Kapitel 1

„Packt sie! Wenn sie auf die Straße rennt, wird die Familie Sinclair uns alle Boni für diesen Monat streichen!"

Sean Hayes' Brüllen durchschnitt den sintflutartigen Regen wie eine Klinge, scharf genug, um den Donner zu durchdringen, der über ihnen grollte. Chloe Sinclair wagte es nicht, zurückzublicken. Sie umklammerte die erdrückenden Lagen ihres maßgeschneiderten seidenen Hochzeitskleides und riss den Saum mit einer Wildheit hoch, die den Stoff sauber zerriss. Das Kreischen der reißenden Seide wurde von einem Donnerschlag verschluckt, und der Regen peitschte auf ihre nackten Schultern wie Eisscherben, was Gänsehaut auf ihrer aschgrauen Haut hervorrief. Jeder keuchende Atemzug verbrannte ihre Lungen, die eisige Luft schabte ihren Hals wund, wie Sandpapier an einer Wunde.

Sie rammte ihre Schulter gegen die Hoteltür zum Notausgang – verrostet, schwer, unerbittlich –, und diese gab mit einem Ächzen nach, wodurch sie in eine schmale, pechschwarze Gasse stürzte. Die Kälte traf sie wie ein Faustschlag in die Brust, ihre Zähne klapperten so heftig, dass ihr Kiefer schmerzte. Hinter ihr durchschnitten die suchenden Lichtkegel von Taschenlampen den Regen und warfen verzerrte, bedrohliche Schatten, die an den Ziegelwänden tanzten – ein Beweis dafür, dass die Wachen ihr dicht auf den Fersen waren.

Sie musste rennen.

Am Ende der Gasse ragte ein Maschendrahtzaun auf. Chloe warf sich darauf, ihre klammen Finger krallten sich um den nassen, glitschigen Draht. Sie zog sich hoch, ihr durchnässtes Kleid zog sie wie ein Bleigewicht nach unten. Als sie ihr Bein über die Oberkante schwang, rutschte ihre Handfläche ab – eine scharfe, verrostete Kante schnitt tief in ihr Fleisch, ein Schnitt, der sofort warmes Blut hervorquellen ließ. Es vermischte sich mit dem eisigen Regen, strömte ihr Handgelenk hinunter und brannte wie Feuer.

Sie verkniff sich einen Schrei und ließ sich auf der anderen Seite auf den Beton fallen. In dem Moment, als ihre Füße den Boden berührten, brach ihr Designer-Stilettoabsatz sauber ab. Ihr rechter Knöchel knickte mit einem widerlichen Knacken um, und ein stechender Schmerz schoss ihr Bein hinauf, sodass ihr übel wurde. Sie sank auf die Knie, der nasse Asphalt schürfte ihre Haut auf, und durch den Schleier aus Regen und Schmerz brachen aus der Dunkelheit zwei blendende Scheinwerfer hervor.

Ein schwarzer Rolls-Royce Phantom glitt lautlos wie ein Gespenst am Eingang der Gasse zum Stehen. Chloe warf einen Arm über die Augen, geblendet vom Schein. „Da ist sie! Blockiert den Ausgang!" Seans Stimme dröhnte über den Zaun, schwere Stiefel polterten hinter ihr – sie kamen schnell näher.

Panik schnürte ihr die Brust zu, erstickte sie. Sie konnte nirgendwohin mehr fliehen. Angetrieben vom reinen Überlebensinstinkt, schleppte sie sich hoch und humpelte auf das riesige Auto zu. Drinnen trat der Fahrer auf die Bremse; die Reifen quietschten auf dem glatten Asphalt und hielten so nah an ihren Beinen, dass sie die Hitze des Auspuffs spüren konnte.

Chloe presste ihre Hände auf die kalte, nasse Motorhaube, um sich abzustützen, und beugte sich vor, um durch die vom Regen verschmierte Windschutzscheibe zu spähen – doch die dunkle Tönung spiegelte nur ihr eigenes Elend wider: durchnässtes Haar, das an ihrem Gesicht klebte, ein zerrissenes Hochzeitskleid, Blut, das von ihrer Handfläche tropfte, und ein Knöchel, der bei jedem Herzschlag pochte. Sie sah aus wie ein Geist, verzweifelt und gebrochen.

