Kapitel 1

Die schwere Eichentür der Suite im obersten Stockwerk fühlte sich an Brookes Handfläche an wie eine Platte aus massivem Eis.

Der Korridor des Beverly Hills Hotels wurde von kristallenen Wandleuchtern nur schwach erhellt, aber das mangelnde Licht hinderte ihr Herz nicht daran, gegen ihre Rippen zu hämmern. Das Geräusch ihres eigenen Pulses war ohrenbetäubend.

Sie blickte auf den leuchtenden Bildschirm ihres Handys. Ihre Finger zitterten so heftig, dass die Textnachricht verschwamm.

Es gab keinen Absender. Nur eine Zimmernummer und einen einzigen Satz.

Er holt seinen Anzug nicht ab.

Brooke schluckte schwer. Ihre Kehle fühlte sich eng an, als hätte jemand eine Hand um ihre Luftröhre gelegt. Sie holte tief und unregelmäßig Luft und stemmte sich mit ihrem ganzen Gewicht gegen die Doppeltür am Ende des Flurs.

Die Tür war nicht ganz verriegelt. Sie gab mit einem leisen Klicken nach und öffnete sich nur einen Spalt breit.

Ein Geräusch drang durch den schmalen Spalt. Es war ein feuchtes, atemloses Stöhnen, gefolgt von dem unverkennbaren Klatschen von Haut auf Haut.

Brooke erstarrte. Ihr ganzer Körper wurde steif. Das Blut wich aus ihrem Gesicht und hinterließ ihre Haut kalt und klamm.

Sie beugte sich näher an den Spalt, während sich ihr Magen zu einem heftigen Knoten zusammenzog.

Im Dämmerlicht der Suite sah sie ihn. Gaven. Ihren Verlobten. Den Mann, den sie in weniger als vierundzwanzig Stunden heiraten sollte.

Er presste eine Frau gegen die Rückseite des Samtsofas. Seine Hände, dieselben Hände, die Brooke einen Diamantring an den Finger gesteckt hatten, umklammerten die Hüften der Frau.

Die Frau warf den Kopf zurück und stieß ein lautes, schrilles Lachen aus.

Brookes Sicht verschwamm. Der Raum kippte.

Es war Livia. Ihre ältere Halbschwester.

„Wann holst du dir die Rivers-Aktien?", keuchte Livia, während sich ihre Finger in Gavens Schultern gruben.

Gaven hielt nicht einmal inne. Seine Stimme war rau, völlig ohne die Wärme, die er normalerweise für Brooke aufhob.

„Direkt nach der Hochzeit. Sobald die Papiere unterschrieben sind, mache ich den Zug."

Brooke biss sich auf die Unterlippe. Sie biss so fest zu, dass der metallische Geschmack von Kupfer ihren Mund füllte.

Galle stieg ihr in der Kehle hoch. Sie musste ihre freie Hand auf den Magen pressen, um sich nicht direkt auf den Teppich zu übergeben.

Sie schrie nicht. Sie trat die Tür nicht auf.

Stattdessen breitete sich eine eiskalte Taubheit in ihren Adern aus. Sie hob ihr zitterndes Handy und schaltete in den Videomodus.

Sie drückte auf Aufnahme.

Durch den Spalt in der Tür nahm sie jeden Stoß, jedes Stöhnen und jedes widerliche Wort ihrer Verschwörung auf. Ihre Brust brannte von der Anstrengung, den Atem anzuhalten, aber sie hielt die Kamera ruhig.

Als sie genug hatte, beendete sie die Aufnahme. Ihr Daumen zitterte so heftig, dass sie das Gerät beinahe fallen ließ. Schnell drückte sie auf den Teilen-Button und schickte die Videodatei direkt an ihren privaten, verschlüsselten E-Mail-Server. Es war ein verzweifelter, instinktiver Akt der Selbsterhaltung, eine digitale Rettungsleine, die in die Dunkelheit geworfen wurde.

Dann drehte sie sich um und ging weg.

Sie rannte erst, als sie die Lobby erreichte. Ihre Absätze klickten hektisch auf dem Marmorboden, als sie in Richtung der Tiefgarage sprintete.

