Kapitel 2

Linseys Worte ließen die Augen des Mannes sich leicht verengen. Seine Stimme, überrascht, klang scharf. „Sind Sie sich da sicher, Frau? Ich bin behindert. Wenn Sie mich heiraten, werden Sie es früher oder später bereuen."

Linsey antwortete nicht direkt. Stattdessen wich ihr Blick nicht von ihm, als sie fragte: „Würden Sie jemals Ihre Frau für eine andere Frau im Stich lassen?"

„Natürlich nicht", entgegnete er ohne zu zögern, seine Stimme fest.

„Dann werde ich es auch nicht bereuen", sagte Linsey entschlossen. „Wenn Sie einverstanden sind, heirate ich Sie."

Er sah die Aufrichtigkeit in ihren Augen. Es gab keinen Grund, abzulehnen. Langsam, mit Bedacht, nickte er. „Schön. Dann heiraten wir."

Und so fand Linseys Hochzeit – die kurz vor dem Aus stand – doch noch statt.

Mit dem Priester als Zeugen sprachen sie ihre Gelübde. Ihre Stimmen waren ruhig und fest.

Als sie gemeinsam die Kirche verließen, fühlte sich alles seltsam unwirklich an.

Sie hatte gerade einen Mann geheiratet, der vor ein paar Stunden noch ein Fremder gewesen war.

Während sie seinen Rollstuhl die Stufen hinunter schob, fiel ihr plötzlich etwas auf. „Übrigens… Ich kenne nicht mal deinen Namen."

„Collin Riley", antwortete er ruhig.

Linseys Augen weiteten sich vor Überraschung. „Moment – Collin Riley? Der älteste Sohn der Familie Riley?"

Collin bemerkte ihren Schock und lächelte spöttisch.

„Was ist los? Jetzt, wo du weißt, dass du einen Mann geheiratet hast, den alle für einen Versager halten – bereust du es etwa?"

Die Geschichte von Collin, dem ältesten Sohn der mächtigen Familie Riley, war in der ganzen Stadt bekannt.

Seine Mutter war bei seiner Geburt gestorben, sein Vater hatte neu geheiratet.

Später hatte ein Autounfall Collin gelähmt – und ihn für viele zum Gespött gemacht.

Seit seine Stiefmutter selbst einen Sohn bekommen hatte, war Collin endgültig zum Außenseiter geworden.

Wäre da nicht seine Großmutter Ivy Riley gewesen, die ihn stets beschützt und verteidigt hatte – man hätte ihn wohl längst fallen lassen. Wahrscheinlich hätte er heute ein schlimmeres Leben geführt als ein Obdachloser.

Für Collin war klar: Keine Frau würde so jemanden wie ihn freiwillig heiraten – es sei denn, sie wollte an sein Geld.

Er war nicht nur körperlich eingeschränkt, sondern auch der vernachlässigte Sohn der Familie Riley. Doch zu seinem Erstaunen sah sie ihn weder mitleidig noch abwertend an.

In ihrem Blick lag etwas anderes – ein stilles, tiefes Verständnis.

Als würde sie erkennen, wer er wirklich war: eine verlorene Seele, verlassen von den Menschen, die ihn hätten lieben sollen.

Sanft, aber bestimmt, ergriff sie seine Hand. „Ich habe es dir schon gesagt: Wenn ich mich einmal entschieden habe, gibt es für mich kein Zurück. Jetzt, da wir verheiratet sind, werde ich dir ein echtes Zuhause geben – eines, das warm ist und voller Geborgenheit."

„Ach ja?" Collins Stimme war skeptisch, voller Zweifel. „Das will ich sehen."

Er glaubte ihr nicht.

Insgeheim fragte er sich, wie lange sie diese Fassade wohl aufrechterhalten konnte – wenn sie erst merkte, dass es bei ihm nichts zu holen gab.

Ein Auto fuhr vor und unterbrach seine Gedanken.

„Komm", sagte Collin mit ruhigem Nachdruck.

Linsey hielt inne. In ihren Augen flackerte Unsicherheit. „Wohin bringst du mich?"

„Nach Hause, natürlich", antwortete er leise, aber bestimmt. „Wir sind jetzt verheiratet – also leben wir auch zusammen."

Nach Hause?

Das Wort ließ Linseys Herz kurz aussetzen.

Sie dachte an das Zuhause, das sie mit Felix geteilt hatte – das sie mit so viel Mühe für ihre gemeinsame Zukunft aufgebaut hatte.

Aber jetzt, da sie mit Collin verheiratet war, wusste sie, dass sie diese Vergangenheit hinter sich lassen musste.

Sie atmete tief durch und sah ihn an. „Ich muss noch ein paar Dinge erledigen. Kannst du mir deine Adresse und deine Kontaktdaten geben? Sobald ich fertig bin, ziehe ich zu dir."

Collin zog eine Augenbraue hoch, sein Blick durchdringend. „Willst du nicht, dass ich dich fahre?"

„Nein, danke", entgegnete sie ruhig, aber bestimmt. „Ich schaffe das schon. Ich will dir keine Umstände machen."

