Kapitel 3
LYRA POV:
Der Tanz endete, und Lucian, mit Elara an seinem Arm, ging direkt auf mich zu. Sein Gesicht war eine Maske kühler Arroganz.
„Lyra“, sagte er mit abfälligem Ton. „Du solltest kommen und Elara begrüßen. Sie ist schließlich die zukünftige Prinzessin dieses Rudels.“
Ein kaltes, scharfes Lachen entfuhr meinen Lippen. Der Klang durchbrach das nahe Geplapper, und mehrere Köpfe drehten sich zu uns um.
„Prinzessin?“, wiederholte ich, meine Stimme triefte vor Sarkasmus. „Soweit ich weiß, ist sie nur eine Bastardtochter, die mein Vater noch nicht offiziell anerkannt hat. Die Rudelältesten haben es jedenfalls nicht.“
Die Luft um uns herum wurde still. Elaras Gesicht wurde blass, und Lucians Kiefer spannte sich an.
„Pass auf deine Zunge auf, Lyra“, zischte er, seine Augen blitzten vor Wut. „Du bist nur eifersüchtig.“
„Eifersüchtig?“ Ich trat einen Schritt näher, meine Stimme wurde lauter. „Du hast mir gesagt, du hasst diese Feiern. Du hast mir gesagt, du wärst nicht gut genug, um mit mir gesehen zu werden, dass du nicht wolltest, dass die Ältesten reden. Du hast dich fünf Jahre lang geweigert, an meiner Seite zu stehen.“
Ich deutete auf die Tanzfläche. „Aber jetzt? Jetzt tanzt du den Eröffnungswalzer mit ‚ihr‘? Du hast dein Versprechen an mich gebrochen, Lucian.“
„Mach keine Szene“, warnte er, seine Stimme tief und bedrohlich. „Ich brauche Elaras … Hilfe. Um meine Position zu festigen.“
Die Ausrede war so erbärmlich, so beleidigend, dass etwas in mir zerbrach.
„Ihre Hilfe?“, spuckte ich aus, die Worte schmeckten wie Gift. „Was könnte sie denn bieten? Sie ist die Tochter von Vexia, einer dreckigen Streunerin, deren Blutlinie so schmutzig ist wie der Schlamm, aus dem sie gekrochen ist!“
Wut explodierte auf Lucians Gesicht. Bevor ich überhaupt reagieren konnte, flog seine Hand durch die Luft.
KLATSCH.
Der Klang hallte in der plötzlichen Stille der Halle wider. Die Wucht des Schlages ließ mich einen Schritt zurückstolpern, meine Wange brannte mit einem feurigen Schmerz. Aber der körperliche Schmerz war nichts im Vergleich zu der Qual, die meine Seele zerriss. Ein Gefährte, der einen anderen schlägt, ist der ultimative Verrat, eine Verletzung des heiligen Bandes, das von der Göttin gegeben wurde. Die Verbindung zwischen uns zerbrach und sandte eine Welle von Übelkeit und Herzschmerz durch mein ganzes Wesen.
Ich starrte ihn an, meine Sicht verschwamm von unvergossenen Tränen. Mein Gefährte. Der Mann, den ich liebte. Er hatte mich geschlagen. Für sie.
Mein Herz zerbrach nicht einfach nur. Es zerfiel zu Staub.
Ich blickte in seine wütenden Augen und sprach mit einer Stimme, die zitterte, aber nicht brach, die mächtigsten und verdammendsten Worte aus, die ein Werwolf sprechen kann. Die Worte, die alles verändern würden.
„Ich, Lyra Falk, verstoße dich, Lucian Schmidt, als meinen Gefährten.“