Sie warf sich auf den Fahrersitz ihres Wagens, schlug die Tür zu und drückte auf den Verriegelungsknopf.

Die Stille im Auto war erstickend. Brooke ließ ihren Kopf auf das Lenkrad fallen. Ein einziges, heiseres Schluchzen entrang sich ihrer Kehle.

Aber nur eines.

Sie hob den Kopf. Mit dem Handrücken wischte sie sich die einzelne Träne von der Wange. Ihre Augen, die ihr Spiegelbild im Rückspiegel anstarrten, waren tot und kalt.

Sie drehte den Schlüssel um. Der Motor heulte auf.

Brooke trat das Gaspedal durch. Der Wagen schoss aus der Garage und direkt in den plötzlichen, heftigen Wolkenbruch von Los Angeles.

Der Regen war eine undurchdringliche graue Wand. Die Scheibenwischer schlugen hin und her und kämpften darum, die Scheibe freizuhalten.

Sie fuhr die kurvenreichen, tückischen Serpentinen des Mulholland Drive hinauf. Sie brauchte Geschwindigkeit. Sie brauchte das körperliche Gefühl der Gefahr, um das Bild von Gaven und Livia, das sich in ihr Gehirn eingebrannt hatte, zu ertränken.

Als sie um eine scharfe Kurve fuhr, erfassten ihre Scheinwerfer einen Blitz aus schwarzem Metall.

Ein riesiger Maybach schleuderte wild über den nassen Asphalt. Er war zu schnell unterwegs.

Brooke trat voll auf die Bremse. Ihre Reifen quietschten auf der glatten Straße, und der Geruch von verbranntem Gummi füllte ihr Auto, während sie kämpfte, um nicht ins Schleudern zu geraten.

Vor ihr durchbrach der Maybach die metallene Leitplanke.

Das Geräusch von knirschendem Stahl hallte über den Donner hinweg. Der schwere Wagen balancierte am Rande der Klippe, die Hälfte seines Fahrgestells hing über dem schwarzen Abgrund.

Brooke saß drei Sekunden lang wie gelähmt da. Ihre Lungen setzten aus.

Dann übernahm der Instinkt.

Sie stieß ihre Tür auf und trat hinaus in den Sturm. Der eiskalte Regen durchnässte sofort ihre Kleidung und klebte ihr die Haare ins Gesicht.

Sie rannte auf den zerstörten Maybach zu, ihre Schuhe rutschten auf dem schlammigen Asphalt.

„Hey!", schrie sie gegen den Wind und hämmerte mit den Handflächen gegen die zerborstene Scheibe der Fahrerseite.

Die Airbags hatten sich ausgelöst und waren zu weißen, pulverigen Haufen zusammengefallen. Durch das zerbrochene Glas sah sie einen Mann, der über das Lenkrad gebeugt war. Er trug einen dunklen, maßgeschneiderten Anzug. Blut strömte aus einer Wunde an seiner Stirn und färbte seinen weißen Kragen purpurrot.

Sie packte den Türgriff und zog daran. Er rührte sich nicht. Der Metallrahmen war verbogen.

Brooke sah sich hektisch um. Sie entdeckte ein zackiges Stück Metallschrott von der Leitplanke, das auf der Straße lag.

Sie ergriff es, wobei ihre Finger an den scharfen Kanten entlangschrammten, und klemmte es in den Spalt der Tür.

Sie warf ihr ganzes Körpergewicht nach hinten. Das Metall ächzte und kreischte protestierend, bis die Tür schließlich aufsprang.

Ein starker Geruch schlug ihr sofort entgegen. Es war der scharfe, metallische Geruch von Blut, gemischt mit einem teuren, sauberen Zedern-Cologne.

Brooke beugte sich in den Wagen. Sie griff über die breite Brust des Mannes, ihre Hände zitterten, als sie am Gurtschloss herumnestelte.

Es klickte.

Sie packte ihn am Revers seines Sakkos und zog. Er war unglaublich schwer, ein totes Gewicht in ihren Armen.

Plötzlich riss der Mann die Augen auf.

Brooke schnappte nach Luft und erstarrte.

