Kapitel 3
Julia POV:
Der Ring. Es war das Einzige, was mir von ihnen geblieben war, von meinen Eltern, dem geliebten ehemaligen Alpha und der Luna. Er war für meinen wahren Gefährten bestimmt. Zehn Jahre lang hatte Lukas ihn getragen und seine Macht als seine eigene beansprucht.
Für diesen Ring würde ich zurück in die Hölle gehen.
Mit meinem geschundenen Körper schleppte ich mich zurück auf das Land des Silbermond-Rudels. Den Weg, den ich in Schande hinabgestolpert war, ging ich nun mit einem kalten, einzigen Ziel.
Die Rudelmitglieder sahen mich, und ihre Gesichter verzogen sich vor Verachtung.
„Seht mal, die unfruchtbare Omega ist zurück.“
„Sie hat nicht mal einen Tag durchgehalten.“
Geflüster folgte mir wie Fliegen, aber niemand wagte es, mich zu berühren. Der Geist meines früheren Status hing noch an mir, ein zerbrechlicher Schild gegen ihren Hass.
Ich stieß die schweren Eichentüren des Alpha-Herrenhauses auf. Mein Zuhause.
Der Anblick, der mich begrüßte, raubte mir den Atem.
Lukas und Denise waren auf dem Wohnzimmersofa, dem, auf dem ich mich früher zum Lesen eingekuschelt hatte. Sie waren nackt, ihre Körper in einer grotesken Zurschaustellung von Leidenschaft ineinander verschlungen.
Lukas blickte auf, als ich eintrat, ein träges, arrogantes Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus. Er machte sich nicht einmal die Mühe, sich zu bedecken.
„Siehst du?“, sagte er zu Denise, seine Stimme laut genug, damit ich sie deutlich hören konnte. „Nicht mal drei Tage. Ich wusste, sie kommt angekrochen.“
Denise schlang sich um ihn und drückte ihm einen Kuss auf die Schulter. Sie sah mich an, ihre Augen funkelten vor Bosheit. „Schätzchen, du solltest sie untersuchen. Wer weiß, was sie diese Schurken in ihrem Lager mit sich hat machen lassen.“
Die Anschuldigung war abscheulich, dazu bestimmt, mich zu erniedrigen.
Lukas glitt vom Sofa und schritt auf mich zu. Er packte mein Kinn, zwang meinen Kopf nach oben, und senkte sein Gesicht zu meinem Hals, beschnüffelte mich wie ein Tier. Es war eine rohe, beleidigende Geste des Besitzanspruchs.
Sein Körper versteifte sich. Seine Augen, als sie meine trafen, loderten vor einer neuen Art von Wut. Eifersucht.
„Du riechst nach ihm“, knurrte er. „Du riechst nach einem anderen Alpha.“
Meine innere Wölfin, die so lange geschwiegen hatte, sträubte sich bei seinem Ton. Er hatte kein Recht mehr dazu.
Ich ignorierte ihn, meine Augen durchsuchten den Raum. Alles, was mir gehörte, war weg. Meine Bücher, die Gemälde, die meine Mutter geliebt hatte, die kleinen Schmuckstücke, die ich über die Jahre gesammelt hatte. Auf einem Müllhaufen an der Haustür gestapelt.
„Das ist jetzt mein Zuhause“, erklärte Denise vom Sofa aus, eine triumphierende Königin auf ihrem neuen Thron.
Lukas' Griff um meinen Arm wurde fester. Er zog mich nah an sich, seine Stimme sank zu einem verschwörerischen Flüstern. „Du kannst bleiben. Sei meine heimliche Geliebte. Es kann so sein wie früher.“
Das Angebot war so widerlich, so völlig respektlos, dass ich ein bitteres Lachen in meiner Kehle aufsteigen spürte. Ich stieß ihn weg, mein Blick suchte verzweifelt.
Dann sah ich ihn.
Den Ring. Den Ring meiner Eltern. An Denises Finger.
Sie sah, dass ich hinsah, und hielt ihre Hand hoch, ließ das silberne Erbstück das Licht einfangen. Sie wackelte mit den Fingern, eine kindische, spöttische Geste. Dann, als ich einen Schritt auf sie zuging, stieß sie einen durchdringenden Schrei aus und stolperte rückwärts, fiel auf den Boden.
„Sie hat mich gestoßen! Lukas, sie hat versucht, dem Baby wehzutun!“
Lukas' Wut explodierte. Er stieß mich zurück, und ich stolperte, die Bewegung erschütterte meinen gepeitschten Rücken. Schmerz, weißglühend und blendend, schoss durch meine Wirbelsäule.
Aber ich musste den Ring bekommen.
Die Qual ignorierend, fiel ich vor ihm auf die Knie. Nicht für ihn, sondern für das Erbe meiner Eltern.
„Bitte, Lukas“, bettelte ich, die Worte rissen aus meiner rauen Kehle. „Gib mir nur den Ring. Es ist alles, was mir von ihnen geblieben ist. Ich werde gehen. Ich schwöre bei der Mondgöttin, ich werde eine Abtrünnige werden und du wirst mich nie wieder sehen.“
Der Eid einer Abtrünnigen war der feierlichste, den ein Wolf leisten konnte. Es bedeutete, alle Bande zu kappen, ein Geist zu werden.
Meine absolute Entschlossenheit muss ihn erschüttert haben. Er starrte mich an, ein Flackern von etwas – vielleicht Schock, vielleicht Bedauern – in seinen Augen. Er riss den Ring von Denises protestierendem Finger und warf ihn vor mir auf den Boden.
Ich krabbelte, um ihn aufzuheben, meine Finger schlossen sich um das kühle Metall. Ich hielt ihn fest in meiner Faust und stand langsam und schmerzvoll wieder auf.
Ich sah ihm direkt in die Augen, meine Stimme nicht mehr flehend, sondern so kalt und hart wie Stein.
„Lukas Vogt, das wirst du bereuen.“
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