Kapitel 3
Isidoras Fingernägel bohrten sich so fest in ihre Handflächen, dass die Haut beinahe riss. Der körperliche Schmerz war das Einzige, was sie davor bewahrte, unter Cedricks erstickender Gegenwart zusammenzubrechen.
Isidora stockte für den Bruchteil einer Sekunde der Atem, doch sie zwang ihr rasendes Herz sofort, sich zu beruhigen. Sie erwiderte seinen erdrückenden Blick, ihre Augen völlig frei von dem Schrecken, den er erwartet hatte.
„Es ist eine billige Marke von der Stange, Mr. Garrison", erwiderte Isidora, ihre Stimme unheimlich ruhig und von einem subtilen Trotz durchzogen. „Ich entschuldige mich, falls sie Ihre feinen Sinne beleidigt."
Cedrick starrte auf ihr aufgedonnertes, abscheuliches Gesicht hinab. Seine dunklen Augen verengten sich und sezierten ihre Lüge. Der Duft war nicht nur vertraut; er war ihm von einer einzigen, chaotischen Nacht ins Gedächtnis eingebrannt. Dasselbe Parfüm, das an der Haut der Frau in seinem Hotelzimmer gehaftet hatte. Und nun trug es dieses Geschöpf, die Verlobte seines Neffen. Er öffnete den Mund, um sie verbal in Stücke zu reißen.
Bevor er sprechen konnte, flogen die Seitentüren des Ballsaals auf.
Kevin marschierte herein. Sein Gesicht war rot vor Wut. Er hatte gerade eine Nachricht erhalten, dass Chantelle vor der Hotellobby einen Wutanfall hatte.
Kevin ignorierte Isidora vollständig. Er ging direkt auf seinen Vater, Hyman, zu.
„Dad, ich habe eine dringende E-Mail aus dem Londoner Büro. Ich muss für zwanzig Minuten raus", log Kevin dreist.
Cedrick drehte langsam den Kopf. Er sah seinen Neffen an, als wäre er eine Kakerlake.
„Welche E-Mail ist wichtiger als deine eigene Verlobungsfeier?", schnitt Cedricks Stimme wie eine Klinge durch den Raum. „Oder miaut die streunende Katze, die du dir nebenbei hältst, draußen zu laut?"
Kevins Gesicht verlor jegliche Farbe. Er öffnete den Mund, aber es kamen keine Worte heraus. Er wagte es nicht, dem Mann zu widersprechen, der den Geldbeutel der Familie in der Hand hielt.
Stattdessen warf Kevin Isidora einen bösartigen, hasserfüllten Blick zu und gab ihr schweigend die Schuld für seine Demütigung.
Während sich die Aufmerksamkeit der Menge auf die Spannung zwischen Onkel und Neffe verlagerte, trat Isidora einen Schritt zurück.
Sie musste aus Cedricks Blickfeld verschwinden. Sofort.
Sie drehte sich um und ging schnell den Seitenkorridor entlang. Sie stieß die schweren Walnussholztüren am Ende des Ganges auf und schlüpfte in die VIP-Garderobe.
Der Raum war stockdunkel und roch stark nach Mottenkugeln und teurer, feuchter Wolle.
Isidora lehnte sich mit dem Rücken gegen die Tür und presste die Hand auf ihre Brust. Ihr Herz schlug so schnell, dass es schmerzte.
Noch bevor sie tief durchatmen konnte, drehte sich der Messinggriff hinter ihr.
Eine gewaltige Kraft stieß die Tür auf und drückte Isidora nach vorne.
Cedrick schlüpfte in den dunklen Raum. Er griff hinter sich und schob den Riegel vor. Das Metall klickte mit einer erschreckenden Endgültigkeit.
Isidora stolperte rückwärts, doch ihr Rücken stieß gegen die Wand aus schweren Wintermänteln.
Cedrick zögerte nicht. Er drang in ihren persönlichen Bereich ein, seine großen Hände packten ihre beiden Handgelenke und drückten sie über ihrem Kopf gegen die Wand.
Er presste seinen Körper gegen ihren. Sein Knie zwängte sich zwischen ihre Oberschenkel und setzte sie vollständig fest.
Isidora keuchte, ihre Brust hob und senkte sich gegen seine harte Brust.
