Kapitel 3

Der Becher mit schwarzem Kaffee brennt in Jeannettes Handflächen, doch sie lässt ihn nicht los.

Sie sitzt im Schneidersitz auf Eleanors plüschigem Wohnzimmersofa in Boston, ihr Blick starr auf den riesigen, an der Wand montierten Fünfundachtzig-Zoll-Fernseher gerichtet. Der Bildschirm ist zweigeteilt. Links das stille, leere Wohnzimmer des Manhattan-Penthouses. Rechts das perfekt gemachte Ehebett.

Drei Tage lang verlässt Jeannette die Wohnung nicht. Sie isst kaum. Sie sitzt da wie eine Statue, die dunklen Ringe unter ihren Augen vertiefen sich zu blauen Schatten. Eleanor beobachtet sie, kaut nervös an ihren Nägeln, entsetzt bei dem Gedanken, dass ihre beste Freundin den Verstand verliert.

In der vierten Nacht geschieht es.

Der linke Bildschirm leuchtet plötzlich auf. Das Geräusch eines Schlüssels, der sich im Schloss dreht, knistert durch die High-Fidelity-Lautsprecher in Eleanors Wohnzimmer.

Jeannettes Rücken richtet sich schlagartig auf. Ihr Daumen hämmert auf den Aufnahmeknopf ihres Laptops. Eleanor lässt ihre Zeitschrift fallen und eilt zum Sofa, ihre Augen weit aufgerissen.

Auf dem Bildschirm stolpert Devyn durch die Haustür. Seine Krawatte ist gelöst. Er lacht, ein lallendes, betrunkenes Geräusch. Sein Arm ist fest um Zaras Taille geschlungen. Zara kichert, stößt die Tür mit dem Absatz zu, bevor sie ihm die Arme um den Hals schlingt. Sie prallen gegen die Wand und küssen sich gierig.

„Gott, wann wirst du diese langweilige, verklemmte Schlampe endlich abservieren?", jammert Zara, ihre Stimme hallt scharf durch den stillen Raum.

Devyn grinst, während seine Hände über ihren Körper wandern. „Bald, Baby. Sobald die letzte Auszahlung aus dem Treuhandfonds der Familie Beaumont auf meinem Konto eingeht. Dann werde ich Jeannette rauswerfen wie den Müll, der sie ist."

Die Worte treffen Eleanor wie ein Faustschlag. Sie schnappt sich ein Samtkissen und schleudert es wütend gegen den Fernsehbildschirm. „Dieses parasitäre, goldgierige Stück Scheiße!", schreit sie, ihr Gesicht rot vor Zorn.

Jeannette blinzelt nicht. Ihr Gesicht ist eine Maske absoluter, furchterregender Ruhe. Ihre Augen sind tot, völlig emotionslos, während sie zusieht, wie der Mann, den sie heiraten sollte, eine andere Frau auf das Sofa zerrt. Sie tippt auf das Trackpad und zoomt auf ihre Gesichter, um sicherzustellen, dass die Auflösung makellos ist.

Das folgende Gespräch ist abscheulich. Sie machen sich über Jeannettes konservative Kleidung lustig. Sie lachen darüber, wie sie es in Devyns Auto getrieben haben, während Jeannette in einem Restaurant auf ihn wartete.

Die Kamera schaltet auf das Hauptschlafzimmer um. Das Nadelöhr-Objektiv fängt jede widerliche, unbestreitbare Sekunde ihres Verrats ein.

Zwei Stunden später stoppt die Aufnahme.

Jeannette atmet langsam aus. Ihre Finger fliegen über die Tastatur und verschlüsseln die riesige Videodatei. Sie lädt sie auf drei separate, sichere Cloud-Server in der Schweiz und in Singapur hoch. Sie lädt eine Kopie auf einen verschlüsselten USB-Stick herunter.

Sie geht zum Wandsafe, schließt den Stick darin ein und wendet sich Eleanor zu. Ein langsames, eiskaltes Lächeln breitet sich auf Jeannettes Gesicht aus.

