Kapitel 2

„Alex, bitte", flüsterte Aubree, ein letzter, verzweifelter Appell. Ihre Hand war am Türknauf erstarrt. „Du kennst seine Regel bezüglich Geschenken. Das ist –"

„Es tut mir leid, Aubree." Alex’ Augen waren voller aufrichtiger Sympathie, doch seine Haltung war unerschütterlich. „Er ist gerade erst zurück, er ist schlecht gelaunt, und seine genauen Worte waren: ‚Ich will sie sehen.‘ Ich kann dir nicht helfen."

Sein Ton sagte, was seine Worte nicht taten: Du bist auf dich allein gestellt.

Ihr Herz sank ihr in die Sohlen ihrer teuren Absätze. Es gab keinen Ausweg. Sie war gefangen.

Sie drehte sich zur Tür zurück, ihre Handfläche schwitzte gegen das kühle Messing des Griffs. Sie konnte sich nicht dazu durchringen, sie aufzustoßen. Ihre Gedanken rasten, eine verzweifelte Suche nach einer Ausrede, irgendeiner Ausrede. Familiennotfall. Plötzliche Krankheit. Eine Feueralarmübung. Jede klang erbärmlicher als die letzte.

Dann fasste ein wilder, verrückter Gedanke Wurzel.

Lauf weg.

Einfach umdrehen, die Schachtel Alex zuschieben und zu den Aufzügen rennen. Es wäre beruflicher Selbstmord, aber es fühlte sich unendlich besser an, als in dieses Büro zu gehen.

Sie spannte ihre Muskeln an, bereit, sich zu drehen und zu fliehen, als hinter ihr ein leises Husten ertönte. Es war Alex, eine sanfte Erinnerung daran, dass er noch da war, dass die gesamte Führungsetage zusah.

Sie schloss die Augen, eine stille Kapitulation. Die Fluchtphantasie verflog, und es blieb nur die kalte, harte Realität der Mahagonitür.

Sie stieß sie auf.

Das Büro war riesig, eine Höhle aus Glas und Stahl mit Blick auf die weitläufige Skyline von Manhattan. Und da war er. Beck Franco stand mit dem Rücken zu ihr, eine große, imposante Silhouette vor dem Nachmittagslicht. Seine Schultern waren breit unter seinem perfekt geschnittenen Anzug, seine Haltung strahlte eine unantastbare Autorität aus.

Der Raum war so still, dass sie das hektische, hasenschnelle Pochen ihres eigenen Herzens hören konnte.

„Herr Franco, Sir?" Ihre Stimme war ein dünnes Flüstern.

Er drehte sich langsam um. Die Bewegung war fließend, kontrolliert, wie ein Raubtier, das sich seiner Beute zuwendet. Sein Gesicht war ein Meisterwerk männlicher Schönheit, alles scharfe Winkel und unerbittliche Linien. Doch es waren seine Augen, die sie gefangen hielten. Sie hatten die Farbe einer Gewitterwolke, grau und intensiv, und sie musterten sie mit einer beunruhigenden Präzision, als könnten sie direkt durch ihre Haut, durch ihre sorgfältig konstruierten Lügen und in das verängstigte Chaos ihrer Seele blicken.

Sein Blick verweilte einen Schlag zu lange auf ihrem Gesicht, bevor er auf die Geschenkbox fiel, die sie in ihren Händen umklammerte.

„Das ist von Herrn Alistair Rhodes-Prescott", brachte sie hervor, ihre Stimme zitterte leicht. „Er bat mich, es zu überbringen."

Ihre Worte hingen in der Luft. Eine Idee, eine Chance zur schnellen Flucht, bot sich ihr.

Sie trat vor und legte die Schachtel auf die Ecke seines massiven Schreibtisches, einer Platte aus poliertem Ebenholz, die aussah, als wäre sie aus einem einzigen Baum geschnitzt worden.

„Das Geschenk ist überbracht", sagte sie und versuchte, geschäftig und effizient zu klingen. „Wenn es nichts Weiteres gibt, kehre ich an meinen Schreibtisch zurück."

Sie drehte sich um, ihr Körper schrie danach, zu entkommen, so viel Abstand wie möglich zwischen sie und ihn zu bringen. Ihre Finger waren nur wenige Zentimeter vom Türknauf entfernt.

„Habe ich gesagt, dass Sie gehen dürfen?"

Die Stimme war tief, gefährlich sanft, doch sie stoppte sie so effektiv wie ein körperlicher Schlag. Ihr ganzer Körper versteifte sich.

Langsam drehte sie sich zurück. Er hatte sich hinter seinen Schreibtisch begeben und saß nun da, die Hände vor sich gefaltet. Er sah aus wie ein König auf seinem Thron, ein Richter, der im Begriff war, ein Urteil zu fällen.

