Kapitel 1

Der Wind von der Massachusetts Bay peitschte durch die Schatten der Veranda des Kirkland-Anwesens und trug die bittere Kälte des Spätherbstes mit sich.

Francesca stand an den kalten Steinsäulen gepresst, ihre nackten Arme waren mit Gänsehaut übersät. Sie zog ihren dünnen Schal enger um die Schultern und zitterte heftig.

Ihr Handybildschirm erhellte die Dunkelheit in ihrer Handfläche. Die Benachrichtigung besagte, dass ihr Privatfahrer in drei Minuten da sein würde.

Drei Minuten. Sie musste nur drei Minuten lang die eisige Kälte überstehen.

Ein leises Stimmengemurmel durchbrach plötzlich das rhythmische Plätschern des Hofbrunnens.

Francesca erstarrte. Sie drehte den Kopf, ihre Augen folgten dem Geräusch durch das akkurat gepflegte Buchsbaum-Labyrinth.

Das Anwesen sollte draußen leer sein. Die Hauptgesellschaft war schon vor Stunden nach drinnen gegangen.

Durch eine Lücke in den hohen grünen Hecken, erleuchtet vom fahlen Schein einer schmiedeeisernen Straßenlaterne, sah sie ihn.

Emery.

Die große, breitschultrige Silhouette ihres Mannes stand mit dem Rücken zum Licht. Selbst in den Schatten trug seine Haltung jene starre, unantastbare Autorität eines Konzern-CEOs.

Direkt ihm gegenüber stand Catalina Witt.

Catalina, die geliebte Tochter eines Familienfreundes. Catalina, die Frau, die Emerys jüngeren Bruder, Hudson, heiraten sollte.

Catalina trug ein hauchdünnes, rückenfreies Seidenabendkleid. Sie hatte die Arme fest um ihren Oberkörper geschlungen, ihre Schultern zitterten, während sie förmlich in die kalte Luft schrumpfte.

Francesca beobachtete, der Atem stockte ihr in der Kehle, wie Emery sich bewegte.

Er zögerte nicht. Er knöpfte sein maßgeschneidertes Savile Row Sakko mit schnellen, geübten Bewegungen auf. Er zog es von seinen breiten Schultern, der teure Stoff fing das gedämpfte Licht ein.

Mit einer Zärtlichkeit, die Francesca in ihren drei Ehejahren nie erlebt hatte, legte Emery die schwere Jacke über Catalinas nackte Schultern.

Catalina hob den Kopf. Ihre Augen waren leicht gerötet, und sie schenkte Emery ein Lächeln, das so unglaublich zerbrechlich und gekränkt war, dass es Francesca übel wurde.

Emery hob langsam seine rechte Hand. Seine langen Finger schwebten in der Luft und näherten sich langsam Catalinas Wange.

Er hielt inne. Seine Hand blieb schwebend, einen Millimeter von ihrer Haut entfernt, ein Bild absoluter, qualvoller Zurückhaltung.

Er murmelte etwas Leises. Der Wind entriss die Worte, bevor sie Francescas Ohren erreichen konnten.

Aber sie brauchte die Worte nicht zu hören. Der Ausdruck auf Emerys Gesicht genügte.

Die scharfen Konturen seines Kiefers wurden von einer seltenen, verheerenden Zärtlichkeit gemildert. Es war ein Blick reiner, ungeteilter Hingabe. Ein Blick, der Francescas Brust wie eine stumpfe, verrostete Klinge durchbohrte.

Er hatte sie nie so angesehen. Nicht an ihrem Hochzeitstag. Nicht in ihrem Bett. Niemals.

Francescas Finger krümmten sich nach innen. Ihre perfekt manikürten Nägel gruben sich so heftig in ihre Handflächen, dass die Haut zu reißen drohte. Der körperliche Schmerz in ihren Händen war das Einzige, was sie auf dem Boden der Tatsachen hielt.

Zwei blendende Scheinwerfer fegten plötzlich über die kreisförmige Auffahrt.

Die Maybach-Reifen knirschten auf dem Kies, die hellen Strahlen durchschnitten die Dunkelheit und trafen den Brunnen.

Das plötzliche Licht erschreckte die beiden Gestalten am Wasser.

