Kapitel 3

Drei Jahre später.

Die Skyline von New York glitzerte wie ein Schmuckkästchen, das auf schwarzem Samt ausgeleert worden war. Es war der erste Montag im Mai. Die Starlight Charity Gala im Metropolitan Museum of Art.

Die Luft knisterte. Die Feuchtigkeit des Tages hatte sich verzogen und einer klaren, kühlen Nacht Platz gemacht, perfekt für Haute Couture und ein Spiel um hohe Einsätze.

Julian Sterling stieg aus einer schwarzen Limousine. Sofort zuckten die Blitze der Kameras auf, eine Wand aus blendend weißem Licht.

Er wirkte kantiger als vor drei Jahren. Seine Kieferpartie war härter, sein Blick kälter. Er trug einen maßgeschneiderten Smoking von Tom Ford, der ihm wie eine Rüstung am Leib saß.

An seinem Arm hing Elena Rose. Sie trug ein Kleid, das zu angestrengt versuchte, Aufmerksamkeit zu erregen – eine durchsichtige, paillettenbesetzte Kreation, die wenig der Fantasie überließ. Es war teuer, wirkte an ihr jedoch billig.

„Julian! Julian! Hierher!", schrien die Fotografen.

„Wo ist die Ex-Frau?", rief ein Reporter, dreist und unverschämt.

Julians Miene verzog sich nicht. Er ignorierte die Frage. Drei Jahre lang hatte er Fragen über Serena ignoriert. Sie war verschwunden. Kein einziges Paparazzi-Foto. Keine einzige Kreditkartenabrechnung. Selbst seine Privatdetektive waren an ihre Grenzen gestoßen. Es war, als hätte der Erdboden sie verschluckt.

Technisch gesehen war sie nicht seine „Ex-Frau". Die Scheidungspapiere lagen noch immer in seinem Safe, von ihr unterzeichnet, von ihm nicht – ein kleiner Machtkampf, den er nie aufgeben wollte.

„Ignorier sie, Liebling", schnurrte Elena und drückte seinen Bizeps. Ihre Nägel bohrten sich durch den Stoff. „Sie sind nur neidisch."

Julian spürte eine vertraute Welle der Erschöpfung über sich hereinbrechen. Sanft, aber bestimmt löste er ihre Hand von seinem Arm.

Plötzlich senkte sich eine Stille über die lärmende Menge. Sogar die Fotografen ließen für den Bruchteil einer Sekunde ihre Kameras sinken.

Ein Wagen war vorgefahren. Keine Limousine. Ein alter Rolls-Royce Phantom in einem tiefen Mitternachtsblau. Es war ein Auto, das von altem Geld flüsterte.

Die Tür öffnete sich.

Ein Bein glitt heraus.

Es war lang und schlank, mit straffen Muskeln unter glatter, leuchtender Haut.

Eine Frau stieg aus.

Das Blitzlichtgewitter explodierte. Der Lärm war ohrenbetäubend, wie ein Schwarm mechanischer Heuschrecken.

Sie war groß. Sie trug ein smaragdgrünes Kleid, das aus flüssiger Seide geschneidert schien. Es war ein eng anliegender Meerjungfrauen-Schnitt, der ihre Schritte auf ein elegantes Gleiten beschränkte, mit einem hohen Schlitz, der die Fantasie beflügelte. Die Farbe ließ ihre Haut wie Alabaster schimmern.

Ihr Haar, ein dunkles, sattes Mahagoni, fiel in klassischen Hollywood-Wellen über eine Schulter.

Sie wandte sich der Menge zu. Ihr Gesicht war … atemberaubend. Hohe Wangenknochen, volle Lippen in einem tiefen Beerenton und Augen von einem überraschenden, durchdringenden Grau.

Sie lächelte nicht. Sie winkte nicht. Sie stand einfach nur da und strahlte eine kalte, majestätische Macht aus, die Elena neben ihr wie ein kleines Mädchen im Faschingskostüm wirken ließ.

Von der anderen Seite des Wagens stieg ein Mann aus. Es war Sebastian Cole. Julians Geschäftsrivale. Der Inhaber von Cole Pharmaceuticals.

Sebastian umrundete den Wagen und bot der Frau seinen Arm an. Sie nahm ihn an, ihre Bewegungen fließend und anmutig.

„Wer ist sie?", ging ein Raunen durch die Menge.

„Ist das ein Model?"

„Ist das Sebastians Verlobte?"

Julian stand oben auf der Treppe und blickte hinab. Er fühlte sich wie gelähmt. Sein Herz setzte einen Schlag aus, nur um dann doppelt so schnell zu hämmern.

Er kannte dieses Gesicht nicht. Nicht wirklich. Es war zu scharf, zu vollkommen.

Aber diese Augen.

Diese Augen kannte er.

Sie verfolgten ihn in seinen Träumen.

„Wer ist das?", zischte Elena, ihre Stimme von jäher Eifersucht durchtränkt.

„Ich weiß es nicht", murmelte Julian. Er konnte den Blick nicht abwenden. Ein seltsames Déjà-vu überkam ihn, doch er verdrängte es. Es war unmöglich. Die Frau, die er gekannt hatte, war weich gewesen, gebrochen und unscheinbar. Diese Frau war aus Stahl und Diamanten.

Die Frau und Sebastian begannen, die Treppe emporzusteigen. Als sie näher kamen, hob die Frau den Blick.

Ihre grauen Augen trafen Julians.

Für einen Moment schien die Zeit stillzustehen. Der Lärm der Menge verstummte zu einem fernen Rauschen.

