Kapitel 3

Das Lächeln auf Klaras Gesicht fühlte sich an wie eine Gipsmaske, die an den Rändern bröckelte. Kalter Schweiß brach ihr auf der Stirn aus, und die plappernden Stimmen der Partygäste verschwammen zu einem dumpfen Dröhnen. Sie musste weg.

Sie murmelte eine Ausrede und floh in die Damentoilette, die vergoldete Tapete schien sich um sie zu schließen. Sie starrte auf ihr Spiegelbild im kunstvollen Spiegel. Ihr Gesicht war blass, ihre Augen gequält. Das war nicht die selbstbewusste, souveräne Klara Jensen, die jeder kannte. Das war eine Fremde, eine Frau, die von Trauer ausgehöhlt war.

Als sie ihr Gesicht trocknete, hörte sie ein leises Geräusch aus dem angrenzenden Salon, einem Raum, der bei Partys selten genutzt wurde. Ein Kichern, gefolgt von einem leisen Murmeln.

Ihr Herz blieb stehen. Sie kannte dieses Murmeln.

Sie stieß die Tür einen Spalt breit auf. Der Salon war schwach beleuchtet, aber sie konnte sie deutlich sehen. Benedikt hatte Anja gegen ein Bücherregal gedrückt, sein Mund verschlang ihren. Es war hungrig, besitzergreifend.

„Diese Kette“, hauchte Anja und fuhr mit den Fingern über die Diamanten an ihrem eigenen Hals. „Was, wenn Klara herausfindet, dass ihre eine Fälschung ist? Die, die du ihr gegeben hast?“

Benedikt lachte, ein leises, arrogantes Geräusch. „Mach dir keine Sorgen“, murmelte er gegen ihre Lippen. „Sie wird es nicht. Sie glaubt jedes Wort, das ich sage. Und selbst wenn sie es herausfinden würde, würde ich ihr einfach sagen, ich hätte sie zur Reparatur geschickt. Was will sie schon tun? Mich in Frage stellen?“

Die Worte zerrissen ihr das Herz. Es war nicht nur der Verrat. Es war die Verachtung. Er sah sie als Närrin. Nachgiebig, vertrauensselig und leicht zu täuschen. Ihre Liebe zu ihm war zur Waffe gemacht worden, zu einem Werkzeug für ihre eigene Demütigung.

Sie stolperte zurück in die Damentoilette, ihr Herz hämmerte gegen ihre Rippen. Der Mann, den sie liebte, respektierte sie nicht. Er sah sie nicht einmal als gleichwertig an. Das Fundament ihres gesamten gemeinsamen Lebens basierte auf seiner Wahrnehmung ihrer Schwäche.

Irgendwie schaffte sie es, sich zu fassen, zurück in die glitzernde Party zu gehen, die Maske der perfekten Gastgeberin glitt wieder an ihren Platz.

Sie sah Anja quer durch den Raum, eine triumphierende Röte auf ihren Wangen. Anja fing ihren Blick auf und, zu Klaras Schock, kam sie herüber, einen kleinen Teller mit einem Stück Geburtstagskuchen in der Hand haltend.

„Alles Gute zum Geburtstag, Klara“, sagte sie, ihre Stimme triefte vor falscher Süße. Der Kuchen war eine wunderschöne Mango-Mousse, verziert mit frischen Scheiben der Frucht. Mango. Das Einzige, wogegen Klara tödlich allergisch war.

„Anja dachte, du würdest das lieben“, sagte Benedikt und erschien wie auf Kommando an ihrer Seite. Sein Lächeln war gezwungen, ein Befehl, der als Freundlichkeit getarnt war. „Sie hat sich so viel Mühe gegeben.“

Klaras Inneres zog sich zu einem festen, wütenden Knoten zusammen. Sie blickte auf Anjas unschuldige Fassade, auf Benedikts erwartungsvolles Gesicht, und ein schrecklicher Gedanke traf sie, kälter und schärfer als jeder Verrat zuvor: Er erinnerte sich nicht. Es war nicht so, dass er aktiv versuchte, sie zu töten. Es war schlimmer. Er hatte es einfach vergessen. Die panischen Krankenhausbesuche, die Epi-Pens, die Nächte, die er damit verbracht hatte, sie atmen zu sehen, nur um sicherzugehen. Diese lebenswichtige Information über sie war überschrieben, gelöscht worden, um Platz für Anjas jede Laune, jeden vorgetäuschten Krampf, jede kalkulierte Träne zu schaffen. Sie schob den Teller weg. „Nein, danke.“

„Sei nicht unhöflich, Klara“, Benedikts Stimme wurde leiser, jetzt mit einer harten Kante. „Es ist nur ein Stück Kuchen. Verdirb nicht die Stimmung und verletze nicht die Gefühle deines Schwesterchens.“

Schwesterchen. Das Wort war eine öffentliche Degradierung. Anjas Gesicht verzog sich theatralisch. „Oh, es ist meine Schuld“, wimmerte sie, Tränen stiegen ihr in die Augen. „Ich wollte nur etwas Nettes für meine große Schwester tun. Es tut mir leid.“

Benedikts Miene wurde weicher, als er Anja ansah, dann wieder härter, als er sich zu Klara umdrehte. Er nahm eine Gabel, schnitt ein Stück vom Kuchen ab und hielt es ihr hin. „Iss“, befahl er, seine Stimme leise und bedrohlich.

