Kapitel 3

Ich erwachte mit dem Geruch von Antiseptikum und dem kalten, sterilen Biss der Luft. Eine dünne, kratzige Decke war bis zu meinem Kinn hochgezogen, und ein hartnäckiges, rhythmisches Piepen hallte in dem stillen Raum wider. Die Krankenstation. Die Krankenstation des Wernigerode-Rudels. Mein Körper war ein fremdes Land, eine Landschaft der Qual, die ich kaum navigieren konnte. Jeder Atemzug war eine neue Welle von Feuer in meinen Rippen, und ein dumpfes, schweres Pochen pulsierte von meinem Bein, meinem Rücken, meinen Knochen selbst.

*Er hat mich gestoßen.* Der Gedanke war ein kalter, harter Stein in meiner Magengrube. *Er hat mich weggeworfen.*

Dr. Wagner, der ältere Heiler unseres Rudels, betrat den Raum, sein Gesicht von Sorgenfalten durchzogen. Seine freundlichen, wässrigen blauen Augen hielten eine tiefe Quelle des Mitleids, die meine Haut krabbeln ließ. Er bewegte sich mit leiser Effizienz und überprüfte die Monitore neben meinem Bett. Das rhythmische Piepen beschleunigte sich, als meine Herzfrequenz vor Angst anstieg.

„Wie … wie schlimm ist es?“, flüsterte ich, meine Stimme ein trockenes, heiseres Geräusch.

Er seufzte, seine Schultern sackten zusammen. Er zog einen Hocker an mein Bett, sein Gesichtsausdruck war düster. „Clara … der Aufprall war schwer. Mehrere Brüche. Innere Prellungen. Aber das ist nicht das Schlimmste.“

Ich machte mich auf das Schlimmste gefasst, meine Hände umklammerten die dünne Decke.

„Der Kronleuchter war alt, verzaubert mit Fokussierungskristallen“, erklärte er mit sanfter Stimme. „Als er zerbrach, setzte er einen Ausbruch chaotischer magischer Energie frei. Splitter des Kristalls stecken in deinem Rücken, in der Nähe deiner Wirbelsäule. Sie … stören deine Verbindung.“

Mein Blut gefror in meinen Adern. „Meine Verbindung? Zu meiner Wölfin?“

Er nickte langsam, sein Blick unerschütterlich. „Die Splitter haben die primären Nervenkanäle, die dich mit deinem Wolfsgeist verbinden, dauerhaft beschädigt. Sie ist immer noch da, aber die Verbindung ist … ausgefranst. Gedämpft. Es könnte für dich von nun an ein Kampf sein, dich zu verwandeln. Der Schmerz könnte immens sein. Du könntest auf Lebenszeit verkrüppelt sein, Clara.“

Ein ersticktes Schluchzen entkam meinen Lippen. Meine Wölfin. Sie war meine Stärke, meine Gefährtin, die andere Hälfte meiner Seele. Diese Verbindung gekappt zu haben, in meinem eigenen Körper gefangen zu sein … es war ein Schicksal schlimmer als der Tod. Die Tränen, die ich so lange zurückgehalten hatte, kamen endlich, heiß und still, und zogen Spuren durch den Schmutz auf meinen Wangen.

„War … war Markus hier?“, fragte ich, die Frage schmeckte wie Asche in meinem Mund. Ich musste es wissen. Ein Teil von mir, ein tief verletzter, törichter Teil, hoffte immer noch, er würde durch diese Tür kommen, sein Gesicht voller Reue.

Dr. Wagners Gesichtsausdruck verhärtete sich. Er konnte mir nicht in die Augen sehen. „Er war bei Isabella. Sie stand … unter Schock.“

*Unter Schock.* Die Worte waren ein bitterer Hohn. Isabella, die von dem Körper meines Gefährten geschützt wurde, die ohne einen Kratzer davonging, stand unter Schock. Und ich, gebrochen und möglicherweise verkrüppelt wegen seiner Taten, war allein in diesem kalten, weißen Raum zurückgelassen worden. Die letzte, flackernde Glut der Hoffnung in mir erlosch und hinterließ nichts als kalte, harte Gewissheit.

Er liebte mich nicht. Er würde es niemals tun.

*

Zwei Tage später erschien er endlich. Die Tür zu meinem Zimmer schwang auf, und er stand da, seine Silhouette hob sich gegen das Licht des Flurs ab. Er trug nicht den maßgeschneiderten Anzug von der Gala, sondern ein einfaches schwarzes Hemd und Jeans, die nichts von der Aura der Macht und des Befehls minderten, die an ihm hing. Sein Gesicht war eine Maske kalter Gleichgültigkeit, seine stürmischen Augen hielten keinen Funken Reue oder Sorge.

Er sah mich an, wie ich gebrochen im Bett lag, und seine Lippe kräuselte sich zu einem leichten Hohnlächeln.