Das hintere Seitenfenster fuhr nur einen Spalt weit herunter. Warme, klimatisierte Luft strömte heraus, trug den reichen, berauschenden Duft von Zedernholz und dunklem Tabak mit sich – ein scharfer Kontrast zum eisigen Regen, der sie noch stärker frösteln ließ. Sie stolperte zur Seite und schlug ihre blutigen Hände gegen das kugelsichere Glas.

„Bitte", würgte sie hervor, ihre Stimme rau und brüchig. Blutige Handabdrücke verschmierten das makellose Glas, ein stummer Hilferuf.

In der dämmrigen Kabine lehnte sich Carlisle Holder gegen handgenähtes Leder zurück, sein Gesicht eine Maske völliger Gleichgültigkeit – bis seine dunklen Augen auf die Frau draußen fielen. Seine Finger umklammerten das Tablet in seiner Hand fester, die Knöchel wurden weiß, das Gerät knarrte leise unter dem Druck. Sie war es.

Draußen umzingelten Sean und drei Wachen sie. Er packte ihren nackten Arm, seine fleischigen Finger gruben sich so fest in ihre Haut, dass es blaue Flecken hinterließ. „Hören Sie auf zu rennen, Miss Sinclair", spuckte er und riss sie zurück. Chloe schrie, zappelte, und der Träger ihres Kleides riss, wodurch ihr Schlüsselbein entblößt wurde. Sie stemmte die Fersen in den Boden und drehte sich zum Autofenster. „Helfen Sie mir!"

Sean beugte sich zum getönten Glas, schlug mit der Faust dagegen – hart, doch die Schalldämmung schluckte das Geräusch. Er legte die Hände um seinen Mund und rief durch den Spalt über den Regen hinweg: „Meine Entschuldigung! Das ist eine Angelegenheit der Familie Sinclair – wir werden sie sofort entfernen!"

Im Auto fixierte Carlisles Blick Seans Finger, die sich in Chloes blasse Haut gruben. Ein dunkler, heftiger Sturm zog über seine Augen, die Luft in der Kabine sank um zehn Grad. „Öffnen Sie die Tür", sagte er, seine Stimme tief, flach und schwer von einer Autorität, die keinen Widerspruch duldete.

Darrien, sein persönlicher Assistent, zögerte nicht. Er drückte den Knopf, und die Wagentür glitt lautlos auf. Er trat in den Regen hinaus, spannte einen schwarzen Regenschirm auf, der die Kabine vor den Blicken der Wachen schützte – und zog mit seiner freien Hand eine mattschwarze Glock, deren Sicherung mit einem Geräusch, das den Platzregen durchdrang, entsperrt wurde. Der Lauf zeigte auf den Boden, aber die Botschaft war klar.

Sean erstarrte. Seine Augen huschten von der Waffe zum maßgefertigten Nummernschild des Rolls-Royce – und alle Farbe wich aus seinem Gesicht. Er ließ Chloes Arm los, als ob er brannte, und stolperte rückwärts.

Ohne seine Unterstützung versagte Chloes verletzter Knöchel. Sie kippte nach vorne und fiel in den dunklen Innenraum des Wagens. Eine große Hand schoss aus den Schatten – lange, elegante Finger, geschmückt mit einer Patek Philippe Uhr – und umklammerte fest ihre Taille. Sie prallte gegen eine Brust, hart wie Granit, die Wärme und der Zedernholzduft umhüllten sie, ein plötzliches, überwältigendes Gefühl der Sicherheit, das ihre Entschlossenheit zerbrach. Eine heiße Träne glitt ihre eiskalte Wange hinunter.

Carlisle zog sie ganz in die Kabine, seine Bewegungen schnell, aber vorsichtig – ihre blutige Handfläche meidend. Die Tür schlug zu und schnitt den Sturm, die Wachen, die Welt draußen ab. Die Kabine versank in Totenstille, nur unterbrochen von Chloes keuchendem Atem und dem leisen Ticken der Autouhr.

Sie sank auf die Kaschmir-Fußmatten, schob sich nasses Haar aus den Augen, um aufzublicken – und traf auf ein Paar Augen, so dunkel und kalt wie ein zugefrorener See. Carlisle blickte auf sie herab, sein Ausdruck war unleserlich. Er zog ein frisches, monogrammiertes Taschentuch aus seiner Tasche und hielt es ihr hin.

