Kapitel 1
Die Küche roch nach Rosmarin und Butter. Carma Forbes wischte mit ihrem Daumen einen Fleck von dem Porzellanteller und korrigierte zum vierten Mal den Winkel des Bestecks. Das Beef Wellington stand in der Mitte des Tisches, die goldene Blätterteigkruste glänzte im gedämpften Licht der Stabkerzen. Sie hatte drei Stunden daran gearbeitet. Kendall liebte ihr Wellington.
Sie blickte auf ihre linke Hand hinab. Das Kerzenlicht fing den schlichten Goldring an ihrem Ringfinger ein. Es war weit entfernt von den Diamantringen, die ihre Freundinnen trugen, aber es war ihrer. Vor drei Jahren hatte ein Friedensrichter in einem staubigen Gerichtsgebäude in Nevada ihn ihr an den Finger gesteckt. Keine Familie, keine engen Freunde aus ihrer Vergangenheit – nur sie beide und ein Versprechen, das größer schien als der Wüstenhimmel.
Sie hatte ein Leben im Geheimen aufgebaut, und Geheimnisse hielten Menschen auf Distanz.
Ihr Telefon vibrierte auf der Marmorarbeitsplatte. Der Bildschirm leuchtete mit einer Nachricht von Emily auf.
„Alles Gute zum Jahrestag! Welche Überraschung hat dein Mann wohl aus dem Hut gezaubert?"
Carma tippte zurück, ihre Daumen bewegten sich langsam über das Glas. „Die Überraschung ist, wenn er pünktlich zur Haustür hereinkommt."
Sie drückte auf Senden und steckte das Telefon in ihre Schürzentasche. Sie nahm das ledergebundene Fotoalbum in die Hand, an dem sie den letzten Monat gearbeitet hatte. Sie hatte die wenigen Fotos, die sie von diesem Tag in Nevada hatten, zusammen mit Eintrittskarten und gepressten Blumen von ihren seltenen Reisen ausgedruckt. Es war die Geschichte einer Ehe, von der niemand sonst wusste, dass sie existierte.
Das Grollen eines Automotors durchbrach die Stille des Hauses. Carmas Kopf schnellte hoch. Ihr Herz machte einen kleinen Sprung in ihrer Brust. Er war zu Hause. Sie strich sich die Haare glatt und ging in Richtung Foyer.
Dann hörte sie die zweite Stimme. Hoch. Scharf.
„Kendall, du musst es ihr heute Abend sagen."
Carma blieb stehen. Ihre Turnschuhe quietschten leicht auf dem Hartholzboden. Sie trat zurück und drückte sich in die Schatten des Bogens, der zum Esszimmer führte.
Mildred Kirby betrat das Wohnzimmer, ihre Absätze klickten auf dem Boden. Kendall folgte ihr und lockerte seine Krawatte. Er sah erschöpft aus, aber es war die Art von Erschöpfung, die von Ärger kam, nicht von harter Arbeit.
„Der Oscar steht auf dem Kaminsims, Kendall", sagte Mildred, ihre Stimme hallte durch den offenen Raum. „Du musst nicht mehr an irgendeinen Wohltätigkeitsfall aus Ohio gebunden sein, um dein Image aufzupolieren."
„Mutter, ich weiß." Kendall seufzte und ließ sich auf das italienische Ledersofa fallen. Er rieb sich die Schläfen. „Marcus sagte, es sei Zeit, mein Privatleben aufzuräumen. Es ist schlecht für die Marke."
Carmas Magen zog sich zusammen. Die Kälte breitete sich von ihrer Brust bis zu ihren Fingerspitzen aus. Das Album glitt ihr aus der Hand. Es traf den dicken Perserteppich mit einem leisen, gedämpften Aufprall. Niemand hörte es.