Julian erwartete Bewunderung. Begehren. Die Art, wie Frauen ihn für gewöhnlich ansahen.

Stattdessen sah er nichts.

Ihre Augen waren leer, ohne jede Wärme. Sie blickte ihn an, als wäre er ein Möbelstück. Uninteressiert. Gelangweilt.

Ohne mit der Wimper zu zucken, löste sie den Blickkontakt und wandte ihre Aufmerksamkeit Sebastian zu, lachte über etwas, das er ihr zuflüsterte. Der Klang ihres Lachens war tief, rau und melodisch.

Die Ablehnung traf ihn wie ein körperlicher Stich, so scharf, dass es ihm fast den Atem raubte.

„Gehen wir rein", sagte er abrupt und wandte der Erscheinung in Grün den Rücken zu.

Im Inneren des Met war die Große Halle in einen Garten aus weißen Rosen verwandelt worden. Kellner zirkulierten mit Champagner. Die Luft roch nach teurem Parfüm und Geld.

Serena Vance – der Welt nun nur noch als Serena Kensington bekannt – nahm ein Glas Champagner entgegen. Sie trank nicht. Sie hielt es nur am Stiel und drehte es im Licht.

„Du legst den Verkehr lahm", murmelte Sebastian ihr ins Ohr. „Ich glaube, Julian hat kurz aufgehört zu atmen."

„Soll er doch ersticken", sagte Serena. Ihre Stimme war ruhig, doch ihr Puls raste. Ihn wiederzusehen … es war schwerer, als sie gedacht hatte. Nicht, weil sie ihn liebte. Sondern weil der Zorn noch immer so frisch war.

„Er ahnt etwas", bemerkte Sebastian. „Er hat dich angestarrt."

„Er starrt, weil er ein Narzisst ist und ich das Einzige im Raum bin, das nicht ihm gehört", korrigierte Serena. „Er erkennt mich nicht. Er hat mich nie wirklich angesehen, als wir verheiratet waren."

Sie ließ den Blick durch den Raum schweifen. Sie sah die Gesichter der Frauen, die sie früher im Country Club verspottet hatten. Mrs. Van Der Woodsen. Die Thorpe-Schwestern.

Sie alle starrten sie jetzt an, flüsterten, brannten darauf zu erfahren, wer das neue „It-Girl" war.

„Serena!", rief eine schrille Stimme.

Es war Elena. Sie hatte Julian im Schlepptau. Sie konnte nicht anders. Sie musste ihr Revier markieren.

Julian wirkte widerstrebend, doch seine Augen klebten an Serena. Er musterte sie, suchte nach etwas, das er nicht benennen konnte.

„Hallo, Sebastian", sagte Julian, seine Stimme angespannt. Er sah Serena an. „Ich glaube, wir wurden einander noch nicht vorgestellt."

Sebastian lächelte, ein haifischartiges Grinsen. „Julian. Elena. Das ist mein Gast für den heutigen Abend."

Er machte eine Pause, um die Wirkung zu steigern.

„Serena Kensington."

Julian erstarrte.

Der Name traf ihn wie ein Faustschlag. Serena.

Er starrte sie an. Er suchte nach dem Übergewicht. Er suchte nach dem Hautausschlag. Er suchte nach der Angst.

Nichts davon war da. Und doch … dieser Name.

„Kensington?", wiederholte Julian. „Verwandt mit Lord Kensington?"

„Seine Patentochter", sagte Serena. Ihre Stimme war geschmeidig, frei von dem Stottern, das sie früher in seiner Nähe befallen hatte.

„Serena", sagte Julian noch einmal. Er schmeckte den Namen auf seiner Zunge. Er schmeckte nach Asche und Reue.

„Ein gebräuchlicher Name", erwiderte Serena kühl. „Aber ich glaube, wir haben etwas gemeinsam, Mr. Sterling. Oder besser gesagt … jemanden."

Sie sah Elena an. Ihr Blick war chirurgisch präzise. Er sezierte Elenas Unsicherheit mit einer einzigen Geste.

„Ich liebe Ihr Kleid", log Serena. „Es ist so … mutig."

Elena lief rot an.

Julian bemerkte Elena nicht. Er starrte auf Serenas Augen. Es war dasselbe Grau. Exakt derselbe Grauton wie bei seiner Ex-Frau.

Aber das war unmöglich. Seine Ex-Frau war ein Wrack gewesen. Diese Frau war eine Königin. Und Kensington? Die Familie Vance hatte keinerlei Verbindung zum britischen Adel. Es musste ein Zufall sein. Ein grausamer, höhnischer Zufall.

„Kennen wir uns?", fragte Julian. Die Frage rutschte ihm heraus, bevor er sie aufhalten konnte. Es war keine höfliche Floskel; es war eine Untersuchung.

Serena lächelte. Doch das Lächeln erreichte ihre Augen nicht.

„Ich glaube nicht, Mr. Sterling – einen Mann wie Sie hätte ich nicht vergessen."

Sie wandte sich Sebastian zu. „Ich brauche etwas frische Luft. Die Verzweiflung in dieser Ecke ist ein wenig erdrückend."

Sie schritt davon und ließ Julian stehen, der sein Glas so fest umklammerte, dass der Kristallstiel zu zerspringen drohte.

Jetzt die ganze Geschichte lesen
Unterstütze den Autor und inspiriere weitere tolle Geschichten von Moboreader
Alle Kapitel freischalten

Die verschmähte Frau kehrt als Erbin zurück

Kapitel 3
Kapitel
Anpassen
Nächstes Kapitel