„Wohin?", fragte er, sein Ton ruhig.

Kapitel 2

Chloe starrte auf das weiße Stoffquadrat, ihre Brust hob und senkte sich, während Regen von ihren Haaren auf den makellosen Autoboden tropfte. Mit zitternder Hand griff sie danach und nahm das Taschentuch. Der Stoff war unglaublich weich – noch warm von seinem Körper, und trug den scharfen, maskulinen Duft von Zedernholz und etwas Dunklerem. Etwas Gefährlichem.

„Danke", flüsterte sie und drückte es sich ans Gesicht. Das Leinen sog Regen und Tränen gleichermaßen auf. Als sie es senkte, blickte ihr ein leuchtender, karminroter Fleck entgegen. Ihre aufgeschnittene Handfläche hatte durchgeblutet. Verlegenheit brannte auf ihren kalten Wangen. Sie versuchte, den Fleck wegzufalten, schmerzlich bewusst, wie unordentlich sie in diesem makellosen Raum war.

Carlisle lehnte sich zurück und beobachtete sie. Nicht ihr Gesicht – seine dunklen Augen waren auf ihre rechte Hand gerichtet und verfolgten das langsame Tropfen des Blutes auf die Kaschmirmatte.

Ein heftiger Schauer durchfuhr Chloes Körper. Die Klimaanlage des Wagens war eiskalt, und ihr durchnässtes Kleid klebte wie Eis an ihrer Haut. Sie verschränkte die Arme, die Zähne klapperten.

Carlisles Kiefer spannte sich an. Ohne ein Wort verstellte er die Temperatur im Fond, dann knöpfte er sein maßgeschneidertes Sakko auf. Er zog es von seinen breiten Schultern und warf es über sie. Die schwere Wolle legte sich wie ein Schild um sie und hüllte sie in seine verweilende Wärme.

Sie blickte auf, der Atem stockte ihr.

„Ich brauche Ihren Namen", sagte sie mit zitternder Stimme. „Damit ich mich revanchieren kann. Für die Jacke. Und die Reinigung."

Carlisle starrte sie zwei lange Sekunden an. Der Motor summte.

„Carlisle Holder." Seine Stimme war ein tiefes Grollen, das durch den beengten Raum vibrierte.

Chloes Pupillen verengten sich. Ihr Atem stockte. Der Carlisle Holder. Der Phantom-Architekt der Wall Street. Der CEO der LA Group – bekannt dafür, Traditionsunternehmen ohne mit der Wimper zu zucken auszuweiden. Finanznachrichtensprecher nannten ihn einen kaltblütigen Unternehmensschlächter.

Ihre Muskeln verkrampften sich. Instinktiv rutschte sie einen Zentimeter zur Tür.

Carlisle bemerkte die Bewegung. Ein Muskel zuckte in seinem Kiefer. Irritation verdunkelte seine Augen.

„Warum versuchen die Sinclair-Hunde, Sie zurück in einen Käfig zu zerren?" Sein Ton wurde scharf.

Chloe biss sich fest auf die Unterlippe. Sie brauchte seinen Schutz, durfte aber nicht wie eine Belastung wirken.

„Mein Vater zwingt mich zu einer Ehe aus Kapitalgründen", sagte sie ruhig und ließ den erfundenen Sexskandal weg, der die überstürzte Hochzeit mit der Familie Gray gerechtfertigt hatte.

Carlisle stieß ein kurzes, humorloses Lachen aus. „Vincent Sinclairs Verzweiflung macht seine Tischmanieren schlampig."

Bevor sie antworten konnte, trat Robert abrupt auf die Bremse. Reifen quietschten auf nassem Asphalt, als der Wagen auswich, um einen betrunkenen Fahrer zu vermeiden, der eine rote Ampel überfahren hatte.

Die heftige Bewegung schleuderte Chloe zur Seite. Sie prallte direkt gegen Carlisle.

Sein Arm schoss wie ein Stahlband um ihre Taille und zog sie fest an seine Brust. Ihre Wange rieb sich an den rauen Stoppeln seines Kiefers.

Für einen Bruchteil einer Sekunde stand die Welt still.