„Aufräumen?" Mildred schnaubte verächtlich. Sie schenkte sich einen Brandy aus dem Kristallkaraffe ein. „Du lässt es klingen wie einen Frühjahrsputz. Ich habe dieser lächerlichen Geheimhochzeit nur zugestimmt, weil du dachtest, ihre Verwandten aus Ohio hätten einen Hintereingang zur Familie Hurst. Eine komplette Zeitverschwendung. Es war eine Erzählung, Kendall. Eine Fehlinvestition. Es hat sich überlebt."
„Es ist erledigt, Mutter." Kendalls Stimme war emotionslos. „Die Scheidungspapiere sind in meiner Tasche. Mein Anwalt hat eine strenge NDA aufgesetzt. Wir geben ihr eine Abfindung, sie geht zurück nach Ohio, und wir tun so, als wären die letzten drei Jahre nie passiert."
„Geld?" Mildred nahm einen Schluck von ihrem Brandy, ihre Lippe kräuselte sich. „Sie hat drei Jahre mietfrei gewohnt. Sie war eine verherrlichte Magd. Sie sollte uns für die Publicity bezahlen. Hunderttausend sind mehr als großzügig, um sie zum Schweigen zu bringen."
Carma presste die Hand auf den Mund. Der Geschmack von Galle stieg ihr in den Hals. Tränen liefen über ihre Wimpern, brannten heiß auf ihrer kalten Haut. Ihre Lungen fühlten sich an, als wären sie mit nassem Sand gefüllt.
Kendall widersprach nicht. Er verteidigte sie nicht. Er starrte einfach auf den leeren Fernsehbildschirm. „Es spielt keine Rolle. Die Priorität ist die PR-Kampagne mit Deirdre Rocha. Ich kann kein Hauptdarsteller mit einer heimlichen Frau aus dem Trailerpark sein."
Sie saßen da. Mutter und Sohn. Planten ihre Vertreibung, als wäre sie ein Fleck auf dem Parkett.
Carma stieß sich von der Wand ab. Ihre Beine fühlten sich an, als gehörten sie jemand anderem, aber sie trugen ihr Gewicht. Sie wischte sich mit dem Handrücken über das Gesicht. Die Tränen hörten auf. Die Hitze in ihrer Brust verwandelte sich in Eis.
Sie trat aus den Schatten hervor.
„Alles Gute zum Jahrestag, Kendall."
Ihre Stimme hallte im Raum wider. Sie klang nicht wie sie selbst. Sie klang hohl.
Kendall fuhr vom Sofa hoch. Mildred erstarrte mit dem Glas auf halbem Weg zu ihren Lippen. Der Schock in ihren Gesichtern war fast komisch.
Kendall erholte sich zuerst. Die Maske legte sich an ihren Platz. Das charmante, leicht entschuldigende Lächeln, das er auf dem roten Teppich benutzte. „Carma. Du bist zu Hause. Hör zu, ich kann erklären—"
„Spar dir die Mühe." Carma ging am Sofa vorbei. Sie sah den Esstisch an, die Kerzen, das Wellington. Es sah jetzt erbärmlich aus. Ein Schrein einer Lüge.
Kendall griff in seine Ledertasche, die neben dem Couchtisch stand. Er zog einen dicken Manila-Umschlag heraus und legte ihn auf die Glasfläche. „Da du das alles gehört hast, können wir es auch gleich hinter uns bringen."
Mildred schnüffelte und musterte Carma mit unverhohlenem Ekel. „Du hast gelauscht. Wie typisch."
Carma ignorierte die alte Frau. Sie hielt ihre Augen auf Kendall gerichtet. „War ich also nur das? Eine Requisite? Eine Fehlkalkulation, die du gemacht hast, um voranzukommen?"
Kendall erwiderte ihren Blick, aber da war keine Reue. Nur Ungeduld. „Carma, wir kommen aus verschiedenen Welten. Du passt nicht in mein Leben. Das hast du nie. Du verstehst die Branche nicht, du magst die Veranstaltungen nicht, und du hilfst meiner Karriere sicherlich nicht. Das ist besser für uns beide."