Er widersprach nicht. Nachdem sie ihre Kontaktdaten ausgetauscht hatten, stieg er ins Auto und fuhr davon.

Eine halbe Stunde später stand Linsey vor der Wohnung, die sie einst mit Felix geteilt hatte. Der Schlüssel drehte sich im Schloss, und die Tür öffnete sich knarrend – in eine Welt voller Erinnerungen.

Sie trat ein und ließ den Blick durch den Raum schweifen. Die Tischdecke. Die Zimmerpflanzen. Alles war von ihr ausgewählt worden, um ein Zuhause zu schaffen.

Jetzt aber fühlte es sich wie ein Gefängnis an. Ohne zu zögern begann sie, die Dekorationen herunterzureißen, die Pflanzen fortzuwerfen, alles in Müllsäcke zu stopfen.

Sie hatte sich für einen Neuanfang entschieden. Und das bedeutete: die Vergangenheit loslassen – egal, wie sehr es schmerzte.

Nachdem sie die Überreste ihres alten Lebens beseitigt hatte, begann sie, ihre Sachen zu packen. So vertieft in ihre Gedanken, hörte sie nicht die Schritte, die sich näherten.

Felix stand in der Tür, unfähig, fernzubleiben. Sein Gesicht war eine Mischung aus Schock und Fassungslosigkeit. Er konnte es nicht mehr zurückhalten. „Linsey, was zur Hölle machst du da?"

Kapitel 3

Die Wohnung, einst gemütlich und voller Wärme, lag nun im Chaos – ihres Charmes beraubt, zurück blieb nur ein Trümmerfeld.

Linsey packte die letzten Dinge in ihren Koffer, ihre Bewegungen ruhig und entschlossen – als wolle sie jede Spur des Lebens auslöschen, das sie hier einst aufgebaut hatte.

Felix stand reglos da, ließ den Blick über das Durcheinander schweifen, ungläubig, ehe er wütend auf sie zustürmte.

„Linsey, bist du vollkommen übergeschnappt?" fuhr er sie an, seine Stimme zitterte vor Frustration. „Ich war nur kurz weg – und du drehst hier völlig durch?"

Er atmete scharf ein, rang um Fassung und fauchte schließlich: „Du hast eine Stunde. Bring alles wieder in Ordnung!"

Linsey ließ sich nicht beirren. Sie beendete, was sie gerade in der Hand hielt, und drehte sich dann langsam zu ihm um. Ihr Blick war kühl, distanziert – fast, als stünde ein Fremder vor ihr.

Ein leises, spöttisches Lächeln zuckte um ihre Lippen, als sie antwortete: „Felix, hast du es immer noch nicht begriffen? Manche Dinge, wenn sie einmal verloren sind, kommen nie zurück. Nichts wird je wieder so wie vorher."

Felix' Stirn legte sich tiefer in Falten, Ungeduld flackerte in seinen Augen. „Was redest du da für einen Unsinn?"

Linsey konnte kaum fassen, wie dreist er war. Verstand er es wirklich nicht? Oder war er einfach zu blind – wie Männer wie er es nun mal oft waren?

Nein, es war nicht Unwissen. Seine Zärtlichkeit hatte nie ihr gegolten. Sie war immer nur für eine bestimmt gewesen – Joanna, die Frau, die er wirklich geliebt hatte.

Linsey wich seinem Blick nicht aus. Ihre Stimme war ruhig, aber jedes Wort trug das Gewicht dessen, was sie durchgemacht hatte.

„An unserem Hochzeitstag hast du mich vor dem Altar stehen lassen. Du hast meine Würde ignoriert, mein Flehen überhört. Weißt du überhaupt, wie sich das angefühlt hat? Hast du auch nur einen einzigen Moment an mich gedacht? Ich wurde auf schlimmste Weise gedemütigt – und du glaubst ernsthaft, ich würde hier einfach nur herumzicken?"

Sie blinzelte nicht, ihr Blick war fest auf ihn gerichtet. Der Schmerz, den sie so lange tief in sich getragen hatte, stieg nun auf. Ihre Sicht verschwamm, als sich Tränen in ihren Augen sammelten – doch sie schaute ihn weiterhin unbeirrt an. Ihre Entschlossenheit war unerschütterlich.

Als er sie so ansah, spürte Felix einen kurzen Stich von Schuld. Aber er schob ihn sofort wieder beiseite – wie so oft zuvor.

All die Jahre hatte er sie verletzt, und sie hatte ihm jedes Mal verziehen. Warum sollte es diesmal anders sein?

Er war sich sicher: Mit etwas Charme würde sie nachgeben – so wie immer. So war es doch immer gewesen.

Dieser Gedanke beruhigte ihn. Seine Wut verflog, und ein überhebliches, selbstgefälliges Lächeln trat an ihre Stelle.

„Linsey, schon gut. Ich versteh's ja – du bist wütend", begann er, seine Stimme schmeichelnd, gönnerhaft. „Aber so solltest du dich nicht benehmen. Schau dir an, was du aus unserem Zuhause gemacht hast."

Er lächelte sanft und legte die Hände auf ihre Schultern, sein Griff scheinbar zärtlich – ein Versuch, sie zu beruhigen.