Seine Augen waren tief und pechschwarz. Selbst durch das Blut und den eiskalten Regen fixierte sein Blick den ihren mit einer erschreckenden Intensität, die einen heftigen, unwillkürlichen Schauer über ihren Rücken jagte. Es war nicht der leere, verblassende Blick eines Opfers, das seinen Verletzungen erliegt; er fühlte sich überwältigend schwer an, intensiv ... besitzergreifend. Er fesselte sie an Ort und Stelle und ließ ihr den Atem stocken.

Sie biss die Zähne zusammen, packte ihn unter den Armen und zerrte ihn mit aller Kraft nach hinten.

Sie fielen zusammen aus dem Auto und schlugen auf dem schlammigen Asphalt auf.

Eine Sekunde später bewegte sich der Maybach. Das Metall ächzte ein letztes Mal, bevor der schwere Wagen über die Kante rutschte und mit einem entfernten, widerlichen Aufprall in der dunklen Schlucht verschwand.

Brooke krabbelte rückwärts, ihre Brust hob und senkte sich heftig, während sie auf die leere Stelle starrte, wo eben noch das Auto gewesen war.

Sie wandte ihre Aufmerksamkeit wieder dem Mann zu. Er lag auf dem Rücken, und der Regen wusch das Blut von der Seite seines Gesichts.

Langsam hob er seine rechte Hand. Seine Finger, warm und rot überzogen, strichen über ihre nasse Wange.

Er murmelte etwas. Die Worte waren zu leise und gingen im heulenden Wind völlig unter.

Dann fiel seine Hand herab und klatschte auf den nassen Asphalt. Seine Augen verdrehten sich, und er verlor das Bewusstsein.

Brooke kramte in ihrer nassen Tasche nach ihrem Handy. Sie wählte 911, ihre Finger rutschten auf dem nassen Bildschirm ab. Sie nannte dem Disponenten den Standort und legte auf.

In der Ferne begann das leise, hohe Heulen von Sirenen den Sturm zu durchdringen. Blinkende rote und blaue Lichter spiegelten sich in den tief hängenden Wolken.

Brooke blickte ein letztes Mal auf den Mann hinab. Sie konnte es sich nicht leisten, hier zu sein. Sie konnte sich keine polizeilichen Fragen oder Verzögerungen leisten. Sie hatte morgen einen Krieg zu führen.

Sie stand auf, wich in die Schatten zurück und rannte zu ihrem Auto.

Kapitel 2

Das grelle, blendende Licht der Operationsleuchten in der privaten Notaufnahme von Los Angeles wusch die Farbe aus dem Raum.

Foster Pruitt saß auf der Kante des Untersuchungsbettes. Sein maßgeschneidertes Sakko war verschwunden, sein weißes Hemd mit Blut und Regenwasser ruiniert.

Der Notarzt stand vor ihm, in der Hand eine Pinzette und eine Nadel. Vorsichtig zupfte er Splitter von Sicherheitsglas aus der tiefen Platzwunde auf Fosters Stirn.

Foster zuckte nicht. Sein Gesicht war eine Maske aus kaltem, unergründlichem Stein. Sein Kiefer war so fest zusammengebissen, dass die Muskeln unter seiner Haut zuckten, aber er gab keinen Laut von sich.

Die schwere Doppeltür der Notaufnahme schwang heftig auf.

Errol Gilmore, Fosters persönlicher Assistent, marschierte in den Raum, gefolgt von drei massigen Männern in schwarzen Anzügen. Errols Gesicht war blass, als er den Anblick seines blutüberströmten Chefs wahrnahm.

„Geben Sie ihm das stärkste Lokalanästhetikum, das Sie haben", fuhr Errol den Arzt an, seine Stimme angespannt vor Panik. „Sofort."

Foster hob seine linke Hand. Die Bewegung war langsam, doch sie strahlte absolute Autorität aus.

„Nein", sagte Foster. Seine Stimme war ein tiefer, rauer Bariton, der den Raum augenblicklich zum Schweigen brachte. „Keine Betäubung. Ich brauche einen klaren Kopf."

Der Arzt schluckte schwer, seine Hände zitterten leicht unter der erdrückenden Last von Fosters Präsenz. Er nickte und fuhr fort, die Wunde ohne Betäubung zu nähen.