„Du bist wach“, stellte er fest. Es war keine Frage.

Ich starrte ihn an, mein Herz ein Eisblock in meiner Brust. „Du hast mich gestoßen.“

„Ich habe Isabella gerettet“, korrigierte er, seine Stimme flach und hart. „Und dabei hast du es geschafft, dich lächerlich zu machen und sie zu traumatisieren. Du hast unser Rudel blamiert, Clara. Wie du da lagst, so schwach vor all diesen Alphas.“

Die schiere Dreistigkeit seiner Worte, die völlige Umkehrung der Schuld, ließ mich atemlos zurück. Er beschuldigte *mich*. Er war wütend auf *mich*, weil ich das Opfer seiner eigenen brutalen Wahl war. Der Schmerz meiner Verletzungen war nichts im Vergleich zur Qual seiner Grausamkeit.

„Ich hätte sterben können“, flüsterte ich, die Worte zitterten vor einer Wut, die ich zu schwach war, um sie vollständig auszudrücken.

„Vielleicht wäre das für alle das Beste gewesen“, sagte er, seine Stimme erschreckend ruhig. „Dieses … dieses Band zwischen uns. Es ist zu einer Schwäche geworden. Einer Kette. Deine Bedürftigkeit, deine Sentimentalität … es ist eine Belastung für meine Macht, eine Ablenkung, die ich mir nicht länger leisten kann.“

Er trat einen Schritt näher ans Bett, seine Anwesenheit füllte den Raum, erstickte mich. Er sah auf mich herab, nicht als seine Gefährtin, sondern als ein Problem, das gelöst werden musste, ein Fehler, der ausradiert werden musste.

„Ich berufe mich auf das alte Ritual der Trennung“, erklärte er, die Worte formell, rituell und absolut endgültig.

Meine Welt blieb stehen. Das Piepen des Monitors schien in die Ferne zu rücken. Das Ritual der Trennung. Es war ein brutales, archaisches Ritual, das nur in den extremsten Fällen von Verrat angewendet wurde. Eine erzwungene Zurückweisung. Das magische Zerreißen eines von der Mondgöttin selbst gesegneten Bandes.

„Nein“, hauchte ich und schüttelte den Kopf, die Bewegung schickte Dolche des Schmerzes durch meinen Schädel. „Markus, das kannst du nicht.“

Seine Augen waren wie Eissplitter. „Ich, Markus, Alpha des Wernigerode-Rudels, weise dich, Clara, als meine Gefährtin zurück. Das Band ist gebrochen.“

In dem Moment, als die Worte seine Lippen verließen, riss ein Schmerz durch mich, wie ich ihn noch nie gekannt hatte. Er war nicht körperlich. Es war eine seelische Ausweidung. Es fühlte sich an, als würde meine Seele in zwei gerissen. Ein Schrei wurde aus meiner Kehle gerissen, roh und animalisch. Der silberne Faden unseres Bandes, der uns fünf Jahre lang verbunden hatte, riss. Der Rückschlag war katastrophal. Es fühlte sich an, als würde mein Herz explodieren, meine Magie außer Kontrolle geraten, meine Lebenskraft in die Leere abfließen, wo er einst gewesen war.

Die Welt begann an den Rändern grau zu werden. Das Piepen des Monitors neben mir wurde zu einem einzigen, hohen, ununterbrochenen Ton.

*

Das Letzte, was ich sah, war die aufspringende Tür. Dr. Wagner stürzte herein, sein Gesicht eine Maske der Panik. Er blickte auf den Monitor mit der flachen Linie, dann auf Markus' kalte, unbewegliche Gestalt.

„Was hast du getan?“, schrie er, seine Stimme brach vor Unglauben, als er hektisch Diagnosen auf dem medizinischen Tablet durchführte, seine Hände flogen über den Bildschirm.

Markus antwortete nicht. Er sah mir einfach beim Sterben zu, sein Gesichtsausdruck unleserlich.

Dr. Wagner starrte auf den Monitor, seine Augen weit aufgerissen, sein Gesicht verlor jede Farbe. Er blickte vom leuchtenden Bildschirm zu Markus' unversöhnlichem Blick, dann zurück zu meiner gebrochenen Gestalt auf dem Bett. Ein Ausdruck reinen, unverfälschten Schocks und Entsetzens breitete sich auf seinem Gesicht aus.

„Alpha …“, stammelte der Heiler, seine Stimme zitterte, kaum ein Flüstern. „Die Zurückweisung … der Rückschlag … es ist nicht nur sie, der du schadest.“

Er holte zitternd Luft, seine Augen trafen die von Markus.

„Bei der Mondgöttin, sie trägt deinen Erben.“

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Seine unerwünschte Gefährtin, ihre verbotene Magie

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