Cedrick senkte seinen Kopf. Seine Nase streifte die Haut an ihrem Hals. Er atmete tief ein, wie ein Raubtier, das die Witterung von Blut aufnimmt.
„Eine billige Marke von der Stange?", war Cedricks Stimme ein raues, vibrierendes Knurren an ihrem Schlüsselbein. „Sie haben genau diesen Duft in meinem Hotelzimmer getragen. Halten Sie mich für einen verdammten Idioten, Miss Wyatt?"
Isidoras Körper erstarrte. Sie wandte ihr Gesicht ab. „Bitte zeigen Sie etwas Respekt. Ich bin Kevins Verlobte!"
Das Wort löste etwas Gewalttätiges in ihm aus.
„Verlobte?", höhnte Cedrick, seine Stimme triefend vor Verachtung. Sein rauer Daumen drückte fest gegen ihre Kieferpartie und packte ihr Kinn mit brutaler Kraft. „Gehörte es zum Plan, mit mir zu schlafen? Dachten Sie, eine Nacht in meinem Bett wäre Ihr Vorsprechen, und als Sie keinen Rückruf bekamen, haben Sie sich mit meinem närrischen Neffen zufriedengegeben?"
Isidora sog scharf die Luft ein. Sie stemmte ihre Hände gegen seine Brust und versuchte, ihn wegzustoßen. „Das geht Sie nichts an!"
Cedricks Hand schoss nach oben, seine Finger verstärkten ihren Griff. Er zwang sie, ihn anzusehen.
„Sie stinken nach versteckten Absichten", sagte Cedrick, seine Augen brannten vor einer dunklen, berechnenden Wut. „Sie spielen die verängstigte Maus, aber Sie sind ohne Einladung in mein Bett gekrochen. Jetzt wollen Sie in meine Familie einheiraten. Wagen Sie es ja nicht, mir zu erzählen, das sei ein Zufall."
Er war sich sicher. Diese abscheuliche Frau hatte ihn verführt, ihn zum Narren gehalten und benutzte nun diese erbärmliche Verlobung, um sich in das Garrison-Vermögen hineinzukrallen. Er glaubte, ihr hässliches Make-up und ihre altmodischen Kleider seien ihr wahres Ich, dasselbe Ich, das er unerklärlicherweise mit in sein Bett genommen hatte. Die Erinnerung war ein Schandmal auf seinem Stolz.
Isidora stieß ein kaltes, spöttisches Lachen aus. Die Angst verschwand, ersetzt durch puren Trotz.
„Sie schätzen die Anziehungskraft Ihrer Familie zu hoch ein, Mr. Garrison", flüsterte Isidora und fixierte seinen Blick ohne eine Spur von Furcht. „Ich überlebe hier nur eine geschäftliche Vereinbarung. Wenn ich in diesem Spiel irgendeine tatsächliche Macht hätte, würde ich nicht in einer dunklen Garderobe stehen und von einem Tyrannen bedroht werden."
Cedricks Pupillen weiteten sich. Die Beleidigung traf sein Ego wie ein Vorschlaghammer.
Eine dunkle, gefährliche Hitze strahlte von seinem Körper aus. Er senkte den Kopf, sein Mund schoss auf ihren herab. Er musste sie für die Beleidigung, für die Täuschung bestrafen. Er musste die Lüge auf ihren Lippen schmecken und sie – und sich selbst – an die Nacht erinnern, die sie so offensichtlich vergessen hatte, eine Nacht, die er nun als den ersten Zug in ihrem widerlichen, kalkulierten Spiel sah.
Gerade als seine Lippen ihre streiften, hallten draußen im Korridor schwere Schritte.
„Isidora! Wo zum Teufel versteckst du dich, du hässliche Schlampe?!", schrie Kevins Stimme durch das Holz.
Der Türgriff rüttelte heftig.
Isidora hielt den Atem an. Ihre Augen weiteten sich in absolutem Entsetzen. Sie presste ihre Hände flach gegen Cedricks Brust und flehte ihn schweigend an, aufzuhören.
Cedrick hielt inne. Er blickte auf den rüttelnden Türgriff, dann hinunter auf Isidoras zitternde Lippen.
Ein grausames, verzerrtes Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. Anstatt zurückzuweichen, presste Cedrick seine Hüften fester gegen ihre.