Kapitel 3

Das Café im Schanzenviertel, das Isabella von Altenburg gewählt hatte, war schmerzhaft trendy, alles Sichtmauerwerk und handwerklicher Kaffee.

Lea entdeckte sie sofort. Isabella war der Inbegriff des alten Hamburger Geldes: tadellos gekleidet in einem Jil-Sander-Kostüm, das wahrscheinlich mehr kostete als Leas gesamtes BAföG, ihr dunkles Haar zu einem eleganten Chignon hochgesteckt, ein massiver Diamant funkelte an ihrer linken Hand. Sie strahlte eine Aura müheloser Überlegenheit aus.

Lea fühlte sich in ihren farbbespritzten Jeans und dem abgetragenen HFBK-Hoodie wie eine andere Spezies.

Isabella verschwendete keine Zeit mit Höflichkeiten.

„Also, du bist die kleine Kunststudentin“, sagte sie mit herablassender Stimme, als Lea sich setzte. „Maximilian hat … einen vielseitigen Geschmack, das muss man ihm lassen.“

Sie nahm einen zierlichen Schluck von ihrem Espresso. „Er wird mich nächsten Monat heiraten. Es ist eine Fusion, wirklich. Unsere Familien. Sehr wichtig.“

Lea blieb stumm, ihr Gesicht sorgfältig ausdruckslos. Innerlich hatte sich eine seltsame Ruhe eingestellt. Der Schock von „Verlobte“ hatte sie bereits getroffen; dies war nur eine Bestätigung.

Was konnte Isabella sagen, das sie mehr verletzen würde als Maximilians eigene Worte es bereits getan hatten?

Er war ein Lügner, ein Manipulator. Seine Beziehung zu ihr war eine Farce. Seine Verlobung mit Isabella war nur eine weitere Transaktion in seinem kalkulierten Leben.

Der Schmerz war ein kalter, harter Knoten in ihrer Brust, aber es war ihr Schmerz, nicht Isabellas, ihn zuzufügen.

Lea dachte: Du kannst nicht zerbrechen, was bereits zerbrochen ist.

Isabella, sichtlich verärgert über Leas mangelnde Reaktion, beugte sich vor.

„Hör zu, es ist mir egal, was du und Maximilian getrieben habt. Es ist vorbei. Er hat diese kleinen … Ablenkungen. Aber er kommt immer zu dem zurück, was wichtig ist.“

Sie öffnete ihre Designer-Handtasche und zog ein Scheckbuch heraus. „Ich bin bereit, großzügig zu sein. Nenn deinen Preis, um zu verschwinden. Leise.“

Lea hätte fast gelacht. Geld. Dachten diese Leute, Geld könne alles reparieren?

„Sag mir, Isabella“, sagte Lea, ihre Stimme überraschend fest. „Wann genau ist diese Hochzeit? Nächsten Monat, sagtest du? Nach Jonas Schmidts Börsengang, nehme ich an?“

Isabellas Augen verengten sich. „Woher weißt du …?“

„Maximilian hat für alles einen Zeitplan, nicht wahr?“, fuhr Lea mit bitterem Geschmack im Mund fort. „Er mag es, lose Enden zu verknüpfen.“

Ihre eigene öffentliche Demütigung sollte Teil dieses „Verknüpfens“ sein.

Lea schob den unberührten Latte Macchiato beiseite. „Behalt dein Geld, Isabella. Ich war bereits auf dem Weg zu gehen.“

Sie traf den Blick der anderen Frau. „Aber lass mich dir einen kostenlosen Rat geben. Lass dich nicht emotional auf Maximilian von Ahrens ein. Er hat kein Herz, das man brechen kann. Er sammelt sie nur.“

Sie stand auf. „Er gehört ganz dir.“

Isabellas perfekt geschminktes Gesicht verzog sich vor Wut.

„Du arrogantes kleines Miststück!“

Bevor Lea reagieren konnte, griff Isabella nach ihrem eigenen Wasserglas und schüttete dessen Inhalt direkt in Leas Gesicht.

Kaltes Wasser durchnässte sie und schockierte sie für eine Sekunde. Dann, nicht zufrieden, stürzte sich Isabella auf sie, ihre Nägel kratzten über Leas Wange.

Schmerz, scharf und stechend. Lea stolperte zurück, ihre Hand flog zu ihrem Gesicht und spürte das warme Rinnsal von Blut.

„Was zum Teufel geht hier vor?!“

Maximilians Stimme, wie ein Donnerschlag.

Er war da, stand am Eingang des Cafés, sein Gesicht eine Maske der Wut. Er schritt auf sie zu, seine Augen loderten.

Er würdigte Lea keines Blickes. Er ging direkt auf Isabella zu und packte ihren Arm mit eisernem Griff.

„Bist du wahnsinnig, Isabella? Sie in der Öffentlichkeit anzugreifen?“

„Sie hat mich provoziert, Maximilian!“, kreischte Isabella und versuchte, ihren Arm zu befreien. „Sie hat dich beleidigt!“

Maximilians Augen huschten endlich zu Lea, zu dem Blut auf ihrer Wange. Ein Muskel zuckte in seinem Kiefer.

Er blickte zurück zu Isabella, seine Stimme gefährlich leise. „Verschwinde. Sofort.“

Isabella starrte ihn an, ihr Gesicht eine Mischung aus Wut und Unglauben. „Aber Maximilian …“

„Raus!“, brüllte er.

Isabella sah zum ersten Mal wirklich erschüttert aus. Sie riss ihren Arm los und stürmte aus dem Café.

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Die Rache des Phönix

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