Foster blinzelte nicht einmal, als die Nadel seine Haut durchstach.

Errol trat näher und senkte seine Stimme. „Das LAPD hat den Canyon abgeriegelt. Sie haben eine vorläufige Untersuchung des Wracks durchgeführt."

Zwei uniformierte Beamte des LAPD betraten die Notaufnahme. Sie nahmen ihre Mützen ab und wirkten von der Mauer aus Leibwächtern leicht eingeschüchtert.

„Mr. Pruitt", sagte der ältere Beamte und zog einen Notizblock hervor. „Können Sie uns sagen, was passiert ist?"

Foster lehnte sich leicht zurück. Seine dunklen Augen waren ruhig, berechnend.

„Die Bremsen haben versagt", sagte Foster ruhig. „Ich habe auf das Pedal getreten, aber es gab keinen Widerstand. Der Wagen geriet in der Kurve ins Schleudern und durchbrach die Leitplanke."

Der Beamte nickte und kritzelte die Aussage nieder. „Das deckt sich mit unseren ersten Erkenntnissen. Die Bremsleitungen weisen Anzeichen eines massiven Risses auf. Es sieht nach einem katastrophalen mechanischen Versagen aus."

Der Beamte blätterte eine Seite um. „Wir haben auch Reifenspuren eines zweiten Fahrzeugs in der Nähe der Leitplanke gefunden. Hat jemand angehalten, um Ihnen zu helfen?"

Fosters Augen verdunkelten sich. Ein Muskel zuckte in seinem Kiefer.

Seine Gedanken schossen zurück zu dem strömenden Regen. Er erinnerte sich an den Geruch von Vanille und Regen auf ihrer Haut. Er erinnerte sich an die verzweifelte Kraft in ihren schlanken Armen, als sie ihn aus dem Wrack zog.

Er senkte die Wimpern und verbarg das gefährliche Glimmen in seinen Augen.

„Ich war bewusstlos", log Foster mit tonloser Stimme. „Ich erinnere mich an niemanden."

Die Beamten dankten ihm und verließen den Raum.

Sobald die Tür ins Schloss klickte, trat Errol vor. „Sir, soll ich das Sicherheitsteam die Garage untersuchen lassen? Jemand hat den Wagen manipuliert."

Foster antwortete nicht.

Stattdessen öffnete er langsam seine rechte Hand.

In der Mitte seiner breiten Handfläche lag ein kleiner, runder Strassknopf. Er war vom Ärmelaufschlag einer Frauenbluse abgerissen worden.

Foster strich mit dem Daumen über die facettierte Kante des Steins. Er konnte immer noch die Phantomwärme ihrer Haut spüren.

Ein langsames, eiskaltes Lächeln umspielte seine Mundwinkel. Es war ein Lächeln absoluten Besitzanspruchs.

Errol bemerkte die Veränderung im Verhalten seines Chefs. Er blickte auf den Knopf hinunter, Verwirrung legte seine Stirn in Falten.

„Ziehen Sie die Aufnahmen der Verkehrskameras", befahl Foster, seine Stimme plötzlich scharf. „Jede Kamera am Mulholland Drive aus den letzten zwei Stunden. Filtern Sie nach weiblichen Fahrern. Finden Sie sie."

Meilenweit entfernt betrat Brooke das Badezimmer ihrer Wohnung.

Sie zitterte unkontrolliert. Sie schälte sich aus ihren nassen, schlammigen Kleidern und warf sie direkt in den Mülleimer. Sie bemerkte den fehlenden Knopf an ihrem Ärmel, aber es war ihr egal.

Sie stieg in die Dusche und drehte das Wasser so heiß auf, wie es nur ging.

Sie stand unter dem Wasserstrahl und ließ das brühend heiße Wasser ihre Haut rot färben. Sie schrubbte ihre Arme und versuchte, den Geruch von Blut, den Geruch des Regens und die widerliche Erinnerung an Gavens Hände auf Livia abzuwaschen.

Als sie schließlich herauskam, wickelte sie ein dickes Handtuch um ihren Körper und setzte sich an ihren Schminktisch.

