Kapitel 3

Der schwere Teppich des Treppenabsatzes im zweiten Stock dämpfte Arethas Schritte, als sie den toten Winkel hinter der antiken Standuhr erreichte.

Kelli eilte die letzten Stufen hinauf, schnitt Aretha den Weg ab und versperrte ihr den Pfad zum Schlafzimmerflur.

Kelli blickte sich um. Als sie bestätigte, dass keine Gäste oder Bediensteten in Sicht waren, schmolz die unschuldige, tränenreiche Maske von ihrem Gesicht.

Ein grausames, spöttisches Grinsen verzerrte Kellis Lippen.

Kelli trat in Arethas persönlichen Raum und senkte ihre Stimme zu einem giftigen Flüstern. „Du bist wirklich erbärmlich, Ari. Ein nutzloser Ersatz, den niemand will. Sogar deine eigenen leiblichen Eltern sind von dir angewidert."

Kelli neigte den Kopf, ihre Augen glänzten vor Triumph. „Und Anders? Sein Herz war schon immer bei mir. Du bist nur ein Platzhalter, der Raum einnimmt."

Aretha starrte auf die verzerrte Eifersucht auf Kellis Gesicht.

Ihr Herz raste nicht. Ihre Brust zog sich nicht zusammen. Sie fühlte absolut nichts. Es war einfach nur traurig anzusehen.

Aretha schrie nicht. Sie hob nicht die Hand, um ihr eine Ohrfeige zu verpassen. Sie sah Kelli einfach an, als würde sie ein Stück Müll auf dem Bürgersteig betrachten.

„Geh weg", sagte Aretha, ihre Stimme war völlig emotionslos. Sie trat zur Seite und versuchte, an ihr vorbeizugehen.

Kelli sah, dass ihre Hänseleien nicht wirkten. Aus dem Augenwinkel nahm sie eine Bewegung in der Nähe der Haustüren unten wahr.

Kellis Strategie änderte sich augenblicklich.

Sie stieß einen durchdringenden, dramatischen Schrei aus. Sie warf die Hände in die Luft und fuchtelte wild umher, als wäre sie gerade gewaltsam in die Brust gestoßen worden.

Ohne eine Sekunde zu zögern, warf Kelli ihren Körper rückwärts.

Sie stürzte die mit Teppich belegte Mahagonitreppe hinunter, überschlug sich immer wieder, bis sie auf dem Treppenabsatz aufschlug.

Die schweren Haustüren des Anwesens schwangen in genau diesem Moment auf.

Anders Bartlett und Cornelius Hines, Arethas Vater, traten ins Foyer.

Beide blickten auf, gerade noch rechtzeitig, um Kelli die Treppe hinunterrollen zu sehen wie eine zerbrochene Puppe, während Aretha oben auf dem Treppenabsatz stand, hinuntersah, ihre Hände ruhten immer noch an ihren Seiten.

„Kelli!", brüllte Anders. Seine Augen weiteten sich vor Panik.

Er sprintete durchs Foyer und nahm die Treppe im Doppelschritt.

Er fing Kelli fast unten ab und hob ihren schlaffen Körper in seine Arme. Dann blickte er zu Aretha auf.

Der reine, ungefilterte Hass in Anders' Augen ließ Arethas Magen sich umdrehen.

Anders stürmte die restlichen Stufen hinauf. Er fragte nicht, was passiert war. Er fragte nicht nach ihrer Version der Geschichte.

Er packte die Revers von Arethas Trenchcoat und stieß sie mit all seiner Kraft rückwärts.

Arethas Füße rutschten auf dem Marmorboden aus. Sie flog rückwärts, ihre Wirbelsäule schlug brutal gegen die Wand.

Der Aufprall sandte eine Schockwelle der Qual direkt in ihren versagenden Magen. Kalter Schweiß brach ihr sofort auf der Stirn aus. Ihre Finger krümmten sich nach innen, kratzten an der Wand, während sie zu Boden glitt.

Anders kehrte ihr den Rücken zu, eilte hinunter, um Kelli aufzuheben, die nun so tat, als wäre sie bewusstlos. Er hielt Kelli, als wäre sie seine ganze Welt, und behandelte Aretha wie eine verurteilte Mörderin.

Cornelius marschierte die Treppe hinauf. Der Patriarch der Familie stand über Aretha und blickte mit Augen aus Eis auf seine leibliche Tochter hinab.

„Du bist eine Schande für diese Familie", spuckte Cornelius. „Solche bösartigen Taktiken gegen deine Schwester anzuwenden, wo du doch weißt, dass sie an Depressionen leidet."

Cornelius verschränkte die Arme und sprach seine ultimative Drohung aus. „Ich friere deinen Treuhandfonds sofort ein. Du wirst dich sofort auf die Knie begeben und dich bei Kelli entschuldigen, oder du wirst keinen Cent mehr sehen."

Die Worte Treuhandfonds hallten in Arethas Ohren wider.

Sie schluckte schwer, kämpfte gegen die Übelkeit und den blendenden Schmerz in ihrem Bauch. Sie legte ihre Hand flach an die Wand und drückte sich hoch. Ihre Beine zitterten, aber sie zwang sich, aufrecht zu stehen.

Sie hob den Kopf. Ihr blasses Gesicht zeigte absolut keine Furcht. Nur die kalte, harte Entschlossenheit jemandes, der den Tod bereits akzeptiert hatte.

Aretha wischte einen frischen Blutstreifen von ihrem Kinn. Sie blickte von Anders zu Cornelius.

Sie atmete tief ein, füllte ihre Lungen und sprach laut genug, damit jeder einzelne Gast im Foyer unten sie hören konnte.

„Von dieser exakten Sekunde an", erklärte Aretha, ihre Stimme klang klar und fest, „löse ich alle Bluts- und rechtlichen Bande zur Familie Hines."

Bevor der Schock sich überhaupt auf Cornelius' Gesicht zeigte, ließ sie die letzte Bombe platzen.

„Und ich verzichte freiwillig auf jeden einzelnen Cent meines Erbes und des Familientreuhandfonds."

Die gesamte große Halle versank in eine ohrenbetäubende, grabesähnliche Stille.

Sogar Kelli, die so tat, als wäre sie in Anders' Armen ohnmächtig geworden, zuckte zusammen und öffnete ihre Augen einen Spalt vor reinem Schock.

Cornelius' Gesicht nahm einen heftigen Lilaton an. Er hatte sechs Jahre lang Geld benutzt, um sie zu kontrollieren. Er hätte nie gedacht, dass sie diejenige sein würde, die das Blatt wenden würde.

Anders' Pupillen weiteten sich. Seine Arme versteiften sich um Kelli. Er starrte auf die Frau, die oben auf der Treppe stand, und fühlte sich, als würde er eine völlig Fremde ansehen.

Aretha war ihr Schock völlig egal. Sie drehte sich um und ging den Flur entlang zu ihrem Zimmer.

Sie hatte noch eine letzte Sache zu holen. Ein letztes Stück Papier, um diesen absoluten Albtraum zu beenden.

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Ohne Blick zurück: Die Rache der sterbenden Erbin

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