Kapitel 3
Sadies Gesicht verlor jede Farbe, sie war bleich wie ein Geist.
Noah hatte ihr soeben eiskalt befohlen, die Schwangerschaft zu beenden. Seine Gleichgültigkeit war wie eine Klinge, die sich tief in ihr Herz bohrte.
„Warum? Noah, selbst wenn du dieses Kind nicht willst – musst du wirklich so grausam sein?" Ihre Stimme bebte, ihre Augen spiegelten reinen Unglauben wider.
Doch Noah erwiderte ihren Blick mit unerschütterlicher Kälte, seine Stimme tief und messerscharf. „Unsere Ehe ist nichts weiter als eine vertragliche Vereinbarung. Ein Kind würde die Dinge nur kompliziert machen."
Zerbrochen senkte Sadie den Blick, zu verletzt, um ihn noch anzusehen. Innerlich zerschnitt ihr Schmerz sie in tausend Stücke, tief und erbarmungslos.
Doch nach einem Moment des Schweigens hob sie langsam den Kopf. Ihre Augen funkelten entschlossen, und als sie sprach, lag in ihrer Stimme keine Spur von Bitten – nur eiskalte Entschlossenheit. „Mach dir keine Sorgen, Noah. Ich würde dich niemals mit einem Kind belasten."
Sie hatte ihre Entscheidung getroffen: Sie würde das Baby behalten – aber nicht für ihn, sondern nur für sich selbst.
Eines Tages würde sie ihrem Kind sagen, dass sein Vater nichts weiter war als ein Teil ihrer Vergangenheit.
Noah musterte sie kurz, seine Stirn legte sich leicht in Falten. „Gut, dass du das genauso siehst. Du solltest dich ausruhen. Keine Sorge um die Arbeit – nimm dir Zeit, dich zu erholen." Ohne ein weiteres Wort verließ er ihr Zimmer.
Sein Schatten verschwand im dunklen Flur.
Doch trotz seiner Worte erschien Sadie am nächsten Tag im Büro.
Allein die Vorstellung, ein Kind ohne jede Unterstützung großzuziehen, ließ keinen Raum für Schwäche. Egal, wie erschöpft sie sich fühlte – sie musste weitermachen.
Sie hatte keine Wahl. Sadie arbeitete bei der Wall Gruppe. Direkt nach der Uni war sie ins Sekretariat eingestiegen – allein, um Noah nahe zu sein.
Ihre Ehe war ein gut gehütetes Geheimnis, verborgen vor den ahnungslosen Mitarbeitern. Nur sein Assistent Samuel Ford und einige wenige Führungskräfte wussten davon.
Als Sadie die geschäftige Abteilung betrat, bemerkte sie sofort eine Gruppe von Kollegen, die sich vor dem Konferenzraum versammelt hatte. Flüsternde Stimmen, aufgeregt und gespannt.
„Also, das ist die Frau, über die alle getuschelt haben – Herr Walls angebliche Freundin."
„Angeblich? Sie ist praktisch offiziell! Vergesst nicht, wie er vor zwei Jahren nach ihrem Verschwinden in ein tiefes Loch gefallen ist."
„Offenbar kennen sie sich schon seit der Grundschule."
„Herr Wall hat sich vorhin im Meeting sogar zurückgehalten – keine einzige harsche Kritik. Wahrscheinlich, weil seine große Liebe anwesend war."
„Und jetzt tritt Fräulein Wade als seine persönliche leitende Rechtsberaterin ein. Ein echtes Erfolgspaar."
…
Jedes geflüsterte Wort traf Sadie wie ein Messer, das ihre mühsam aufrechterhaltene Fassade Stück für Stück durchtrennte.
Dass selbst die Mitarbeiter Noahs ewige Zuneigung für Kyla noch so lebhaft in Erinnerung hatten, machte es nur schlimmer.
Sie fühlte sich nichtig und bedeutungslos.
Sadie biss sich so fest auf die Lippe, dass sie den metallischen Geschmack von Blut schmeckte. Ihre Nägel bohrten sich tief in ihre Handflächen – ein verzweifelter Versuch, den inneren Schmerz mit einem äußeren zu überlagern.
Mit aller Kraft zwang sie sich, die Stimmen auszublenden, den Schmerz zu ignorieren und sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren, Mit aller Kraft zwang sie sich, die Stimmen auszublenden, den Schmerz zu ignorieren und sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren, als wäre nichts geschehen.
Doch die Worte blieben, klammerten sich an ihre Gedanken und hallten unaufhörlich wider, wie ein grausames Echo, das sie nicht abschütteln konnte.
Dann kam die Übelkeit plötzlich und heftig.
Sadie sprang auf, ihr Stuhl kratzte laut über den Boden, während sie hastig in Richtung Waschraum eilte.
Um ihre Schwäche zu verbergen, drehte sie den Wasserhahn auf, ließ das Rauschen des Wassers jeden Laut verschlucken.
Aber selbst das konnte nicht verhindern, dass sie sich übergab – nichts als bittere Galle.
