Kapitel 2

Frankie stand in der kühlen, feuchten Luft der Tiefgarage.

Sie trug einen perfekt geschnittenen, minimalistischen schwarzen Anzug. Der Schnitt war scharf, verbarg die sehnigen, gefährlichen Muskeln ihres Körpers und verlieh ihr doch subtil die starre Haltung einer Soldatin.

Sie sah auf ihre Uhr. Es war zwanzig Minuten nach der vereinbarten Abfahrtszeit.

Ihr Kiefer spannte sich an. Die Stille der Garage wurde plötzlich vom schrillen Klingeln des Ersatzhandys unterbrochen, das sie in ihrem Auto aufbewahrte.

Sie nahm ab.

„Mrs. Alexander?" Die Stimme gehörte Domenics Assistenten der Geschäftsführung. Er klang atemlos, seine Worte stürzten panisch durcheinander. „Es tut mir so leid, Sie anzurufen. Mr. Alexander bat mich, Ihnen seine aufrichtigste Entschuldigung zu übermitteln."

Frankies Miene veränderte sich nicht. „Wo ist er?"

„Es gab einen Notfall", stammelte der Assistent. „Ms. Diaz' Mutter … sie hat sich auf ihrem Anwesen in Hampton den Knöchel verstaucht. Mr. Alexander musste sofort hinfahren, um die medizinische Versorgung zu organisieren."

Ein verstauchter Knöchel.

Frankie spürte ein kaltes, bitteres Lachen in ihrer Kehle aufsteigen, doch sie schluckte es hinunter. Ihr Magen zog sich zusammen, ein harter Knoten puren Ekels bildete sich in ihrem Inneren.

Domenic verpasste die Rückkehr der sterblichen Überreste ihrer Eltern – Nationalhelden, die für ihr Land gestorben waren –, weil die Mutter seiner Geliebten eine leichte Verstauchung hatte.

Frankie sagte kein einziges Wort. Sie nahm das Handy einfach vom Ohr und beendete das Gespräch.

Sie ging an der Reihe von Domenics protzigen Sportwagen vorbei und blieb vor einem mattschwarzen Range Rover stehen.

Sie riss die schwere Tür auf und glitt auf den Fahrersitz. Ihre Bewegungen waren brutal effizient, ohne jedes Zögern.

Der Motor erwachte mit einem tiefen, gutturalen Grollen zum Leben, das von den Betonwänden widerhallte.

Frankie legte einen Gang ein. Der Range Rover schoss aus der Garage in Manhattan, fädelte sich aggressiv auf dem Highway ein und raste geradewegs auf Washington D.C. zu. Stunden später, als sich die schwere, graue Dämmerung über die Hauptstadtregion zu legen begann, näherte sie sich dem schwer befestigten äußeren Perimeter der Joint Base Andrews.

Betonbarrikaden zogen sich im Zickzack über die Straße. Schwer bewaffnete Wachen in taktischer Ausrüstung standen am Kontrollpunkt, ihre Hände ruhten lässig auf ihren Sturmgewehren.

Eine Wache trat vor und hob eine behandschuhte Hand, um ihr Fahrzeug anzuhalten.

Frankie ließ ihr Fenster herunter. Der kalte Wind peitschte ihr dunkles Haar ins Gesicht. Sie bot keinen Führerschein an.

Stattdessen griff sie in ihre innere Jackentasche und zog eine massive schwarze Karte hervor, in die ein spezieller, verschlüsselter militärischer Mikrochip eingelassen war.

Sie reichte sie der Wache.

Die Wache zog die Karte durch einen robusten, mobilen Scanner.

Das Gerät piepte einmal. Ein durchgehendes, blendend grünes Licht blitzte über den Bildschirm und signalisierte die absolut höchste Sicherheitsfreigabe.

Die Augen der Wache weiteten sich. Er blickte vom Bildschirm zu Frankies Gesicht.

Er schlug sofort die Hacken zusammen. Seine Wirbelsäule wurde steif, und er salutierte messerscharf und lehrbuchmäßig.

Frankies Muskelgedächtnis übernahm nahtlos. Sie schlug ebenfalls die Hacken zusammen und erwiderte den Gruß mit ebenso scharfer Präzision, um die Uniform zu ehren, für die sie einst geblutet hatte.

Die schweren Stahltore rollten auf. Frankie fuhr den Range Rover in die Sperrzone, einen Ort, in den sich nicht einmal die reichsten Milliardäre New Yorks einkaufen konnten.

