Kapitel 2

Die Erinnerung an den Beginn ihrer Beziehung flammte in Rachels Gedanken auf.

Es hatte alles so chaotisch begonnen. Damals hatte Tracy ihn für einen anderen Mann verlassen und war in ein fremdes Land gezogen.

Dieser Verrat hatte Brian zerstört. In seiner Verzweiflung hatte er sich in Alkohol geflüchtet, sich selbst in einem Strudel aus Wut und Herzschmerz verloren.

Und in jener Schicksalsnacht, getrieben von rohen Emotionen, hatte er Rachel zu Boden gedrückt. Sie hatte unter ihm geschluchzt und gezittert, aber er hatte nicht aufgehört. Von einer verzweifelten, fast instinktiven Gier getrieben, hatte er sie immer wieder genommen, als könnte er das Loch in seiner Brust damit füllen.

Am nächsten Morgen, als die Schwere der Nacht noch über ihnen lag, hatte Brian sie mit ernster Miene angesehen. „Nach allem, was passiert ist… willst du trotzdem bei mir bleiben?"

Rachel hatte genickt, unfähig zu sprechen. Und einfach so begann ihre Beziehung, nicht aus Liebe, sondern als impulsives Ergebnis einer gemeinsamen Nacht.

Jetzt, da Brian vor Rachel stand und ihr Herz unter dem Gewicht der unausgesprochenen Fragen schmerzte, fragte sie sich, ob er überhaupt etwas für sie empfand, ob es in seinem Herzen auch nur die kleinste Spur von Zuneigung oder Zärtlichkeit gab, oder ob sie nur ein Platzhalter für die Liebe war, die er verloren hatte.

Brian betrachtete Rachel eindringlich, seine Stimme sanft, doch bestimmt. „Unsere Hochzeit steht kurz bevor. Bald wirst du meine Frau sein. Ich werde dich lieben und beschützen, immer."

Ein kühler Hauch strich über ihre Lippen, und ohne nachzudenken, legte Rachel ihre Finger sanft darauf, unterbrach seine Worte. „Brian, bitte", murmelte sie. „Ich verstehe es längst. Du hast die ganze Nacht nicht geschlafen, du bist erschöpft. Geh dich umziehen, bevor du ins Büro gehst. Ich bringe dir deine Sachen."

Ihre Stimme war ruhig, doch als sie sich abwandte, liefen die Tränen unaufhaltsam über ihr Gesicht.

Brian hatte mit so liebevoller Stimme gesprochen, voller Versprechungen von Fürsorge und Hingabe. Doch alles, was sie spürte, war die Leere hinter diesen Worten.

Wenn es wirklich Liebe gewesen wäre, dann hätte er all diese großen Erklärungen nicht gebraucht. Ein einziges ehrliches Wort hätte gereicht. Je mehr er sie zu überzeugen versuchte, desto deutlicher wurde ihr, dass es nichts gab, wovon er sie überzeugen konnte.

In diesem Moment konnte Rachel es nicht mehr ertragen. Sie drehte sich weg, wollte nichts mehr hören.

Als sie sich im Kleiderschrank nach einem Anzug für ihn umsah, spürte sie plötzlich eine vertraute Umarmung. Brian zog sie von hinten an sich, seine Arme hielten sie fest. Sein Kinn ruhte sanft auf ihrem Kopf, während er ihre Hand nahm, seine Stimme von leiser Besorgnis durchzogen. „Es ist nicht kalt, und doch sind deine Hände eiskalt."

Trotz der Tränen in ihren Wimpern blieb Rachel still, ihre Brust schwer von unausgesprochenem Schmerz. Sie wusste nicht, was sie auf seine plötzliche Zärtlichkeit erwidern sollte.

Ohne Vorwarnung drehte Brian sie um, sein Blick weich, aber intensiv.

