Kapitel 3
Die Wohnung, einst gemütlich und voller Wärme, lag nun im Chaos – ihres Charmes beraubt, zurück blieb nur ein Trümmerfeld.
Linsey packte die letzten Dinge in ihren Koffer, ihre Bewegungen ruhig und entschlossen – als wolle sie jede Spur des Lebens auslöschen, das sie hier einst aufgebaut hatte.
Felix stand reglos da, ließ den Blick über das Durcheinander schweifen, ungläubig, ehe er wütend auf sie zustürmte.
„Linsey, bist du vollkommen übergeschnappt?" fuhr er sie an, seine Stimme zitterte vor Frustration. „Ich war nur kurz weg – und du drehst hier völlig durch?"
Er atmete scharf ein, rang um Fassung und fauchte schließlich: „Du hast eine Stunde. Bring alles wieder in Ordnung!"
Linsey ließ sich nicht beirren. Sie beendete, was sie gerade in der Hand hielt, und drehte sich dann langsam zu ihm um. Ihr Blick war kühl, distanziert – fast, als stünde ein Fremder vor ihr.
Ein leises, spöttisches Lächeln zuckte um ihre Lippen, als sie antwortete: „Felix, hast du es immer noch nicht begriffen? Manche Dinge, wenn sie einmal verloren sind, kommen nie zurück. Nichts wird je wieder so wie vorher."
Felix' Stirn legte sich tiefer in Falten, Ungeduld flackerte in seinen Augen. „Was redest du da für einen Unsinn?"
Linsey konnte kaum fassen, wie dreist er war. Verstand er es wirklich nicht? Oder war er einfach zu blind – wie Männer wie er es nun mal oft waren?
Nein, es war nicht Unwissen. Seine Zärtlichkeit hatte nie ihr gegolten. Sie war immer nur für eine bestimmt gewesen – Joanna, die Frau, die er wirklich geliebt hatte.
Linsey wich seinem Blick nicht aus. Ihre Stimme war ruhig, aber jedes Wort trug das Gewicht dessen, was sie durchgemacht hatte.
„An unserem Hochzeitstag hast du mich vor dem Altar stehen lassen. Du hast meine Würde ignoriert, mein Flehen überhört. Weißt du überhaupt, wie sich das angefühlt hat? Hast du auch nur einen einzigen Moment an mich gedacht? Ich wurde auf schlimmste Weise gedemütigt – und du glaubst ernsthaft, ich würde hier einfach nur herumzicken?"
Sie blinzelte nicht, ihr Blick war fest auf ihn gerichtet. Der Schmerz, den sie so lange tief in sich getragen hatte, stieg nun auf. Ihre Sicht verschwamm, als sich Tränen in ihren Augen sammelten – doch sie schaute ihn weiterhin unbeirrt an. Ihre Entschlossenheit war unerschütterlich.
Als er sie so ansah, spürte Felix einen kurzen Stich von Schuld. Aber er schob ihn sofort wieder beiseite – wie so oft zuvor.
All die Jahre hatte er sie verletzt, und sie hatte ihm jedes Mal verziehen. Warum sollte es diesmal anders sein?
Er war sich sicher: Mit etwas Charme würde sie nachgeben – so wie immer. So war es doch immer gewesen.
Dieser Gedanke beruhigte ihn. Seine Wut verflog, und ein überhebliches, selbstgefälliges Lächeln trat an ihre Stelle.
„Linsey, schon gut. Ich versteh's ja – du bist wütend", begann er, seine Stimme schmeichelnd, gönnerhaft. „Aber so solltest du dich nicht benehmen. Schau dir an, was du aus unserem Zuhause gemacht hast."
Er lächelte sanft und legte die Hände auf ihre Schultern, sein Griff scheinbar zärtlich – ein Versuch, sie zu beruhigen.
„Komm schon, sei brav. Du hast deinem Ärger Luft gemacht. Lass uns die Sache jetzt gut sein lassen, ja? Wie wär's damit: Wir suchen uns einen neuen Termin – einen besseren. Und ich verspreche dir eine noch großartigere, noch luxuriösere Hochzeit. Was sagst du?"
Linseys Blick verharrte auf dem Lächeln, das seine Lippen zierte. Seine Worte klangen süß – doch seine Augen erzählten eine andere Geschichte. Kalt. Berechnend. Er war sich sicher, sie würde wieder auf ihn hereinfallen.