Er beugte sich vor, seine Stimme sank zu einem grausamen Flüstern. „Dein Hintergrund ist ein Fleck, Carma. Er wäscht sich nicht aus. Er breitet sich immer weiter aus und zieht mich mit sich herunter."
Die Worte trafen sie wie ein körperlicher Schlag. Die Luft entwich aus ihren Lungen. Sie starrte den Mann an, den sie geliebt hatte, den Mann, um den sie ein Leben aufgebaut hatte, und sah einen Fremden. Einen egoistischen, berechnenden Fremden.
Sie nickte langsam. Die letzte Glut der Hoffnung in ihrer Brust flackerte und erlosch, nichts als Asche zurücklassend.
„Okay", sagte sie. Ihre Stimme war kaum ein Flüstern, aber sie war fest.
Kapitel 2
Der Manila-Umschlag lag auf dem Couchtisch zwischen ihnen. Das Wort „CONFIDENTIAL" war in roter Tinte auf die Vorderseite gestempelt. Carma starrte darauf. Die Buchstaben verschwammen für einen Moment, bevor sie wieder scharf wurden.
„Unterschreib es, Carma." Kendall tippte mit den Fingern gegen seinen Oberschenkel. „Nimm das Geld. Geh zurück nach Ohio. Das ist das beste Angebot, das du bekommen wirst."
Mildred schwenkte ihren Brandy. „Sei nicht albern, Mädchen. Mit diesem Geld kannst du dir ein sehr schönes kleines Haus in jedem beliebigen Flyover State kaufen, den du wählst. Es ist mehr, als du je hattest."
Carma streckte die Hand aus. Ihre Finger strichen über das raue Papier des Umschlags. Sie hob ihn auf und zog den Stapel Dokumente heraus, die sich darin befanden.
Sie las langsam. Der juristische Fachjargon war dicht, aber die Bedeutung war klar. Sie sollte keinen Kontakt zu den Medien haben. Sie sollte alle Rechte am Namen Kirby aufgeben. Sie sollte zugeben, dass die Ehe ein Fehler war. Und im Gegenzug würde sie eine einmalige Zahlung von 250.000 Dollar erhalten.
Eine Viertelmillion Dollar. Für drei Jahre ihres Lebens.
Sie blätterte durch die Seiten. Sie sah die Zeitpläne, die sie für ihn verwaltet hatte. Die Drehbücher, die sie spät nachts für ihn annotiert hatte. Die Fanpost, die sie sortiert hatte. Die Familienfeiern, die sie ausgerichtet hatte. Die chemische Reinigung, die sie abgeholt hatte. All das reduziert auf eine Auszahlung, die nicht einmal einen Monat seiner Hypothek decken würde.
„Hör auf, Zeit zu schinden", schnauzte Kendall. „Meine Anwälte werden nicht mit jemandem verhandeln, der nicht einmal eine Kreditkarte auf ihren eigenen Namen hat."
Carma blickte auf. Ein seltsames Gefühl breitete sich in ihrem Magen aus. Es war keine Traurigkeit mehr. Es war etwas Schärferes. Etwas Kaltes und Klares.
Sie lächelte. Es fühlte sich unnatürlich auf ihrem Gesicht an, steif und spröde.
Sie packte den Stapel Papiere mit beiden Händen. Und sie zog.
Das Papier zerriss mit einem lauten Geräusch. Kendall zuckte zusammen.
Sie zerriss es wieder. Und wieder. Sie zerriss die NDA. Sie zerriss die Vergleichsvereinbarung. Sie zerriss die Seiten, die sie einen Fehler nannten. Das Geräusch von zerrissenem Papier erfüllte den stillen Raum. Fetzen flatterten zu Boden und landeten wie Konfetti auf dem teuren Teppich.