Rachel hob die Augen, ihr tränenerfüllter Blick traf auf seinen. Etwas in ihrer Verletzlichkeit rührte etwas Tiefes in ihm. Unfähig zu widerstehen, umfasste er ihr Gesicht und küsste sie, hart und verzweifelt, als wolle er sie verschlingen, um sie zu einem Teil von ihm zu machen.

Rachel erhob sich auf die Zehenspitzen, lehnte sich zurück in seine Kraft, seine Wildheit. Ihr Gesicht wurde heiß, ihr Atem flatterte, gefangen zwischen dem Sturm ihrer Gefühle und der Intensität des Moments. Doch mitten in all dem begann sich eine sanfte Wärme in ihrer Brust auszubreiten.

Sie wusste, dass Brian nur in diesen stillen, intimen Momenten wahre Leidenschaft zeigte. Nur dann fühlte sie sich wirklich gewollt.

„Brian…" Rachel wimmerte leise, ihre Stimme zitternd, als sie nach Luft rang.

Brian blinzelte, als erwache er aus einem tranceartigen Zustand. Er ließ sie abrupt los, eine plötzliche Schwere in seinem Blick. Seine Stimme war rau vor Verlangen, doch zugleich klang sie bedauernd. „Wenn dieses Meeting nicht wäre, könnte ich mich nicht zurückhalten."

Rachels Gesicht errötete noch stärker, und eine Welle von Verlegenheit und Wärme durchströmte sie. Sie gab ihm einen sanften Schubs, als wollte sie sich aus der Intensität des Moments lösen. „Letzte Nacht, wir haben…" Ihre Stimme verklang, als die Worte ihr entglitten.

Doch Brian blieb ungerührt. Sein Griff um sie war fest, aber sanft, sein Blick unverändert entschlossen. „Was spielt das für eine Rolle? Du gehörst jetzt mir, und ich kann nicht aufhören, dich zu wollen."

Bevor Rachel antworten konnte, spürte sie plötzlich etwas Kühles, Glattes auf ihrer Haut. Sie senkte den Blick und sah ein atemberaubendes Armband an ihrem Handgelenk. Der Rubin in der Mitte funkelte im Licht, seine tiefrote Farbe ließ ihre Haut noch zarter erscheinen.

„Ist das… für mich?" fragte sie überrascht.

Brian nickte, ein sanftes Lächeln umspielte seine Lippen. „Ja. Gefällt es dir?"

Ihr Blick wanderte vom Armband zurück zu seinem Gesicht. „Hast du es selbst ausgesucht?"

Er nickte erneut, seine Miene zufrieden. „Ich dachte, es wäre perfekt für dich."

Rachel spürte, wie sich Wärme in ihrer Brust ausbreitete. Sie konnte nicht anders, als zu lächeln. „Ich liebe es wirklich. Danke." Dankbar beugte sie sich vor und drückte einen sanften Kuss auf seine Wange.

Doch Brian gab sich damit nicht zufrieden. Mit hochgezogener Augenbraue deutete er auf seine Lippen. Sein Blick war spielerisch, aber auch fordernd.

Er sagte kein Wort, doch die unausgesprochene Aufforderung lag klar in der Luft. Rachel zögerte. Es war ungewohnt für sie, den ersten Schritt zu machen, und eine leichte Röte stieg ihr in die Wangen.

Brian grinste herausfordernd. „Wenn du mich nicht küsst, gehe ich jetzt zur Tür hinaus." Er ließ ihre Hand los, sein spöttisches Lächeln forderte sie geradezu heraus.

Rachels Herz schlug schneller, ihre Gedanken verloren sich in dem plötzlichen Wirbel der Gefühle. Ohne weiter nachzudenken, überbrückte sie die Distanz und küsste ihn.

Fast so, als hätte er genau auf diesen Moment gewartet, legte Brian seine Hände an ihren Kopf und vertiefte den Kuss. Seine Leidenschaft ließ ihr keinen Raum zum Zögern. Erst als sie leise nach Luft rang und sich an seinem Hemd festhielt, ließ er langsam von ihr ab. Sein Atem war rau, seine Augen funkelten.