Chloes Gesicht war in seiner Halsbeuge vergraben. Sie spürte das schwere, gleichmäßige Pochen seines Herzens gegen ihre Rippen. Ihre Atemzüge verfingen sich – heiß und hektisch.

Carlisles Atem stockte. Die weichen, feuchten Kurven ihres Körpers, die sich an ihn pressten, sandten einen Stoß reiner Hitze direkt in sein Innerstes. Sein Hals wurde trocken. Seine Finger umklammerten ihre Taille und gruben sich in den Stoff der Jacke.

„Entschuldigung", keuchte Chloe und zog sich hastig zurück. Ihr Gesicht brannte. Die übergroße Jacke rutschte von einer Schulter und entblößte blasse Haut.

Carlisle zwang seine Hände auf. Er spannte seinen Kiefer an und unterdrückte den heftigen Drang, sie zurückzuziehen. Mit leerem Ausdruck streckte er die Hand aus und zog die Jacke hoch. Seine Knöchel streiften ihr nacktes Schlüsselbein – eine unglaublich leichte Berührung.

Er blickte weg und drückte die Gegensprechanlage. „Darrien. Finden Sie heraus, was die Sinclairs im Hotel tun."

„Sofort, Sir." Eine Minute später: „Sie unterdrücken die Nachricht von der geflohenen Braut. Sie bereiten einen Ersatz vor, um die Zeremonie zu beenden."

Chloes Magen zog sich zusammen. Ein Ersatz. Sie würden die Ehe auf dem Papier besiegeln und sie trotzdem an den Vertrag binden.

Wut durchströmte sie. Sie ballte die Fäuste so fest, dass ihre Fingernägel in ihre offene Wunde gruben. Frisches Blut sickerte hervor und brannte.

Carlisle packte ihr Handgelenk – ein eiserner Schraubstock. Er zwang ihre Hand auf, sein Daumen drückte in ihre Handfläche, um ihre Finger offen zu halten. Mit seiner anderen Hand öffnete er ein Fach in der Armlehne und zog medizinisches Antiseptikum heraus. Er drückte eine großzügige Menge auf ihren blutenden Schnitt.

Das kalte Gel brannte, dann betäubte es. Chloe starrte auf sein Profil – dunkle Wimpern gesenkt, sein Fokus ganz auf ihre Hand gerichtet. Der rücksichtslose CEO behandelte sie wie etwas Zerbrechliches. Die Mauern um ihr Herz bekamen Risse – nur einen Bruchteil.

Er wischte sich die Hände sauber und warf das Taschentuch beiseite.

„Haben Sie heute Nacht einen sicheren Ort, an den Sie gehen können?" Er sah sie nicht an.

Chloe blickte auf ihre nackten, schlammigen Füße. „Meine Kreditkarten und mein Treuhandkonto sind gesperrt. Ich habe nichts."

Carlisle blickte aus dem Fenster auf die verschwommenen Stadtlichter. Er tippte einmal mit dem Zeigefinger gegen sein Knie.

„Robert", befahl er, seine Stimme ließ keinen Raum für Widerspruch. „Bringen Sie uns zum Penthouse."

Der Wagen reihte sich in den Verkehr ein. Chloe zog seine Jacke enger um sich, um zu versuchen, das rasende Herzklopfen zu ignorieren. Sie warf einen Blick auf sein Spiegelbild im dunklen Fenster – scharfer Kiefer, undurchdringliche Augen.

Kapitel 3

Der Rolls-Royce fuhr in die private, unterirdische Parkgarage eines aufragenden Glas-Wolkenkratzers in Tribeca. Der Wagen glitt sanft in einen zugewiesenen Platz, flankiert von Betonpfeilern.

Darrien stieg aus dem Beifahrersitz, bevor der Motor ganz ausging, und zog die hintere Tür auf.

Chloe zog Carlisles Sakko enger um ihre Schultern. Sie stieg aus dem Wagen, ihre nackten Füße trafen auf den polierten Epoxidharzboden. Die Kälte drang durch ihre Fußsohlen hoch und ließ sie ihre Zehen krümmen. Sie fühlte sich völlig fehl am Platz, eine ruinierte Ausreißerbraut, die in der Festung eines Milliardärs stand.

Carlisle ging wortlos an ihr vorbei. Er näherte sich gebürsteten Stahllifttüren und drückte seinen Daumen auf einen biometrischen Scanner. Ein grünes Licht blinkte auf, und die Türen öffneten sich lautlos.

