Kapitel 3
Sonnenlicht strömte durch die bodentiefen Fenster der VIP-Suite in der Privatklinik und wärmte den teuren Perserteppich.
Foster saß aufrecht, gestützt von den Kissen des Krankenhausbettes. Er hatte ein frisches, dunkelblaues Hemd angezogen. Ein neuer weißer Verband bedeckte die Nähte auf seiner Stirn.
Errol stand am Fußende des Bettes und hielt ein in Leder gebundenes Tablet in der Hand.
„Das Abfangen war erfolgreich, Sir", berichtete Errol und wischte über den Bildschirm. „Der Konvoi von Senator Vance wurde auf der Autobahn aufgehalten. Er hat die entscheidende Anhörung verpasst. Die Bebauungsgesetze für das neue Energiewerk werden zu unseren Gunsten verabschiedet."
Errol senkte das Tablet. Seine Stirn war tief in Falten gelegt.
„Aber Sir", fuhr Errol fort, seine Stimme angespannt vor Missbilligung. „Einen maßgefertigten Maybach zu opfern und Ihr eigenes Leben aufs Spiel zu setzen, um einen Politiker aufzuhalten … der Preis war zu hoch. Wir hätten Vance auch anders handhaben können."
Foster stieß ein leises, dunkles Lachen aus. Er griff zum Nachttisch, nahm ein Glas Eiswasser und trank einen langsamen Schluck.
„Wer hat gesagt, dass es ein Opfer war?", fragte Foster in einem gefährlich sanften Ton.
Errol blinzelte. „Sir?"
Foster stellte das Glas ab. Seine dunklen Augen fixierten Errol und ließen jede Verstellung fallen.
„Ich habe befohlen, die Bremsleitungen durchzuschneiden", sagte Foster.
Errols Mund klappte auf. Er starrte seinen Chef an, echter Schock stand ihm ins Gesicht geschrieben. „Sie … Sie haben Ihren eigenen Unfall inszeniert? Das war ein Selbstmordkommando!"
Foster warf die Decke zurück und stand auf. Er ging zum Fenster und blickte auf die weitläufigen, sonnenüberfluteten Straßen von Los Angeles hinunter.
„Es war ein kalkuliertes Risiko", sagte Foster mit emotionsloser Stimme. „Es hat Vance aufgehalten. Es hat den Namen der Familie Pruitt von jedem Verdacht bezüglich der jüngsten Angelegenheiten des Hafenkartells reingewaschen, denn ich bin jetzt ein dokumentiertes Opfer eines ‚tragischen Unfalls‘."
Foster drehte seinen Kopf leicht und blickte über seine Schulter.
„Aber am wichtigsten ist", murmelte Foster, seine Stimme eine Oktave tiefer, „ich wusste genau, um welche Uhrzeit sie diese Straße entlangfahren würde."
Errol erstarrte. Die Puzzleteile fügten sich in seinem Kopf zusammen. Die Verkehrskameras. Der Strassknopf. Die Weigerung, Schmerzmittel zu nehmen.
Er hatte sein eigenes Leben als Köder benutzt, nur um eine Begegnung mit einer Frau zu erzwingen.
Foster griff in seine Tasche und zog den kleinen Strassknopf hervor. Er rollte ihn zwischen Daumen und Zeigefinger. Der Blick in seinen Augen war reine, unverfälschte Besessenheit.
„Brechen Sie die Suche auf den Kameras ab", befahl Foster. „Ich weiß bereits, wer sie ist."
Er drehte sich vollständig zu Errol um.
„Brooke Rivers." Foster sprach ihren Namen aus wie ein Gebet, das er ein Jahrzehnt lang auf den Lippen getragen hatte. „Bestätigen Sie ihren Zeitplan. Sie sollte um zwölf Uhr in der Holy Trinity Church in Beverly Hills sein."
Errol schluckte schwer und nickte. „Ja, Sir."
„Und Errol", fügte Foster hinzu, seine Stimme sank in einen sanften, tödlichen Tonfall. „Stellen Sie sicher, dass das ‚Hochzeitsgeschenk‘ für Miss Rivers genau nach Anweisung an ihre private Leitung zugestellt wird. Sie wird Munition für den Krieg brauchen, den sie gleich beginnen wird."
„Es wurde bereits verschickt, Sir", bestätigte Errol und neigte den Kopf.
Errol verließ schnell den Raum und schloss leise die Tür hinter sich.
Foster stand allein in der stillen Suite. Er blickte auf den Knopf in seiner Hand. Seine Brust zog sich mit einem schweren, schmerzenden Druck zusammen.
„Zehn Jahre", flüsterte Foster in den leeren Raum. „Endlich kommst du zu mir zurück."