„Ruh dich ein wenig aus", schlug Brian sanft vor, als er ihr müdes, blasses Gesicht betrachtete. „Bleib die nächsten Tage zu Hause. Sobald du dich besser fühlst, kannst du meine Großeltern besuchen. Mach dir keine Gedanken darüber, ob du wieder arbeiten gehst, bevor du dich vollständig erholt hast."

Rachel nickte gehorsam, ihr Kopf noch benommen von den Geschehnissen.

Sie hatte sich immer voll und ganz ihrer Arbeit gewidmet. Nach ihrem Kunststudium hatte sie bei der White Gruppe angefangen und sich schnell zur Leiterin der Designabteilung hochgearbeitet. Doch niemand in der Firma wusste von ihrer Beziehung zu Brian.

Obwohl sie stets engagiert geblieben war, hatte der Stress der letzten Wochen ihren Körper an seine Grenzen gebracht. Heftige Kopfschmerzen, Schwindel und gelegentliche Übelkeit waren Warnsignale, die sie nicht länger ignorieren konnte. Wären diese Symptome nicht gewesen, hätte sie niemals eine Pause eingelegt. Doch nach der Hochzeit wollte sie kürzertreten. Sie wollte sich von der Arbeit auf die Familie konzentrieren, die sie mit Brian gründen wollte.

„Oh, Brian", sagte Rachel schließlich leise, während eine spürbare Schwere zwischen ihnen lag. „Deine Mutter hat bereits das Hochzeitsdatum festgelegt."

Brians Lippen verzogen sich zu einem amüsierten Lächeln. „Ich weiß. Sie hat mich heute Morgen angerufen."

Rachel hielt kurz inne, ihre Gedanken wirr, bevor sie zögernd weitersprach. „Dann… sollten wir es nicht langsam der Firma sagen? Jeder weiß, dass ich bald heirate, aber niemand weiß, mit wem. In letzter Zeit haben mich viele Kollegen aufgezogen und nach Einladungen gefragt." Ihre Worte klangen wie eine Mischung aus Vorfreude und Unsicherheit.

Doch Brians Miene wurde nicht weicher. Stattdessen spannte sich sein Kiefer an, sein Blick wich dem ihren aus. „Rachel…" begann er, seine Stimme schwer von einer unausgesprochenen Entschuldigung. „Es tut mir leid."

Rachel blinzelte verwirrt, versuchte, seine plötzliche Distanz zu begreifen. „Was? Warum?"

Er sah ihr direkt in die Augen, seine Züge sanft, aber entschlossen. „Ich bin noch nicht bereit, unsere Ehe öffentlich zu machen. Und ich habe meiner Familie bereits Bescheid gegeben. Fürs Erste halten wir es klein, eine private Zeremonie, nur mit engen Freunden und Verwandten."

Rachels Hände erstarrten, die Krawatte glitt ihr aus den Fingern. Ihre Gedanken rasten. Also wussten bereits alle Bescheid? Nur sie war die Letzte, die es erfuhr? Wenn sie es nicht angesprochen hätte, hätte er sie dann bis zum Schluss im Dunkeln gelassen?

Der Gedanke, dass ihre Ehe ein Geheimnis bleiben sollte, schnürte ihr die Kehle zu. Eine Ehe bedeutete, das Leben miteinander zu teilen.

Warum sollte sie versteckt werden? Dann traf sie die Wahrheit mit voller Wucht. Es war wegen Tracy. Er hatte sie nie losgelassen. Und diese Erkenntnis zerbrach das letzte bisschen Hoffnung in Rachel.

Ihre Brust zog sich schmerzhaft zusammen, die Luft fühlte sich plötzlich zu dick zum Atmen an. Ihre Augen brannten, doch sie zwang sich, die Tränen hinunterzuschlucken.

Wäre es Tracy gewesen, die er heiratete, hätte er es sofort öffentlich gemacht. Er hätte es in die ganze Welt hinausposaunt, weil er wollte, dass jeder erfährt, dass Tracy diejenige ist, die er ausgewählt hat.