Warum auch nicht? So war es doch immer gewesen. Ein leiser, bitterer Laut entrang sich Linseys Kehle – fast ein Lachen.
Sie hatte ihm viel zu viele Chancen gegeben. So viele, dass er glaubte, er müsse sie gar nicht mehr wirklich respektieren.
Ihr Gesichtsausdruck wurde starr, kalt, abweisend. Ohne ein einziges Wort zu verlieren, schob sie seine Hände von sich – als wären sie nicht mehr als eine lästige Last.
„Fass mich nicht an. Du bringst meine Haut zum Kribbeln", sagte sie gleichgültig.
Felix erstarrte, seine Augen weiteten sich vor Schock. Er hatte sie noch nie zuvor so zu ihm sprechen hören.
Ihre Stimme war eiskalt und durchbrach die Spannung im Raum, als sie fortfuhr: „Felix, diese Hochzeit ist vorbei. Ich habe nicht die Absicht, noch eine zu haben. Ich bin heute hier, um auszuziehen."
Felix, immer noch von ihrer Abweisung getroffen, runzelte die Stirn in Verwirrung, sein Verstand kämpfte darum, hinterherzukommen. „Ausziehen?"
Linsey nickte, ihr Gesicht war entschlossen. „Ja. Ich gehe jetzt."
Er stieß ein hohles Lachen aus, als hätte er gerade den absurdesten Witz gehört. „Und wo denkst du, dass du hin willst?"
Er wusste nur zu gut, dass Linsey keine Familie hatte, zu der sie fliehen konnte, kein Sicherheitsnetz, das sie auffing. Außer dieser Wohnung hatte sie nichts.
In den letzten fünf Jahren hatte sich ihre ganze Welt um ihn gedreht. Er war sich sicher, dass sie ihn nicht verlassen konnte.
Er war überzeugt, dass dieser ganze „Ausziehen"-Schwank nur ihre Art war, ihn dazu zu bringen, ihren Willen zu beugen.
Ungläubig schüttelte er den Kopf, öffnete den Mund, um zu sprechen, doch eine Stimme von hinten schnitt ihm das Wort ab.
Es war Joanna.
„Felix, hast du nicht gesagt, dass du gleich runterkommst, nachdem du gepackt hast? Was dauert so lange?"
Joannas Stimme hallte durch den Raum, als sie eintrat. Als ihr Blick auf Linsey fiel, die gegenüber von Felix stand, änderte sich ihr Ausdruck überrascht. „Linsey, was machst du hier?"
Linsey warf Joanna einen frostigen Blick zu, und ihre Stimme war eisig, als sie antwortete: „Das ist meine Wohnung, oder? Muss ich erklären, warum ich hier bin? Die eigentliche Frage ist—was machst du hier?"
Joanna senkte ihren Blick, tat eine Mischung aus Verlegenheit und Unschuld. „Ich habe mich aus Versehen mit einem Obstmesser geschnitten, und Felix war so besorgt, dass er darauf bestand, ein paar Tage bei mir zu bleiben."
Ihr Blick fiel auf den Koffer neben Linsey, und sie schnappte dramatisch nach Luft, ihre Hand bedeckte ihren Mund.
„Linsey, was machst du? Bist du aufgebracht? Selbst wenn du es bist, ist das unangebracht. Wenn es dich stört, kannst du mit mir sprechen. Ich werde mich entschuldigen, wenn es dir hilft. Es ist nicht nötig, all das hier zu machen."
Linseys Lippen zogen sich zu einem kalten, fast grausamen Lächeln, als sie langsam auf Joanna zuschritt. „Willst du dich wirklich entschuldigen? Meinst du es überhaupt?"
Joanna, sich bewusst, dass Felix zusah, spielte ihre Rolle, ihre Stimme tropfte vor falscher Aufrichtigkeit, als sie nickte. „Natürlich. Wenn es dir hilft, tue ich, was immer nötig ist."
„Na gut, dann. Warum nicht?" Linseys Lächeln wurde breiter, aber in ihren Augen war keine Wärme, nur kalte Berechnung. „Da du so aufrichtig bist, nehme ich an, ich kann dir helfen."
Ohne Vorwarnung hob sie ihre Hand.
Das scharfe Geräusch einer Ohrfeige schnitt durch die Spannung im Raum, als Linseys Handfläche Joanna ins Gesicht traf und die Endgültigkeit ihrer Worte widerhallte.