Kapitel 3

Cadence trat in den riesigen begehbaren Kleiderschrank.

Sie ignorierte die endlosen Reihen pastellfarbener Chanel-Kostüme und züchtiger Kleider, die Franklin gekauft hatte, um sie zur perfekten, langweiligen Mueller-Ehefrau zu formen.

Sie kniete sich hin und zog den doppelten Boden der untersten Schublade auf.

Ihre Finger fuhren über das biometrische Schloss eines eleganten, schwarzen Kohlefaserkoffers.

Er klickte auf.

Darin lagen vier Pässe aus verschiedenen Nationen, eine taktische Handfeuerwaffe mit Schalldämpfer und ein schwarz-goldener USB-Stick mit der Gravur eines Schmetterlingstotems.

Sie warf einige ihrer ältesten Kleidungsstücke aus der Zeit vor ihrer Ehe zusammen mit dem Koffer in eine Reisetasche.

Für den erstickenden Luxus dieses Raumes empfand sie absolut nichts.

Als sie durch die Mitte des Wohnzimmers zurückging, blieb sie vor einer riesigen Kristallskulptur stehen.

Es war ein millionenschweres Stück, das sie an ihrem ersten Hochzeitstag bei einer Auktion ersteigert hatten.

Sie starrte auf das makellose Glas und erinnerte sich daran, wie Franklin der Presse erzählt hatte, es symbolisiere ihre reine, unzerbrechliche Verbindung.

Eine Welle heftiger Übelkeit stieg ihr in den Hals.

Cadence hob die Hand und stieß den schweren Kristall vom Sockel.

Der ohrenbetäubende Krach hallte durch das Penthouse.

Millionen von Dollar zersprangen in messerscharfe Splitter, die sich in den unbezahlbaren Perserteppich bohrten.

Der Nachtbutler eilte aus dem Flur, und bei dem Anblick der Zerstörung wich ihm alle Farbe aus dem Gesicht.

Der Butler öffnete den Mund, um etwas zu sagen, aber Cadence drehte langsam den Kopf.

Ihre Augen waren so eiskalt und leer, beraubt von jedem Funken der sanften Wärme, die er drei Jahre lang gekannt hatte, dass der ältere Mann seine Worte hinunterschluckte.

Es war, als blickte er in das Gesicht einer völlig Fremden, und die schiere, unnatürliche Fremdheit ihres Blicks ließ ihn fassungslos erstarren.

Cadence stieg über die glitzernden Trümmer.

Sie zog ihr Handy hervor und wählte die private Nummer von Elena Rostova, der rücksichtslosesten Scheidungsanwältin in Manhattan.

„Sorgen Sie dafür, dass die formelle Scheidungsvereinbarung um acht Uhr morgens auf Franklin Muellers Schreibtisch liegt", befahl Cadence in einem Tonfall, der keinen Raum für Verhandlungen ließ. „Keine Mediation."

Sie legte auf und ging zum privaten Aufzug.

Ihr Daumen drückte gegen den Scanner. Die Stahltüren glitten auf.

Sie trat ein und sah zu, wie die Stockwerksnummern schnell fielen.

Mit jedem Stockwerk, das sie nach unten fuhr, sprangen die unsichtbaren Ketten um ihren Hals eine nach der anderen auf.

Der Aufzug kam mit einem Gong in der unterirdischen VIP-Garage an.

Ein tiefschwarzer, gepanzerter Range Rover stand mit laufendem Motor auf ihrem privaten Parkplatz, der Motor schnurrte wie ein eingesperrtes Raubtier.

Die Fahrertür öffnete sich.

Ein großer Mann in einem schwarzen, taktischen Trenchcoat stieg aus.

Ronan Daly, ihr vertrauenswürdigster Agent im Untergrundnetzwerk, nahm ihr mit einem knappen Nicken die Reisetasche aus der Hand.

„Boss", sagte Ronan mit leiser Stimme. „Das Chase-Anwesen wurde gesäubert. Niemand wird Ihre Bewegungen verfolgen können."

Cadence nickte kurz und glitt auf den Rücksitz.

Die getönten Scheiben fuhren hoch und schirmten sie von der feuchten, kalten Luft der Garage ab.

Um 2:00 Uhr morgens fädelte sich der Rover in die neonbeleuchteten Adern von Manhattan ein.

Cadence lehnte ihren Kopf gegen die lederne Kopfstütze und schloss die Augen.

Ronan warf im Rückspiegel einen Blick auf ihr blasses Gesicht.

„Soll das medizinische Team wegen des Kontakts mit dem Wasser in Bereitschaft sein?", fragte er leise.

Cadence riss die Augen auf, und ein Blitz rücksichtsloser Energie brannte in ihren Iriden.

„Nein", befahl sie. „Fahren Sie direkt zum Studio in Greenwich Village."

Sie musste jemanden sehen.

Jemanden, der die demütigende Narbe, die auf ihrem Rücken brannte, dauerhaft entfernen konnte.

Zurück im Penthouse hatte der laute Krach Franklin endlich aus der Gästesuite getrieben.

Er stand am oberen Ende der Treppe, sein Seidenmantel lose gebunden, sein Gesicht eine Maske finsteren Zorns.

Er starrte hinab auf den zerborstenen Kristall und den zitternden Butler.

„Was ist passiert?", forderte Franklin, und seine Stimme hallte gefährlich wider.

Der Butler deutete mit zitterndem Finger auf den privaten Aufzug. „Die gnädige Frau ist ... gegangen, mein Herr."

Franklin nahm die Stufen zwei auf einmal, während seine Lederslipper über das zerbrochene Glas knirschten.

Seine Augen überflogen den Raum.

Die zerknüllten Papiere mit der Scheidungsabsicht waren verschwunden.

An ihrer Stelle lag genau in der Mitte des gesprungenen Glas-Couchtisches der riesige Saphir-Verlobungsring.

Das Symbol der Mueller-Matriarchin, weggeworfen wie Müll.

Franklin riss den Ring vom Tisch.

Seine Faust schloss sich so fest um das Metallband, dass sich die Krappen tief in seine Handfläche bohrten und Blut hervorquoll.

Eine heftige, unerklärliche Welle aus Panik und Wut schlug ihm gegen die Brust.

Er griff nach seinem Handy und wählte ihre Nummer.

Eine kalte, automatisierte Frauenstimme antwortete: „Die von Ihnen gewählte Nummer ist nicht mehr vergeben."

Franklins Arm schnellte zurück, und er schleuderte das Handy mit voller Wucht gegen die Wand, wo es in tausend Stücke zersprang.

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Die Narbe, die er mir gab – Die Königin, die ich wurde

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