„Aber zuerst muss ich diese Milliarden-Dollar-Scheidungsklage gewinnen. Ich muss die Anteile bereinigen."

Harrison nickte langsam und schwenkte den restlichen Scotch in seinem Glas.

„Ich habe den Müll gesehen, der heute Morgen in den Foren kursierte. Geldwäsche? Osteuropa?"

„Serena Sinclairs Machwerk", sagte Jett, und ein kaltes Lächeln umspielte ihre Lippen. „Ich plane, es zu nutzen, um die Aktien reinzuwaschen."

Harrison nahm sein Telefon.

Er wählte eine Nummer, sein Daumen drückte fest auf den Bildschirm.

„Stellen Sie mir die Chefredakteure vom Journal und der Times durch", bellte Harrison in den Hörer.

„Sagen Sie ihnen, wenn sie auch nur ein einziges Wort von diesem unbestätigten Klatsch über Jett Whitfield drucken, ziehe ich jeden Werbedollar ab, den meine Fonds kontrollieren."

Er legte auf und warf das Telefon auf das Sofa.

„Betrachte die Mainstream-Medien als mundtot gemacht", sagte er.

„Danke", sagte Jett. „Du wirst bei meinem nächsten Unternehmen vorrangige Investitionsrechte haben."

Harrison kicherte leise, und die Anspannung wich aus seinen Schultern.

Er lehnte sich zurück und schwenkte erneut sein Glas.

„Wenn sich der Staub nach diesem Krieg gelegt hat, Jett, wirst du eine Festung brauchen, nicht nur einen Fonds", sagte Harrison, wobei sein Tonfall zutiefst ernst wurde. Er beugte sich vor, das Eis klirrte in seinem Glas. „Mein Enkel kehrt nächsten Monat aus London zurück, um die europäische Abteilung zu übernehmen. Er versteht Loyalität auf eine Weise, wie die Vanderbilts es nie könnten. Ich möchte, dass du eine strategische Partnerschaft mit ihm in Betracht ziehst. Keine Zweckehe, sondern eine Allianz von Spitzenprädatoren."

Jett schenkte ihm ein müdes, aber aufrichtiges Lächeln und schätzte den taktischen Verstand des alten Mannes.

„Im Moment bin ich immun gegen das Konzept, mein Vermögen mit dem Erbe von irgendjemandem zu verbinden, Harrison. Vorerst kämpfe ich allein."

Harrison drängte nicht weiter.

Stattdessen griff er in seine innere Brusttasche.

Er zog eine elegante, mattschwarze Visitenkarte hervor.

Darauf stand kein Name. Nur eine Reihe verschlüsselter Zahlen.

Er schob sie über den Tisch zu ihr.

„Wenn du gegen die Vanderbilts in den Krieg ziehst, brauchst du den Spitzenprädator der Prozessführung", warnte Harrison, wobei seine Stimme eine Oktave tiefer sank.

„Dieser Mann ist extrem gefährlich. Aber er hat noch nie einen Fall verloren."

Jett nahm die Karte.

Der Karton war schwer und fühlte sich kalt an.

Sie ließ sie in die Innentasche ihres Sakkos gleiten.

Jett stand auf. Sie strich die Vorderseite ihres Sakkos glatt, ihre Augen wurden zu Splittern aus dunklem Eis.

„Ich muss diesen Anwalt von dir treffen", sagte Jett, ihre Stimme bar jeder Wärme.

Harrison sah ihr nach, wie sie den Raum verließ. In dem Moment, als die schweren Eichentüren ins Schloss klickten, drückte Harrison einen Knopf auf seiner Schreibtischkonsole.

„Stellen Sie mir meinen Privatdetektiv durch", befahl Harrison seinem Assistenten. „Ich will bis Mitternacht jeden Dreck über Arthur Vanderbilt ausgegraben haben."

Währenddessen ging Jett den schummrigen Korridor entlang und verließ den Club. Der kalte Wind Manhattans biss ihr sofort in die Wangen. Als sie die Steinstufen hinabstieg, trat ein Mann in einem unauffälligen grauen Anzug aus dem Schatten einer Straßenlaterne und versperrte ihr den Weg zum wartenden Maybach.

„Ms. Whitfield", sagte der Mann, seine Stimme ausdruckslos und einstudiert. Er stieß ihr einen dicken juristischen Umschlag entgegen. „Ihnen wird hiermit zugestellt."

Jett zuckte nicht zusammen. Sie streckte langsam die Hand aus, nahm den Umschlag und riss ihn unter dem bernsteinfarbenen Schein der Straßenlaternen auf. Es war eine gerichtliche Vorladung von der Rechtsabteilung der Familie Vanderbilt, die vor einer bevorstehenden Vermögenssperre warnte. Der alte Richard wurde langsam verzweifelt. Sie knüllte den Rand des Papiers zusammen, ihre Augen verengten sich, als sie in die Wärme ihres Wagens stieg.

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Seine Vorzeigefrau, das Alpha-Raubtier

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