„Bist du verrückt geworden?", brüllte Kendall. Er stürmte vorwärts, aber Carma warf ihm die restlichen Fetzen direkt ins Gesicht.
„Das unterschreibe ich nicht", sagte sie. Ihre Stimme war Eis. „Wenn du eine Scheidung willst, gut. Aber die Vereinbarung wird von meinem Anwalt aufgesetzt."
Sie drehte sich auf dem Absatz um und ging weg. Sie blickte nicht zurück auf den Schock in ihren Gesichtern. Sie stieg die Treppe hinauf, ihre Beine fest, ihr Herz pochte im Rhythmus puren Adrenalins.
Sie erreichte das Hauptschlafzimmer und schloss die Tür ab. Sie lehnte sich dagegen, schwer atmend. Die Wut war immer noch da, summte unter ihrer Haut. Sie musste sie nutzen.
Sie ging zum Schrank und schob eine Reihe von Kendalls Anzügen beiseite. Hinter einem Schuhkarton verbarg sich ein kleiner Safe. Sie gab den Code ein und zog ein schwarzes Telefon heraus. Nicht ihr persönliches Telefon. Dieses war rein geschäftlich.
Sie wählte die Nummer aus dem Gedächtnis.
„Ethan Hunt am Apparat." Die Stimme am anderen Ende war fröhlich, laut. Hintergrundgeräusche von klirrenden Gläsern und Lachen drangen durch den Lautsprecher.
„Ich bin’s."
„Xen! Meine Lieblingsperson!" Ethans Stimme sank vor Aufregung eine Oktave tiefer. „Sag mir, dass du bereit bist. Die CAA-Gala beginnt in einer Stunde. Marcus Thorne sabbert praktisch schon. Kendall Kirby ist bereit, sein Leben für The Poison Ivy zu unterschreiben. Das ist die Königsklasse, Baby."
Carma ging zum Fenster. Sie blickte auf die Lichter von Los Angeles, die sich unter ihr ausbreiteten. Die Stadt, die sie zerkaut und wieder ausgespuckt hatte.
„Sag es ab, Ethan."
Die Leitung schwieg einen Moment lang. „Absagen? Die Gala absagen? Xen, bist du krank? Das ist das Geschäft deines Lebens. CAA bietet dir den Mond an!"
„Ich will den Mond nicht", sagte Carma. Ihre Stimme war emotionslos. „Ich unterschreibe nicht bei CAA. Und ich werde absolut nicht mit Kendall Kirby zusammenarbeiten."
„Was? Warum?", klang Ethan panisch. „Kendall nutzt das als seinen Oscar-Nachfolger! Er braucht dieses IP, um zum Produzieren überzugehen. Wenn du aussteigst, ist er erledigt."
„Dann lass ihn ertrinken." Carma beobachtete, wie ein Flugzeug über den Himmel blinkte. „Ich arbeite nicht mit Heuchlern. Sag Marcus Thorne, dass Kendall Kirby meine Arbeit nicht verdient."
„Xen, warte—"
Sie beendete den Anruf. Sie schaltete das Telefon aus und legte es zurück in den Safe. Ihre Hände zitterten, aber ihr Verstand war kristallklar.
Unten wurde die Stille vom schrillen Klingelton von Kendalls Telefon zerrissen. Sie hörte ihn abnehmen, seine Stimme gedämpft durch den Boden.
Dann ein Brüllen. „Was meinst du, sie hat abgesagt? Marcus, wovon zum Teufel redest du?"
Carma setzte sich auf den Bettrand. Sie lauschte den gedämpften Schreien, die die Treppe heraufdrangen. Kendall schrie über Verrat und Sabotage. Er hatte keine Ahnung, dass die Frau, die er gerade als Schandfleck bezeichnet hatte, der Schlüssel zu seiner Zukunft war.
Und sie hatte gerade die Tür abgeschlossen.
