Kapitel 3

Die hinteren Türen der Limousine schwangen auf. Zwei Männer in identischen schwarzen Anzügen stiegen aus. Ihre Gesichter waren ausdruckslos, wie aus Stein gemeißelt.

Bevor Dorothea begreifen konnte, was geschah, packten sie sie an den Oberarmen und zerrten sie auf die Beine.

„Wer sind Sie?", krächzte sie, während ihre Beine nutzlos unter ihr herschleiften. „Lassen Sie mich los!"

„Miss Fowler, Sie kommen mit uns", sagte der Mann zu ihrer Rechten. Sein Griff war wie ein stählerner Schraubstock, der ihren Bizeps durch die dünne Seide ihres Kleides quetschte.

Sie stießen sie grob auf den Rücksitz und schlugen die Tür zu.

Der Wagen raste vom Anwesen der Hendrix davon. Dorothea sank in den Ledersitz, ihre Zähne klapperten unkontrolliert. Sie sah die Straßenschilder vorbeiblitzen. Sie fuhren in Richtung Manhattan.

Als der Wagen endlich anhielt, blickte sie aus dem Fenster und stieß einen zittrigen Atemzug aus. Die hoch aufragende Glasfassade des Hauptquartiers der Fowler Group ragte über ihnen auf.

Ihre Familie. Sie hatten jemanden geschickt, um sie zu finden.

Die Männer zogen sie aus dem Wagen und marschierten mit ihr durch die private Tiefgarage, direkt in einen privaten Aufzug.

Die Türen öffneten sich auf der Vorstandsetage. Sie schleiften sie den leisen, mit Teppich ausgelegten Flur entlang und stießen sie durch die schweren Eichentüren des geheimen Sitzungssaals.

Ihr Vater, Jeff Fowler, saß am Kopfende des langen Mahagonitischs. Ihre Mutter, Anissa, und ihr älterer Bruder, Jeremy, standen am Fenster. Ihre Gesichter waren aschfahl.

„Mom!", schluchzte Dorothea und stolperte vorwärts. Sie streckte ihre zitternden, schlammverkrusteten Hände aus. „Jemand hat mir eine Falle gestellt! Sie haben Nachrichten auf meinem Handy gefälscht!"

Anissa Fowler blickte auf das ruinierte Kleid und die schmutzigen Hände ihrer Tochter. Sie machte einen schnellen, scharfen Schritt zurück und wich Dorotheas Berührung vollständig aus. „Sieh dich an", keuchte Anissa, ihr Gesicht von Ekel verzogen. „Du tropfst Schmutzwasser auf den ganzen Perserteppich!"

Die körperliche Zurückweisung fühlte sich an wie ein Messer, das zwischen Dorotheas Rippen glitt. Sie erstarrte, ihre Hände schwebten in der leeren Luft.

Jeff Fowler knallte eine dicke Manila-Akte auf den Tisch. Das Geräusch hallte wie ein Pistolenschuss wider.

„Eine Falle?", schrie Jeff, eine Ader an seinem Hals schwoll an. Er war nicht wütend über die Ungerechtigkeit. Er hatte Todesangst. „Alfredo Hendrix hat mich gerade persönlich angerufen!"

Dorothea hielt den Atem an.

„Er hat der Familie Fowler zwei Möglichkeiten gegeben", sagte Jeff, seine Stimme brach vor Panik. „Möglichkeit eins: Wir kappen alle Verbindungen zu dir. Wir verstoßen dich, und du stellst dich allein seinem Zorn."

Er schluckte schwer und beugte sich über den Tisch.

„Möglichkeit zwei: Jeder einzelne Vermögenswert, den die Fowler Group an der Wall Street besitzt, wird in den Bankrott geshortet, sobald der Markt morgen öffnet."

Dorothea starrte ihren Vater an. Ihr Gehirn tat sich schwer, die Worte zu verarbeiten.

Jeremy trat einen Schritt vor. „Dad, Dottie würde so etwas nicht tun…"

„Halt den Mund, Jeremy!", brüllte Jeff und warf seinem Sohn einen vernichtenden Blick zu.

Anissa drückte ein Taschentuch an ihre Augen, ihre Stimme schrill. „Was sollen wir denn tun, Dorothea? Der Name Fowler ist ruiniert! Er wird alles zerstören, was unsere Familie über Generationen aufgebaut hat! Es ist aus … alles ist aus. Du hast dieses Monster vor unsere Tür gebracht!"

Dorothea sah die drei an. Die Erkenntnis traf sie wie ein Schlag, schwer und erstickend.

Sie war nicht gerettet worden. Sie war hierhergebracht worden, um verurteilt zu werden. Alfredo musste sie nicht einmal anfassen. Er übte nur Druck auf die Bankkonten ihrer Familie aus, und schon warfen sie sie den Wölfen zum Fraß vor.

Die Tränen hörten auf zu fließen. Eine seltsame, hohle Taubheit breitete sich in Dorotheas Brust aus. Langsam richtete sie sich auf und ignorierte den quälenden Schmerz in ihren Beinen. Sie blickte die Menschen an, die sie großgezogen hatten, und ein gebrochenes, hässliches Lächeln verzog ihre Lippen.

„Also", flüsterte sie mit toter Stimme. „Habt ihr Möglichkeit eins gewählt."

Im Sitzungssaal herrschte Totenstille. Niemand sah ihr in die Augen.

Die schweren Eichentüren klickten auf. Zwei uniformierte Beamte des NYPD betraten den Raum.

„Dorothea Fowler?", fragte der leitende Beamte und hielt ein Blatt Papier hoch. „Ich habe einen Haftbefehl gegen Sie im Zusammenhang mit einem Tötungsdelikt. Drehen Sie sich um und nehmen Sie die Hände auf den Rücken."

Ihr Vater blickte weg. Ihre Mutter bedeckte ihr Gesicht.

Dorothea drehte sich langsam um. Der kalte, schwere Stahl der Handschellen klickte um ihre Handgelenke.

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Von der Gefängniszelle ins Visier des Milliardärs

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