Er trat ein und blickte zurück zu ihr. Chloe eilte hinein, ihren unverletzten Fuß schonend.

Der Aufzug schoss mit erschreckender Geschwindigkeit nach oben. Der plötzliche Druckwechsel ließ Chloes Magen sinken. Sie schloss die Augen und presste die Lippen zusammen, gegen eine Welle der Übelkeit ankämpfend.

Carlisle beobachtete sie aus dem Augenwinkel. Er streckte die Hand aus und tippte auf einen Knopf auf dem Bedienfeld. Der Aufstieg des Aufzugs glättete sich, die aggressive Beschleunigung wich einem sanften Gleiten.

Die Türen öffneten sich direkt in das Penthouse.

Chloe stieg aus und blieb wie angewurzelt stehen. Der Raum war riesig, geprägt von kalten Betonpfeilern, dunklen Holzböden und raumhohen Fenstern, die einen schwindelerregenden Panoramablick auf die Skyline von Manhattan boten. Hier gab es keine Wärme, keine persönlichen Akzente. Es sah weniger wie ein Zuhause und mehr wie ein Kommandozentrum in großer Höhe aus.

Ein älterer Mann in einem makellosen Anzug erschien aus dem Flur.

„Bereiten Sie die Gästesuite vor", sagte Carlisle dem Butler mit knappem Ton. „Und lassen Sie sofort einen Satz sauberer Damenkleidung heraufbringen."

Die Augen des Butlers huschten für den Bruchteil einer Sekunde zu Chloe, registrierten das Blut und das zerrissene Kleid, aber sein Ausdruck blieb vollkommen neutral. „Sofort, Mr. Holder."

Carlisle zeigte den Flur hinunter. „Gehen Sie duschen. Waschen Sie den Schmutz ab."

Chloe nickte, zu erschöpft, um zu streiten. Sie humpelte den Flur entlang und betrat die Gästesuite. Das Badezimmer war ein Meisterwerk aus schwarzem Marmor und Chrom. Sie zog das schwere, ruinierte Hochzeitskleid aus und ließ es in einem nassen Haufen zu Boden fallen. Sie stieg in die riesige Glasdusche und drehte das Wasser so heiß auf, wie sie es ertragen konnte.

Sie schrubbte ihre Haut, bis sie rot wurde, und versuchte, das Gefühl von Seans Händen und die Panik der Gasse abzuwaschen.

Als sie herauskam und sich abtrocknete, überprüfte sie das Schlafzimmer. Die Kleidung, die der Butler bringen sollte, war noch nicht angekommen. Sie öffnete die schweren Eichenschranktüren. Es war leer, bis auf ein paar Reinigungsbeutel mit Herrenhemden.

Da sie keine andere Wahl hatte, riss sie die Plastikfolie von einem frischen weißen Button-down-Hemd und zog es an. Der Saum reichte ihr bis zur Mitte des Oberschenkels, die Ärmel hingen über ihre Fingerspitzen hinaus. Sie krempelte die Ärmelbündchen hoch und verließ das Zimmer, während sie sich die nassen Haare mit einem Handtuch rieb.

Das Geräusch der sich öffnenden Haustür ließ sie im Flur innehalten.

Ein Mann, der eine medizinische Ledertasche trug, schritt ins Wohnzimmer. Gus Lloyd, Carlisles Privatarzt.

Gus blieb wie angewurzelt stehen, als er Chloe im Flur sah, die nichts als das Hemd seines Chefs trug. Sein Kiefer klappte förmlich herunter.

Gus drehte sich um und packte Carlisle am Arm, ihn zur Wet Bar ziehend.

„Bist du verrückt geworden?", zischte Gus, seine Stimme leise haltend, aber seine Panik nicht verbergen könnend. „Weißt du, wer das ist? Das ist Chloe Sinclair. Die ganze Stadt spricht über ihren Sexskandal. Sie ist eine wandelnde PR-Katastrophe!"

Chloe erstarrte in den Schatten des Flurs. Ihre Finger umklammerten das Handtuch fester.

„Sie ist eine Lachnummer, Carlisle", fuhr Gus fort, seine Stimme triefte vor Verachtung. „Wenn der Vorstand herausfindet, dass du dieses Chaos in dein Haus gebracht hast, wird das den Aktienkurs abstürzen lassen. Wirf sie raus."