Emerys Hand schnellte sofort an seine Seite zurück. Sein Rücken versteifte sich, und in einem Bruchteil einer Sekunde verschwand der zärtliche Mann. Er war wieder der kalte, unnahbare Kopf des Kirkland-Konglomerats.

Catalina zog die übergroße Herrenjacke enger um ihre Brust. Sie drehte den Kopf und blickte direkt zu den Schatten der Veranda.

Selbst durch die Entfernung und die Dunkelheit sah Francesca es.

Catalinas Lippen krümmten sich nach oben. Es war nicht das zerbrechliche Lächeln von vor einem Moment. Es war ein scharfes, flüchtiges Grinsen des absoluten Sieges. Eine stumme, spöttische Herausforderung, direkt an die im Kalten stehende Ehefrau gerichtet.

Der Fahrer stieg aus dem Maybach und öffnete schnell die hintere Tür.

Francesca blickte nicht zurück zum Brunnen. Sie konnte nicht.

Ihre Gelenke fühlten sich verrostet an, steif von der Kälte und dem Schock, als sie sich bückte und auf den Lederrücksitz glitt.

Die schwere Autotür schlug zu und schnitt den Wind ab.

Als das Fahrzeug aus den massiven Eisentoren des Anwesens glitt, lehnte Francesca ihren Kopf an die Kopfstütze. Die Luft im Auto fühlte sich zu dünn an. Ihre Lungen brannten bei jedem flachen Atemzug. Eine erstickende Welle von Schwindel überrollte sie.

Ihr Handy vibrierte heftig an ihrem Oberschenkel.

Sie hob es mit zitternder Hand auf. Es war eine spezielle Push-Benachrichtigung von einer Bostoner High-Society-Klatschkolumne.

Die fette Schlagzeile schrie über den Bildschirm: Der zweite Sohn der Familie Kirkland, Hudson, wird seine Verlobung mit der Gesellschaftsdame Catalina Witt bekannt geben.

Francesca starrte auf diese schwarzen Buchstaben, bis sie verschwammen.

Das zerbrochene Glas von letzter Nacht. Die qualvolle Zurückhaltung in der Kälte von heute. Sie starrte auf den Bildschirm, ihr Verstand setzte die Fragmente automatisch wie eine komplexe Gleichung zusammen. Letzte Nacht hatte Emery in einem plötzlichen, unerklärlichen Wutanfall ein Kristall-Whiskyglas am Kamin zerschmettert. Heute stand er im eisigen Wind und blickte Catalina mit einer herzzerreißenden Zurückhaltung an. Die Logikschleife schloss sich mit brutaler Einfachheit.

Emery verlor den Verstand, weil die Frau, die er wirklich liebte, seinen eigenen Bruder heiraten sollte.

Und Francesca? Sie war nur die bequeme, erbärmliche Platzhalterin, die er benutzte, um seine Frustrationen abzulassen.

Francesca schloss die Augen. Eine einzelne, schwere Träne löste sich, glitt ihre Wange hinunter und tropfte auf das kalte Glas des Handybildschirms.

Sie riss die Augen auf.

Der letzte verbleibende Funke Hoffnung, den sie für diese Ehe gehegt hatte, erlosch vollständig. An seiner Stelle legte sich eine karge, tote Asche über ihr Herz.

Kapitel 2

Die schweren Kristalllüster des Hauptbankettsaals des Kirkland-Anwesens warfen ein blendendes, unbarmherziges Licht.

Es war der zweite Abend des Familientreffens. Francesca betrat den lauten Raum allein, in einem konservativen, hochgeschlossenen Couture-Kleid, das sich eher wie eine Rüstung als wie Kleidung anfühlte.

Sie überblickte das Meer aus maßgeschneiderten Anzügen und glitzernden Diamanten, auf der Suche nach Emery.

Er war nirgends zu finden.

„Na, schau mal, wer sich endlich entschieden hat, uns beizutreten."

Francesca versteifte sich. Sie drehte sich um und sah Marion Kirkland, ihre Stiefschwiegermutter, mit einem Glas Champagner und einem Gefolge reicher Matronen im Schlepptau auf sie zumarschieren.

Marions scharfe Augen musterten Francescas Kleid von oben bis unten. Sie stieß ein leises, unglaublich krächzendes Schnauben aus.

