Kapitel 3
Die schwere Bürotür klickte hinter ihr ins Schloss. Das Geräusch war leise, doch es hallte in der höhlenartigen Stille wider, ein letztes, endgültiges Geräusch eines sich schließenden Käfigs.
Beck kehrte nicht zu seinem thronartigen Stuhl zurück. Stattdessen lehnte er sich an den Rand seines massiven Schreibtisches und verschränkte die Arme vor seiner breiten Brust. Die Pose war lässig, doch die Wirkung war alles andere als das. Es war eine Haltung reiner, räuberischer Dominanz.
Er durchbrach die Stille, seine Stimme ein tiefes Grollen, das durch den Boden vibrierte. „Sie weichen mir aus, Aubree."
Es war keine Frage. Es war eine Feststellung.
Ihr Herz setzte einen Schlag aus. Sie zwang sich, seinem Blick standzuhalten, eine Ruhe auszustrahlen, die sie bei Weitem nicht empfand. „Nein, Sir. Ich war nur... mit den Quartalsberichten beschäftigt."
Ein Mundwinkel hob sich zu einem Grinsen, das keinen Humor, nur Kälte barg. Er glaubte ihr nicht.
Er stieß sich vom Schreibtisch ab und machte einen Schritt auf sie zu. Die Luft knisterte, dick von einer Spannung, die sie schmecken konnte. Unwillkürlich trat sie einen Schritt zurück. Dann noch einen, bis ihr Rücken flach gegen das kalte, unnachgiebige Holz der Tür gepresst war.
Er hielt nicht an. Er überbrückte die Distanz zwischen ihnen, legte eine Hand an die Tür neben ihrem Kopf und sperrte sie ein. Der Duft seines Kölnischwassers – Sandelholz und etwas Scharfes, wie Gin – erfüllte ihre Sinne, ein Geruch, den sie mit entsetzlicher Klarheit erinnerte. Es war der Geruch ihres größten Fehlers.
Die Übelkeit aus dem Restaurant kehrte mit voller Wucht zurück. Sie schluckte schwer und kämpfte dagegen an.
Er beugte sich vor, sein Gesicht nur wenige Zentimeter von ihrem entfernt. „Vor etwa einem Monat", begann er, seine Stimme sank zu einem rauen, intimen Flüstern. „Wir müssen reden."
Panik, scharf und blendend, ergriff sie. Das war es. Der Moment, vor dem sie sich gefürchtet hatte. Wenn sie das nicht sofort stoppte, wären ihre Karriere, ihr ganzes Leben vorbei.
Eine verzweifelte, waghalsige Idee bildete sich im Chaos ihres Geistes. Sie brauchte einen Schild, etwas so Absolutes, dass er keine andere Wahl hätte, als zurückzuweichen.
Sie hob ihr Kinn und zwang sich, direkt in seine stürmischen grauen Augen zu blicken. Sie mobilisierte jede Unze Kraft, die sie hatte, und sprach, ihre Stimme überraschend klar und fest.
„Sir, diese Nacht war ein Fehler. Ein Fehler, den ich nie wieder machen werde. Denn ich bin verlobt."
Die Luft im Raum schien zu gefrieren, sich in Millionen winziger Eissplitter zu kristallisieren.
Becks Ausdruck änderte sich nicht, doch sie sah etwas Tiefes in seinen Augen sich verschieben. Ein Flackern von... etwas. Ein kaltes Licht, das vorher nicht da gewesen war.
Um die Lüge glaubwürdig zu machen, sie vollständig zu verkaufen, fuhr sie fort, die Worte purzelten aus ihr heraus. „Mein Verlobter... wir heiraten bald. Diese Nacht... ich hatte zu viel getrunken. Ich fühle mich schrecklich wegen dem, was ich ihm angetan habe."
Sie nahm bewusst die ganze Schuld auf sich und positionierte sich als eine von Schuld zerfressene Frau, eine Frau, die jemand anderem gehörte. Eine Frau, die tabu war.
Es funktionierte. Er richtete sich langsam auf, zog sich zurück und schuf einen Abgrund von Raum zwischen ihnen.
Der Ausdruck auf seinem Gesicht hatte sich verwandelt. Die kalte Neugier war verschwunden, ersetzt durch einen Ausdruck von gemischtem Ekel und Verachtung.
Sie dachte, er sei von ihrer „Untreue" abgestoßen, dass ihre Lüge die Mauer, die sie so verzweifelt brauchte, erfolgreich errichtet hatte. Sie konnte nicht wissen, dass sie gerade in das eine, unmarkierte Minenfeld seiner Psyche gestolpert war. Beck Franco kümmerte sich nicht um One-Night-Stands, aber er hatte eine pathologische, unnachgiebige Verachtung für Illoyalität. In seinen Augen hatte sie nicht nur einen Fehler gemacht. Sie hatte betrogen. Und sie hatte ihn benutzt, um es zu tun.
Er dachte, er sei nur eine Schachfigur in ihrem schäbigen kleinen Drama.
Ein humorloses Lachen, kaum mehr als ein Lufthauch, entwich seinen Lippen. „Verlobt?", sagte er, das Wort triefte vor Verachtung. „Herzlichen Glückwunsch, Miss Hamilton."
Er kehrte ihr den Rücken zu und ging zu seinem Schreibtisch, nahm den Füller in limitierter Auflage aus der Geschenkbox. Er warf ihn von einer Hand in die andere.
„Da Sie bald die Frau eines anderen Mannes sein werden", sagte er, seine Stimme gefährlich sanft, „denke ich, um zukünftige... ‚Missverständnisse‘ zu vermeiden... sollten Sie Ihre Position hier überdenken."
Das Blut in ihren Adern gefror. Ihre Position überdenken? Feuerte er sie?
Ihre Lüge hatte sie nicht gerettet. Sie hatte ihm nur die Waffe in die Hand gegeben, um sie damit hinzurichten.
Sie öffnete den Mund, um zu protestieren, zu erklären, alles zurückzunehmen, doch es war zu spät. Er drückte einen Knopf an seiner Gegensprechanlage.
„Alex", sagte er, seine Stimme hart wie Stahl. „Informieren Sie die Personalabteilung, dass Miss Hamilton mit sofortiger Wirkung und auf unbestimmte Zeit beurlaubt ist. Alle Zugangsberechtigungen widerrufen. Ich möchte, dass sie nach Hause geht und weitere Anweisungen abwartet." Er hielt inne, seine kalten Augen fanden ihre, hefteten sie an die Tür. „Begleiten Sie sie aus dem Gebäude."