„Was, wenn ich darauf bestehe, es öffentlich zu machen?" Rachels Stimme bebte, ihre Augen glänzten, doch in ihrem Blick lag eine unerwartete Entschlossenheit. „Was, wenn ich will, dass alle es erfahren?"

Brian wirkte überrascht. Rachel war immer gefügig, und ihr Verhalten war sanft und entgegenkommend. Dieses plötzliche Aufbegehren war untypisch für sie und ließ ihn für einen Moment sprachlos. Nach einer kurzen Pause griff er nach ihrer Hand, sein Griff fest, aber nicht hart. „Rachel", sagte er leise, sein Ton eindringlich, fast bittend, „Gib mir noch ein wenig Zeit. Ich verspreche dir, wenn der richtige Moment gekommen ist, wird jeder wissen, wer du für mich bist."

„Also kann es jetzt nicht passieren, oder?" Rachels Stimme war sanft, fast resigniert. Sie wagte es nicht mehr, Hoffnung zu hegen.

Brian senkte den Blick, Schuld überschattete seine Züge. „Es tut mir leid", murmelte er.

Rachels Hände zitterten, während sie darum kämpfte, sich zu fassen. Sie atmete tief ein, zwang ihre Gefühle unter Kontrolle und sprach schließlich wieder. Ihre Stimme war ruhig, aber entschlossen. „Ich werde dem zustimmen… aber unter einer Bedingung."

Kapitel 3

Brian nickte leicht. „Sag es mir."

Rachel holte tief Luft, um sich zu sammeln. „Wenn du auch nach zwei Jahren immer noch nicht bereit bist, unsere Ehe öffentlich zu machen, werde ich ohne ein Wort gehen. Alles, was ich verlange, ist, dass du mir dann nicht im Weg stehst." Ihre Stimme bebte, jedes Wort fühlte sich an wie ein Dorn, der sich tief in ihre Kehle bohrte.

„Einverstanden. Ich stimme zu."

Doch noch während die Worte seine Lippen verließen, kroch ein beunruhigendes Gefühl in seine Brust - eine stille, formlose Panik, wie ein Sturm, der sich am fernen Horizont zusammenbraute.

„Gut", flüsterte Rachel, während sie die Hände zu Fäusten ballte, die scharfen Kanten ihrer Nägel verankerten sie in der Gegenwart.

Zwei Jahre. Das war die Grenze, die sie sich gesetzt hatte.

Seit sie fünfzehn Jahre alt war, hatte sie ihn geliebt - acht lange Jahre der Hingabe, der Jagd nach Schatten und der Hoffnung auf Wärme.

Zwei Jahre mehr, dann wäre es ein ganzes Jahrzehnt.

Es war genug Zeit, um die festesten Überzeugungen zu erschüttern und selbst die unnachgiebigsten Herzen zu erweichen.

Wenn Brian sie dann noch immer nicht lieben konnte, würde sie zurücktreten. Ihm die Freiheit geben, die er nie hatte erbitten müssen.

Aber tief in ihrem Inneren betete sie - betete, dass dieser Tag niemals kommen würde, dass sie niemals das Leben, das sie sich um ihn herum aufgebaut hatte, aufgeben müsste.

... ...

Kaum hatte Brian das Haus verlassen, klingelte Rachels Handy. Als sie den Namen auf dem Display sah, nahm sie schnell ab.

„Rachel, hast du heute frei?" Die warme, vertraute Stimme von Carol White füllte ihr Ohr. „Komm schnell nach Hause. Ich habe heute Morgen extra deine Lieblingsgerichte frisch einfliegen lassen!"

Rachel konnte nicht anders, als zu lächeln. „In Ordnung, ich mache mich sofort auf den Weg." Nach einem kurzen Frischmachen machte sie sich direkt auf den Weg.