„Sag mal, Francesca", Marion erhob ihre Stimme, um sicherzustellen, dass die umstehenden Gäste sie hören konnten. „Wie geht es diesen trockenen, langweiligen Zahlen in deinem kleinen MIT-Labor? Hast du schon eine Formel für grundlegende soziale Etikette entdeckt?"

Die Frauen hinter Marion brachen in einen Chor synchronisierter, spöttischer Kicherlaute aus.

Francesca umklammerte ihre Seidenclutch so fest, dass ihre Knöchel weiß wurden. Sie zwang die Mundwinkel zu einem höflichen, starren Lächeln nach oben.

„Dem Labor geht es gut, Marion. Danke der Nachfrage", sagte Francesca, ihre Stimme fest, trotz des schnellen Herzschlags.

Marion trat einen Schritt näher und drang in Francescas persönlichen Raum ein.

„Es ist eine Schande, dass du so viel Zeit mit Maschinen verbringst", höhnte Marion. „Catalinas Verlobung steht bevor. Sie hat ein so exquisites Auge für Renaissance-Kunst. Sie weiß genau, wie man ein richtiges Kirkland-Event veranstaltet. Du könntest einiges von ihr lernen, anstatt uns mit deinem Mangel an Charme zu blamieren."

Hitze stieg Francesca in die Wangen. Die Demütigung brannte in ihrer Kehle.

Sie öffnete den Mund, um sich zu verteidigen, doch die massiven geschnitzten Holztüren des Bankettsaals schwangen plötzlich auf.

Emery schritt in den Raum.

Er brachte eine eisige, unnahbare Aura mit sich. Das Geplapper in der Nähe der Türen verstummte sofort, als er direkt auf Francesca zuging.

Er zögerte nicht. Er streckte die Hand aus, seine große Hand umschloss fest ihre Taille, und zog sie eng an seine Seite.

Francescas Körper versteifte sich bei der plötzlichen, unerwarteten Berührung völlig.

Emerys dunkle Augen fixierten Marion. Sie waren jeglicher Wärme beraubt.

„Die Gastgeberin der Familie Kirkland muss nicht ein paar alte Gemälde auswendig lernen, um ihren Wert zu beweisen", Emerys Stimme war ein tiefes, gefährliches Grollen, das die Stille durchbrach.

Marions Gesicht verlor seine Farbe, dann wurde es fleckig rot. Angesichts der absoluten Autorität des CEO zwang sie sich zu einem knappen Lächeln und zog sich schnell mit ihren Freundinnen zurück.

Das umgebende Geflüster verstummte völlig.

Für den Bruchteil einer Sekunde flammte ein winziger, törichter Funke der Dankbarkeit in Francescas Brust auf. Er hatte sie verteidigt.

Sie hob den Kopf, ihre Lippen öffneten sich, um ihm zu danken.

Ihre Augen trafen seine.

Sie waren völlig leer. Da war keine Zuneigung, keine schützende Wärme. Nur eine kalte, kalkulierende Leere.

Emery beugte sich herab, seine Lippen streiften ihr Ohr.

„Blamiere diese Familie nicht noch einmal in der Öffentlichkeit", flüsterte er, sein Ton scharf genug, um Blut zu ziehen. „Halte den Kopf hoch und tu so, als ob du hierhergehörst."

Der Funke der Dankbarkeit gefror und zersplitterte in eine Million Eisstücke.

Ihm waren ihre Gefühle egal. Ihm ging es nur um das makellose Image des Kirkland-Konglomerats.

„Emery!"

Eine süße, melodische Stimme schwebte über der Musik.

Catalina, in einem atemberaubenden, tief burgunderroten Kleid, das ihre Kurven betonte, schwebte wie ein Schmetterling auf sie zu. Sie hatte ihren Arm vertraut durch Hudsons geschlungen.

In dem Moment, als Catalina näherkam, zog sich die Hand, die auf Francescas Taille ruhte, plötzlich fester zusammen.

Emerys Griff war so fest, dass Francesca fast keuchte. Seine Finger gruben sich schmerzhaft in ihre Rippen.

Francesca biss sich auf die Innenseite ihrer Wange, um den Schmerz zu verbergen, und sah entsetzt zu, wie die kalte Maske auf Emerys Gesicht dahinschmolz.

„Catalina", sagte Emery. Seine Stimme war jetzt völlig anders. Sie war sanft, entgegenkommend und aller Schärfe beraubt. „Gewöhnst du dich an das Essen hier? Wenn der Koch nicht nach deinem Geschmack ist, kann ich jemanden einfliegen lassen."