Sie parkte am Rande des riesigen Rollfelds.

Der Himmel über ihr war grau und schwer. Das ohrenbetäubende Dröhnen der Düsentriebwerke vibrierte durch ihre Schuhsohlen und ließ ihre Zähne klappern.

Ein riesiges Transportflugzeug vom Typ C-17 Globemaster III setzte zur Landung an, seine Reifen qualmten, als sie die Landebahn berührten.

Frankie stieg aus dem Auto. Sie ging auf das Rollfeld zu und stemmte sich gegen den heftigen, beißenden Wind, den die Triebwerke des Flugzeugs erzeugten. Ihre Haltung war so gerade wie eine Kiefer, unbeugsam im Sturm.

Die hintere Laderampe der C-17 senkte sich langsam ab.

Acht Soldaten der Special Forces, in Paradeuniform gekleidet, marschierten in perfekter, feierlicher Synchronität die Rampe hinunter.

Zwischen sich trugen sie zwei schwere hölzerne Urnenkästen.

Jeder Kasten war straff in die amerikanische Flagge gehüllt.

Jeder Offizier auf dem Rollfeld nahm Haltung an. Hunderte von Händen erhoben sich zu einem synchronen, stillen Gruß. Die Atmosphäre war so schwer von Ehrfurcht, dass das Atmen schwerfiel.

Frankie ging auf die Urnen zu. Ihre Stiefel klickten rhythmisch auf dem Beton.

Als sie vor den Kästen stehen blieb, zerbrach die eiserne Kontrolle, die sie den ganzen Morgen aufrechterhalten hatte, endlich.

Eine heiße Träne löste sich und zog eine brennende Spur über ihre kalte Wange.

Sie streckte die Hand aus. Ihre Hand, schwielig von den Jahren, in denen sie ein taktisches Gewehr umklammert hatte, zitterte, als ihre Finger den rauen, schweren Stoff des Sternenbanners berührten.

Die Soldaten, die die Urnen hielten, sahen sie an. Ihre Augen waren erfüllt von einer intensiven, rohen Mischung aus absoluter Ehrfurcht und tiefer Trauer. Sie wussten genau, wer sie war.

Frankie schloss die Augen. Der Wind peitschte um sie herum, doch in ihren Gedanken herrschte nur Stille.

Sie stand da und gab den Eltern, mit denen sie nie wieder sprechen würde, eine stille Nachbesprechung auf dem Niveau der Special Forces.

Kapitel 3

Die private VIP-Lounge auf der Joint Base Andrews war ein Ort feierlicher, stiller Macht. Die Luft war kühl und roch nach poliertem Leder und dem schwachen, sauberen Geruch von Ozon vom nahegelegenen Rollfeld.

Frankie saß in einem steifen Ledersessel, die beiden maßgefertigten Urnenkästen aus Ebenholz standen auf dem Tisch neben ihr.

Die schwere Tür schwang auf.

General Thaddeus Finch, ein Mann, dessen Name im gesamten Pentagon Furcht und Respekt hervorrief, schritt in den Raum. Er machte eine Handbewegung und entließ seine gesamte Entourage aus Adjutanten und Wachen.

Die Tür klickte ins Schloss und ließ sie allein zurück.

Der alte General blieb vor Frankie stehen. Er bot ihr nicht die Hand zum Gruß. Stattdessen hob er die Hand zu einem langsamen, zutiefst respektvollen Salut.

Frankie stand sofort auf. Ihr Muskelgedächtnis übernahm die Kontrolle, und sie erwiderte den Salut mit einer Präzision, die bewies, dass die Delta Force ihr nie wirklich aus dem Blut gegangen war.

General Finch senkte die Hand und griff in seine Aktentasche. Er zog eine schwere, in Leder gebundene Mappe mit dem Präsidentensiegel hervor.

„Vom Oberbefehlshaber", sagte Finch mit emotionserstickter Stimme, als er sie ihr überreichte. „Eine geheime Belobigung für das ultimative Opfer Ihrer Eltern. Und für Ihres."

Frankie nahm die Mappe entgegen. Ihr Gewicht fühlte sich schwer in ihren Händen an. „Danke, Sir."

Finch sah sie an, seine stechend blauen Augen musterten ihr Gesicht. „Das Büro für Drohnenkriegsstrategie im Pentagon hat einen leeren Stuhl, Navarro. Wir brauchen Ihren Verstand zurück. Sind Sie bereit, nach Hause zu kommen?"

