Kapitel 3

„Herein."

Claire stieß die Tür auf. Das Büro roch nach Leder und Zedernholz und dem besonderen Ozongeruch teurer Elektronik. Ellsworth saß hinter seinem Schreibtisch, eine Wand aus Glas und Stahl zwischen ihnen, seine Aufmerksamkeit auf ein Tablet gerichtet, das Zahlenkolonnen zeigte, die sie als die Vor-Fusions-Analyse von Morgan Holdings erkannte.

Sie ging zu seinem Schreibtisch mit dem Kaffee, den sie aus dem Pausenraum geholt hatte – schwarz, zwei Zucker, genau wie er ihn trank. Sie stellte die Tasse fünfzehn Zentimeter von seiner rechten Hand entfernt ab, drehte sich um und begann, sich zurückzuziehen.

Seine Hand schloss sich um ihr Handgelenk.

Der Griff war eisern. Seine Finger überlappten sich, drückten gegen den Knochen, und sie spürte ihren eigenen Puls gegen seine Handfläche hämmern. Er blickte nicht von seinem Tablet auf. Er übte einfach Druck aus und zog sie rückwärts, bis sie mit der Taille über den Schreibtisch gebeugt war, ihr Gesicht auf gleicher Höhe mit seinem, nah genug, um die Goldsprenkel in seinen dunklen Iriden zu sehen.

„Gut geschlafen?", fragte er. Sein Atem war warm. Minze und etwas Dunkleres.

„Danke für Ihre Sorge, Mr. Mosley." Ihre Stimme war ausdruckslos. Professionell. Die Stimme, die sie für Telefonkonferenzen mit Singapur um drei Uhr morgens benutzte. „Ich habe ausreichend geschlafen. Ihr Neun-Uhr-Termin…"

„Ihr Hals", unterbrach er sie.

Seine freie Hand hob sich. Sein Daumen fand die Stelle, an der ihr Abdeckstift am dicksten war, wo der bläuliche, empfindliche Fleck von seinem Mund unter dem Make-up saß. Er drückte zu. Fest.

Claires Sichtfeld blitzte an den Rändern weiß auf. Sie gab keinen Laut von sich. Ihre Zähne gruben sich in die Innenseite ihrer Wange, und sie schmeckte Blut, und sie hielt seinem Blick mit Augen stand, die nichts verrieten.

Ellsworths Daumen kreiste. Der Druck wandelte sich von Schmerz zu etwas anderem, etwas, das ihren Magen bei der Erinnerung verkrampfen ließ. Er beobachtete ihr Gesicht mit einer Intensität, die sich wie eine Sezierung anfühlte. Als ob er versuchte, die Schichten abzuschälen und die Maschinerie darunter zu finden.

„Interessant", murmelte er.

Er ließ ihr Handgelenk so plötzlich los, dass sie beinahe stolperte. Er nahm die Morgan-Akte und warf sie ihr an die Brust. Sie fing sie an ihrem Körper auf, ihre Arme schlossen sich um den schweren Ordner.

„Dreißig Minuten", sagte er. „Ich will die konsolidierte Finanzübersicht, die Haftungsbewertung und das prognostizierte EBITDA für die nächsten acht Quartale. Wenn es nicht perfekt ist, räumen Sie bis zum Mittag Ihren Schreibtisch."

Claire drehte sich um und ging hinaus. Ihre Knie gaben erst nach, als sie hinter ihrem Schreibtisch und außer Sichtweite war.

Sie setzte sich. Der Stuhl war ein ergonomisches Standardmodell, nichts Besonderes, aber der Druck auf ihre Hüften, auf die Stellen, die noch heilten, ließ ihr Sichtfeld vergrauen. Sie umklammerte die Kante ihres Schreibtisches und wartete darauf, dass die Welt wieder scharf wurde. Ihre Stirn war feucht. Ihre Bluse klebte an ihrer Wirbelsäule.

Sie klappte ihren Laptop auf. Ihre Finger fanden die Tasten. Sie begann zu tippen.

Durch die Lamellen der Jalousie hinter ihr beobachtete Ellsworth Mosley, wie ihre Schultern zitterten. Er sah, wie sie innehielt, ihre Hand zu ihrem Bauch fuhr, fest drückte, bevor sie zur Tastatur zurückkehrte. Er sah, wie sich ihre Wirbelsäule allein durch Willenskraft aufrichtete.

Er nahm sein Telefon und wählte ihre Durchwahl.

„Ja, Mr. Mosley?" Ihre Stimme war fest. Er konnte ihr Gesicht nicht sehen.

„Meinen Reiseplan für nächste Woche. Bringen Sie ihn herein."

„Selbstverständlich, Sir."

Neunzig Sekunden später erschien sie in seiner Tür. Ihre Gesichtsfarbe war schlechter – gräulich, durchscheinend – aber ihre Hände hielten die Papiere ohne Zittern. Sie ging zu seinem Schreibtisch und reichte ihm die Mappe.

Ellsworth lehnte sich in seinem Stuhl zurück. Er verschränkte die Arme vor der Brust. Er nahm die Akte nicht.

Claire hielt sie ausgestreckt. Ihr Arm begann zu zittern. Zuerst die Finger, dann das Handgelenk, dann der ganze Arm, ein feines Beben, das bis zu ihrer Schulter wanderte. Sie senkte ihn nicht. Sie sprach nicht. Sie stand einfach da und bot ihm etwas an, das er nicht wollte, während die Sekunden verstrichen und ihr Körper sie Stück für Stück verriet.

Er ließ sie dreißig Sekunden lang so stehen. Fünfundvierzig.

Dann streckte er die Hand aus und zupfte ihr die Mappe aus den Fingern. Seine Berührung war kurz. Unpersönlich.

„Sie lernen", sagte er. „Bei Mosley Holdings nehmen wir, wofür wir bezahlt werden. Wir bieten einen Gegenwert für das Geld." Sein Blick hielt ihren fest. „Vergessen Sie niemals Ihre Position, Claire."

„Das tue ich niemals, Sir."

Die Worte trafen ihn falsch. Er konnte nicht sagen, warum. Er spürte sie wie einen Haken unter seinen Rippen, der an etwas zerrte, das er nicht untersuchen wollte.

„Raus", sagte er.

Sie ging. Die Tür schloss sich leise hinter ihr.

Ellsworth starrte auf die Stelle, an der sie gestanden hatte. Seine Hand fand das Feuerzeug in seiner Tasche und drehte es immer wieder um, das Metall erwärmte sich an seiner Handfläche.

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Gebunden durch den grausamen Vertrag des CEOs

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