Verzweiflung krallte sich an ihre Kehle. Sie musste etwas sagen, etwas tun, um diese unerträgliche Spannung zu durchbrechen. Sie öffnete den Mund, um zu sprechen, um die Grenze zwischen Chef und Assistentin wiederherzustellen, doch die Worte wollten nicht kommen.

Sie trat einen Schritt zurück, ein ungeschickter, unwillkürlicher Rückzug. Ihr Absatz verfing sich am Rand des Plüschteppichs. Sie stolperte, ein kleiner, unwürdiger Ruck.

Und dann drehte sie sich um und floh.

Sie rannte nicht, nicht direkt, aber ihr Gang war schnell, ein panischer Schritt den stillen Korridor entlang. Sie bog um die Ecke in Richtung des Hauptbereichs der Assistenten, ihr Herz hämmerte gegen ihre Rippen.

Sie stieß mit etwas Festem zusammen.

Eine Wand aus Muskeln, unnachgiebig und warm. Starke Hände packten ihre Oberarme, um sie zu stabilisieren, und sie blickte auf, ihr Atem stockte in ihrer Kehle.

Es war Beck Franco.

Sie starrte entsetzt, nicht auf die Tür, aus der er hinter ihr hätte kommen sollen, sondern auf eine diskrete, bündig montierte Platte am Ende des Flurs, die sie noch nie zuvor bemerkt hatte. Es war ein privater Eingang, der wahrscheinlich zu seinem persönlichen Aufzug oder einer angrenzenden Suite führte. Er hatte sie nicht verfolgt; er hatte sie erwartet.

Die Geschenkbox, die sie in ihrer Flucht unerklärlicherweise von seinem Schreibtisch zurückgerissen hatte, glitt aus ihren nervenlosen Fingern. Sie landete mit einem leisen, verdammenden Aufprall auf dem Teppich.

Er bückte sich und hob sie mit einer geschmeidigen Bewegung auf. Er warf einen Blick auf das Logo auf dem Geschenkpapier, dann hoben sich seine grauen Augen, um sich mit ihren zu verbinden. Sie waren unlesbar, Granitsplitter.

Er sprach nicht. Er neigte lediglich sein Kinn in Richtung des Büros, aus dem sie gerade geflohen war. Der Befehl war stumm, absolut.

Rein.

Aubree starrte in diese bodenlosen Augen und wusste mit einer Gewissheit, die sie bis auf die Knochen frösteln ließ, dass es dieses Mal wirklich keinen Ort mehr gab, an den sie fliehen konnte.

Kapitel 3

Die schwere Bürotür klickte hinter ihr ins Schloss. Das Geräusch war leise, doch es hallte in der höhlenartigen Stille wider, ein letztes, endgültiges Geräusch eines sich schließenden Käfigs.

Beck kehrte nicht zu seinem thronartigen Stuhl zurück. Stattdessen lehnte er sich an den Rand seines massiven Schreibtisches und verschränkte die Arme vor seiner breiten Brust. Die Pose war lässig, doch die Wirkung war alles andere als das. Es war eine Haltung reiner, räuberischer Dominanz.

Er durchbrach die Stille, seine Stimme ein tiefes Grollen, das durch den Boden vibrierte. „Sie weichen mir aus, Aubree."

Es war keine Frage. Es war eine Feststellung.

Ihr Herz setzte einen Schlag aus. Sie zwang sich, seinem Blick standzuhalten, eine Ruhe auszustrahlen, die sie bei Weitem nicht empfand. „Nein, Sir. Ich war nur... mit den Quartalsberichten beschäftigt."

Ein Mundwinkel hob sich zu einem Grinsen, das keinen Humor, nur Kälte barg. Er glaubte ihr nicht.

Er stieß sich vom Schreibtisch ab und machte einen Schritt auf sie zu. Die Luft knisterte, dick von einer Spannung, die sie schmecken konnte. Unwillkürlich trat sie einen Schritt zurück. Dann noch einen, bis ihr Rücken flach gegen das kalte, unnachgiebige Holz der Tür gepresst war.

Er hielt nicht an. Er überbrückte die Distanz zwischen ihnen, legte eine Hand an die Tür neben ihrem Kopf und sperrte sie ein. Der Duft seines Kölnischwassers – Sandelholz und etwas Scharfes, wie Gin – erfüllte ihre Sinne, ein Geruch, den sie mit entsetzlicher Klarheit erinnerte. Es war der Geruch ihres größten Fehlers.

