Kapitel 3
Julians Hand verharrte über dem Griff der Balkontür.
Francesca hielt den Atem an. Ihre Lungen brannten.
Sie saß in der Falle.
Wenn er die Tür öffnete, war alles vorbei. Die Fusion. Die Pflege ihrer Mutter. Ihre Rache.
„Julian", sagte Grafton.
Seine Stimme war schwach und heiser. Ganz anders als der befehlerische Ton, den er ihr gegenüber angeschlagen hatte.
„Vater hat gestern Abend angerufen", fuhr Grafton fort. „Er erwähnte einige … Unregelmäßigkeiten auf deiner Firmenkreditkarte."
Julian erstarrte.
Seine Hand fiel vom Türgriff. Er wirbelte herum.
„Was?" Julians Stimme schoss in die Höhe. „Das ist … das war für die Kundenbewirtung."
„Er glaubt, es war für Schmuck", sagte Grafton.
Während Julian stotterte, hob Grafton die Hand.
Er stieß eine schwere Kristallvase vom Beistelltisch.
Klirr.
Das Geräusch war explosiv.
Julian zuckte zusammen.
„Meine Hand", sagte Grafton. Er umklammerte sein Handgelenk und täuschte einen Krampf vor. „Sie hat sich verkrampft. Ruf die Krankenschwester."
Julian blickte mit Abscheu auf das zerbrochene Glas. Er blickte seinen Bruder mit einer Mischung aus Mitleid und Verärgerung an.
„Na gut", fauchte Julian. Er drehte dem Balkon den Rücken zu, um sein Handy herauszuholen.
Francesca zögerte nicht.
Sie glitt von der Balkontür weg, den Rücken an die Wand gepresst, und bewegte sich auf den begehbaren Kleiderschrank zu. Sie erinnerte sich an die Baupläne, die sie für ihren Vater durchgesehen hatte, als er ein ähnliches Anwesen in Betracht zog. Es gab eine Serviceklappe, versteckt hinter den Wäscheregalen, die zu einem Personalgang führte.
Sie fand die Klappe, ihre Finger fummelten an dem unsichtbaren Riegel. Er klickte auf. Sie zwängte sich durch die schmale Öffnung in einen dunklen, staubigen Gang.
Sie fand das Dienstbotentreppenhaus und rannte los.
Sie hielt erst an, als sie in ihrer eigenen Wohnung war, drei Meilen entfernt.
Sie duschte eine Stunde lang. Sie schrubbte ihre Haut, bis sie wund war, und versuchte, den Geruch von Graftons Laken und die Erinnerung an Julians Verrat abzuwaschen.
Ihr Handy machte „Ping".
Absender: Unbekannt.
Betreff: Vertragskopie.
Es war die PDF-Datei.
Sie öffnete sie. Sie las jede einzelne Klausel.
Er war wasserdicht. Wenn sie die Vertraulichkeitsvereinbarung verletzte, schuldete sie ihm fünf Millionen Dollar.
Sie rief ihre Freundin Sarah an, eine Vertragsanwältin. Sie nannte keine Namen.
„Das ist eine Falle", sagte Sarah zu ihr. „Wer auch immer das geschrieben hat … dem gehört der Klient. Mit Leib und Seele."
Francesca legte auf.
Sie musste um 14:00 Uhr zum Faulkner Tower. Sie musste Dokumente für ihren Vater abgeben.
Sie betrat die Lobby. Sie hielt den Kopf hoch.
Sie drückte den Aufzugknopf.
Die Türen öffneten sich.
Grafton war drinnen. In seinem Stuhl.
Julian stand neben ihm.
Francesca drehte sich der Magen um.
„Schatz!", lächelte Julian. Es war das Lächeln eines Mannes, der nicht gerade seine Verlobte betrogen hatte.
Er zog sie in den Aufzug. Er küsste sie auf die Wange.
Francesca erstarrte. Sie zwang sich, die Stelle nicht abzuwischen.
Sie blickte in die verspiegelte Wand des Aufzugs.
Grafton beobachtete sie.
Seine Augen trafen ihre im Spiegelbild. Sie waren dunkel, amüsiert und besitzergreifend.
„Wir wollten uns gerade Ringe ansehen", sagte Julian. „Grafton wollte mitkommen. Ein bisschen frische Luft schnappen."
„Wie nett", sagte Francesca. Ihre Stimme war brüchig.
„Ich möchte sehen, was der zukünftigen Mrs. Faulkner gefällt", sagte Grafton.
Seine Stimme war höflich, aber Francesca hörte die Drohung heraus.
Julians Hand glitt hinunter zu ihrer Taille. Er drückte zu.
Francesca zuckte zusammen.
Grafton sah es. Seine Augen verengten sich leicht.
Er tippte auf sein Handy.
Francescas Handy summte in ihrer Handtasche.
Sie blickte nach unten.
Grafton: Meine Wohnung. Heute Abend. 21 Uhr. Oder ich sage Julian, wo du letzte Nacht warst.
Sie blickte hoch in den Spiegel.
Grafton lächelte sie an. Es war das Lächeln eines Hais.
Sie wollte schreien. Sie wollte ihn schlagen.
Aber sie dachte an die Rechnung des Pflegeheims auf ihrer Küchentheke.
Sie tippte eine Antwort.
Francesca: Ich werde da sein. Aber zuerst will ich, dass Lila blutet.
Sie drückte auf Senden.
Grafton blickte auf sein Handy.
Er blickte zurück zu ihr in den Spiegel. Er nickte einmal.
Grafton: Abgemacht.