Kapitel 5

Mit Mühe hob ich den Kopf.

„Gemahlin? Ein Kind? Niklas, hast du überhaupt ein Herz! Das Kind ist tot! Von dir, seinem eigenen Vater, eigenhändig getötet!“

Atemlos und mit heiserer Stimme klagte ich Niklas an.

Niklas runzelte ungeduldig die Stirn.

„Was redest du da für Unsinn! Du hast Lotta getötet, und das reicht dir wohl nicht. Jetzt verfluchst du auch noch dein eigenes Kind. Anna, ich glaube, du bist verrückt geworden!“

Eine tiefe Verzweiflung ergriff mich, und meine Lippen verzogen sich zu einem kalten Lächeln.

„Du wagst es noch, das Kind zu erwähnen? Was für ein Recht hast du dazu? Weißt du denn überhaupt, dass es bereits ein vollständig geformtes Kind war? Wegen deiner selbstsüchtigen Begierden durfte es dieses Leben nie betreten! Niklas, wenn du mitten in der Nacht aus einem Traum erwachst, fürchtest du dich dann nicht davor, dass dieses Kind zu dir zurückkehrt, um dich zu holen?“

Ich schrie die Worte hinaus.

Niklas erstarrte, löste ungläubig Sophies Umarmung und trat auf mich zu.

„Wie kann das sein? Es waren doch schon acht Monate!“

Ich lachte kalt und schlug die Decke zurück, um meinen eingefallenen Bauch zu zeigen.

Das Kind war nicht gerettet worden. Als die Heilerin es aus meinem Körper gezogen hatte, war es bereits ganz blau und violett gewesen.

Gerade als Niklas’ zitternde Hand sich meinem Bauch näherte, stieß Sophie einen erschrockenen Laut aus.

„Mein Herz. In dieser Situation kann ich es dir nicht länger verheimlichen. In Wahrheit bin ich fortgegangen, weil ich miterlebt habe, wie Anna mitten am helllichten Tag schamlos mit ihrem Liebhaber zusammen war. Und dieses Kind – es war schon damals, während ihrer Unzucht, verloren gegangen! Wäre ich nicht geflohen, hätte Anna mich umgebracht!“

„Denke nach: Warum ist Lotta gestorben? Was für ein Mensch könnte Anna so sehr dazu bringen, ihr eigenes Leben für ihn aufs Spiel zu setzen! Ganz eindeutig war das Kind längst verloren, und sie schob die Schuld nur auf dich, damit du dich ein Leben lang schuldig fühlst!“

Sophies Worte hallten in Niklas’ Ohren wider.

Er trat einen Schritt zurück.

Plötzlich schien er etwas zu begreifen, und er sagte:

„Ja, Sophie hat recht. Seit du schwanger bist, hast du mich von dir gestoßen. Also hast du schon längst diesen Liebhaber, von dem du nie losgekommen bist!“

Ich lachte – wütend und zugleich bitter über Niklas’ selbstbetrügerisches Gesicht.

„Heute ist der Tag der Kaiserlichen Großen Jagd. Ich habe das Kind verloren, weil ich den Schlag des Attentäters für Seine Majestät auf mich genommen habe. Und du? Wo warst du, du, der eigentlich Seine Majestät hätte schützen sollen?“

„Wenn du nicht zu Sophie gegangen wärst, würde unser Kind noch leben!“

Mit bebender Stimme wischte ich mir die Tränen aus den Augen. „Weißt du überhaupt, dass unser Sohn beinahe gesund auf die Welt gekommen wäre?“

Doch Niklas glaubte mir kein Wort.

Sein Blick füllte sich mit tödlicher Kälte, und er zog das Flexible Schwert aus seiner Hüfte, hielt es an meinen Hals.

„Seine Majestät? Das war ganz eindeutig dein Liebhaber! Ihr beiden seid nichts anderes als ein schamloses Paar, das mitten am Tag Unzucht treibt – haltet ihr mich für tot?“

„Wenn du mir heute nicht sagst, wo dieser Liebhaber steckt, werde ich dich ins Freudenhaus verkaufen. Dann will ich sehen, ob dein Mund immer noch so trotzig bleibt wie heute!“

„Und der Ehebrecher – ich werde ihn ganz gewiss töten! Ich werde ihn in Stücke reißen!“

Die eiskalte, scharfe Klinge drang in meinen Hals, und selbst das warme Blut, das hervorströmte, konnte mein Herz nicht erwärmen.

Plötzlich ertönten kräftige Schritte, langsam, aber von ungeheurer Macht.

„Wie wagst du es! Niklas, ich bin jener abscheuliche Ehebrecher, von dem du sprichst. Willst du etwa mich in Stücke reißen?“

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Des Kaisers Schild: Mein zweites Leben

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