Ihr Spiegelbild sah aus wie ein Geist. Dunkle Ringe lagen wie Blutergüsse unter ihren Augen.

Ihr Handy summte auf der Ablage. Es war eine SMS von der Oberschwester der Pflegeeinrichtung ihrer Mutter.

Ihre Mutter hatte eine ruhige Nacht. Die Vitalwerte sind stabil.

Brooke starrte auf den Bildschirm. Das Zittern in ihren Händen hörte endlich auf.

Sie durfte nicht zusammenbrechen. Wenn sie jetzt zerbrach, würden Gaven und ihr Vater alles nehmen. Sie würden die Firma nehmen, die ihre Mutter von Grund auf aufgebaut hatte.

Brooke klappte ihren Laptop auf. Sie übertrug die Videodatei von ihrem Handy und kopierte sie auf drei separate, verschlüsselte USB-Sticks.

Sie öffnete ein neues Dokument und begann, eine Pressemitteilung zu verfassen, um die Absage ihrer Hochzeit bekannt zu geben. Sie schickte E-Mails an ihre Kontakte bei zwei großen Klatschmagazinen in Los Angeles und sicherte sich die Titelseiten für den morgigen Nachmittag.

Als sie fertig war, begann die Sonne, durch die Jalousien zu spähen.

Brooke stand auf und ging in die Ecke ihres Schlafzimmers. An einem seidenwattierten Bügel hing ein maßgeschneidertes Hochzeitskleid von Vera Wang.

Es war ein Meisterwerk aus weißer Spitze und Tüll.

Brooke streckte die Hand aus und fuhr mit den Fingerspitzen über den zarten Stoff. In ihrer Brust war keine Freude. Keine Aufregung einer Braut. Nur kaltes, hartes Kalkül.

Es klingelte an der Tür.

Eine Sekunde später flog die Eingangstür auf. Die Brautgesellschaft strömte in die Wohnung und brachte eine chaotische Welle von Visagisten, Kleidersäcken und dem Duft von frischem Kaffee mit sich.

Livia war an der Spitze der Gruppe. Sie trug einen passenden Seidenmorgenmantel und hielt ein Glas Mimosa in der Hand.

„Brooke!", quietschte Livia und eilte vor, um Brookes Hände zu ergreifen. „Du siehst so müde aus, Süße! Aber keine Sorge, das Glam-Team ist hier. Du wirst heute die schönste Braut sein."

Brooke blickte auf Livias Hände, die ihre hielten. Ihr Magen drehte sich langsam und widerlich um.

Sie zwang ihre Mundwinkel zu einem makellosen, leeren Lächeln. Sanft zog sie ihre Hände weg.

„Danke, Livia", sagte Brooke leise. „Ich kann es kaum erwarten, dass alle sehen, was heute passiert."

Die Visagistin drückte Brooke in den Stuhl und begann, Foundation aufzutragen. Brooke starrte Livia durch den Spiegel an. Der Krieg hatte offiziell begonnen.

Kapitel 3

Sonnenlicht strömte durch die bodentiefen Fenster der VIP-Suite in der Privatklinik und wärmte den teuren Perserteppich.

Foster saß aufrecht, gestützt von den Kissen des Krankenhausbettes. Er hatte ein frisches, dunkelblaues Hemd angezogen. Ein neuer weißer Verband bedeckte die Nähte auf seiner Stirn.

Errol stand am Fußende des Bettes und hielt ein in Leder gebundenes Tablet in der Hand.

„Das Abfangen war erfolgreich, Sir", berichtete Errol und wischte über den Bildschirm. „Der Konvoi von Senator Vance wurde auf der Autobahn aufgehalten. Er hat die entscheidende Anhörung verpasst. Die Bebauungsgesetze für das neue Energiewerk werden zu unseren Gunsten verabschiedet."

Errol senkte das Tablet. Seine Stirn war tief in Falten gelegt.

„Aber Sir", fuhr Errol fort, seine Stimme angespannt vor Missbilligung. „Einen maßgefertigten Maybach zu opfern und Ihr eigenes Leben aufs Spiel zu setzen, um einen Politiker aufzuhalten … der Preis war zu hoch. Wir hätten Vance auch anders handhaben können."