„Die Jagd ist vorbei", flüstert Jeannette.

Eleanor schaudert. „Was wirst du damit machen? Dieses Video ist eine Atombombe."

Jeannette geht zur Küchentheke und nimmt den dicken, cremefarbenen Umschlag, der dort liegt. Es ist die Einladung zur jährlichen Wohltätigkeitsgala der Familie Langley. Sie fährt mit dem Fingernagel über das goldfolierte Langley-Wappen, das auf die Vorderseite geprägt ist.

„Ich werde ihnen ein Geschenk machen", sagt Jeannette, ihre Stimme glatt wie Glas. „Vor jeder einzelnen Person, die in Boston von Bedeutung ist."

Eleanor stößt ein scharfes, aufgeregtes Lachen aus. Sie greift sofort nach ihrem Handy. „Ich rufe meinen Stylisten an. Wir brauchen eine Rüstung."

Am nächsten Nachmittag schiebt ein Team von Stylisten Kleiderständer mit Haute Couture in die Wohnung. Jeannette geht an den weichen, ätherischen weißen Kleidern vorbei, ohne ihnen einen zweiten Blick zu würdigen.

Ihr Blick bleibt an einem Kleid am Ende des Ständers hängen. Es ist ein Vintage-Neckholder-Kleid mit tiefem V-Ausschnitt aus schwerem, rotem Samt. Die Farbe ist brutal. Es sieht aus wie frisch vergossenes Blut.

Als Jeannette es tragend aus der Umkleidekabine tritt, wird es im Raum still. Das Kleid schmiegt sich an ihre Kurven wie eine zweite Haut. Das strenge, scharfe Make-up, das die Visagistin aufgetragen hat, hat jede Spur der sanften, gefügigen Verlobten ausgelöscht. Sie sieht tödlich aus.

Eleanor stößt einen lauten, durchdringenden Pfiff aus. „Boston wird heute Nacht brennen."

Jeannette zieht ein Paar ellbogenlange, schwarze Samthandschuhe an. Sie lässt ihr Handy – auf dem die Hacking-Software installiert ist – in eine schlichte schwarze Clutch gleiten.

Gerade als sie gehen will, summt ihr Handy. Eine Nachricht von Devyn.

Vermisse dich so sehr, Liebling. Hoffe, Europa behandelt dich gut. Vergiss nicht, deine Vitamine zu nehmen. Liebe dich.

Jeannette starrt auf den Bildschirm. Eine Welle puren Ekels überrollt sie. Sie blockiert die Nummer.

Sie tritt aus dem Gebäude und gleitet auf den Rücksitz der schwarzen Lincoln-Stretchlimousine, die Eleanor organisiert hat. Der Regen fällt in einem stetigen, kalten Nieselregen über Boston. Jeannette lehnt ihren Kopf gegen die getönte Scheibe, schließt die Augen und geht jeden Schritt ihres Plans durch.

Die Limousine fährt in die VIP-Tiefgarage des Boston Plaza Hotel. Jeannette stößt die Tür selbst auf. Ihr Stilettoabsatz platscht in eine kleine Pfütze und lässt Wassertropfen aufspritzen.

Sie winkt dem Fahrer ab, der ihr einen Regenschirm anbietet. Sie geht allein auf den privaten Aufzug zu, der zum großen Ballsaal führt, ihre Haltung steif, ihre Aura raumfordernd.

Als sie sich der Aufzugsgruppe nähert, nimmt sie eine Bewegung aus dem Augenwinkel wahr. Eine Mauer aus massigen Männern in identischen schwarzen Anzügen bewegt sich auf denselben Aufzug zu und umgibt eine überragende Gestalt in ihrer Mitte.

Jeannette ist das egal. Sie beschleunigt ihre Schritte, drückt den „HOCH"-Knopf und tritt ein, als die Metalltüren beginnen, sich zu schließen.

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Die verstoßene Verlobte: Die Besessenheit des skrupellosen Milliardärs

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