Kapitel 3
Die Aufzugtüren öffneten sich zur Lobby. Der Portier, ein Mann namens Henry, der Elease normalerweise ansah, als wäre sie unsichtbar, blinzelte überrascht.
Er sah die Leinentasche. Er sah den Hoodie.
"Soll ich den Wagen rufen, Mrs. Stephens?", fragte Henry, während seine Hand über dem Telefon schwebte.
"Ms. Finch", korrigierte Elease, ohne innezuhalten. "Und nein."
Sie stieß die Drehtür auf und trat auf den Bürgersteig hinaus.
Der Lärm von Manhattan schlug ihr sofort entgegen. Hupende Autos, heulende Sirenen, das leise Summen von Millionen sich bewegender Menschen. Es war chaotisch. Es war perfekt.
Sie ging zum Bordstein und zog ihr Handy heraus.
Ihre Finger flogen über den Bildschirm. Sie öffnete keine Social-Media-App. Sie griff auf eine versteckte Partition im Betriebssystem zu.
Die farbenfrohe Benutzeroberfläche verschwand und wurde durch einen schwarzen Terminal-Bildschirm mit scrollendem grünen Text ersetzt.
SkyNet Protocol: Aktiv.
Sie gab eine Befehlszeile ein. Sie pingte einen sicheren Offshore-Server auf den Cayman Islands an.
Die Abfrage war keine Kontostandsprüfung. Es war ein Ausführungsbefehl. Phoenix leitete den Bruchteil eines Prozents des globalen Hochfrequenzhandels durch einen Geisteralgorithmus um und räumte gleichzeitig drei Treuhandkonten von Waffenhändlern im Dark Web leer. Es dauerte zwölf Sekunden.
Das Ergebnis erschien auf dem Bildschirm.
Neuer Kontostand: $500,000,000.00
Es war die Beute eines Krieges, den sie gerade erst begonnen hatte. Sie war nicht zurückverfolgbar, liquide und gehörte gänzlich ihr. Sie hatte schlummernd in den dunklen Ecken des Webs gelegen und darauf gewartet, von einem Raubtier wie ihr beansprucht zu werden.
Sie überwies nicht alles. Das würde beim NSA Alarm auslösen.
Sie aktivierte eine Subroutine, um einen Geldstrom in ein allgemeines, nicht zurückverfolgbares Ausgabenkonto zu schleusen. Sie setzte das Limit: einhunderttausend Dollar pro Tag.
Sie schloss das Terminal und öffnete eine Mitfahr-App. Sie fälschte ihren GPS-Standort, sodass er von drei verschiedenen Satelliten abprallte und ihren digitalen Fußabdruck unauffindbar machte.
Dreißig Sekunden später fuhr ein schwarzer SUV an den Bordstein. Es war eine priorisierte Fahrt, die sie in die Warteschlange gehackt hatte.
Hoch oben, auf dem Penthouse-Balkon, sah Kason Stephens zu.
Er umklammerte das Geländer. Er hatte erwartet, sie weinend auf einer Bank zu sehen. Er hatte erwartet, dass sie verloren aussehen würde.
Stattdessen sah er, wie sie die Tür eines Premium-SUVs öffnete. Sie bewegte sich mit einer militärisch geraden Haltung. Sie sah nicht zurück. Kein einziges Mal.
Sein Handy summte in seiner Tasche. Er zog es heraus.
"Schatz, ich bin fast da", schnurrte Chelseas Stimme aus dem Lautsprecher.
Kason spürte eine plötzliche Welle der Verärgerung. "Gut", fuhr er sie an und legte auf. Er starrte auf die Stelle, an der der SUV gewesen war, während sich ein seltsames Unbehagen in seiner Magengegend breitmachte.
Im Inneren des Wagens war die Luft kühl und still. Die getönten Scheiben verwandelten die Stadt in einen dunklen, sich bewegenden Schleier.
Elease erblickte ihr Spiegelbild im Glas.
Die Narbe auf ihrer Wange war eine Landkarte von Kasons Überleben und ihrer öffentlichen Schande. Sie war zackig und zog an ihrem Augenwinkel.
"Das Wichtigste zuerst", flüsterte sie zu sich selbst. "Die Hardware reparieren."
Ihr wiedererwachtes medizinisches Wissen, das weit über alles hinausging, was an einer Universität gelehrt wird, kam an die Oberfläche. Sie kannte die Wissenschaft der Zellregeneration. Sie wusste, was sie kaufen und wo sie es finden konnte.
Sie tippte eine Suchanfrage in ihr Handy ein: Bio-Gel-Synthesematerialien. Lieferant: Dark Web.
Der Fahrer warf ihr einen Blick im Rückspiegel zu. Er sah eine Frau in einem Hoodie mit einem vernarbten Gesicht. Sein Gesichtsausdruck blieb professionell neutral, und seine Augen trafen ihre nur für den Bruchteil einer Sekunde, bevor er sich wieder der Straße zuwandte.
"Fahrziel?"
"Das Pierre Hotel", sagte Elease. Sie brauchte neutralen Boden. Sie brauchte Luxus. Sie brauchte eine Festung.
Ihr Handy vibrierte erneut.
Der Bildschirm leuchtete auf. Anrufer-ID: Vater.
Elease starrte auf den Namen. Franklin Finch.
Sie ließ es klingeln.
Das Handy verstummte und piepte dann, um eine Voicemail anzuzeigen.
Sie wählte sich nicht in die Voicemailbox ein. Sie griff direkt über das Terminal auf die Audiodatei zu und spielte sie mit zweifacher Geschwindigkeit ab.
Franklins Stimme war giftig, durch die Geschwindigkeit verzerrt, aber in ihrer Absicht klar.
"Wenn du den Deal mit Kason ruiniert hast, brauchst du gar nicht erst nach Hause zu kommen. Du bist für mich nutzlos, wenn du nicht seine Frau bist."
Elease grinste spöttisch. Es war ein dunkler, gefährlicher Gesichtsausdruck.
"Nach Hause?", sagte sie in den leeren Wagen. "Nein. Ich komme auf ein Schlachtfeld."
Der SUV fädelte sich in den dichten Verkehr ein und ließ das Stephens-Imperium im Staub zurück.