Foster stieß ein leises, dunkles Lachen aus. Er griff zum Nachttisch, nahm ein Glas Eiswasser und trank einen langsamen Schluck.

„Wer hat gesagt, dass es ein Opfer war?", fragte Foster in einem gefährlich sanften Ton.

Errol blinzelte. „Sir?"

Foster stellte das Glas ab. Seine dunklen Augen fixierten Errol und ließen jede Verstellung fallen.

„Ich habe befohlen, die Bremsleitungen durchzuschneiden", sagte Foster.

Errols Mund klappte auf. Er starrte seinen Chef an, echter Schock stand ihm ins Gesicht geschrieben. „Sie … Sie haben Ihren eigenen Unfall inszeniert? Das war ein Selbstmordkommando!"

Foster warf die Decke zurück und stand auf. Er ging zum Fenster und blickte auf die weitläufigen, sonnenüberfluteten Straßen von Los Angeles hinunter.

„Es war ein kalkuliertes Risiko", sagte Foster mit emotionsloser Stimme. „Es hat Vance aufgehalten. Es hat den Namen der Familie Pruitt von jedem Verdacht bezüglich der jüngsten Angelegenheiten des Hafenkartells reingewaschen, denn ich bin jetzt ein dokumentiertes Opfer eines ‚tragischen Unfalls‘."

Foster drehte seinen Kopf leicht und blickte über seine Schulter.

„Aber am wichtigsten ist", murmelte Foster, seine Stimme eine Oktave tiefer, „ich wusste genau, um welche Uhrzeit sie diese Straße entlangfahren würde."

Errol erstarrte. Die Puzzleteile fügten sich in seinem Kopf zusammen. Die Verkehrskameras. Der Strassknopf. Die Weigerung, Schmerzmittel zu nehmen.

Er hatte sein eigenes Leben als Köder benutzt, nur um eine Begegnung mit einer Frau zu erzwingen.

Foster griff in seine Tasche und zog den kleinen Strassknopf hervor. Er rollte ihn zwischen Daumen und Zeigefinger. Der Blick in seinen Augen war reine, unverfälschte Besessenheit.

„Brechen Sie die Suche auf den Kameras ab", befahl Foster. „Ich weiß bereits, wer sie ist."

Er drehte sich vollständig zu Errol um.

„Brooke Rivers." Foster sprach ihren Namen aus wie ein Gebet, das er ein Jahrzehnt lang auf den Lippen getragen hatte. „Bestätigen Sie ihren Zeitplan. Sie sollte um zwölf Uhr in der Holy Trinity Church in Beverly Hills sein."

Errol schluckte schwer und nickte. „Ja, Sir."

„Und Errol", fügte Foster hinzu, seine Stimme sank in einen sanften, tödlichen Tonfall. „Stellen Sie sicher, dass das ‚Hochzeitsgeschenk‘ für Miss Rivers genau nach Anweisung an ihre private Leitung zugestellt wird. Sie wird Munition für den Krieg brauchen, den sie gleich beginnen wird."

„Es wurde bereits verschickt, Sir", bestätigte Errol und neigte den Kopf.

Errol verließ schnell den Raum und schloss leise die Tür hinter sich.

Foster stand allein in der stillen Suite. Er blickte auf den Knopf in seiner Hand. Seine Brust zog sich mit einem schweren, schmerzenden Druck zusammen.

„Zehn Jahre", flüsterte Foster in den leeren Raum. „Endlich kommst du zu mir zurück."

Auf der anderen Seite der Stadt saß Brooke allein in der Brautsuite der Holy Trinity Church.

Sie atmete tief durch und versuchte, ihr rasendes Herz zu beruhigen. Das schwere Vera Wang-Kleid fühlte sich an wie eine Rüstung. Draußen vor der dicken Holztür konnte sie das gedämpfte Geplapper von Hunderten von wohlhabenden Gästen hören, die ihre Plätze einnahmen.

Ihr privates Handy, das auf dem Schminktisch lag, vibrierte plötzlich.