Carlisle stand an der Bar und goss sich ein Glas bernsteinfarbenen Whiskey ein. Er sah Gus nicht an. Er hob das Glas langsam an die Lippen und nahm einen Schluck. Dann stellte er das Glas mit einem scharfen, schweren Klirren auf die Marmorplatte.

Er drehte den Kopf. Seine Augen waren tot, bar jeder menschlichen Wärme.

„Zügel deine Zunge, Gus", sagte Carlisle sanft. Die Stille seiner Stimme machte sie unendlich viel furchteinflößender. „Wen ich in mein Haus bringe, geht dich nichts an. Sag mir nie wieder, was ich zu tun habe."

Gus schluckte schwer. Die Farbe wich aus seinem Gesicht. Er erkannte den Blick in Carlisles Augen – es war der Blick, den er bekam, kurz bevor er eine rivalisierende Firma zerschlug und Hunderte von Leben ruinierte.

Gus nickte knapp, stellte eine Flasche Antibiotika auf die Theke und rannte förmlich zum Aufzug.

Chloe lehnte ihren Kopf an die Wand und schloss die Augen. Scham brannte in ihrer Brust wie Säure. Gus hatte Recht. Sie war ein wertloses Stück Müll. Sie war die Frau, die zum Synonym für Skandal geworden war. Und jetzt stand sie in einem Penthouse eines Milliardärs, trug sein Hemd, während sein Arzt sie einen Witz nannte.

Carlisle hob die Medizinflasche auf und ging auf Chloe zu. Er sah sie dort stehen – an der Wand. Sein Hemd bedeckte ihre zarte Figur, und ihr nasses Haar klebte an ihren Wangen. Sein Blick verweilte weniger als eine Mikrosekunde auf ihren nackten Beinen, bevor er schnell zu ihren Augen zurückkehrte.

Er reichte ihr die Medizinflasche. „Nimm das. Geh ins Bett."

Chloe nahm die Medizinflasche, ihre Finger berührten kurz seine. Seine Haut war warm. „Es tut mir leid, dass ich meine Probleme hierher gebracht habe", sagte sie leise.

Carlisle sagte nichts. Er drehte sich einfach um und ging weg.

Stunden später verstärkte sich der Sturm draußen. Donner ließ die riesigen Fenster erzittern.

Chloe wälzte sich im riesigen Bett hin und her. Die Erschöpfung hatte sie in den Schlaf gezogen, aber ihr Verstand zog sie direkt zurück in den Albtraum. Sie war wieder auf der Party. Der Raum drehte sich. Hände griffen nach ihrer Kleidung. Die Kameras blitzten.

Sie zappelte auf den Seidenlaken, ihr Atem kam in kurzen, panischen Keuchen. Kalter Schweiß bedeckte ihre Stirn.

Im Arbeitszimmer den Flur hinunter saß Carlisle an seinem Schreibtisch und überprüfte Verträge. Er hörte die gedämpften Geräusche der Not. Er ließ seinen Stift fallen, ging den Flur entlang und stieß die Tür des Gästezimmers auf.

Er trat auf das Bett zu, streckte die Hand aus, um sie an der Schulter zu rütteln und sie aus dem Schrecken zu wecken.

„Cicero…", schluchzte Chloe im Schlaf, ihre Stimme gebrochen und verzweifelt. „Cicero, rette mich…"

Carlisles Hand hielt einen Zoll von ihrer Haut entfernt inne.

Die Luft im Raum schien zu gefrieren. Carlisle zog seine Hand langsam zurück. Er krümmte seine Finger nach innen, bis sie eine feste Faust bildeten. Er packte die dicke Holzkante des Nachttisches. Seine Knöchel wurden knochenweiß. Die Muskeln in seinem Kiefer verkrampften sich so sehr, dass ein leises Knacken im stillen Raum widerhallte.

Eine dunkle, erstickende Welle der Eifersucht überrollte ihn, heiß in seiner Brust brennend. Er stand dort im Dunkeln, starrte auf sie herab, verzehrt von der Tatsache, dass sie selbst in ihrem dunkelsten Moment nach einem anderen Mann rief.

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Betrogene Braut: Die Vertragsehe des CEOs

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