„Komm schon, sei brav. Du hast deinem Ärger Luft gemacht. Lass uns die Sache jetzt gut sein lassen, ja? Wie wär's damit: Wir suchen uns einen neuen Termin – einen besseren. Und ich verspreche dir eine noch großartigere, noch luxuriösere Hochzeit. Was sagst du?"

Linseys Blick verharrte auf dem Lächeln, das seine Lippen zierte. Seine Worte klangen süß – doch seine Augen erzählten eine andere Geschichte. Kalt. Berechnend. Er war sich sicher, sie würde wieder auf ihn hereinfallen.

Warum auch nicht? So war es doch immer gewesen. Ein leiser, bitterer Laut entrang sich Linseys Kehle – fast ein Lachen.

Sie hatte ihm viel zu viele Chancen gegeben. So viele, dass er glaubte, er müsse sie gar nicht mehr wirklich respektieren.

Ihr Gesichtsausdruck wurde starr, kalt, abweisend. Ohne ein einziges Wort zu verlieren, schob sie seine Hände von sich – als wären sie nicht mehr als eine lästige Last.

„Fass mich nicht an. Du bringst meine Haut zum Kribbeln", sagte sie gleichgültig.

Felix erstarrte, seine Augen weiteten sich vor Schock. Er hatte sie noch nie zuvor so zu ihm sprechen hören.

Ihre Stimme war eiskalt und durchbrach die Spannung im Raum, als sie fortfuhr: „Felix, diese Hochzeit ist vorbei. Ich habe nicht die Absicht, noch eine zu haben. Ich bin heute hier, um auszuziehen."

Felix, immer noch von ihrer Abweisung getroffen, runzelte die Stirn in Verwirrung, sein Verstand kämpfte darum, hinterherzukommen. „Ausziehen?"

Linsey nickte, ihr Gesicht war entschlossen. „Ja. Ich gehe jetzt."

Er stieß ein hohles Lachen aus, als hätte er gerade den absurdesten Witz gehört. „Und wo denkst du, dass du hin willst?"

Er wusste nur zu gut, dass Linsey keine Familie hatte, zu der sie fliehen konnte, kein Sicherheitsnetz, das sie auffing. Außer dieser Wohnung hatte sie nichts.

In den letzten fünf Jahren hatte sich ihre ganze Welt um ihn gedreht. Er war sich sicher, dass sie ihn nicht verlassen konnte.

Er war überzeugt, dass dieser ganze „Ausziehen"-Schwank nur ihre Art war, ihn dazu zu bringen, ihren Willen zu beugen.

Ungläubig schüttelte er den Kopf, öffnete den Mund, um zu sprechen, doch eine Stimme von hinten schnitt ihm das Wort ab.

Es war Joanna.

„Felix, hast du nicht gesagt, dass du gleich runterkommst, nachdem du gepackt hast? Was dauert so lange?"

Joannas Stimme hallte durch den Raum, als sie eintrat. Als ihr Blick auf Linsey fiel, die gegenüber von Felix stand, änderte sich ihr Ausdruck überrascht. „Linsey, was machst du hier?"

Linsey warf Joanna einen frostigen Blick zu, und ihre Stimme war eisig, als sie antwortete: „Das ist meine Wohnung, oder? Muss ich erklären, warum ich hier bin? Die eigentliche Frage ist—was machst du hier?"

Joanna senkte ihren Blick, tat eine Mischung aus Verlegenheit und Unschuld. „Ich habe mich aus Versehen mit einem Obstmesser geschnitten, und Felix war so besorgt, dass er darauf bestand, ein paar Tage bei mir zu bleiben."

Ihr Blick fiel auf den Koffer neben Linsey, und sie schnappte dramatisch nach Luft, ihre Hand bedeckte ihren Mund.

„Linsey, was machst du? Bist du aufgebracht? Selbst wenn du es bist, ist das unangebracht. Wenn es dich stört, kannst du mit mir sprechen. Ich werde mich entschuldigen, wenn es dir hilft. Es ist nicht nötig, all das hier zu machen."

Linseys Lippen zogen sich zu einem kalten, fast grausamen Lächeln, als sie langsam auf Joanna zuschritt. „Willst du dich wirklich entschuldigen? Meinst du es überhaupt?"

Joanna, sich bewusst, dass Felix zusah, spielte ihre Rolle, ihre Stimme tropfte vor falscher Aufrichtigkeit, als sie nickte. „Natürlich. Wenn es dir hilft, tue ich, was immer nötig ist."

„Na gut, dann. Warum nicht?" Linseys Lächeln wurde breiter, aber in ihren Augen war keine Wärme, nur kalte Berechnung. „Da du so aufrichtig bist, nehme ich an, ich kann dir helfen."

Ohne Vorwarnung hob sie ihre Hand.

Das scharfe Geräusch einer Ohrfeige schnitt durch die Spannung im Raum, als Linseys Handfläche Joanna ins Gesicht traf und die Endgültigkeit ihrer Worte widerhallte.

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Mein Millionärs-Ehemann: Glücklich Für Immer

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