Kapitel 3
Die private VIP-Lounge auf der Joint Base Andrews war ein Ort feierlicher, stiller Macht. Die Luft war kühl und roch nach poliertem Leder und dem schwachen, sauberen Geruch von Ozon vom nahegelegenen Rollfeld.
Frankie saß in einem steifen Ledersessel, die beiden maßgefertigten Urnenkästen aus Ebenholz standen auf dem Tisch neben ihr.
Die schwere Tür schwang auf.
General Thaddeus Finch, ein Mann, dessen Name im gesamten Pentagon Furcht und Respekt hervorrief, schritt in den Raum. Er machte eine Handbewegung und entließ seine gesamte Entourage aus Adjutanten und Wachen.
Die Tür klickte ins Schloss und ließ sie allein zurück.
Der alte General blieb vor Frankie stehen. Er bot ihr nicht die Hand zum Gruß. Stattdessen hob er die Hand zu einem langsamen, zutiefst respektvollen Salut.
Frankie stand sofort auf. Ihr Muskelgedächtnis übernahm die Kontrolle, und sie erwiderte den Salut mit einer Präzision, die bewies, dass die Delta Force ihr nie wirklich aus dem Blut gegangen war.
General Finch senkte die Hand und griff in seine Aktentasche. Er zog eine schwere, in Leder gebundene Mappe mit dem Präsidentensiegel hervor.
„Vom Oberbefehlshaber", sagte Finch mit emotionserstickter Stimme, als er sie ihr überreichte. „Eine geheime Belobigung für das ultimative Opfer Ihrer Eltern. Und für Ihres."
Frankie nahm die Mappe entgegen. Ihr Gewicht fühlte sich schwer in ihren Händen an. „Danke, Sir."
Finch sah sie an, seine stechend blauen Augen musterten ihr Gesicht. „Das Büro für Drohnenkriegsstrategie im Pentagon hat einen leeren Stuhl, Navarro. Wir brauchen Ihren Verstand zurück. Sind Sie bereit, nach Hause zu kommen?"
Frankie blickte auf die Ebenholzkästen hinab. Ihr Kiefer spannte sich an.
„Noch nicht, General", sagte sie leise. „Ich muss zuerst in der zivilen Welt eine Schuld eintreiben. Eine sehr persönliche."
Finch nickte langsam. Er drängte sie nicht. „Verstanden. Denken Sie nur daran, das Militär der Vereinigten Staaten ist Ihre Mauer. Lehen Sie sich an sie, wann immer Sie es brauchen."
Zwei Stunden später war Frankie zurück in New York.
Die Türen des privaten Aufzugs glitten auf und entließen sie direkt in das Foyer des Penthouses in Manhattan.
Sie trug den großen, schweren Ebenholzkasten, der beide Urnen enthielt, in ihren Armen. Das Holz war glatt, schmucklos und verbarg das monumentale Gewicht der Helden im Inneren.
Als sie das riesige Wohnzimmer betrat, drang das Geräusch von klirrendem Porzellan und schrillem Gelächter an ihre Ohren.
Domenics Mutter, Eleanor, saß in der Mitte des Samtsofas und veranstaltete einen High Tea für ihre wohlhabenden Freundinnen aus der Gesellschaft. Kenzie, Domenics Cousine, saß neben ihr und balancierte eine zierliche Teetasse.
Das Gelächter verstummte in der Sekunde, als Frankie eintrat.
Eleanors Blick heftete sich auf den schwarzen Kasten in Frankies Armen. Sie zuckte sichtlich zurück, ihre manikürten Finger schnellten nach oben, um sich die Nase zuzuhalten, als hätte Frankie eine verwesende Leiche ins Zimmer geschleppt.
„Mein Gott, Frankie", höhnte Kenzie mit lauter, kratziger Stimme. „Musstest du das hier hereinschleppen? Die ganze Wohnung riecht plötzlich wie ein billiger, deprimierender Friedhof."
Frankie ignorierte sie. Ihr Gesicht war eine steinerne Maske. Sie passte ihren Griff um den schweren Kasten an und ging weiter, direkt auf den Flur zu, der zu ihrem privaten Arbeitszimmer führte.
Eleanor knallte ihre Teetasse auf die Untertasse. Das Porzellan klirrte heftig.
Sie stand auf, ihr Seidenkleid raschelte, und marschierte hinüber, um Frankie den Weg zu versperren.
„Entschuldigen Sie mal", fuhr Eleanor sie an, ihr Gesicht war rot vor Empörung. „Sie werden dieses Unglück nicht in das Haus meines Sohnes bringen. Es ruiniert das Feng-Shui. Es ist widerlich."
Frankie blieb stehen. Ihr Blick hob sich und fixierte Eleanors Gesicht.
Eleanor bemerkte die Gefahr nicht. Sie wandte sich an die beiden uniformierten Dienstmädchen, die in der Nähe der Küche standen.
„Ihr zwei", befahl Eleanor und zeigte mit einem spitzen Finger auf den Kasten. „Nehmt ihr dieses Stück Müll ab und werft es runter in den Kellerlagerraum. Sofort."
Die beiden Dienstmädchen zögerten und blickten nervös zwischen der imposanten Matriarchin und der schweigsamen Ehefrau hin und her. Langsam machten sie einen Schritt auf Frankie zu und streckten die Hände aus.
Frankie bewegte ihren Körper nicht, aber die Temperatur der Luft um sie herum schien physisch zu sinken.
Ihre Augen wurden leer. Eine reine, unverfälschte Tötungsabsicht – von der Art, die im Blut und Schmutz aktiver Kriegsgebiete geschmiedet wird – explodierte aus ihr heraus. Es war ein erstickender, biologischer Druck.
„Verschwindet", sagte Frankie.
Es war nur ein einziges, leise gesprochenes Wort, aber es hatte das Gewicht einer geladenen Waffe, die ihnen zwischen die Augen gedrückt wurde.
Die beiden Dienstmädchen schnappten nach Luft. Ihre Knie knickten unter dem schieren Terror, der von Frankies Blick ausging, buchstäblich ein. Sie stolperten rückwärts, eine von ihnen stolperte über den Rand des Perserteppichs und stürzte hart zu Boden.
Eleanor erstarrte, ihr Mund klappte vor Schock auf.