Kapitel 3
Sonnenlicht drang durch den Spalt in den Vorhängen und traf Carma direkt in die Augen. Sie hatte nicht geschlafen. Sie saß am Bettrand und beobachtete, wie die Staubpartikel im Lichtstrahl tanzten. Die Wut der letzten Nacht hatte sich in ihrer Brust zu einem kalten, harten Entschluss verfestigt.
Sie stand auf und ging in den Kleiderschrank. Die Kleiderstangen waren voll mit Designerkleidern. Seide, Chiffon, Pailletten. Alle von Mildreds Stylistin handverlesen. Alle dazu bestimmt, Carma wie eine Requisite aussehen zu lassen. Sie schob sie beiseite, wobei die Kleiderbügel quietschend an der Metallstange rieben.
In der hintersten Ecke, hinter einem Stapel Hutschachteln versteckt, lag ihre alte Reisetasche. Sie zog sie heraus und öffnete den Reißverschluss. Darin waren die Kleider, in denen sie vor drei Jahren angekommen war. Eine verwaschene Levi's. Ein paar Baumwoll-T-Shirts. Eine abgetragene Jeansjacke. Sie rochen nach Staub und Freiheit.
Sie zog den Seidenpyjama aus, den Kendall ihr gekauft hatte, und schlüpfte in die Jeans. Sie saßen etwas locker, aber sie fühlten sich wie eine Rüstung an.
Sie nahm zwei Koffer vom obersten Regal. Sie packte die Designerkleider nicht ein. Sie packte den Schmuck nicht ein, den Kendall ihr geschenkt hatte. Sie packte ihren Laptop ein. Den Stapel Skizzenbücher, die sie unter dem Bett versteckt hielt. Das Zeichentablett war zu sperrig, um es mit zwei Koffern zu tragen, also ließ sie es zurück und versprach sich, es später nachschicken zu lassen.
Und vom Nachttisch nahm sie die kleine, samtbezogene Schachtel, die ihrer Mutter gehört hatte. Das Holz war glatt abgenutzt, die Scharniere rostig. Es war das Einzige von Wert, das sie besaß.
Ein leises Klopfen ertönte an der Tür.
„Mrs. Kirby?" Rosa Gutierrez, die Haushälterin, steckte den Kopf herein. Ihre Augen weiteten sich beim Anblick der Koffer. „Gehen Sie... gehen Sie weg?"
„Rosa." Carma schenkte der älteren Frau ein müdes Lächeln. „Ja. Ich gehe. Und bitte, nennen Sie mich Carma. Ich werde nicht mehr lange Mrs. Kirby sein."
Rosa trat ein und schloss die Tür hinter sich. „Ich habe das Geschrei letzte Nacht gehört. Es tut mir so leid."
„Muss es nicht. Es war längst überfällig." Carma schloss den Reißverschluss des Koffers. „Sie waren gut zu mir, Rosa. Netter als jeder andere in diesem Haus."
Rosa streckte die Hand aus und drückte ihre. „Sie verdienen Besseres als sie, mija."
Carma nahm die Griffe der Koffer. „Ich weiß."
Sie ging die Treppe hinunter. Das Haus war still. Zu still. Als sie das Wohnzimmer erreichte, sah sie, warum. Kendall und Mildred saßen am Esstisch und frühstückten. Die zerrissenen Teile der Scheidungsvereinbarung lagen immer noch auf dem Teppich verstreut.
Mildred blickte auf, ihre Gabel schwebte über ihren Eiern. „Was soll das? Ein dramatischer Abgang? Sehr geschmacklos, Carma."
Carma ignorierte sie. Sie ging direkt zu Kendall. Sie griff in ihre Tasche und zog einen Schlüsselbund heraus. Sie legte ihn auf den Tisch neben seine Kaffeetasse.
„Der Hausschlüssel. Der Alarmcode. Die Schlüssel zum Porsche in der Garage. Ich will nichts davon."
