Kapitel 3

Hanna Kunz POV:

Dr. Schmidt, unser Chefarzt, starrte ungläubig auf das Kündigungsschreiben. Seine Augen wanderten zwischen mir und Mika hin und her. „Dr. Kunz, Dr. Stein, gibt es da ein Problem, von dem ich wissen sollte? "

Mika schüttelte den Kopf. „Nein, Dr. Schmidt. Hanna ist nur... ein bisschen wütend wegen des Umzugs. Aber wir haben das geklärt. "

Ich tat so, als gäbe es keinen Konflikt zwischen uns. Ich sagte nichts.

Mika sah mich an, seine Augen voller Vorwurf. „Du bist doch wütend, Hanna. Du bist immer wütend, wenn ich Jelka helfe. "

Dr. Schmidt räusperte sich. „Ich lasse Sie beide dann mal allein. Bitte klären Sie das in Ruhe. " Er verschwand schnell aus dem Büro.

Mika kam auf mich zu, die Hände in die Hüften gestemmt. Sein Gesicht war angespannt. „Was soll das, Hanna? Was erzählst du Dr. Schmidt da für Märchen? Du weißt, Jelka braucht meine Unterstützung. Sie hat niemanden. "

„Sie braucht dich nicht, Mika ", sagte ich, meine Stimme war ruhig. „Und ich brauche dich auch nicht mehr. "

„Das ist doch lächerlich! Wegen einer kleinen Verschiebung des Umzugs? Wir haben das doch schon so oft gemacht. Und jedes Mal hast du es verstanden. Du bist doch die Starke, die Unabhängige. "

Ich lächelte. Ein leeres Lächeln. „Ich habe ein besseres Angebot bekommen. In Berlin. Ich habe es angenommen. " Es war eine Lüge. Zumindest ein Teil davon.

Mika starrte mich an, verwirrt. „Aber... wir wollten doch beide nach Berlin. Und ich habe jetzt auch ein Angebot. Jelka hat sich so für mich eingesetzt. Ich hätte es ohne sie nie bekommen. "

Mein Herz zog sich zusammen. Er dachte, er hätte ein Angebot wegen Jelka bekommen.

Nicht wegen seines Talents.

Nicht wegen meiner jahrelangen Arbeit, die unsere gemeinsame Karriere vorangebracht hatte.

Alles, was ich für ihn geopfert hatte, zählte nicht. Nur Jelka zählte.

Ich sah wieder die Kratzer an seinem Hals. Sie waren tiefer geworden.

Er bemerkte meinen Blick und fuhr sich instinktiv mit der Hand über den Hals.

„Das ist... ähm... ein Kratzer vom Rasieren ", murmelte er.

Ich erinnerte mich an sein Argument von gestern Morgen.

Ich erinnerte mich an all die Male, in denen er mir etwas erzählt hatte, und ich ihm geglaubt hatte.

Ich sagte nichts.

Mika sah mich unsicher an. Meine Stille irritierte ihn.

Er schien sich zu entspannen, als ich schwieg.

„Also gut ", sagte er. „Wenn du unbedingt solo nach Berlin willst, dann ist das deine Entscheidung. Aber wir können trotzdem Freunde bleiben, oder? Wir können ja nächste Woche zusammen essen gehen. Ich kenne ein tolles Restaurant. "

Ich sagte immer noch nichts.

Er interpretierte mein Schweigen als Zustimmung.

„Super! Dann ist ja alles geklärt. "

Er strahlte.

Ich hatte ihm nur einen Satz gesagt. Nur eine Lüge.

Und er hatte sich die ganze Geschichte zurechtgelegt.

Ich hatte geplant, mich ohne ein Wort zu verabschieden.

Aber jetzt wollte ich ihn nur noch loswerden.

Die Bürotür öffnete sich. Jelka stand da, ihre Augen waren wieder geweitet, ihr Mund leicht geöffnet. „Mika? Ist alles in Ordnung? "

Mika zuckte zusammen, löste sich sofort von mir und ging auf sie zu.

„Ja, Jelka. Alles gut. Hanna und ich haben uns nur unterhalten. "

Jelka warf mir einen Blick zu, der Bände sprach. Ein triumphierendes Grinsen, kaum merklich, aber für mich deutlich sichtbar.

„Mika, ich habe so starke Kopfschmerzen. Und mir ist so schlecht ", sagte sie, ihre Stimme zitterte.

Mika legte sofort einen Arm um sie. „Komm, Schatz. Ich bringe dich nach Hause. "

Er drehte sich nicht einmal zu mir um.

Sie murmelten leise miteinander. Ich hörte Jelkas ersticktes Schluchzen.

Mika nickte ihr zu.

Jelka warf mir noch einen Blick zu, voller Genugtuung.

Dann schloss Mika die Tür hinter sich.

Ich war allein.

Wieder.

Ich packte meine letzten Sachen in eine Tasche.

Meine Hände zitterten.

Ich warf meine Kaffeetasse in den Mülleimer.

Plötzlich fiel mir etwas ins Auge.

Mein Stethoskop.

Es lag auf dem Schreibtisch.

Ein Geschenk von meinem Vater, als ich mein Medizinstudium abgeschlossen hatte.

Es war ein Erbstück. Sein erstes Stethoskop.

Ein Symbol.

Ich hatte es immer getragen. Mika hatte es gehasst.

„Ist doch alt und klobig ", hatte er immer gesagt. „Du kannst dir doch ein neues kaufen. "

Aber ich hatte es geliebt.

Ich griff danach.

Es rutschte mir aus der Hand.

Es fiel auf den harten Fliesenboden.

Ein scharfer, metallischer Klang hallte durch den Raum.

Das Bruststück war abgebrochen.

Ich starrte darauf.

Mein Herz tat weh.

Dieses Stethoskop war mein Talisman gewesen.

Das Band zwischen mir und meiner Familie.

Das Band zwischen mir und meinem wahren Ich.

Ich bückte mich und hob die Bruchstücke auf.

Ein scharfer Glassplitter schnitt mir in den Finger.

Ich spürte den Schmerz nicht.

Mein Inneres war leer. Kalt.

Ich hatte mich entschieden.

Ich ging zum Mülleimer und warf die kaputten Stücke hinein.

Die Scherben meiner Vergangenheit.

Die Scherben meiner Illusionen.

Ein leiser Klick.

Ich schloss die Tür hinter mir.

Ich würde niemals zurückblicken.

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Dreizehn Mal genug: Mein Neuanfang

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