Kapitel 3
Katarina POV:
Der Anblick der beiden, so öffentlich und schamlos, fühlte sich wie ein körperlicher Schlag an. Die Luft im Penthouse wurde dick und erstickend. Meine sorgfältig aufgebaute Fassung begann zu bröckeln. Ich musste fliehen, bevor ich vor allen zerbrach.
„Ich brauche etwas Luft“, murmelte ich der nächsten Capo-Frau zu und floh in den privaten Flügel der Wohnung.
Ich duckte mich in ein kleines Wohnzimmer, drückte meine Stirn gegen das kühle Glas des Fensters und versuchte zu atmen. Der Flur neben dem Zimmer war schwach beleuchtet. Schritte und leise Stimmen näherten sich. Ich erstarrte. Es waren Alex und Aria.
Ich zog mich in die Schatten zurück, mein Herz hämmerte gegen meine Rippen. Ich sah sie, als Silhouetten gegen einen Lichtstreifen von der Hauptparty. Er hatte sie gegen die Wand gedrückt. Sein Mund war auf ihrem, ein verzweifelter, hungriger Kuss, der nichts mit den keuschen Küsschen zu tun hatte, die er mir für die Kameras gab.
„Du fühlst dich so echt an“, stöhnte er gegen ihre Lippen, seine Stimme dick von einer Leidenschaft, die er mir nie gezeigt hatte. „Sie ist nur … eine perfekte, kalte Skulptur.“
Eine Skulptur. Das war alles, was ich für ihn war.
„Du wirst brav für mich sein, nicht wahr?“, murmelte er, seine Hand glitt ihren Arm hinunter. „Ich besorge dir das Cartier-Armband, das du wolltest. Das mit den Diamanten. Sei einfach ein braves Mädchen.“
Er kaufte ihre Fügsamkeit, behandelte sie wie ein teures Spielzeug. Die Transaktion war klar.
Mein Blut gefror zu Eis. Ich atmete tief und gleichmäßig ein und ging zurück auf die Party, meine Maske der heiteren Perfektion fest an ihrem Platz. Ich fand Aria in der Nähe der Bar stehen, ein triumphierendes Grinsen auf ihrem Gesicht. Ein dunkler, zorniger Fleck – ein Kuss – war an der Seite ihres Halses sichtbar. Ein Brandmal seines Besitzes, für mich zur Schau gestellt.
Dann sah sie mich. Ihre Augen verengten sich, und mit einer Dreistigkeit, die mich verblüffte, ging sie direkt auf mich zu. Vor drei von Alex’ treuesten Capos und ihren Soldaten hielt sie ihr leeres Glas hoch.
„Hol mir noch was zu trinken“, sagte sie, ihre Stimme triefte vor Verachtung. Es war eine öffentliche Herausforderung. Eine Hure, die von der Königin bedient werden wollte.
Die Capos erstarrten. Dies war ein unverzeihlicher Verstoß gegen das Protokoll. Eine direkte Beleidigung der Frau des Unterbosses.
Ich starrte sie an, mein Gesichtsausdruck unleserlich. Ich rührte mich nicht.
Ein Anflug von Panik huschte über ihr Gesicht. Sie hatte meine stille Weigerung nicht erwartet. Sie machte einen ungeschickten Schritt zurück und stieß gegen den hoch aufragenden Champagnerbrunnen, der das Herzstück der Party war.
Der Turm aus Kristallgläsern schwankte für eine schreckliche Sekunde, bevor er mit einem ohrenbetäubenden Krachen zusammenbrach. Champagner und Glasscherben explodierten über den Boden. Ich versuchte zurückzutreten, aber eine Welle aus klebriger Flüssigkeit und scharfen Projektilen flog auf mich zu. Ein Stück Glas schnitt mir über den Arm, und der Schock ließ mich zu Boden stolpern.
Schmerz schoss meinen Arm hoch, aber es war nichts im Vergleich zu der Qual, die folgte.
Alex, der auf der anderen Seite des Raumes war, warf mir nicht einmal einen Blick zu. Seine Augen waren auf Aria gerichtet. Er stieß Leute aus dem Weg, ein kehliges Brüllen in seiner Brust, und warf sich vor sie, um sie mit seinem eigenen Körper vor dem fallenden Glas zu schützen.
Er beschützte sie.
Vor seiner gesamten Familie, seinen Soldaten, seinen Rivalen, wählte er seine Mätresse über seine Frau. Er ließ mich blutend auf dem Boden zurück, während er sie in seinen Armen wiegte, seine Stimme panisch. „Ist alles in Ordnung? Bist du verletzt?“
Meine Würde lag zusammen mit dem Kristall zerbrochen auf dem Boden. Ich war nichts.
Ich rappelte mich auf und ignorierte die Hände, die sich ausstreckten, um mir zu helfen. Ich verließ die Party, Blut tropfte von meinem Arm auf den weißen Marmorboden. Ich fuhr mich selbst, wieder einmal, zur Klinik der Familie.
Während eine Krankenschwester meine Wunde verband, sah ich ihn durch das Glas eines privaten Zimmers am Ende des Ganges. Alex war da, schwebte über Aria, die mit einem dramatischen Ausdruck des Leidens auf einem Bett lag. Er strich ihr über das Haar, sein Gesichtsausdruck voller zärtlicher Sorge, die er mir nie, nicht ein einziges Mal, gezeigt hatte.
Er hatte seine Wahl getroffen. Ich war nicht mehr nur eine Schachfigur; ich war eine Belastung. Ein Hindernis, das beseitigt werden musste. Donatos „Reinigungsplan“ war nicht mehr nur eine Flucht. Es war mein Überleben. Ich würde nicht länger der eingesperrte Kanarienvogel der De-Luca-Familie sein.
Ich verließ die Klinik und ging zurück in das leere, stille Penthouse. Der Schmerz in meinem Arm war ein dumpfes Pochen, aber in meiner Brust war ein kaltes Feuer entfacht worden. Es war nicht das Feuer der Leidenschaft, nach dem Alex sich so sehnte.
Es war das Feuer der Rache.