Kendall runzelte die Stirn, sein Kiefer war angespannt. „Carma, hör auf, lächerlich zu sein. Stell deine Taschen weg. Mein Anwalt kommt mittags vorbei."
„Ihr Anwalt kann mit meinem Anwalt sprechen." Carma zog ihr Handy aus ihrer Gesäßtasche. Sie wählte die Nummer, die sie vor einer Stunde herausgesucht hatte.
Sie stellte das Telefon auf Lautsprecher. Es klingelte zweimal.
„Camille Vasquez Associates, wie kann ich Ihnen helfen?"
„Mein Name ist Carma Kirby", sagte sie, ihre Stimme klar und fest. „Ich muss einen Scheidungsanwalt engagieren. Den besten, den Sie haben. Mein Mädchenname ist Carma Forbes."
„Hier ist Camille. Ich übernehme den Fall." Die Stimme am anderen Ende war scharf, selbstbewusst und absolut rücksichtslos.
Mildred verschluckte sich an ihrem Orangensaft. Kendall wurde blass. Jeder in Los Angeles kannte Camille Vasquez. Sie fraß Männer wie Kendall zum Frühstück.
„Wie wollen Sie sie bezahlen?", stotterte Mildred, ihr Gesicht rot. „Sie haben keinen Cent!"
„Das ist nicht Ihre Sorge", sagte Carma. Sie beendete den Anruf und steckte das Handy zurück in ihre Tasche. „Aber da wir gerade über Geld sprechen, ich habe nachgerechnet. Drei Jahre lang Ihren Haushalt geführt. Ihre Mahlzeiten gekocht. Ihre Fanpost bearbeitet. Ihren Terminkalender verwaltet. Das nennt man Arbeit, und in California ist Arbeit nicht kostenlos."
Kendall stand auf, sein Stuhl scharrte über den Boden. „Drohen Sie mir?"
„Ich stelle Fakten fest." Carma begegnete seinem Blick, ohne mit der Wimper zu zucken. „California ist ein Gütergemeinschaftsstaat, Kendall. Die Hälfte von allem, was Sie während unserer Ehe verdient haben, gehört mir. Ihre Oscar-Kampagne? Ich habe die Vorführungen organisiert. Ihre Werbeverträge? Ich habe die Verträge gelesen. Wenn mein Anwalt also anfängt zu graben, bin ich sicher, dass wir viel zu besprechen haben werden."
Kendall sah aus, als hätte man ihn geohrfeigt. Er hatte Tränen erwartet. Er hatte Bitten erwartet. Er hatte nicht erwartet, dass das stille Mädchen aus Ohio das Gesetz kannte.
Carma drehte sich um und ging zur Haustür. Rosa war bereits da und hielt die Tür offen. Die Haushälterin drückte Carma einen dicken Umschlag in die Hand. „Für das Taxi."
Carma versuchte, ihn zurückzuschieben, aber Rosa schüttelte energisch den Kopf. „Nehmen Sie es."
Carma nickte und trat hinaus. Die Morgenluft war kühl. Ein gelbes Taxi wartete bereits am Bordstein.
Sie warf ihre Koffer in den Kofferraum und glitt auf den Rücksitz. Als das Auto losfuhr, blickte sie zurück auf die Villa. Sie sah schon kleiner aus.
Sie zog ihr Handy heraus und wählte Emilys Nummer.
„Hey, Süße", antwortete Emily, ihre Stimme verschlafen. „Was gibt's?"
„Emily." Carmas Stimme brach, das Adrenalin ließ endlich nach. „Kann ich eine Weile bei dir bleiben? Ich habe ihn verlassen."
„Was?" Emily war sofort hellwach. „Ja! Komm sofort her! Geht es dir gut?"
„Wird es", sagte Carma und sah, wie die Palmen am Fenster vorbeizogen. „Ich bin unterwegs."