Kapitel 3
In dem Moment, als Eleanor das Hauptquartier der Todd-Gruppe verließ, vibrierte ihr Handy mit einer Nachricht von ihrer besten Freundin, Lillian Brooks.
„Heute ist mein Geburtstag. Ich weiß, du kannst wahrscheinlich nicht kommen, aber ich wollte dich nur daran erinnern. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, was für einen Zauber dieser Mistkerl Jonny auf dich gelegt hat. Du hast dich für ihn von allen anderen abgeschnitten.“
Ohne lange nachzudenken, schickte Eleanor eine Antwort zurück: „Schick mir die Adresse.“
Für einen Moment blieb es still, dann leuchtete ihr Bildschirm mit einer neuen Nachricht auf: „Was zum Teufel? Was ist los?“
Eleanors Finger bewegten sich mit ruhiger Präzision: „Ich habe die Scheidungsvereinbarung unterschrieben.“
„Oh mein Gott, du bist endlich deinen Ruf als Liebeskranke los. Bleib einfach, wo du bist. Ich komme sofort zu dir!“
Auf der Autobahn raste ein elegantes, weinrotes Cabrio.
Am Steuer schob Lillian ihre Sonnenbrille etwas nach unten und pfiff Eleanor spielerisch zu: „Eleanor, da du endlich aus diesem Albtraum raus bist, feiern wir heute Abend im Samt-Club. Wir werden Spaß haben.“
Eleanor lehnte sich träge gegen den Sitz, ihre Stimme leise: „In Ordnung.“
Lillians Neugier gewann die Oberhand: „Also was hat dich schließlich dazu gebracht, den Schlussstrich zu ziehen? Lass mich raten — Lainey ist zurück, stimmt's?“
Ein schwaches Lächeln huschte über Eleanors Lippen: „Herzlichen Glückwunsch. Du hast richtig geraten.“
Lillian nahm ihre Sonnenbrille ab und bemerkte mit einem schiefen Grinsen: „Damals ist Lainey sofort abgehauen, als er im Rollstuhl landete, und jetzt, da sie zurück ist, rennt er ihr wie ein liebeskranker Narr hinterher. Glaubst du, Jonny hat bei diesem Autounfall mehr als nur seine Beine beschädigt?“
„Schwer zu sagen.“
„Und du warst ganze drei Jahre an diesen nutzlosen Mann gebunden“, fuhr Lillian fort. „Zum Glück gab es keine Kinder, sonst wäre die Scheidung ein echter Albtraum geworden.“
Ein leises Lachen entwich Eleanor: „Dafür bestand nie die geringste Chance. Er und ich haben nie ein Bett geteilt.“
„Was?!“ Lillian verlor beinahe den Griff um das Lenkrad: „Du willst mir sagen, ihr wart drei Jahre verheiratet und habt nie miteinander geschlafen?!“
Eleanors Schönheit war unbestreitbar. Wenn das stimmte, war Jonny dann etwa unfähig?
„Er ist Lainey treu geblieben.“ Schon die bloße Erwähnung der beiden ließ Eleanors Magen sich zusammenziehen: „Genug von ihm. Kannst du mich irgendwo absetzen, damit ich mich vorher umziehen kann?“
„Natürlich!“
Um acht Uhr abends war der Samt-Club bereits in vollem Gange. Es war Elepdons größter Unterhaltungsort, ein Treffpunkt für die Reichen und Mächtigen der Stadt, wo Extravaganz herrschte und eine einzige Flasche Wein Hunderttausende kosten konnte.
Lillians Augen funkelten, als sie Eleanor ansah: „Das ist die Eleanor, an die ich mich erinnere!“
An diesem Abend war Eleanors Figur in ein elegantes rotes Kleid gehüllt, das jede Kurve nachzeichnete. Mit lockeren Wellen über den Schultern und dazu passenden karminroten Lippen war sie eine Erscheinung, die alle Blicke auf sich zog.
Sobald Eleanor saß, drückte Lillian kurz ihre Schulter: „Bleib hier. Ich besorge uns etwas erstklassigen Wein.“
„In Ordnung.“
Eleanors Anziehungskraft war unbestreitbar; selbst als sie still unter den Lichtern saß, zog ihre Präsenz in einem Augenblick die Blicke unzähliger Männer auf sich.
Plötzlich kam ein Mann mit blondem Haar lässig auf sie zugeschlendert und schenkte ihr ein schmieriges Lächeln: „Hey, Schöne. Allein zu sitzen muss doch langweilig sein. Wie wäre es, wenn du einen Drink mit mir nimmst?“
Auf der anderen Seite des Clubs trat Jonny in Begleitung seiner jüngeren Schwester Emma Todd ein.
Von einer nahegelegenen Sitznische hob Lainey grüßend die Hand, ihr Lächeln sorgfältig gesetzt: „Jonny, Emma, hier drüben.“
Emma eilte herüber, während ihr Gesicht vor Freude strahlte. „Lainey, ich bin so froh, dass du wieder da bist. Ich habe dich so vermisst!“
„Ich habe dich auch vermisst.“ Die Antwort war warm, doch Laineys Blick wich keinen Moment von Jonny.
Gerade wollte sie ihn mit einer weiteren Geste zu sich ziehen, als Emmas Stimme überrascht aufklang: „Jonny, ist das nicht Eleanor da drüben?!“
Jonny wandte den Kopf in die Richtung, in die Emma zeigte.
Unter den wechselnden Lichtern saß eine auffällige Gestalt auf einem Barhocker, deren lange Beine unter dem Saum ihres Rocks sichtbar waren, elegant und fesselnd.