Frankie blickte auf die Ebenholzkästen hinab. Ihr Kiefer spannte sich an.

„Noch nicht, General", sagte sie leise. „Ich muss zuerst in der zivilen Welt eine Schuld eintreiben. Eine sehr persönliche."

Finch nickte langsam. Er drängte sie nicht. „Verstanden. Denken Sie nur daran, das Militär der Vereinigten Staaten ist Ihre Mauer. Lehen Sie sich an sie, wann immer Sie es brauchen."

Zwei Stunden später war Frankie zurück in New York.

Die Türen des privaten Aufzugs glitten auf und entließen sie direkt in das Foyer des Penthouses in Manhattan.

Sie trug den großen, schweren Ebenholzkasten, der beide Urnen enthielt, in ihren Armen. Das Holz war glatt, schmucklos und verbarg das monumentale Gewicht der Helden im Inneren.

Als sie das riesige Wohnzimmer betrat, drang das Geräusch von klirrendem Porzellan und schrillem Gelächter an ihre Ohren.

Domenics Mutter, Eleanor, saß in der Mitte des Samtsofas und veranstaltete einen High Tea für ihre wohlhabenden Freundinnen aus der Gesellschaft. Kenzie, Domenics Cousine, saß neben ihr und balancierte eine zierliche Teetasse.

Das Gelächter verstummte in der Sekunde, als Frankie eintrat.

Eleanors Blick heftete sich auf den schwarzen Kasten in Frankies Armen. Sie zuckte sichtlich zurück, ihre manikürten Finger schnellten nach oben, um sich die Nase zuzuhalten, als hätte Frankie eine verwesende Leiche ins Zimmer geschleppt.

„Mein Gott, Frankie", höhnte Kenzie mit lauter, kratziger Stimme. „Musstest du das hier hereinschleppen? Die ganze Wohnung riecht plötzlich wie ein billiger, deprimierender Friedhof."

Frankie ignorierte sie. Ihr Gesicht war eine steinerne Maske. Sie passte ihren Griff um den schweren Kasten an und ging weiter, direkt auf den Flur zu, der zu ihrem privaten Arbeitszimmer führte.

Eleanor knallte ihre Teetasse auf die Untertasse. Das Porzellan klirrte heftig.

Sie stand auf, ihr Seidenkleid raschelte, und marschierte hinüber, um Frankie den Weg zu versperren.

„Entschuldigen Sie mal", fuhr Eleanor sie an, ihr Gesicht war rot vor Empörung. „Sie werden dieses Unglück nicht in das Haus meines Sohnes bringen. Es ruiniert das Feng-Shui. Es ist widerlich."

Frankie blieb stehen. Ihr Blick hob sich und fixierte Eleanors Gesicht.

Eleanor bemerkte die Gefahr nicht. Sie wandte sich an die beiden uniformierten Dienstmädchen, die in der Nähe der Küche standen.

„Ihr zwei", befahl Eleanor und zeigte mit einem spitzen Finger auf den Kasten. „Nehmt ihr dieses Stück Müll ab und werft es runter in den Kellerlagerraum. Sofort."

Die beiden Dienstmädchen zögerten und blickten nervös zwischen der imposanten Matriarchin und der schweigsamen Ehefrau hin und her. Langsam machten sie einen Schritt auf Frankie zu und streckten die Hände aus.

Frankie bewegte ihren Körper nicht, aber die Temperatur der Luft um sie herum schien physisch zu sinken.

Ihre Augen wurden leer. Eine reine, unverfälschte Tötungsabsicht – von der Art, die im Blut und Schmutz aktiver Kriegsgebiete geschmiedet wird – explodierte aus ihr heraus. Es war ein erstickender, biologischer Druck.

„Verschwindet", sagte Frankie.

Es war nur ein einziges, leise gesprochenes Wort, aber es hatte das Gewicht einer geladenen Waffe, die ihnen zwischen die Augen gedrückt wurde.

Die beiden Dienstmädchen schnappten nach Luft. Ihre Knie knickten unter dem schieren Terror, der von Frankies Blick ausging, buchstäblich ein. Sie stolperten rückwärts, eine von ihnen stolperte über den Rand des Perserteppichs und stürzte hart zu Boden.

Eleanor erstarrte, ihr Mund klappte vor Schock auf.

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Die einzige Tochter der Märtyrer: Ihr Ruhm erblüht nach der Scheidung

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