Die Zeit schien stillzustehen. Klara starrte auf die Gabel, auf die leuchtend orangefarbene Frucht. Sie erinnerte sich, wie sie mit neunzehn in einem Krankenhausbett lag und nach Luft rang, nachdem sie versehentlich ein Gebäck mit Mangopüree gegessen hatte. Sie erinnerte sich an Benedikt, sein Gesicht blass vor Entsetzen, wie er an ihrer Seite kniete und sich vor Frustration ins Gesicht schlug. „Ich schwöre bei Gott, Klara“, hatte er geweint, „ich werde niemals, niemals zulassen, dass dir etwas passiert.“

Jetzt hielt er das Gift selbst in der Hand, sein Kopf so voll von seiner Geliebten, dass kein Platz mehr für die Sterblichkeit seiner Frau war.

Eine langsame, kalte Ruhe überkam sie. Sie sah ihm direkt in die Augen, nahm die Gabel aus seiner Hand und aß ruhig, bewusst das Stück Kuchen. Sie schluckte die tödliche Süße wie ein letztes Sakrament, eine Kommunion mit dem Tod ihrer Liebe.

Benedikt beobachtete sie, ein Flackern der Überraschung in seinen Augen, aber sein Ausdruck entspannte sich schnell zu einem der Zufriedenheit. Er hatte gewonnen. Er wandte sich Anja zu, seine Stimme wieder sanft. „Siehst du? Alles ist gut.“

Anjas Augen, triumphierend glänzend, trafen Klaras über Benedikts Schulter. Dann umklammerte sie ihren Bauch. „Oh! Ein Krampf“, keuchte sie.

Sofort war Benedikt ganz besorgt. Er hob sie in seine Arme, sein Gesicht eine Maske des Schreckens für das Baby, das nicht existierte. „Ich bringe dich ins Krankenhaus“, verkündete er und eilte an Klara vorbei, ohne einen zweiten Blick.

Klara stand allein in der Mitte des Ballsaals, als die erste Welle der Anaphylaxie einsetzte, ein Engegefühl im Hals, ein Feuer, das sich über ihre Haut ausbreitete. Niemand bemerkte, wie sie sich umdrehte und hinausging, ihre Schritte gemessen und bewusst, die Party und ihr altes Leben hinter sich lassend.

Sie nahm ein Taxi zur nächsten Notaufnahme.

„Sind Sie allein hier, meine Dame?“, fragte die Triage-Schwester, ihre Augen voller professionellem Mitleid, als sie die wütenden roten Quaddeln an Klaras Hals sah.

„Ja“, sagte Klara mit hohlem Flüstern. „Ich komme allein zurecht.“

Von ihrer durch einen Vorhang abgetrennten Kabine aus, während ein Arzt ihr eine Spritze Adrenalin verabreichte, die ihr Herz rasen ließ, konnte sie sie sehen. Benedikt hatte Anja ins selbe Krankenhaus gebracht, in ein Privatzimmer den Flur hinunter. Er umsorgte sie, steckte eine Decke um ihre Schultern, sein Gesicht ein Bild zärtlicher Sorge.

Er strich Anja über die Wange, sein Daumen wischte sanft eine nicht vorhandene Träne weg. „Mach dir keine Sorgen“, murmelte er, seine Stimme hallte den leisen Flur entlang. „Ich kümmere mich um alles.“

Es war ein schmerzhaftes Echo der Worte, die er einst zu ihr gesagt hatte. Die Schwestern auf der Station flüsterten, kommentierten, wie hingebungsvoll er war, was für ein liebender Partner er zu sein schien.

Klara beobachtete sie, eine Zuschauerin des Lebens, das ihres hätte sein sollen. Sie sah ihn jetzt, wie er wirklich war: ein Mann, der nicht nur einen Ersatz wollte, er hatte sie bereits ersetzt. Er hatte nicht nur sein Versprechen, sie zu beschützen, vergessen; er war selbst zur Bedrohung geworden.

Und in diesem kalten, sterilen Krankenhauszimmer wusste Klara, dass sie es offiziell machen musste. Sie musste verschwinden. Für immer.

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Meines Mannes Milliarden-Baby-Betrug

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