Kapitel 3
Morgenlicht schnitt durch die Jalousien des Krankenhauszimmers.
Bridget saß, gegen die Kissen gelehnt, im Bett. Ihr iPad lag auf ihrem Schoß. Ihre Finger flogen über den Bildschirm und scrollten durch stark verschlüsselte Datenströme auf einem Dark-Web-Server.
Das rhythmische Klacken von Absätzen hallte im Korridor wider.
Bridget sperrte sofort den Bildschirm und schob das iPad unter ihr Kissen.
Die Tür schwang auf. Jayson trat ein, gekleidet in einen eleganten marineblauen Anzug. Direkt hinter ihm war Golda, in einem makellosen Chanel-Tweed-Kostüm, die Pippas Hand hielt.
Jayson trat an die Seite des Bettes. Er rückte seinen Kragen zurecht und setzte einen Ausdruck tiefer Besorgnis auf. „Tut dein Kopf noch weh, Liebling?"
Bridget starrte auf sein perfekt gestyltes Haar. Galle stieg ihr in der Kehle hoch.
„Ich werde es überleben", sagte sie tonlos.
Golda trat vor. Sie stellte einen riesigen Strauß weißer Lilien auf den Nachttisch. Sie berührte ihr Schlüsselbein, ihre Augen weit und wässrig. „Wir waren so entsetzt, als wir von dem Unfall hörten, Bridget."
Bridget bemerkte den Mikroausdruck. Hinter den falschen Tränen glänzten Goldas Augen mit scharfem, triumphierendem Spott.
Pippa ließ Goldas Hand los. Das kleine Mädchen rannte im Krankenzimmer umher und schwenkte ein Plastikspielzeugflugzeug.
Sie krachte direkt gegen Bridgets Nachttisch.
Das volle Glas mit warmem Wasser kippte um. Es zersprang auf dem Boden und durchnässte Bridgets Hausschuhe.
Bridgets Augen verengten sich. Sie öffnete den Mund, um etwas zu sagen.
Jayson war schneller. Er riss Pippa in seine Arme und schirmte sie ab.
„Sie ist nur ein Kind, Bridget", sagte Jayson scharf, sein Tonfall von einer Warnung durchzogen. „Sieh sie nicht so an. Du machst ihr Angst."
Bridget stieß ein trockenes, humorloses Lachen aus. „Soll ich etwa lächeln und applaudieren, während sie mein Zimmer verwüstet?"
Jaysons Kiefer spannte sich an. „Du benimmst dich wieder wie eine verwöhnte Göre. Es ist anstrengend."
Er setzte Pippa ab und räusperte sich. Er blickte mit der arroganten Autorität eines CEOs, der einen Befehl erteilt, auf Bridget herab.
„Ich habe eine Entscheidung getroffen", sagte Jayson. „Joshs Witwe braucht Stabilität. Ich habe Golda und Pippa in das Penthouse in Tribeca einziehen lassen."
Bridget gefror das Blut in den Adern. Das Penthouse in Tribeca war das Anwesen, das sie Jayson letztes Jahr angefleht hatte, ihr zu verkaufen, damit sie sich ein privates Kunstatelier einrichten konnte. Er hatte ihr gesagt, es stünde nicht zum Verkauf.
Golda blickte zu Boden und spielte mit ihren Fingern. „Das ist zu viel, Jayson. Aber Pippa braucht wirklich den Schulbezirk."
Jayson klopfte Golda auf die Schulter. Er blickte zurück zu Bridget.
„Ich habe bereits mit Archer darüber gesprochen. Er ist der Meinung, dass die Finanzierung von Pippas Ausbildung eine würdige Verwendung der philanthropischen Mittel der Familie ist. Wir werden einen Teil der Bildungsquote umverteilen."
Bridget starrte ihn an. Sie blinzelte nicht.
„In deinen Träumen", sagte Bridget leise.
Jaysons Gesicht rötete sich. Sein Ego war sofort gekränkt.
„Du bist unglaublich egoistisch", erhob Jayson seine Stimme und zeigte mit dem Finger auf sie. „Dieses Geld ist für den Trust ein Rundungsfehler. Du hast null Mitgefühl."
Bridget hielt seinem Blick stand. „Cline Medical ist noch nicht einmal an die Börse gegangen, und du verschenkst schon das Geld meiner Familie an deine Wohltätigkeitsfälle."
Jayson trat einen Schritt vor, die Fäuste geballt. „Pass auf, was du sagst."
Golda packte Jayson am Ärmel. Sie schniefte, ihre Stimme zitterte. „Bitte, streitet nicht wegen uns. Wir können noch heute ausziehen."
Jayson ergriff Goldas Hand und drückte sie. Er funkelte Bridget wütend an. „Niemand wirft euch raus."
Bridget beobachtete, wie sein Daumen über Goldas Fingerknöchel strich. Genau die gleiche Geste wie in den Hamptons.
Sie lehnte sich in die Kissen zurück. Sie ließ ihre Muskeln entspannen und legte die Maske des hirnlosen Society-Girls wieder perfekt auf.
„Wie auch immer", seufzte Bridget und verdrehte die Augen. „Fass nur nicht das Limit meiner schwarzen Karte an."
Jayson grinste höhnisch. Er dachte, er hätte gewonnen. Er legte seinen Arm um Golda und führte sie aus dem Zimmer.
Die Tür klickte ins Schloss.
Bridget starrte auf die Wasserlache auf dem Boden. In Gedanken hatte sie gerade Jaysons Todesurteil unterzeichnet.