Sie spritzte sich kaltes Wasser ins Gesicht, jede einzelne Tropfen ein kleiner Schock für ihr System, der ihr half, ihre Fassung wiederzufinden.
Die Tür zum Konferenzraum stand einen Spalt offen, gerade weit genug, dass Sadie einen Blick hineinwerfen konnte. Die Tür zum Konferenzraum stand einen Spalt offen, gerade weit genug, dass Sadie einen Blick hineinwerfen konnte. Noah und Kyla saßen Seite an Seite.
Kyla lehnte sich leicht nach vorne, ihre Haltung strahlte eine mühelose Eleganz aus, jede ihrer Bewegungen schien wohlüberlegt.
Ihre Stimme war sanft, kaum mehr als ein Flüstern, ihre Augen funkelten verführerisch, eine Mischung aus Reiz und Zurückhaltung.
Sie waren einander so nah, dass sich ihre Schultern fast berührten – eine intime Silhouette, wie ein Paar, das im perfekten Einklang stand.
Aus der Ferne betrachtend fühlte sich Sadie wie ein übersehener Schatten, der an den Rändern ihrer Welt verharrte.
In ihrer eigenen Ehe war sie immer diejenige gewesen, die von außen hineinsah, nie wirklich ein Teil davon.
Tränen stiegen ihr in die Augen, stumm liefen sie über ihre Wangen.
Als sie sich abwenden wollte, streifte ihr Ellbogen einen Blumentopf. Mit einem lauten Krachen stürzte er zu Boden, durchbrach die gespannte Stille und zog augenblicklich alle Blicke auf sie.
Noah riss den Kopf hoch, sein Blick fand ihren. Überraschung blitzte kurz in seinen Augen auf, doch sie wurde schnell von etwas Kühlerem, Härterem verdrängt.
Peinlich berührt und von ihren Gefühlen überwältigt, kämpfte Sadie gegen den Knoten in ihrer Kehle.
Noah trat aus dem Raum, seine Präsenz drängend, überwältigend. Beinahe sofort tauchte Kyla neben ihm auf, ihre schlanke Gestalt wie ein Schatten an seiner Seite.
„Was machst du hier?" Noahs Stimme war scharf, gespickt mit offenkundigem Missfallen.
Kyla ließ ihren Blick langsam über Sadie wandern.
Obwohl sie die Antwort längst kannte, legte sie den Kopf schief und lächelte zuckersüß. „Noah, wer ist sie?"
Da war sie. Die Frage, die plötzlich in der Luft hing, schwer und erdrückend.
Wer war sie?
Sadies Herz zog sich schmerzhaft zusammen. Sie wollte es wissen: welchen Platz sie in Noahs Leben wirklich einnahm.
Der Ausdruck ihrer Verachtung war offensichtlich, und Noahs Züge verengten sich, während ein Anflug von Unmut über sein Gesicht huschte. Dann sprach er. „Sie ist nur eine Mitarbeiterin."
Nur eine Mitarbeiterin?
Die Worte hallten in Sadies Kopf wider, wieder und wieder, jedes Mal höhnischer als zuvor.
Sie fühlte sich auf nichts reduziert – nur ein Schatten innerhalb der kalten, unerbittlichen Wände ihres Arbeitsplatzes.
Kaum hatte Noah gesprochen, drehte er sich um und verließ den Raum.
Kyla hielt inne, warf Sadie einen selbstzufriedenen, provokanten Blick zu, ihre Augen funkelten vor Triumph, dann eilte sie Noah hinterher.
Allein zurückgelassen, fühlte sich Sadie verloren, als stünde sie mitten in einer fremden, unergründlichen Welt.
Den Rest des Arbeitstages verbrachte sie wie in Trance, bis sie ein unerwarteter Anruf ihrer Großmutter Laura Stewart in die Realität zurückholte.
„Sadie, ich werde nicht jünger, und wer weiß, wie viel Zeit mir noch bleibt. Mehr als alles andere träume ich davon, dich eines Tages glücklich verheiratet mit einem liebevollen Partner und Kindern zu sehen. Also, wann bringst du endlich deinen Freund mit, damit ich ihn kennenlernen kann?"
Während Laura mit Wärme und Leichtigkeit sprach, musste Sadie schwer schlucken, da die Emotionen sie unerwartet überkamen.
Selbst Laura, die ihr immer zur Seite gestanden hatte, wusste nicht einmal, dass sie verheiratet war.
Noah hatte die Bedingungen vor ihrer Hochzeit festgelegt – abgesehen vom Vorstand sollte ihre Ehe geheim bleiben.
Er hatte Kylas Rückkehr sicherlich von Anfang an eingeplant, nicht wahr?
Jeder seiner Schritte war darauf ausgerichtet, Kyla alles so einfach wie möglich zu machen.
Der Moment, in dem sie auflegte, war wie in einem Nebel, aber eine Sache blieb – ihr Versprechen an Laura, ihren Freund an diesem Samstag mit nach Hause zu bringen.
Aber mit wem sollte sie auftauchen?