Kapitel 3

Kallie deutete, dass letzte Nacht nicht ihre fruchtbaren Tage gewesen waren.

Ein Anflug von Enttäuschung flackerte in Jakes Augen, doch er erwiderte nur kühl: „Gut zu wissen, dass du es dir gut überlegt hast."

Kallie bemerkte seine Reaktion nicht und nahm an, dass er ohnehin kein Interesse an Kindern hatte. Sie wandte sich dem Fenster zu und ließ ihren Blick über die vorbeiziehende Stadtlandschaft gleiten.

„Möchtest du einkaufen gehen? Oder vielleicht einen Tag im Spa verbringen? Ich kann jemanden organisieren, der dich begleitet", schlug Jake beiläufig vor.

Kallie schüttelte den Kopf und deutete, dass sie arbeiten müsse.

Jake sagte sanft: „Du hast keine entscheidende Position. Du musst dich nicht so sehr anstrengen. Du kannst einfach zu Hause bleiben und das Leben als meine Frau genießen."

Für Kallie war Jake – trotz der fehlenden Liebe – in vielerlei Hinsicht fast der ideale Ehemann. Abgesehen davon, dass sie ihm Frühstück zubereitete, hatte sie keinerlei Pflichten im Haushalt, und er gab ihr ein großzügiges monatliches Budget. Zusätzlich hatte er ihr eine Kreditkarte zur freien Verfügung gestellt.

Doch Kallie sehnte sich nach Liebe, nicht nach materiellem Komfort.

Als Kallie damals bei ihm einzog, war Jake erst siebzehn. Er hatte ihr versprochen, sie zu beschützen und sie für immer zu lieben. Während er sein erstes Versprechen gehalten hatte, war das zweite schon längst verblasst.

Versunken in ihren Gedanken, bemerkte Kallie kaum, dass das Auto zum Stehen kam. Ein sanftes Klopfen an der Fensterscheibe riss sie aus ihrer Trance.

Als das Fenster nach unten glitt, kam ein blasses Gesicht mit geschwollenen, roten Augen zum Vorschein. Es war ein bemitleidenswerter, herzzerreißender Anblick – Jakes Geliebte, Sarah Miller.

Noch bevor sie ein Wort sagen konnte, liefen ihr bereits Tränen über die Wangen. Sie klammerte sich verzweifelt an das Fenster und sprach mit sanfter, flehender Stimme. „Ich habe gewartet und gewartet, aber nichts von dir gehört. Ich bin zu dir nach Hause gegangen, aber man sagte mir, du wärst auf der Hundert-Tage-Feier deines Neffen. Also musste ich dir folgen – nur in der Hoffnung, dich zu sehen. Bist du wirklich sauer auf mich? Bist du ihretwegen hier, um Ruhe zu finden und meiner ständigen Fragerei zu entkommen?"

In Sarahs Worten schwang unverhohlener Sarkasmus mit.

Kallie spürte die unterschwellige Verhöhnung – als würde Sarah sie direkt für ihre Stummheit verspotten.

Als Jake Sarahs aufgelöste Miene betrachtete, schien sein sonst kühler Ausdruck leicht zu erweichen. „Hast du überhaupt begriffen, was du falsch gemacht hast?"

Sarah zog einen spielerischen Schmollmund. „Wenn du eine Entschuldigung willst, musst du mich schon zu dir lassen. Wie soll ich mich vernünftig entschuldigen, wenn ich draußen in der Kälte stehe?"

Dann wanderte ihr Blick langsam zu Kallies Sitzplatz.

Nach einem Moment drehte sich Jake zu Kallie um und brach das Schweigen. „Dein Arbeitsplatz ist gleich da. Steigst du nicht aus?"

Tatsächlich war es noch ein Stück bis zu ihrem Ziel, wenn auch nicht weit. Früher hatte Jake sie immer direkt vor der Tür abgesetzt.

Doch Kallie, wie immer gehorsam, nickte nur und stieg aus – mit schwerem Herzen.

Sarah ließ sich Zeit. Sorgfältig zog sie ein Desinfektionstuch aus ihrer Handtasche und wischte den Sitz gründlich ab, bevor sie sich setzte. Als hätte Kallie ihn verunreinigt.

Jake runzelte die Stirn, sichtlich irritiert. „Was soll das?"

Sarah blickte auf, ihre Stimme klang verletzt. „Warum bist du sauer auf mich? Hast du vergessen, dass ich ein Hygienefimmel habe? Du hast mir versprochen, dass der Beifahrersitz nur mir gehört, wenn du fährst – und wenn jemand anderes fährt, wir beide immer hinten sitzen. Ich wollte nur den Sitz sauber machen. Was ist daran so schlimm? Warum regst du dich auf?"

Mit gespielter Verletzlichkeit warf Sarah Kallie einen trotzigen Blick zu.

Kallie hatte nicht den Mut, sich mit Sarah anzulegen. Schweigend beobachtete sie, wie diese demonstrativ den Sitz abwischte und sich dann dicht an Jake schmiegte.

Ohne ein weiteres Wort wandte Kallie sich ab und ging in Richtung ihres Arbeitsplatzes.

Jake verfolgte ihre schmale Silhouette mit seinem Blick – ein leiser Anflug von Schuld nagte an ihm. Er versuchte, Sarah von sich zu schieben, doch sie klammerte sich wie eine Ranke an ihn, ihre Umarmung verzweifelt. „Bitte, stoß mich nicht weg. Ich werde mich besser benehmen. Ich werde dich nicht mehr mit der Scheidung drängen. Vergib mir einfach. Ich weiß, dass ich einen Fehler gemacht habe."

Mit traurigem Blick sah Sarah zu ihm auf.

Jake legte eine Hand an ihren Nacken und drückte ihn sanft. Sein Blick war weich – und doch nachsichtig. „Das ist deine letzte Chance. Solange du gehorchst, kannst du alles haben, was du willst – außer den Platz als meine Frau."

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Unausgesprochene Herzen: Die Flucht meiner vernachlässigten stummen Ehefrau

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