Doch kaum war sie vor dem Anwesen der Familie White aus dem Auto gestiegen, geriet ihre Welt ins Wanken. Eine plötzliche Schwindelwelle überrollte sie.

Der Fahrer neben ihr reagierte schnell und stützte sie. „Passen Sie auf. Geht es Ihnen gut?"

Rachel atmete langsam aus, um sich zu stabilisieren. „Ich bin wahrscheinlich zu schnell aufgestanden. Mein Blutzucker fällt manchmal ab, aber das ist nichts Ernstes."

Dennoch wusste sie, dass ihre Gesundheit in letzter Zeit nicht die beste gewesen war. Vielleicht forderten die langen Nächte endlich ihren Tribut.

Mit der bevorstehenden Hochzeit musste sie dringend besser auf sich achten.

Als sie das prächtige Wohnzimmer betrat, fiel ihr Blick sofort auf Debby.

„Hallo, Debby", grüßte sie mit ruhiger Stimme.

Doch Debby, die nie den Versuch machte, ihre Abneigung zu verbergen, warf ihr nur einen kurzen Blick zu, bevor sie spöttisch schnaubte.

„Dir ist schon klar, dass Carol dich zum Mittagessen eingeladen hat, oder? Sieh dir die Uhrzeit an. Pünktlichkeit scheint nicht gerade deine Stärke zu sein." Ihre Stimme war kühl, jedes Wort getränkt in unverhohlene Geringschätzung.

Rachel senkte den Blick, für einen Moment sprachlos.

Dann spürte sie eine sanfte Wärme an ihrer Hand.

Carol, die sich leicht auf ihren Gehstock stützte, legte ihre Finger um Rachels Hand und wandte sich mit milder, aber bestimmter Stimme an Debby. „Rachel war schon immer rücksichtsvoll. Wenn sie sich verspätet hat, dann sicher nicht absichtlich. Außerdem ist das Mittagessen noch nicht einmal fertig. Wie kann sie also zu spät kommen?"

Ein Kloß bildete sich in Rachels Kehle. Ihre Sicht verschwamm leicht. Sie hatte nie die Liebe einer Mutter gekannt—ihre eigene Mutter war am Tag ihrer Geburt auf dem OP-Tisch gestorben.

Und ihr Vater? Kalt und distanziert, nicht der Mühe wert, darüber nachzudenken.

Die einzige wahre Wärme, die sie je gespürt hatte, kam von Brians Großeltern.

Ohne sie hätte sie vielleicht nie erfahren, was es bedeutete, geliebt zu werden.

Debby stieß ein genervtes Schnauben aus. „Sie ist mittlerweile eine erwachsene Frau. Du kannst sie nicht für immer verhätscheln."

Carols Miene verhärtete sich, als sie mit schneidender Schärfe erwiderte: „Solange ich atme, werde ich sie beschützen. Jeder, der es wagt, sie zu beunruhigen, wird sich zuerst vor mir verantworten müssen - und ich verspreche euch, niemand wird Ruhe finden, wenn er es versucht."

Mit sanfter Autorität zog sie Rachel auf den Platz neben sich. „Komm, mein Schatz. Setz dich zu mir."

Debby erstarrte, schluckte jedoch ihren Unmut hinunter. Carols unerschütterliche Fürsorge ließ keinen Raum für Widerworte, sodass Debby ihre aufkeimende Frustration mühsam unterdrückte. Bittere Eifersucht schwelte in ihr - nach jahrzehntelanger Ehe mit der Familie White hatte Carol ihr nie so viel Wärme entgegengebracht.

Und doch wurde Rachel, einzig und allein, weil sie Carol an ihre verstorbene Tochter erinnerte, mit grenzenloser Zuneigung überschüttet.

Wie hätte Debby sich da nicht benachteiligt fühlen sollen?

Umso schwerer wog die Kränkung, wenn sie daran dachte, dass ihr eigener Sohn eine uneheliche Tochter heiratete. Diese Ungerechtigkeit brannte in ihrer Brust.