Brooke runzelte die Stirn. Sie hob es auf. Der Bildschirm zeigte eine verschlüsselte, virtuelle Nummer.

Sie zögerte eine Sekunde, bevor sie zum Annehmen wischte. Sie drückte das Telefon an ihr Ohr.

„Hallo?"

„Brooke."

Die Stimme am anderen Ende war verzerrt, durch einen starken digitalen Stimmverzerrer maskiert. Sie klang roboterhaft und doch seltsam befehlend.

Brooke stand sofort auf. Ihr Rücken wurde steif. „Wer ist da?"

„Ein Freund", antwortete die verzerrte Stimme. „Ich weiß, was Sie letzte Nacht in der Penthouse-Suite gesehen haben."

Brooke stockte der Atem. Ihr Griff um das Telefon wurde so fest, dass ihre Knöchel weiß hervortraten. „Was wollen Sie?"

Ein leises, dunkles Lachen kam aus dem Lautsprecher. „Ich möchte Ihnen ein Hochzeitsgeschenk machen. Überprüfen Sie Ihre E-Mails. Die sichere."

Brooke ließ das Telefon auf den Schminktisch fallen und schnappte sich ihr iPad. Sie öffnete ihr verschlüsseltes E-Mail-Konto.

Dort war eine neue Nachricht mit einer großen ZIP-Datei im Anhang.

Sie tippte darauf. Die Dateien entpackten sich und überfluteten ihren Bildschirm mit PDF-Dokumenten.

Brookes Augen weiteten sich. Ihr Herz hämmerte gegen ihre Rippen.

Es waren Kontoauszüge. Offshore-Konten auf den Cayman Islands. Banküberweisungen, die Millionen von Dollar aus dem Familienunternehmen der Rivers direkt auf Konten von Gaven und Livia transferierten.

Und ganz unten im Stapel befanden sich gescannte Dokumente mit der gefälschten Unterschrift ihrer Mutter.

Das war nicht nur Betrug. Das war schwerer Betrug. Es war eine koordinierte, illegale Übernahme des Erbes ihrer Mutter.

„Sehen Sie sie sich an?", fragte die Stimme durch den Lautsprecher des Telefons.

Brooke nahm das Telefon wieder auf. Ihre Hände zitterten, aber diesmal war es aus reiner, blinder Wut.

„Werden Sie sich mit nur einem Sexvideo zufriedengeben, um diese Farce zu beenden?", höhnte die Stimme leise.

Brooke bohrte ihre manikürten Nägel in ihre Handfläche, bis die Haut aufplatzte. Der Schmerz erdete sie.

„Das ist genau das, was ich gebraucht habe", sagte Brooke mit einem tödlichen Flüstern. „Ich weiß nicht, wer Sie sind, aber ich stehe in Ihrer Schuld."

Die Leitung war tot.

Brooke verschwendete keine Sekunde. Sie steckte einen kleinen USB-Stick in ihr iPad und übertrug jedes einzelne Dokument darauf.

Sie zog den USB-Stick heraus und umklammerte ihn fest in ihrer Faust.

Es klopfte an der Tür.

Ihr Vater, Prescott Rivers, trat ein. Er trug einen maßgeschneiderten Smoking, sein silbernes Haar war perfekt gestylt. Er sah sie mit kalten, berechnenden Augen an.

„Es ist Zeit, Brooke", sagte Prescott und schaute auf seine Rolex. „Lass die Investoren nicht warten."

Brooke blickte den Mann an, der sie verraten hatte. Sie ließ den kleinen USB-Stick in einen versteckten Schlitz gleiten, den sie in die Tüllschichten ihres Rocks geschnitten hatte.

Sie setzte ein strahlendes, makelloses Lächeln auf.

„Das würde mir nicht im Traum einfallen, Vater."

Sie ging hinüber und hakte ihren Arm bei ihm unter. Die Wärme, die von seinem Arm ausging, ließ ihre Haut kribbeln, aber sie hielt ihren Kopf hoch.

Als die schweren Kirchentüren aufschwingen und die ersten gewaltigen Akkorde der Orgel die Luft erfüllten, betrat Brooke den roten Teppich.

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Die geheime zehnjährige Besessenheit des Milliardärs

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