Die Übelkeit aus dem Restaurant kehrte mit voller Wucht zurück. Sie schluckte schwer und kämpfte dagegen an.

Er beugte sich vor, sein Gesicht nur wenige Zentimeter von ihrem entfernt. „Vor etwa einem Monat", begann er, seine Stimme sank zu einem rauen, intimen Flüstern. „Wir müssen reden."

Panik, scharf und blendend, ergriff sie. Das war es. Der Moment, vor dem sie sich gefürchtet hatte. Wenn sie das nicht sofort stoppte, wären ihre Karriere, ihr ganzes Leben vorbei.

Eine verzweifelte, waghalsige Idee bildete sich im Chaos ihres Geistes. Sie brauchte einen Schild, etwas so Absolutes, dass er keine andere Wahl hätte, als zurückzuweichen.

Sie hob ihr Kinn und zwang sich, direkt in seine stürmischen grauen Augen zu blicken. Sie mobilisierte jede Unze Kraft, die sie hatte, und sprach, ihre Stimme überraschend klar und fest.

„Sir, diese Nacht war ein Fehler. Ein Fehler, den ich nie wieder machen werde. Denn ich bin verlobt."

Die Luft im Raum schien zu gefrieren, sich in Millionen winziger Eissplitter zu kristallisieren.

Becks Ausdruck änderte sich nicht, doch sie sah etwas Tiefes in seinen Augen sich verschieben. Ein Flackern von... etwas. Ein kaltes Licht, das vorher nicht da gewesen war.

Um die Lüge glaubwürdig zu machen, sie vollständig zu verkaufen, fuhr sie fort, die Worte purzelten aus ihr heraus. „Mein Verlobter... wir heiraten bald. Diese Nacht... ich hatte zu viel getrunken. Ich fühle mich schrecklich wegen dem, was ich ihm angetan habe."

Sie nahm bewusst die ganze Schuld auf sich und positionierte sich als eine von Schuld zerfressene Frau, eine Frau, die jemand anderem gehörte. Eine Frau, die tabu war.

Es funktionierte. Er richtete sich langsam auf, zog sich zurück und schuf einen Abgrund von Raum zwischen ihnen.

Der Ausdruck auf seinem Gesicht hatte sich verwandelt. Die kalte Neugier war verschwunden, ersetzt durch einen Ausdruck von gemischtem Ekel und Verachtung.

Sie dachte, er sei von ihrer „Untreue" abgestoßen, dass ihre Lüge die Mauer, die sie so verzweifelt brauchte, erfolgreich errichtet hatte. Sie konnte nicht wissen, dass sie gerade in das eine, unmarkierte Minenfeld seiner Psyche gestolpert war. Beck Franco kümmerte sich nicht um One-Night-Stands, aber er hatte eine pathologische, unnachgiebige Verachtung für Illoyalität. In seinen Augen hatte sie nicht nur einen Fehler gemacht. Sie hatte betrogen. Und sie hatte ihn benutzt, um es zu tun.

Er dachte, er sei nur eine Schachfigur in ihrem schäbigen kleinen Drama.

Ein humorloses Lachen, kaum mehr als ein Lufthauch, entwich seinen Lippen. „Verlobt?", sagte er, das Wort triefte vor Verachtung. „Herzlichen Glückwunsch, Miss Hamilton."

Er kehrte ihr den Rücken zu und ging zu seinem Schreibtisch, nahm den Füller in limitierter Auflage aus der Geschenkbox. Er warf ihn von einer Hand in die andere.

„Da Sie bald die Frau eines anderen Mannes sein werden", sagte er, seine Stimme gefährlich sanft, „denke ich, um zukünftige... ‚Missverständnisse‘ zu vermeiden... sollten Sie Ihre Position hier überdenken."

Das Blut in ihren Adern gefror. Ihre Position überdenken? Feuerte er sie?

Ihre Lüge hatte sie nicht gerettet. Sie hatte ihm nur die Waffe in die Hand gegeben, um sie damit hinzurichten.

Sie öffnete den Mund, um zu protestieren, zu erklären, alles zurückzunehmen, doch es war zu spät. Er drückte einen Knopf an seiner Gegensprechanlage.

„Alex", sagte er, seine Stimme hart wie Stahl. „Informieren Sie die Personalabteilung, dass Miss Hamilton mit sofortiger Wirkung und auf unbestimmte Zeit beurlaubt ist. Alle Zugangsberechtigungen widerrufen. Ich möchte, dass sie nach Hause geht und weitere Anweisungen abwartet." Er hielt inne, seine kalten Augen fanden ihre, hefteten sie an die Tür. „Begleiten Sie sie aus dem Gebäude."

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Heimlich schwanger vom skrupellosen Milliardär

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