Während des Essens verdüsterte sich Debbys Stimmung zunehmend, während Carol liebevoll Rachels Teller füllte.

„Du hast in letzter Zeit sicher zu viel gearbeitet", bemerkte Carol besorgt, als sie Rachels blasses Gesicht musterte. „Du bist viel zu dünn geworden. Iss mehr, mein Kind. Und wenn Brian sich nicht gut genug um dich kümmert, sag mir Bescheid, ich werde ihn zur Vernunft bringen."

Debbys aufgestaute Frustration entlud sich schließlich. „Was nützt all das gute Essen? Sie sind jetzt schon so lange zusammen, und ein Kind gibt es immer noch nicht."

Rachel hielt den Blick gesenkt und konzentrierte sich schweigend auf ihr Essen, während ihre Gedanken zu den Kondomen in ihrem Schlafzimmer abschweiften.

Sie verstand den Wunsch nach einem Enkelkind. Sie selbst sehnte sich danach, Mutter zu werden. Aber Brian wollte es nicht.

Carol warf Debby einen warnenden Blick zu, doch diese redete unbeirrt weiter. „Ich sage doch nur die Wahrheit. Sie sind schon ewig zusammen, und Brians Gesundheit ist einwandfrei. Andere Frauen werden innerhalb von Wochen schwanger, aber nach einem Jahr noch immer nichts? Hätte er jemand anderen geheiratet, wärst du längst Urgroßmutter."

Die ersten Worte hatten Carol tatsächlich ins Grübeln gebracht.

Später, auf dem sonnendurchfluteten Balkon, sprach sie das Thema schließlich vorsichtig an, während sie Rachels Hand hielt.

„Mein Schatz, jetzt sind wir unter uns. Du musst nichts vor mir verbergen. Wenn es gesundheitliche Probleme gibt, bietet die moderne Medizin viele Lösungen. Selbst eine künstliche Befruchtung wäre denkbar. Geld ist für die Familie kein Problem."

Rachels Herz schwoll vor Emotionen.

Selbst wenn Carol dachte, sie sei unfruchtbar, blieb ihre Liebe unverändert.

Überwältigt schlang Rachel die Arme um Carol und drückte sie fest an sich. „Bitte mach dir keine Sorgen. Ich bin vollkommen gesund."

Carol blinzelte überrascht. „Dann… kann Brian etwa nicht…"

„Nein, nein!" Rachel unterbrach hastig, ihre Augen weiteten sich. „Brian ist völlig gesund. Es ist nur so, dass wir…"

In Carols Blick dämmerte langsam das Verständnis. „Ah. Brian will also warten, nicht wahr?"

„Ja", bestätigte Rachel leise. „Er sagt, er möchte erst unsere gemeinsame Zeit genießen und warten, bis sich meine Gesundheit verbessert."

„Du verteidigst ihn immer. Er behandelt dich aber gut, oder?"

Rachel hob ihr Handgelenk und zeigte das elegante Armband. „Sieh mal, was er mir gekauft hat!"

„Das ist wundervoll, mein Schatz."

Am Nachmittag bereitete der neue Küchenchef köstliche Desserts zu.

Rachels Augen leuchteten auf, als sie probierte. „Carol, gibt es noch mehr davon?"

„Natürlich. Denkst du etwa an Brian?" fragte Carol mit wissendem Lächeln.

Rachel errötete. „Ja… er liebt Süßes. Ich würde ihm gerne welche mitbringen."

Carols Gesicht wurde weich vor Zuneigung. „Dann nur zu, mein Kind!"

Als Rachel in Brians Büro ankam, war er gerade in einer Besprechung.

Um ihn nicht zu stören, ließ sie die Desserts leise auf seinem Schreibtisch und drehte sich um, um zu gehen.

„Rachel!" Eine vertraute Stimme hallte hinter ihr.

„Tracy?" Rachel wandte sich überrascht um und sah sich unerwartet Tracy gegenüber.

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Requiem eines gebrochenen Herzens

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