Der Kontrast war ein physischer Schlag. Es fühlte sich an wie ein Schlag ins Gesicht für Francesca.

„Oh, alles ist perfekt, Emery", Catalina lächelte strahlend.

Während sie sprach, verschob sich Catalinas Blick. Sie blickte direkt über Emerys Schulter und traf Francescas Blick. Der triumphierende, schadenfrohe Blick war zurück, klar wie der Tag.

Galle stieg Francesca in den Hals. Die Heuchelei der beiden Männer und dieser Frau machte sie körperlich krank.

„Entschuldigen Sie mich", murmelte Francesca.

Sie wartete nicht auf eine Antwort. Sie drehte ihren Körper mit Gewalt, befreite sich aus Emerys eisernem Griff, und rannte praktisch zum Flur.

Sie stieß die schweren Türen der Damentoilette auf und schloss sich in der hintersten Kabine ein.

Ihre Brust hob und senkte sich, während sie keuchend Atem holte.

Sie trat aus der Kabine und ging zum Marmorwaschbecken. Die Frau, die ihr im Spiegel entgegenblickte, sah blass, erschöpft und völlig erbärmlich aus.

Sie drehte den Wasserhahn auf, ließ das eiskalte Wasser über ihre Handgelenke laufen. Sie spritzte sich die eisige Flüssigkeit ins Gesicht, was ihr System schockierte.

Sie blickte in ihr Spiegelbild, ihre Augen verhärteten sich zu dunklen Steinen.

Sie würde ihn heute Nacht nicht berühren lassen. Nicht nach dem hier.

Kapitel 3

Das Penthouse war erstickend still.

Francesca saß am Schminktisch im Hauptschlafzimmer, ihre Schultern waren vor Erschöpfung gesunken. Sie hob die Hände, ihre Finger zitterten leicht, als sie die schweren Diamantohrringe abnahm und sie auf die Glasoberfläche fallen ließ.

Die Schlafzimmertür klickte auf.

Emery trat ein. Er hatte seine Seidenkrawatte gelockert, und die oberen beiden Knöpfe seines Hemdes waren offen. Der schwache, maskuline Duft von teuren Zigarren und gealtertem Bourbon zog in den Raum.

Er ging nicht ins Badezimmer. Stattdessen überquerten seine schweren Schritte den dicken Teppich und hielten direkt hinter ihrem Stuhl an.

Seine großen Hände senkten sich und ruhten schwer auf ihren nackten Schultern.

Selbst durch die dünne Seide ihres Nachthemds spürte Francesca die sengende Hitze, die von seinen Handflächen ausging. Es verbrannte ihre Haut.

Emery beugte sich vor. Sein heißer, schwerer Atem streifte ihre Ohrmuschel. Seine Lippen streiften ihre Haut, eine federleichte Berührung, die einen heftigen Schauer über ihren Rücken jagte.

Normalerweise hätte sie die Augen geschlossen. Sie hätte sich an seine Brust gelehnt und jeden Funken Zuneigung angenommen, den er bereit war zu geben.

Nicht heute Nacht.

Das Bild seiner sanften, zärtlichen Augen, die Catalina ansahen, blitzte hinter ihren Augenlidern auf.

Francesca zuckte nach vorne, ihr Stuhl kratzte hart über den Boden. Sie wich seinem Kuss vollständig aus.

Emerys Hände hingen in der leeren Luft.

Im Spiegel des Schminktisches sah Francesca, wie sich seine dunklen Augen verengten. Ein Blitz echten Schocks huschte über seine Züge, schnell ersetzt durch einen dunklen, aufziehenden Sturm des Missfallens.

Sein Kiefer spannte sich fest an. Er richtete seine rechte Manschette, ein verräterisches Zeichen seiner aufsteigenden Erregung.

„Was ist los mit dir?", verlangte er, seine Stimme sank in jenes tiefe, autoritäre Register, das er benutzte, um Vorstandssitzungen zu leiten.

Francesca stand auf. Sie drehte sich um und zwang sich, seinem wütenden Blick zu begegnen.

„Ich bin müde, Emery", sagte sie, ihre Stimme war flach und hart. „Ich möchte schlafen."