Auf der anderen Seite der Stadt saß Brooke allein in der Brautsuite der Holy Trinity Church.
Sie atmete tief durch und versuchte, ihr rasendes Herz zu beruhigen. Das schwere Vera Wang-Kleid fühlte sich an wie eine Rüstung. Draußen vor der dicken Holztür konnte sie das gedämpfte Geplapper von Hunderten von wohlhabenden Gästen hören, die ihre Plätze einnahmen.
Ihr privates Handy, das auf dem Schminktisch lag, vibrierte plötzlich.
Brooke runzelte die Stirn. Sie hob es auf. Der Bildschirm zeigte eine verschlüsselte, virtuelle Nummer.
Sie zögerte eine Sekunde, bevor sie zum Annehmen wischte. Sie drückte das Telefon an ihr Ohr.
„Hallo?"
„Brooke."
Die Stimme am anderen Ende war verzerrt, durch einen starken digitalen Stimmverzerrer maskiert. Sie klang roboterhaft und doch seltsam befehlend.
Brooke stand sofort auf. Ihr Rücken wurde steif. „Wer ist da?"
„Ein Freund", antwortete die verzerrte Stimme. „Ich weiß, was Sie letzte Nacht in der Penthouse-Suite gesehen haben."
Brooke stockte der Atem. Ihr Griff um das Telefon wurde so fest, dass ihre Knöchel weiß hervortraten. „Was wollen Sie?"
Ein leises, dunkles Lachen kam aus dem Lautsprecher. „Ich möchte Ihnen ein Hochzeitsgeschenk machen. Überprüfen Sie Ihre E-Mails. Die sichere."
Brooke ließ das Telefon auf den Schminktisch fallen und schnappte sich ihr iPad. Sie öffnete ihr verschlüsseltes E-Mail-Konto.
Dort war eine neue Nachricht mit einer großen ZIP-Datei im Anhang.
Sie tippte darauf. Die Dateien entpackten sich und überfluteten ihren Bildschirm mit PDF-Dokumenten.
Brookes Augen weiteten sich. Ihr Herz hämmerte gegen ihre Rippen.
Es waren Kontoauszüge. Offshore-Konten auf den Cayman Islands. Banküberweisungen, die Millionen von Dollar aus dem Familienunternehmen der Rivers direkt auf Konten von Gaven und Livia transferierten.
Und ganz unten im Stapel befanden sich gescannte Dokumente mit der gefälschten Unterschrift ihrer Mutter.
Das war nicht nur Betrug. Das war schwerer Betrug. Es war eine koordinierte, illegale Übernahme des Erbes ihrer Mutter.
„Sehen Sie sie sich an?", fragte die Stimme durch den Lautsprecher des Telefons.
Brooke nahm das Telefon wieder auf. Ihre Hände zitterten, aber diesmal war es aus reiner, blinder Wut.
„Werden Sie sich mit nur einem Sexvideo zufriedengeben, um diese Farce zu beenden?", höhnte die Stimme leise.
Brooke bohrte ihre manikürten Nägel in ihre Handfläche, bis die Haut aufplatzte. Der Schmerz erdete sie.
„Das ist genau das, was ich gebraucht habe", sagte Brooke mit einem tödlichen Flüstern. „Ich weiß nicht, wer Sie sind, aber ich stehe in Ihrer Schuld."
Die Leitung war tot.
Brooke verschwendete keine Sekunde. Sie steckte einen kleinen USB-Stick in ihr iPad und übertrug jedes einzelne Dokument darauf.
Sie zog den USB-Stick heraus und umklammerte ihn fest in ihrer Faust.
Es klopfte an der Tür.
Ihr Vater, Prescott Rivers, trat ein. Er trug einen maßgeschneiderten Smoking, sein silbernes Haar war perfekt gestylt. Er sah sie mit kalten, berechnenden Augen an.
„Es ist Zeit, Brooke", sagte Prescott und schaute auf seine Rolex. „Lass die Investoren nicht warten."
Brooke blickte den Mann an, der sie verraten hatte. Sie ließ den kleinen USB-Stick in einen versteckten Schlitz gleiten, den sie in die Tüllschichten ihres Rocks geschnitten hatte.
Sie setzte ein strahlendes, makelloses Lächeln auf.
„Das würde mir nicht im Traum einfallen, Vater."
Sie ging hinüber und hakte ihren Arm bei ihm unter. Die Wärme, die von seinem Arm ausging, ließ ihre Haut kribbeln, aber sie hielt ihren Kopf hoch.
Als die schweren Kirchentüren aufschwingen und die ersten gewaltigen Akkorde der Orgel die Luft erfüllten, betrat Brooke den roten Teppich.