Emery trat einen Schritt vor und überbrückte die Distanz zwischen ihnen. Er streckte die Hand aus und packte ihr Handgelenk, seine Finger umschlossen die zarten Knochen.

„Eine Dusche wird dich aufwecken", lockte er und zog sie an seine Brust. Sein Ton ließ keinen Raum für Verhandlungen. Es war eine Forderung.

Francesca stemmte die Füße auf den Boden. Sie riss ihren Arm mit aller Kraft zurück.

Ihr Handgelenk riss sich los, die Reibung hinterließ einen hellroten Abdruck auf ihrer blassen Haut.

Sie machte einen großen Schritt zurück und stellte den Schminkhocker zwischen sie. „Ich habe Nein gesagt. Ich will das heute Nacht nicht."

Die Temperatur im Schlafzimmer sank rapide.

Emerys Kiefer war so fest zusammengepresst, dass ein Muskel in seiner Wange zuckte. Er starrte auf sie herab, seine Brust hob und senkte sich schnell. Unter dem Zorn lag eine hektische, chaotische Energie in seinen Augen – die blanke Panik eines Mannes, der etwas Wertvolles durch seine Finger gleiten sah.

Er stieß ein hartes, spöttisches Lachen aus.

„Hast du so viel Zeit in diesem verdammten Labor verbracht, dass du deine grundlegenden Pflichten als Ehefrau vergessen hast?", höhnte er.

Die Worte trafen sie wie ein körperlicher Schlag in den Magen.

Sie hatte ein Stipendium bei einem Nobelpreisträger für diese Ehe aufgegeben. Sie hatte ihre besten Forschungsjahre geopfert, um die perfekte Kirkland-Ehefrau zu spielen, und er wagte es, sie auf eine Pflicht zu reduzieren.

Francescas Zähne rieben sich aufeinander. „Wenn du nur eine Maschine brauchst, um eine Pflicht zu erfüllen, dann such dir jemand anderen."

Sie hörte nicht auf damit. Der Schmerz trieb sie über die Grenze.

„Geh und such die Frau, von der du heute Nacht die Augen nicht lassen konntest. Diejenige, die du wie zerbrechliches Glas behandelst, während du mich wie Müll behandelst."

Emerys Pupillen weiteten sich sofort. Die Farbe wich aus seinem Gesicht und ließ ihn unter den Schlafzimmerlichtern fast kränklich aussehen.

Er stürzte vorwärts.

Francesca stolperte rückwärts, bis ihre Hüften die harte Kante des Schminktisches trafen. Es gab keinen Ausweg mehr.

Emery schlug beide Hände auf den Tisch und fing sie zwischen seinen Armen ein. Sein Gesicht war Zentimeter von ihrem entfernt, sein Atem heiß und keuchend auf ihrer Haut.

„Zieh Catalina da nicht mit rein", zischte er, seine Stimme zitterte vor einer so intensiven Wut, dass es sich anfühlte wie ein physisches Gewicht, das auf sie drückte. „Sie ist Hudsons Verlobte. Hör auf, dich wie ein paranoides, eifersüchtiges Kind zu benehmen."

Francesca starrte in seine wütenden Augen. Er war so verzweifelt, sie zu verteidigen. Er hatte solche Angst, dass sein Geheimnis enthüllt werden würde.

Der Kampfgeist wich aus Francesca, nur eine hohle, widerhallende Leere blieb zurück.

Sie wandte den Kopf ab und weigerte sich, ihn noch länger anzusehen.

„Geh raus", flüsterte sie. Ihre Stimme war nicht wütend. Sie war völlig, erschreckend tot. „Bitte, geh einfach raus."

Emery starrte auf ihr starres Profil. Seine Brust hob sich, als er einen keuchenden Atemzug tat.

Er stieß sich gewaltsam vom Tisch ab.

Er wirbelte herum und trat mit seinem Leder-Anzugschuh gegen den samtbezogenen Schminkhocker. Der schwere Hocker flog durch den Raum und krachte gegen die Wand.

Emery stürmte aus dem Schlafzimmer.

Die schwere Eichentür schlug mit einem ohrenbetäubenden Knall zu, der die Bilderrahmen erzittern ließ.

Francesca stand allein in der Totenstille des Zimmers, ihre Hände umklammerten die Tischkante, als sie die Tränen endlich fallen ließ.

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Seine vernachlässigte Frau ist ein Quantengenie

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